Demen(z)

Lieber Tagesbuch,

war in der Antike ja die Mehrzahl von Demos – dem Volke. Auf der Quadriga könnte demnach also auch stehen: Dem deutschen Demos. Aber dann würden die meisten es ja wieder nicht verstehen. Oder an der Grammatik rummäkeln. Also doch besser: dem deutschen Volke(r)! In seiner Demenz. Vergesslich ist er nämlich. Vielleicht sogar Gott-sei-dank? Man weiß es ja nicht…

Machen wir mal einen kleinen Schwenk in die Geschichte.

Noch vor nicht allzu langer Zeit, da gab es mal Könige und Fürsten, Kaiser und den gesamten Adel mit der dazugehörigen Kaste der Religionsvertreter, die Kurie. Die hatten alle mehr oder weniger Privilegien und in Gesamtheit sind sie alle gut damit gefahren, dass nur einer, der König, das Sagen hatte.

Das nannte sich Monarchie. Noch weiter zurück war es der berühmte Cäsar, von dem sich ja auch unser deutscher Kaiser ableitet. Jetzt vom Namen her…

Und diese tolle Monarchie war vererbbar und von Gottes Gnaden geschenkt. Also irgendwie unabänderlich. Man musste auch irgendwie nix großartiges können oder so. Am Anfang vielleicht, da hat man dann in großen Schlachten (kann der Mensch ja am besten) bewiesen, was für ein toller Herrscher man doch war.

Dann kam irgendwann (grooooosser Sprung, erschreckend wie lange Menschen sowas mit sich machen  lassen…) die Aufklärung und mit ihr wurde den meisten, nachdem der riesige Brocken im Auge verschwunden war, richtig schlecht. Bei einigen verschwand der Brocken auch endlich von der Kette am Bein.

Erkannten die Bürger nun plötzlich doch, dass sich praktisch alle an ihnen bereicherten. Der König, der Adel, die Kurie – irgendwie alle wollten ihren Anteil ohne auch nur einen Finger krumm zu machen. Nur der dumme Bürger, seit jeher Sklave seines Herrn, der musste auf dem Felde ackern und für alle den Ertrag irgendwie erwirtschaften. Fast wie heute? Moment, da kommen wir noch dazu…

Also gab es dann irgendwann zwangsläufig eine Revolution. Erstmalig irgendwie in Amerika (auch wenn ich damit zigtausend Revolten unterschlage, ich weiß)– da wollte man einfach nix mehr mit England zu tun haben und hinterher auch mit den Sklavenhaltern. Und den Tee schon mal gar nicht. Von wegen abwarten und Tee trinken. So etwas gefällt dann den Herrschern gar nicht – also schreitet man ein und schlägt mal wieder Köpfe ein. Lieblingsbeschäftigung wenn kein Fußball läuft.

Selbst in Frankreich ging es los. Hier war es dann schon eher eine Revolution des Volkes. gegen ‚die da oben‘. Proletarier gegen Nutznießer…äh…Aristokraten.

Da wurde dann ganz revolutionär ein jeder einen Kopf kürzer gemacht. Schließlich sogar die Revolutionäre selber. Und dann, upsala, kam plötzlich Napoleon und wollte wieder König bzw. Kaiser sein. Ging auch eigentlich ganz gut, aber irgendwie haben ihn die anderen Staatsfürsten nicht anerkannt. War er doch ein dahergelaufener niederen Ranges. Also musste man ihm sein Waterloo bereiten. Ich eile, du bemerkst es.

Zwischenstation war dann der deutsche Frühling – und die Revolution fraß sich durch ganz Europa. Zum Schluss landeten alle irgendwie beim Parlament. In dem viel geredet und beschlossen wurde. Alles war, so schien es, gut. Die Macht war wieder bei einigen wenigen – aber immerhin hatten diese jetzt Ahnung von der Materie und alles war auf dem richtigen Weg. Sollte man meinen.

Bis man sich nicht mehr vertrug und wieder bei den Stöcken und Köpfe einschlagen landete. Half ja immer mal wieder. Zumindest war es ein Konzept, welches zigtausend Jahre lang erfolgreich war. Und Gründe gab es ja immer welche. Notfalls konnte man die ja auch ganz gut erfinden…hält sich ja ebenfalls bis in die Neuzeit, diese Idee.

Nach der richtig großen Schlachterei ging man wieder zur Tagesordnung über, die einen waren fortan die guten, die anderen die bösen. Je nach Hauptstadt mal so oder anders herum. Hauptsache man hatte ein Parlament oder einen Debattierclub der sich so ähnlich nannte – dann konnte man zumindest sicher sein, nicht mehr in einer Monarchie zu leben.

Gut. Von dort zur Diktatur ist es nur ein Katzensprung – in beiden Fällen.

Aber solange man alle paar Jahre wählen durfte, waren scheinbar alle zufrieden. Schon seltsam, aber wahr.

Und dann kam irgendwann der Berufspolitiker auf den Plan. Mein Liebling. Von nichts wirklich Ahnung, noch nie im Leben richtig was gearbeitet oder vollbracht – und darum überall einsetzbar. Ist ja eigentlich ständiger Laie. Nicht von der, versteht sich. Muss man sich keine Sorgen machen. Macht sowieso nix, weil er ja keine Ahnung hat. Also macht er , im Normalfall, auch nix kaputt. Und wie schon erwähnt: überall einsetzbar!

Mal als Familienminister. Dann als Verteidigungsminister, oder als Finanzminister, notfalls eben auch als Landwirtschaftsminister. Zum Schluss sogar als Präsident oder Kanzler. Natürlich alles auch in der weiblichen Form. Austausch- und verhandelbar.

Leider auch weiterhin keinen Plan aber überall ein Wort mitzureden. Und große Reden schwingen. Und in der Öffentlichkeit entrüstet, betroffen oder gar bestürzt sein. Seinen Protest ausdrücken. Und klar Stellung beziehen. Sich gegen eine Entscheidung stemmend. Und natürlich nur seinem Gewissen verpflichtet. Fraktionszwang? Existiert doch nicht…auch wenn er real ausgelebt wird. Nirgendwo dokumentiert und darum auch nicht verfolgt. Wie das NSA-Spektakel oder vergleichbare andere Skandale. Werden in den letzten 10 oder 20 Jahren einfach aus gesessen. Hat schon der Vorgänger so gemacht und der Vorgänger…und et lief! Alles grün!

Fragt sich nur…wofür?

Sind die Skandal-Politiker nicht unnötig wie ein Kropf? Wofür irgendwelche Hanseln bezahlen, wenn man heute ganz gut ohne aus käme? Unnötige Steuergelder, die da in den Plenarsälen verbraten werden. Sagst du, wo kämen wir denn da hin? Tja…

Früher ist das Volk auf die Straße gegangen. Demos eben.

Heute schaut man gelangweilt zu – wenn es hoch kommt, gerade noch die Tagesschau. Der Großteil schaut gar nicht mehr hin und macht lieber PAAADY!

Und wozu führt es? Immer mehr von diesen berufenen Politikern, immer mehr von denen, die keine Ahnung haben. Immer weniger Fachwissen, immer mehr Lobbyisten, immer mehr Korruption und immer weniger Demokratie.

Zwangsläufig.

Und wen interessiert‘s?

Mich. Ehrlich.

Ich mache mir Sorgen.

Um das Überleben der Sumpfdotterblume. Um das Überleben der Amphibien, der Vögel, der Säuger.

Um das Überlebend der Intelligenz in der Politik.

Alles vom Aussterben bedroht.

Die Liste der bedrohten Arten muss ergänzt werden.

Und ich wäre dafür, sowohl Greenpeace als auch Amnesty oder Ärzte ohne Grenzen einzuschalten.

Rettet das Volk! Vor seinen Schlächtern…wir haben uns zum Ende hin komplett selber weg revolutioniert. Nur ganz ohne Guillotine. Nur mit einem kleinen Kasten. Vor dem alle Hocken. Prima. Schöne neue Parallelwelt…

Es lebe das TV! Es lebe das Internet! Die Zerstreuung, die Unwissenheit!

Noch nie war Diktatur so simpel…ääääh…was war noch mal Diktatur?

Frau Müller, zum Diktat bitte! Ach, die guckt grad DSDS? Dann will ich die mal nicht weiter stören…

Hab schon wieder vergessen, was ich eigentlich noch sagen wollte…Demenz halt.

WEISSE BESCHEID, ne?

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