Vorgezogene Weihnachten

Lieber Tagesbuch,

jedes Jahr um diese Zeit isset doch datt gleiche: gehse einkaufen und gucks inne Regale, watt findest du?

Richtig – Lebkuchen, Dominosteine und allerlei Zeug, datt eigentlich erst auf den Weihnachtstisch gehört und in diesen Monaten eigentlich noch gar nich in den Laden passt…

Anfang September wohlgemerkt. Manchmal, wenn das Wetter nicht so ganz warm is, auch schon im August.

Da packt man sich doch an den Kopp.

Um den Lebkuchen in datt Fressbrett zu kloppen.

Oder um staunend festzustellen: in 3 Monaten is schon widda soweit!

Gut, wenn man will, kann man Lebkuchen und Spekulatius eh schon datt ganze Jahr bekommen, also Junkies wissen sich da schon zu helfen. Aber datt ganze schon so früh im Jahr…datt macht einem dann doch ein schlechtes Gewissen.

Hat man ja noch nich alle Geschenke beisammen, so mitten im Jahr.

Aber wäre ja auch noch etwas Zeit.

Trotzdem stellt sich das ungemütliche Gefühl schon ein. Was schenke ich wem in diesem Jahr?

Wo bekomme ich datt allet her? Und wie überzeuge ich meinen Chef, dass ich dringend mehr Kohle benötige? Und woher bekomme ich die ganze Zeit um in den Geschäften zu stöbern?

Gut, bei Männern jetzt eher nicht so, deren Verweildauer beschränkt sich ja beim Einkauf der Geschenke auf den 23.12. des jeweiligen Jahres – gegen 11 bis 12 Uhr an dem entscheidenden Vormittag. Wobei eine halbe Stunde schon für datt parken draufgeht. Also bleiben exakt 15 Minuten für alle Einkäufe – Wegzeiten jetzt mal ausgeklammert. Gut, datt die Läden bis halb eins aufhaben. Halbe Stunde geschenkt – denkt sich der Mann. Und steht eine halbe Stunde später auf. Is ja bald Weihnachten…also keinen Stress!

Und der komplette Aufbau im Laden – datt is eben wie vorgezogene Weihnachten, im Sommer, versteht sich. Leidet man schomma die nächsten 3 Monate – kann sich aber die Leidenszeit ja auch versüßen. Und dann wieder ein schlechtes Gewissen haben wegen der zusätzlichen Pfunde. Na gut, bis zum nächsten Badeurlaub ist noch etwas Zeit, da kann man ja den Astralkörper noch rechtzeitig stählen. Dennoch.

Ich muss sagen: ich finde das echt zu früh.

Da blinzeln draußen noch mal die 30 Grad auf – und im Laden muß runtergekühlt werden, damit das ganze Zeuch nich wegschmilzt.

Kann man sich ja noch ein wenig extremer vorstellen, in dem der Einzelhändler direkt 3 oder 4 Regale mit Dauerkollektion aufstellt. So Weihnachten schon ab dem 01.01. des neuen Jahres. Im Weihnachtsregal. Direkt daneben das Osterregal und die Halloween-Aufbauten. Pfingsten nicht zu vergessen. Ach und natürlich Valentines…warum hören wir nicht mit der ganzen Scheinheiligkeit auf und nennen es beim Namen? Tag des Parfüms. Oder der Blume. Oder des neuen Sportwagens. Kommt halt auf die zur Verfügung stehende Kohle an.

Um gezz auch political correct zu sein, seien natürlich auch Jom Kippur und das Zuckerfest, der Karneval in Rio und die Star Wars Convention erwähnt. Ganz abgesehen von dem indischen Farbenfest wo mir gezz der Name widda nich einfällt. Finde ich übrigens besser, als sich bekloppt zu machen wegen allem. Sich Farbbeutel an den Kopf zu werfen. Top!

Und so ähnlich wie ich datt hier schon andeute, so fangen die ja jetzt schon damit an. Zumindest im Radio am frühen Morgen.

Letztens war Tag des Klopapiers. Frage ich mich doch glatt, wann ist Tag des Topflappens oder der Briefmarke?

Kann man sich also fast schon selber aussuchen, wann man den entscheidenden Tag des Jahres feiert! So mitten im Juli Bescherung! Wenn et dann schneit hat man wenigstens eine schöne…

Hat man also sozusagen das gesamte Jahr Weihnachten. So wie mancher Hintern früher datt ganze Jahr über Kirmes hatte. So rein von der Versohlung her. Kennste nich? Stimmt, du warst ja immer einer der ersten, die rein mussten wenn allabendlich die Kinder rein gerufen wurden.

Ist ja heute deutlich komfortabler – whatsapp an die gesamte Gruppe und schon stehen die auf der Matte. Wenn die überhaupt datt Haus und die Playsie verlassen haben.

Ne, watt war datt schön.

Verstecken spielen und dann feststellen müssen, dass man sein Versteck soooo gut gewählt hatte, das man überhaupt nicht gefunden wurde. Durfte man dann abends allein nach Hause. Waren ja schon alle daheim. Spielende nicht miterlebt sozusagen.

Oder Seilchenspringen. Gut, hat man jetzt als Junge keine so gute Figur abgegeben – aber watt hat man nicht alles für die Frauen getan? Sich zum Affen gemacht. Schon mit 8!

Oder datt mit den Kästchen. Fällt mich grad der Name auch nich mehr ein. Aber war auch spassig.

Was will ich dir damit sagen? Na, wir waren damals von 24 Stunden, abzüglich Schlaf, gute 16 Stunden draußen auf den Beinen. Und haben den ganzen Tag miteinander gespielt. So in etwa, wie Frauen beim einkaufen der Geschenke. In etwa. Verteilt auf das Jahr. Also auf 12 Monate. Jeden Tag. SO in etwa…

Heute sehe ich kaum noch Kinder draußen auf dem Spielplatz.

Gut, liegt jetzt auch daran, dass wir allgemein ja nicht mehr so der Vermehrung huldigen. Aber die, die es dennoch tun -. deren Kinder sieht man nicht.

Spielplätze, die zwar absolut klasse und total auf Vordermann gebracht wurden – die aber kaum jemand nutzt. Wenn et nich gerade der Hund zum kacka machen is.

Dat mit dem Spillek is so, wie mit dem Lebkuchen im September.

Brauch man nich – aber is schon schön wenna da is…wié sachte der Lothar im TV, darauf angesprochen, ob man denn seine kleinen Kaninchen auch mal draußen auf dem Rasen in einen süßen Käfig setzen kann? Kann man machen – bringt aber nix!

WEISSE BESCHEID, ne?

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