Der mechanische Fernseher

Lieber Tagesbuch,

feiert seinen 90. Geburtstag. Was mit einer einfachen Lochscheibe und einer bunten Puppe begann, das endet, zumindest bis gestern, mit Kasalla im Dschungelcamp. Heute eher besinnliche Gedanken zum 90. Geburtstag der liebsten Erfindung der Menschheit nach dem Wasserklosett.

Stellt sich einem so ganz allgemein die Frage, liegt es vielleicht an der Lochscheibe, dass viele Sendungen ein solches Loch im Kopf hinterlassen – oder war das Loch schon vorher da und muss nur gefüllt werden? In vielen Fällen ertappt man sich beim nächsten Griff in die Chipstüte bei dem Gedanken: ‚warum eigentlich schaue ich mir das an‘?

Automatisch halt – oder ist es in Wirklichkeit das Unterbewusstsein, welches sich durch die bunten Bilder auf der Mattscheibe derart gelangweilt abwendet und in letzten Zuckungen, vor dem dahinscheiden in seelischer Umnachtung, diese Frage in das Bewusstsein entlässt.

Haben Wissenschaftler ja in den letzten Jahren durch MRT-Aufnahmen festgestellt, dass die einzelnen Entscheidungen des Menschen schon Millisekunden, bevor sie scheinbar ‚bewusst‘ entschieden werden, durch das Unterbewusste bewertet und in der Folge auch bestimmt werden. Da hat man quasi gar keinen Einfluss darauf – darum kauft man sich dann eine Blöd am Kiosk.  Oder schaut RTL2. Oder wählt…

Heißt die Mattscheibe eigentlich darum so, weil alles im Menschen ermattet, selbst die Gegenwehr? Wo wären wir ohne Big Brother, DSDS, GZSZ? Warum eigentlich weiß jeder, der diese Kürzel hört, worüber ich hier schreibe? Warum liest keiner die Blöd und weiß dennoch über die Schlagzeilen Bescheid – alles unterbewusste Käufe, verdrängt vom Ich, versteckt vor dem eigenen Bewusstsein? Macht es einfacher, viele Entscheidungen im Leben zu verstehen bzw. nachzuvollziehen. Da bekommt der kalte Krieg endlich einen Sinn. Oder die Mauer. Die war ja, so Ulbricht, auch gar nicht beabsichtigt. Ist quasi unterbewusst gemauert worden. Von mechanischen Maurern. Die das auch nicht wollten. Geschweige denn gewusst oder gar bewusst wahrgenommen haben. Ist ja darum auch so lang geworden. Hat ja keiner Stopp gesagt…so richtig bewusst. Das Politbüro war ja zu diesem Zeitpunkt schon wieder mit dem neuen 5-Jahres-Plan beschäftigt…

Liegt es in der Natur des Menschen, sich mit den ganzen Banalitäten des Lebens lieber abzugeben, als über die gesamte Menschheit und deren drängende Probleme nachzudenken und dabei vielleicht sogar Lösungen zu finden?

Was stört mich schon eine Erwärmung des Planeten, wenn ich im Januar im Garten endlich meinen Geburtstag feiern kann! In kurzen Hosen und T-Shirt! Endlich…habe ja auch lang genug drauf gewartet. Grill angezündet und das Fass anstechen!

Währenddessen, in einem anderen Teil des Felsbrocken im All: Schneesturm! Und im Radio die sinnige Bemerkung, dieser wäre sogar mit Schnee und viel Wind. Ja sag mal. Wie kann das denn? Ein Sturm mit Wind? Und noch dazu Flocken? Ach. Stimmt. Wir haben ja noch Winter. Und im Radio sitzen eben auch nur Menschen mit 32 Knochen mehr im Kopf. Mechanisches Gehirn.

Zumindest in anderen Teilen der Welt. Wenn man mal vom heimischen Wohnzimmer ausgeht.

Ich gebe es zu – ich bin froh mich abends mit Irrsinn berieseln lassen zu können. Oder, falls ich es möchte, mir hochgeistiges oder kulturelles oder feinsinniges oder nachdenkliches anzuschauen. Ich habe die freie Wahl. Gut, nicht alles ist hochqualitativ. Aber 2 Tonnen Würmer – das hat was. Wann hat man schon die Gelegenheit im Leben, die alle auf einmal zu sehen?

Im Dschungel selber war ich noch nicht – und ich bin auch so spät am Abend nicht dabei. Da liege ich schon im Bett und lese mich durch die Welt.

Auch eine Form der Kommunikation. So mehr mit sich selber. Scheinen sehr viele Menschen zu benötigen, sonst wären die Verkaufszahlen einschlägiger trivialer Literatur nicht so hoch!

Ob also nun atomarer oder gefühlskalter Winter sei mal ganz dahingestellt. Tut sich ja nicht viel in der Unterscheidung. Wenn man nicht mehr miteinander redet, dann ist Kommunikation immer sehr schwierig. Wie bei mir und meinem Buch!

Außer, die Kommunikation läuft nur noch über die Medien ab. Nennt sich dann Propaganda. Wobei die Vorsilbe Pro hier ja schon fehl am Platz ist, nimmt sie einen doch positiv im Voraus ein.

Eigentlich, um möglichst objektiv zu bleiben, ist es ja Paganda. Dies wiederum versteht aber keiner – zumindest wäre es ein neues Unwort für die Gesellschaft für deutsche Sprache. Und weckt Assoziationen zu Pangäa – den Urkontinent.

Also hören wir uns die Paganda der jeweiligen Seite an. Und sehen Bilder über den angeblichen oder tatsächlichen Terror des Tages. Ein Autofahrer terrorisiert seine Mitmenschen mit Abgasen. Ein anderer treibt seinen Terror in der gesamten Nachbarschaft in dem er mit lauter Musik sinnlos durch die Gegend fährt. Also fast so wie der mobile Musikantenstadel. Den man bei uns sehr gut Nachmittags auf der A40 beobachten kann. Stop and go in seiner feinsten Ausprägung.

Alles ist Terror. Und überall ist Terror. Keine Kriege mehr ohne die zugehörige terroristische Miliz.

Und wir immer live dabei. So daß man wunderbar abstumpft und nur noch milde lächelnd den ‚Vogel des Jahres‘ oder die ‚Schnecke der Woche‘ wahrnimmt. Bunt gemixt mit Kochshows und wunderbaren Selbstfindungssendungen a la Dschungelcamp.

Da sag mir einer, das Fernsehen sei tot. Dass sich die Jugend immer weiter ins Netz verlagert und gerne streamt ändert ja nichts an der Tatsache, dass der Normalbürger mechanisch am Abend den Knopf auf der Fernbedienung drückt.

Nicht, dass ich das verurteilen würde, sehe ich doch selber gern Krimis oder Unterhaltung bzw. Comedy.

Aber es ist schon verrückt, wie sich unsere Gesellschaften in den letzten 100 Jahren gewandelt haben. Und wie viel Unsinn den Tag über durch Menschen produziert wird.

Stell sich mal einer vor, es ist Revolution und die Fernsehsender berichten über die 3 Terroristen. Und alles schaut gebannt zu. Auf dem heimischen Sofa. Mit dem Popcorn.

Wer ist nun ärmer dran? Der, der den Unsinn erschafft oder der, der es sich auch noch ansieht?

Ganz oft habe ich mir eine Lochscheibe gewünscht, die den Mist wegfiltert. Und dann kamst du.

Und mal ganz ehrlich: ein mechanischer Fernseher, hört sich für mich eher nach einem Roboter an, der sich durch das Programm zappt. So wie die Rundfunkintendanten. Oder der deutsche Michel.

WEISSE BESCHEID, ne?

 

 

 

 

 

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Unvermögen

Lieber Tagesbuch,

 

ist laut einer neuen Studie des Bundesfirlefanzministeriums sehr gleich verbreitet in der Bananenrepublik Schlaand.

Entgegen den bisherigen Vermutungen, dass das Vermögen in direkter Weise mit dem Unvermögen in Korrelation steht, haben Wiesenschaftler nun herausgefunden, dass das Unvermögen proportional zur Machtfülle wächst.

Erste Studien ergaben bereits im Altertum zarte Hinweise auf die direkte Verbindung zwischen Macht und Ohnmacht. Schon Moses war nicht in der Lage, selber das Wasser zu teilen: er brauchte einen Gott dafür. Dass dieser dann auch gleich noch mit Geboten um die Ecke kam, lief nach dem Motto: die Geister die ich rief…

Das Unvermögen zieht sich aber weiter wie ein roter Faden durch die Menschheitsgeschichte. Angefangen bei eben diesem Gott, der nicht in der Lage war, eine fehlerfreie Kopie seiner selbst zu erstellen (das Klonen war kurz nach dem Urknall noch in den Kinderschuhen – und der Tinnitus nach dem großen Knall hat auch sein übriges getan) bis hin zu Shakespeare, der nicht in der Lage war, die Frage nach dem Sein oder Nichtsein zu beantworten. Er war ja auch kein Gott, der einfach so mal eben alles aus dem Nichts erschaffen hat. Obwohl die Zentralbanken heutzutage auch Geld aus dem Nichts erschaffen können. Aber das ist ein anderes Thema.

So war es eben auch Gilgamesch nicht möglich, den Tod des Enkidur, oder Hannibal, trotz Elefantenrunde über die Alpen, letztlich die Niederlage von Karthago zu verhindern. Obwohl beide Vermögend und sicherlich auch mit Macht versehen waren. Nutzt halt nix wenn man nicht die richtige Idee hat.

Denn Unvermögende gibt es ja zu Tausenden.

Die können morgens schon nicht aufstehen, weil sie in der Nacht nicht schlafen konnten. Dann können sie nicht frühstücken, weil sie ja am Vortag auch nicht einkaufen konnten.

Gleiches gilt aber dann auch für sämtliche Mahlzeiten des Tages. Und können sich auch nicht anziehen, weil sie sich vor dem Schrank auch nicht entscheiden können.

Und können deswegen nicht arbeiten gehen, weil nackt geht ja nun auch nicht.

Und aus Sorge um einen möglichen Job können sie nachts nicht schlafen.

Darüber können sie auch mit niemandem sprechen – weil keiner da ist, der sich das anhören würde. Und schließlich fällt es auch niemandem so wirklich auf. Weil all die anderen ebenfalls unvermögend sind. Ein Teufelskreis.

Auch wenn man sich fragt, warum da jetzt wieder direkt solch ein Aberglauben im Spiel sein muss. An den Schwefeltypen glaubt doch nicht wirklich noch jemand, oder? Irrsinn. Und das im 21. Jahrhundert. Aber da gibt es ja noch ganz andere Dinge, an die Menschen so glauben. Ich sage nur Lichtenergie. Oder Demokratie.

Ich vermag mir nicht auszumalen, wo dies alles noch hinführen wird.

In ein paar hundert Jahren werden alle so abhängig von kleinen, süßen Robotern sein, dass selbst lesen und schreiben wieder komplett verlernt sind. Das ist keine Prognose sondern nur die Fortführung des Jetzt in die Zukunft. Sag ich mal so.

Vor etwa 10 Jahren war die normale U-Bahnfahrt noch von vielen lesenden Menschen begleitet. Bücher. Nicht Whatsapp. Also INHALT nicht AUFENTHALT waren maßgeblich.

Aber was soll es schon?

Spätestens mit der Vorstellung, dass irgendwann in weiter Ferne keiner mehr weiß, was die Warnhinweise an den Stollen zu den atomaren Giftfässern zu bedeuten haben und man eher glaubt, dass es sich hier um was ganz mega-tolles handelt, welches man unbedingt sofort ausbuddeln muss, um dort schnell mal reinzuschauen…spätestens dann wird einem klar: Knappe Zwanzigtausend Jahre soll der strahlende Dreck dort unter der Erde liegen? Is klar. Ihr seid mir echte Spaßvögel.

Wahrscheinlich können eben diese dann bereits ohne Motoren fliegen.

Und die echten Vögel (wegen der Mutationsraten in der unmittelbaren Nähe von radioaktiven Fässern) können dann sprechen.

Und lesen sich gegenseitig die Bedienungsanleitungen für ihre fehlgesteuerten Menschen vor.

‚Meiner kackt immer in den Käfig!‘

‚Ja, bei Menschen ist das ja auch immer gleich so ein riesiger Haufen! Musst ihn vegan ernähren, dann stinkt es zumindest nicht so doll…‘

‚Ja du hast gut zwitschern, woher nehmen? Bio und vegan ist mir zu teuer, ich kann nur zum Vogli!‘

‚Tja, hättest du mal besser aufgepasst und nicht immer dazwischengeträllert…dann wärst du heute ein hohes Tier! Ein Saat-Sekretär oder so…‘

‚Ach, was soll es schon. Muss ich halt weiter von meinem Mindestlohn leben und zusehen. Zumindest gibt es in meiner Stadt noch keine Menschensteuer wie bei euch…‘

Wir verlassen diese zukünftige (?) Diskussion und wenden uns wieder der unmittelbaren Gegenwart zu.

Unvermögen ist also, wenn man trotzdem einfach weiter macht.

Ohne Blick auf die Konsequenzen.

So an einem lauschigen Frühlingsnachmittag eine Atombombe in der Garage entwickeln etwa.

Oder mit 180 durch die Fußgängerzone – am Sonntag-Mittag.

Oder Geld drucken um Staatsanleihen damit zu kaufen.

Oder wählen zu gehen und sich nix dabei zu denken – und trotzdem zu hoffen, dass sich was ändert. Also das normale Verhalten des Bürgers von heute.

Wo war ich?

Genau: ob nun Gilgamesch oder Moses oder Cäsar oder wer auch immer in der Geschichte.

Probleme gab es immer schon. Und immer genug Leute mit Unvermögen, das Problem zu lösen. Wie sagte Einstein? Wenn man nur einen Hammer hat, dann sieht jedes Problem wie ein Nagel aus…

 

WEISSE BESCHEID, ne?

 

Wolle mit IQ

Lieber Tagesbuch,

damit ist jetzt nicht der übliche Schlagersänger nach einem VHS-Lehrgang gemeint – und auch nicht das Schaf, welches gemeinhin der Träger eben dieser Wolle ist. Denn bei beiden hält sich das mit dem IQ ja bekanntlich in engen Grenzen.

Nein, vielmehr Kleidung, die durch technische Weiterentwicklung unter Umständen sogar intelligenter als der Besitzer wird. Kann man also demnächst bei KIK an der Kasse darüber rätseln, ob der Wollpulli mehr Intelligenzquotient besitzt als die Mittvierzigerin, die mit ihren 2 quängelnden Kindern auf das bezahlen wartet.

Meist gehört nicht viel dazu, schließlich hat ja schon Graubrot öfter einen größeren Wirkradius als der gemeine Mitmensch. Zumindest im Darm. Dem Mitmenschen hingegen geht meist ja der Großteil des Lebens ‚am Arsch vorbei‘.

Da werden also die Kleidungsstücke mit Elektronik vollgestopft. Gut, jetzt, noch in den Kinderschuhen steckend, handelt es sich um Solarzellen die das Handy aufladen können oder bunte Lichter die auf der Anzugjacke wimmeln – oder auch um eine Heizung, die die Jacke im Winter schön wärmt. Aber wie erwähnt, dies sind ja erst die Anfänge.

Wahrscheinlich wird in nicht allzu ferner Zukunft das Handy mit der Jacke kommunizieren können. Man selber sitzt mit der Bewegungstüchtigkeit abträglichen Promillewerten an der Bar und das Handy ordert in der Zwischenzeit die letzte Runde, das Taxi und die Jacke aus der Garderobe. Und dies alles, weil die gnädige Partnerin gerade mit einer netten Nachricht unmissverständlich klar gemacht hat, dass ein ‚schlibedisch‘ bei Weitem nicht mehr ausreicht und der Heimweg unverzüglich anzutreten ist.

Beim morgendlichen ankleiden sagt einem dann der Kaschmirpulli, dass man derzeit 5 Kilo zu viel auf den Rippen hat und auf dieser Grundlage gerade eine Mitgliedschaft im Fitnessclub um die Ecke gebucht wurde.

Die Zahnbürste weist darauf hin, dass mit der neuen Creme zu viel Schmelz abgetragen wird und außerdem der nächste Kontrolltermin beim Zahnarzt fällig wird. Eine verträglichere Creme wurde bereits bestellt.

Unterdessen ergab die morgendliche Analyse der Stuhl- und Urinprobe, dass der ständige Verzehr belegter Brötchen aus dem Kantinenautomaten zu einem Anstieg beim Cholesterin geführt hat. Auch hier wird der nächste Termin beim Hausarzt unverzüglich gebucht.

Dieser ist nur wenige Minuten nach 8 darüber informiert, welche Nahrungsmittel wir in den letzten 8 Wochen zu uns genommen haben und hat ein fertig ausgearbeitetes Konzept zur Kalorienreduzierung bereits von der Krankenkasse zugesandt bekommen. In der Zwischenzeit hat das Kontrollsystem der Uhr Alarm geschlagen – zwei außerordentliche Systolen legen den Verdacht nahe, dass der Alkoholgenuss vom Vorabend nicht förderlich war.

Der Barkeeper wird darüber informiert, dass man beim nächsten Besuch auf 4 Bier und 3 Korn herunterreguliert wurde.

Bei der Gelegenheit rief Oma gerade an – sie hat durch die App auf ihrem neuen Smartphone mitbekommen, dass man den neuen Strickpulli seit Weihnachten nicht einmal getragen hat und fordert nun das Material zurück – über den geldwerten Ersatz des Aufwandes sei noch zu reden.

Kurz vor Feierabend weist der Abnutzungssensor in den Sohlen darauf hin, dass die heute Morgen angezogenen Schuhe nur noch 3 Tage Benutzung erlauben würden, dann sei ein Besuch beim Schuster nicht mehr vermeidbar. Ersatzweise könnte die Sohle auch direkt im Netz nach einem neuen, vergleichbaren Paar suchen.

Die Fahrt nach Hause wird ein Spießrutenlauf, da sämtliche am Tag empfangenen Nachrichten nun auf die Windschutzscheibe geworfen werden – durch die vielen Meetings des Tages blieb keine Zeit auch nur eine davon zu beantworten.

Die Tochter beschwert sich über die Gästeliste zur Geburtstagsparty, da sei ja nicht ein einziger dabei, der auch nur als Partner in Zukunft in Betracht kommen würde. Sie verweigert schlichtweg die Teilnahme. Außerdem habe sie noch nichts Gescheites zum Anziehen gefunden, meldet sich ihr Kleiderschrank mitten in der Nachricht zu Wort.

Die Partnerin sagt den gemeinsamen Kinoabend ab, da der Platz neben ihr von einem rechtsradikalen gebucht wurde, wie ihr gerade über das eigene Ticket mitgeteilt wurde. Da bleibt also nur ein kleiner Umweg zum Kiosk – dort angekommen stellt man aber verblüfft fest, dass der Kioskbesitzer in einer heftigen Debatte mit dem eigenen Kittel feststeckt. Nach 6 Wochen will dieser endlich mal wieder gewaschen werden und verweigert schlichtweg die Arbeit. Stocksteif steht der arme Mann hinter seiner Theke und kann nicht bedienen…

Spätestens in der eigenen Hauseinfahrt wird einem dann klar, dass man die neue Welt gar nicht so schnell um sich haben wollte. Dort weigert sich nämlich die eigene Garage, sich für die schmutzigen Reifen zu öffnen. ‚Gerade frisch gewischt‘ lautet die Anzeige auf dem Display.

Nach der Zurechtweisung durch den Nachrichtensprecher im TV, dass man ja schon seit Wochen keine Nachrichten mehr geschaut habe und so etwas nicht weiter toleriert wird, das Abo werde wohl gekündigt wenn man sein Sehverhalten nicht ändert, schleicht man sich ins Bett und das frisch bezogene Laken raunzt einen unsanft an: ‘Mensch, geh duschen!‘

 

WEISSE BESCHEID, ne?

 

Alles ist relativ…

Lieber Tagesbuch, 

seit dem uns Albert mit der Relativitätstheorie beglückt hat und in der Folge Wissenschaftler erklärten, dass Zeit eine Illusion ist, der wir nur nachhängen, weil wir sonst keine Bezugspunkte im Raum hätten – seitdem geht es mir besser.

Zeit ist Illusion. Ich wusste es immer schon. Der Übergang von Vergangenheit in Zukunft ist ein steter Fluss, der sich nicht genau ‚packen‘ lässt. Dieses Jetzt. In dem Augenblick, wenn man es erwähnt oder bemerkt – ist es schon wieder vorbei und Vergangenheit. Und die kann man eben nicht konservieren. Vielleicht noch in unseren Gedanken oder Niederschriften. So, wie ich es hier ja auch immer versuche.

Schon als Kind waren mir Dinge wie ‚du bist um 6 zu Hause‘ oder ‚du bleibst nicht so lang‘ irgendwie nicht konkret genug. Was hieß nun ‚um 6‘? Ging 11 auch? Oder durfte ich nicht exakt 6 Uhr auf der Matte stehen – weil man ja ‚um‘ gesagt hatte? Was ist lang? Was ist kurz?

Gut, Frauen und Männer haben da sowieso von der Grundkonstruktion her schon ein unterschiedliches Maß. Auch was die Zeit selber anbelangt.

‚Ich komme gleich‘ – kann dann schon mal eine Spielfilmlänge bedeuten. Oder eine Halbzeit. Je nachdem. Oder auch 3 Stunden, wenn im Bad keine Elektroschocker integriert wurden. So unter dem Toilettensitz oder in der Dusche. Ausgiebiges Duschen ist ja auch relativ. Sind 2 Stunden schon zu viel? Wann bekommt man Schwimmhäute? Und warum runzelt beim einen die Haut schon nach ein paar Minuten – bei anderen aber erst nach Stunden, oder, im Fall von bereits gestrafften Gesichtern, nie?

Botox und kosmetischer Operation sei Dank. Netter Anblick übrigens. Wenn man so einer Gesichtssteifen Maske gegenübersteht. Hat etwas androgynes. Völlige Bewegungsstarre bei selbst den ausgefallensten Sätzen – und auch beim Lachen. Tja, wenn man nicht in Demut altern kann…irgendetwas falsch gelaufen in der Erziehung. Wahrscheinlich immer schon vor 6 zu Hause gewesen. Oder gar nicht rausgegangen.

Diese Gesichter erinnern mich irgendwie immer an ‚I – Robot‘ oder ähnliche Hollywoodschinken. Da fällt mir ein: ist der Hollywoodschinken eigentlich in der EU oder weltweit geschützt? So wie der Parma- oder der Schwarzwälder? Und warum bezeichnet man alte Bilder oder Bücher ebenfalls als Schinken?

Da wären wir doch schon bei den Details.

Alles ist irgendwie relativ seit Einstein. Selbst Albert. Ob nun ein oder zwei Steine – das dürfte bei der Entdeckung der Relativität keinen Unterschied gemacht haben. Aber ob Schwerkraft im Wartezimmer des Zahnarztes in der Lage ist, die Zeit zu dehnen – ich sage: ja!

Um das Massezentrum des Arztes herum bildet sich meiner Ansicht nach ein sogenannter Ereignishorizont.

Jeder, der im Warteraum mit erheblichen Zahnschmerzen sitzt, wird schon durch den Geruch und die Geräusche in eine Art Paralleluniversum katapultiert. Da werden Minuten zu Jahren!

Der 15jährige, der in der Bravo oder InTouch liest(unwahrscheinlich) oder auf seinem neuesten Smartphone herumdaddelt (eher wahrscheinlich) – für den vergeht die Zeit allerdings wie im Flug. Warum vergeht Zeit im Flug schneller als im Kaugummi? Wenn sie sich hinzieht wie derselbe?

Welche Kräfte wirken auf die Körper, wenn man im Kino auf dem falschen Platz sitzt und panisch den Eingang beobachtet – ob der wahre Besitzer der Logenkarten noch kommt oder man den Film auf eben diesem Platz genießen kann? Ist dieses Spielchen ebenfalls genauso spannend bei ausverkauftem Haus?

Alles ist relativ.

Der eine muss wegen nicht bezahlter Parkknöllchen für 3 Jahre hinter Gitter. Der andere bekommt trotz massiven Steuerbetrugs (30 Millionen muss man erst mal hinterziehen können! Welche Summen da im Spiel sind, Kruzifix sag i nur!) nach knapp einem halben Jahr wegen guter Aussichten auf die Re-sozialisation schon wieder ein Präsidentenamt beim bayerischen Staatsfußball.

Der eine verdient mit ‚Chery-Chery-Lady‘-Gedudel Millionen – der andere kommt mit ‚is-mir-egal‘ gerade so über die Runden.

Was ist Strafe? Für den einen schon der nicht mehr essbare Schokoriegel, weil die Waage und der Partner mit strengem Blick jede weitere Kalorienzufuhr argwöhnisch betrachten – für den anderen erst der Entzug von Anwesenheit oder eben von Trilliarden der jeweiligen Landeswährung…wenn man Materialist ist.

Alles egal? Von wegen.

Von ‚Relativierern‘ wimmelt es im Alltag nur so. Wenn man allerdings immer mit irgendeiner Relation wieder alles relativiert, dann wird nichts geändert! Denn man kann zu allem immer die passende Statistik finden. Jeder siebte Mensch ist ein Chinese. Wenn ich mich so im Büro umschaue…stimmt da irgendetwas nicht. Gut, die reden immer alle Fachchinesisch – aber die Sprache ist ja nicht alles. Wenn dem so wäre, wären die Bayern oder die Schweizer schon verloren! Okay, ich nehme es zurück. In Wirklichkeit ist Deutsch ja sowieso auf dem Rückzug.

Relativ zur gesamten Menschheit gesehen – sind wir nur eine kleine Nische. Aber eine nette, wie ich finde. Und irgendwie stimmen uns dabei ja auch viele andere Menschen auf dem Globus zu. Gott-sei-Dank hat sich das Bild über die Jahrzehnte gewandelt. Nicht jeder ist Braun oder ein literarisches Genie. Meist ja nur eins von beidem, sieht man ja auch an der neuen Version von Mein Kampf.

Ich kann nur sagen: ich hätte die Kommentare nicht gebraucht. Ich habe mich als Jugendlicher voller Interesse an das Werk herangewagt…und bin nach ein paar Seiten überfordert gewesen. Ich habe NICHTS verstanden. Hätte also auch Chinesisch sein können.

Wäre vielleicht auch besser gewesen.

Interessanterweise habe ich vor kurzem erfahren, dass der Attentäter des ersten Weltkriegs, Gavrilo Princip, nur ein Zufall der Geschichte war. Eigentlich wollte das Paar einen ganz anderen Weg nehmen, ein Bombenattentat zuvor war fehlgeschlagen, die Polizei führte das Paar aber weiter auf der geplanten Route…und so konnte Gavrilo, der scheinbar als einziger der Verschwörer noch nicht den Heimweg angetreten war, in der Sekunde, als der Wagen stoppte, zuschlagen. In der Folge erster und zweiter Weltkrieg, Kalter Krieg und Vietnam und Hiroshima und Nagasaki und so weiter und so fort.

Zufall. Oder Notwendigkeit?

Komische Dinge, die einem im Wartezimmer so durch den Kopf gehen wenn man über Relativität und den anstehenden Termin nachdenkt. Hoffentlich ist der Arzt kein Chinese. Oder lieber doch? Ist ja schließlich ein Akkupunktur-Termin.

Und Akku – das kann ja nur Energie geben! 

WEISSE BESCHEID, ne?

 

 

 

 

Von Muskelhunden und Schweinekatern

 

Lieber Tagesbuch,

Heute wird es ernst. Also schon mal vorab die Warnung. Musst ja nicht zuhören…

Von den im Titel genannten kann man ja gerade um das neue Jahr herum besonders viel berichten! Mehr als 2 Wochen sind rum – und die ersten Kater werden schon dazu geführt haben, dass man von den neuen Vorsätzen ablässt.

Da nimmt man sich ja so allerlei Sachen vor.

Aufhören zu rauchen soll zumindest bei den Rauchern ja in jedem Jahr ganz weit vorne stehen. Fragt man sich schon, warum es gerade an Neujahr klappen soll, wenn man es das ganze Jahr nicht hinbekommen hat. Vielleicht, weil gerade mal wieder eine Preiserhöhung ansteht oder die netten Bildchen auf den Verpackungen plötzlich doch davon abhalten? Ansonsten ist doch der Neujahrstag nichts anderes als alle anderen Tage zuvor auch…was soll es. Nächstes Jahr ist auch ein Jahr…

Die Pfunde, die man über die Weihnachtsfeiertage angesammelt hat, sollen auch purzeln – Fitnessstudios freut es, wenn wieder zigtausende vorab die 2 Jahre Mitgliedsbeitrag überweisen um dann spätestens ab März, wenn es draußen wieder schöner wird, nie mehr im Wettkampfbereich der Athleten gesehen zu werden. Netter und schneller vorab – Gelderwerb, ich bin ein Idiot – ist es doch soooo einfach an das Geld anderer Leute zu kommen. Und ich steuere morgens immer das Büro an…dabei könnte ich durch eine Mucki-Bude wohl endgültig Millionär werden. Aber will ich das? Ernsthaft? Macht Geld glücklich? Mich nicht…

Aber apropos Geld.

Habe ich heute Morgen vernommen, dass 62 Menschen auf der Erde genauso viel besitzen, wie 3,6 Milliarden der ärmsten Menschen. Gut, die 3,6 Milliarden besitzen nun wirklich nichts, vielleicht gerade noch die Wellblechhütte in den Favelas oder irgendwas sonst auf dem Planeten um darin zu hausen. Dazu vielleicht noch einen schmutzigen Eimer um damit Wasser aus irgendeiner Brühe zu schöpfen.

Es ist also nicht wirklich eine Kunst, mehr zu besitzen.

Immer wieder erschreckend und auch absolut verstörend – zumal man dies aus den gesicherten Verhältnissen Deutschlands heraus – also aus einem Level, der in etwa den Königen im Mittelalter entspricht – kommentiert. An einem Computer, mit Internet und der Flasche Wasser auf dem Schreibtisch. Oder sogar dem heißen Tee – jetzt in der kalten Jahreszeit.

Wir reden hier allerdings über die 62 Superreichen. Diejenigen, die wirklich nicht mehr wissen, wohin mit der Kohle. Denn egal was sie auch machen – es wird immer mehr! Die Schere geht weiter auseinander und die Armut und der Hunger sind weiterhin stete Begleiter des doch so aufgeklärten und humanistischen Homo Sapiens.

Klar, unter uns Klosterschwestern ist das vielleicht kein Thema. Niemand, mit dem ich so ein paar Worte wechsele (und das sind wirklich verdammt viele…), kann es verstehen oder tolerieren. Aber in dem Unverständnis und der Wut darüber erkennt man auch die Machtlosigkeit, etwas zu verändern.

Dabei ist dem ja gar nicht so.

Man kann schon sehr viel tun. Nur muss man dafür halt auch aktiv werden, so wie man es an Neujahr mit den guten Vorsätzen ja auch muss. Den Schweinekater überwinden halt – oder eben den Muskelhund. Und dann raus, es gibt genug Projekte die man unterstützen kann.

Aber unabhängig davon kotzt mich eines doch sehr an:

Wenn diese 62 nur ein wenig von ihrem überbordenden Reichtum abgeben würden, dann könnte so vielen Menschen geholfen werden. Allerdings liegt es nicht in der Natur des Menschen zu helfen. Ausbeutung und Egoismus schon eher. Sieht man ja durchaus auch an den Regierungsformen – die alle in sich schon recht diktatorisch herkommen. Ob nun offen oder verkappt. Irgendwie WOLLEN wir doch auch immer Vortänzer.

Und im Mittelalter reichte es halt mal zur Burg mit dem eigenen Orchester und dem Hofnarren. Üppiges Essen und Ländereien.

Hat sich nicht viel verändert. Heute ist es halt der eigene Jet, die kleine Insel oder die Beteiligungen an den Firmen dieser Welt.

Macht dieser Reichtum dann glücklich?

Das frage ich mich wirklich ernsthaft. Denn man kann ja nichts mitnehmen. Wohin auch, wenn nach dem Tode alles vorbei sein sollte? Und im Fall der Wiedergeburt auch nicht. Was weg ist, ist weg.

Auch wenn ich vielleicht naiv bin – ich brauche nicht viel um glücklich zu sein. Ein Sonnenstrahl im Gesicht, meine große Liebe, meinen kleinen Frechdachs und vielleicht noch die Freiheit…aber das alles ist um so vieles mehr, was 3.6 Milliarden ihr Eigen nennen. Ich schäme mich. Wirklich.

Ich schäme mich, Mensch zu sein.

 

WEISSE BESCHEID, ne?

Hundewetter

 

Lieber Tagesbuch,

 

haben wir ja nun seit einigen Tagen draußen vor der Tür.

Dass der Winter kommt war keine Frage, aber erwartet hatte ich ihn zwischen dem 23. und 24. März. So 2 Stunden. Mit Schneefall und allem was dazugehört.

Und dann wäre eigentlich im sofortigen Anschluss Frühling und Sommer dran gewesen!

So war es  zumindest in den letzten Jahren. Ziemlich durch und etwas konfus, das Wetterchen. Sozusagener Klima-Schluckauf.

Und jetzt kommt tatsächlich eine oder mehrere Wochen Winter auf uns zu…und die Schneeschippe damit ja ebenfalls. Mir graut es allerdings nicht – aber meine Lieblingsbeschäftigung sieht etwas anders aus. Dazu später mehr…

Klamme und kalte Finger, Wasserdampf der sichtbar kristallisiert, wenn er den Mund verlässt – eben das ganze Programm mit Handschuhen und dick einpacken und so.

Und ich Idiot habe mir mit der Göttin im Sommer nach reiflicher Überlegung auch noch einen Hund angeschafft. Wie blöde kann man eigentlich sein?

Musste aber. War sozusagen unser Beitrag zur Flüchtlingsproblematik. Ist ja eine verstoßene Andalusierin. Wurde als Welpe schon auf die Straße gesetzt und hat dann auch keine Chance gehabt auf ein faires Verfahren. Da haben wir kurzerhand die Sachen gepackt und die einfach rüber geschmuggelt. Wird halt geduldet, jetzt. So von uns. Ist aber auch ein kleiner Engel…wenn da nicht das drumherum wäre.

Tagtäglich läuft man also zwangsweise mit schicken Kotbeuteln bewaffnet durch die Parkanlagen hinter dem kleinen schwarzen Monster her, ruft ’nein!‘ oder ‚komm hier‘ oder ‚weg da‘ oder auch schlichtweg nur ‚aus!‘ – als ob es sich um einen Roboter handeln würde und dieser auch nur ansatzweise den Kommandos gehorcht. Geschweige diese verstehen würde.

In Wirklichkeit denkt sich der Hund wohl nur: ups! Leckerchen! Schnell wieder zurück!

Um 20 Sekunden später, beim nächsten ärgerlich gerufenen Kommando zu denken: : ups! Leckerchen! Schnell wieder zurück!

Ziemlich simpel. Für Leckerchen machen wir ja alle fast alles. Kommt halt auf das Leckerchen an! Für manche ist es der nackte Partner, für andere ein gutes Essen oder ein netter Film. Für den Hund an sich ist es das, was aus der Hand des Besitzers purzelt wenn er zurück kommt. Manchmal mit einem Stock, manchmal mit einem Ball, manchmal mit dem Hosenbein des Nachbarn.

Klaubt man also während des ausgedehnten Spazierganges den Kot auf. Mit den bereits erwähnten netten Beutelchen, die man seitdem immer bei sich hat…und das eben auch bei jedem Wetter.

Nasser Kot. Trockener Kot. Harter Kot, weicher Kot. Kotähnliches Gebilde, Kot mit Rasen, Kot mit Schlamm, Kot mit Schnee und Kot mit…was war das denn jetzt? Egal, ab in den Beutel damit. Komisch. Kläfft und bewegt sich…

‚Würden sie bitte meinen Benno wieder aus dem Beutel befreien? Ist ein seehr kleiner Pekinese, ich weiß. Aber nur weil der am Kot ihrer Hündin riecht, müssen sie ja nicht gleich…‘

UPS: Na dann.

Man stelle sich vor ich sitze, meinen Hintern vom Ballast des Stoffes befreit, in eindeutiger Stellung auf dem Rasen des Stadtparks – und meine Göttin, bewaffnet mit einem blauen Abfallsack der Größe ‚wir renovieren gerade‘, wartet darauf, dass ich mich erleichtere, um im Anschluss mein Geschäft zu entsorgen.

Klasse! Wäre mit Sicherheit das Stadtgespräch der nächsten Wochen! Hätte auch etwas von Komfort, muss ich ja sagen. Wenn man also nach den Pantoffeln und der Fernsehzeitung mit dem Bier auch noch den Arsch und dessen Entleerung hinterher getragen bekommt.

Hunde haben ihre Halter eben im Griff. Und erziehen sich diese schon so, wie sei es benötigen. Keine Sorge.

Gut, ein Teil der Hundebesitzer schert sich einen feuchten Kehricht darum, ob und wo sich ihr Hund löst. Denen sollte man auch mal etwas lösen. Auflösen. Die Genehmigung der Tierhaltung. Ein Tierführerschein wäre da auch mal etwas…aber das ist ein anderes Thema.

Es passiert ja auch viel zu wenig, dass Besitzer tatsächlich ihr Tier abgeben müssen, wenn sie nicht in der Lage sind, es artgerecht zu halten. Ist natürlich die Frage, ob der Aufenthalt auf dem Sofa oder im Bett mit dem Genuss von getrockneten Hühnerbruststreifchen jetzt artgerecht ist. Wahrscheinlich müsste man barfen oder den Hund seine tägliche Dosis im Wildpark selber erlegen lassen. Aber ich muss ehrlich sagen – ich kann das nicht. Weder das eine noch das andere. Ist mir etwas zuwider.

Aber es hält mich nicht davon ab, auch zu Hause sinnlose Kommandos zu geben – selbst wenn gar niemand da ist.  Das schleift sich halt so ein.

Bis man sich schließlich selber Kommandos gibt: ‚Hose anziehen!‘ Und im Anschluss:

‚Ja fein!‘

‚Zähne putzen!‘ — Ja fein!

Wird man immer begeisterter beim erledigen der standardisierten Dinge des Alltags. Sogar das Müll raus bringen wird von der Göttin dann mit einem Leckerchen bedacht. Ja toll hat er das gemacht! Ja feiner Bursche!

Ja fein ist eben auch so eine nette Floskel der Hundehüter.

Der Hund hat die Hose des Postboten beim Angriff nicht komplett heruntergerissen und in einem Anfall von Tollwut komplett zerlegt? ‚Ja fein!‘

Er ist für das Geschäft nicht ins Wohnzimmer auf den Teppich entfleucht – sondern hat sein Bedürfnis tatsächlich angemeldet und dann im Freien erledigt? (jetzt ohne Gewerbeschein und dreifacher Ausfertigung beim AMT erbeten, nein, einfach in dem er sich vor die Terrassentür setzt und unsereinen doof anschaut)

Ja fein!

Er bringt 2 oder 3 mal den Stock zurück und danach setzt er sich erst einmal an Ort und Stelle damit auseinander, wie man einen Holzstock möglichst fachmännisch zerlegt und dabei auch den letzten Funken leben in eben diesem komplett abtötet?

Ja fein!

Er geht an Artgenossen vorbei, ohne Notiz von ihnen zu nehmen oder erst einmal eine kleine Arie in Bell-Dur zu singen? Gekläffe und Gezerre mit eingeschlossen?

Ja ganz toll!

Gut, über die ineinander verwobenen Hundeleinen der einzelnen Felltiere sieht man jetzt mal geflissentlich hinweg. Kunst ist halt nicht immer einfach zu verstehen und muss in ihren gesamten Ausprägungen auch gewürdigt werden!

Da muss man dann auch mal fünfe gerade sein lassen und dem Terrier sein Feld überlassen, wenn dieser so an die 500 mal wie ein irrer kläfft und einen dabei anschaut, als wenn er gerade etwas äußerst wichtiges zu vermelden hätte!

Ja Klasse!

Immerhin hat er nicht gebissen!

Wenn doch alles und alle im Leben so einfach glücklich zu machen wären wie Hundebesitzer.

Der will nur spielen – in dem er erst den Ärmel, dann den Arm und schließlich die Finger ablutscht und besabbert. Mensch Fein!

Der tut nix – nachdem der Hund eine gefühlte Stunde vor einem steht, mit gefletschten Zähnen und ein wildes Gebell mit dazugehörigem Sabber ums Maul einem irgendwie unmissverständlich suggeriert: ich müsste dann mal dringend weg!

Ja Fein! Der benimmt sich ja schon, ist stubenrein, mit anderen Hunden kommt er auch klar – aber Katzen. Ne, da geht er immer wieder steil. Müssen wir dann dran arbeiten. Sonst wird das nichts mit dem Nachbarn. Der zwei süße Perser sein eigen nennt. Katzen meinte ich! Mensch! Watt du widda denks…

Der hat ja schon demonstrativ einen Zaun gezogen – um seinen eigenen Hof vor den aggressiven Angriffen des anvertrauten Hundes zu schützen. Da hat er aber die Rechnung ohne den Pantoffelzerstörer gemacht.

Nur bei unserer süßen Kleinen nicht. Die ist eigentlich ganz froh, wenn sie zu Hause das Kommando übernehmen kann. Und wundert sich, warum bei jedem Spaziergang der Papa den gerade frisch erzeugten Kot aufsammelt.

Wer weiß, was der damit macht?

Wirft er den Beutel dem Nachbarn über den Zaun?

Untersucht er die Exkremente eingehend in seinem Keller, der ja sowieso schon so seltsame Dinge und Gerüche enthält?

Oder isst er den womöglich sogar?

Der MUSS pervers sein!

 

WEISSE BESCHEID, ne?

Das Buch der Bücher

Lieber Tagesbuch,

ist hierzulande, nicht wie du jetzt vermutest, die Bibel. Obwohl es schon einige Offenbarungen und Apokalypsen enthält. Nein, weit gefehlt, es handelt sich dabei gar nicht um einen religiösen Reigen durch die Region – es ist das unbekannte und intransparente Lebensmittelbuch.

Fragst du mich jetzt, was das ist.

Nun. Nicht ganz so einfach, das.

Sagen wir mal, du hättest 500 Gramm Erdbeeren in deiner Hand. Wohlfeil verpackt in Plastik wie es heute üblich ist – und du stehst damit in deiner eigenen Sporthalle. So 50 mal 20 Meter um ein wenig genauer zu werden.

In der Sporthalle befinden sich noch einige andere Sportler die Turnübungen machen, aber die sollen uns zunächst nicht weiter stören. Auf die Gruppenübungen kommen wir nachher noch zu sprechen.

In der gesamten Halle verteilt hast du eine Tonne reinen Naturjoghurt herumstehen. Da fängt jetzt schon die krux an. Was genau heißt jetzt hier Natur?

Haben die Kühe an 360 Tagen draußen im Freien gegrast oder sind es eher Stalltiere die mit Kraftfutter versorgt wurden? Wurden die empfindlichen Zitzen mit der behutsamen Hand einer jungen Melkerin entsaftet – oder durch eine Maschine lieblos abgezapft?

Wurde die Milch gereinigt oder behandelt? Welche Zusatzstoffe sind in der Molke? Und so weiter und so fort.

Steht da also die Tonne Naturjoghurt herum. Und je nachdem, ob du nun klitzekleine Teilchen von deinen Erdbeeren zurechthackst und diese in dem Joghurt verteilst oder du nur die gesamten Erdbeeren pürierst und dem Joghurt zuführst – ändert sich nach dem tollen Lebensmittelbuch die Bezeichnung deines Joghurts.

Nehmen wir einmal an, du verwendest deine Erdbeeren nur, um sie in der Halle abzulegen. Der Joghurt hat also mal neben Erdbeeren gestanden. Dann hast du schon aromatisierten Joghurt! Und nach dem Lebensmittelbuch darf dein Joghurt sogar verkauft und als Erdbeerjoghurt durchgehen! Hauptsache du hast ihn mit Holzspänen behandelt, die so ähnlich wie die Erdbeere schmecken!

Im Pfirsich-Maracuja-Saft tummeln sich stattdessen Äpfel und Orangen – und es ist gut zu wissen, dass im Tafelwasser geringfügige Mengen von Energie, Fett, gesättigten Fettsäuren, Kohlenhydraten, Zucker und Eiweiß enthalten sind.

Macht dich das jetzt nervös oder bist du gar irritiert?

Dass im Heringssalat Rindfleisch erlaubt ist, dass Kalbfleisch-Leberwurst zum Großteil aus Schweinefleisch hergestellt wird, keine Kalbsleber enthält und nur zu 15 Prozent aus Kalb besteht, dass Alaska-Seelachs-Schnitzel, gern verwendet in Brotaufstrichen und Salaten, muss nicht einmal aus Lachs bestehen, denn stattdessen erlaubt die Lebensmittelbuch-Kommission, dass Hersteller die Fischart Pollack dafür verwenden und diese mit Farbstoffen lachsähnlich einfärben.

‚Skandal!‘ höre ich dich schon schreien. Aber damit nicht genug: die Kommission selber wird weder durch das Europäische Parlament, noch durch die EU-Kommission, den Deutsche Bundestag oder die Bundesregierung reglementiert.

Was ja auch nicht wirklich schlimm ist, herrscht doch auch hier der Lobbyismus vor und dieser setzt sich in der Zwischenzeit, in der er nicht gebraucht wird, ganz neue, höhere Ziele. Ein Ring sie zu knechten…

Diese süße Kommission, die die Leitsätze unserer Ernährung bestimmt – die ist derart geheim, dass selbst die Gerichte einen Einblick in die Protokolle der Sitzungen verwehren! Warum sollte man auch wissen, wenn Vertreter aus der Industrie und Landwirtschaft sich gegenseitig die Kohle zuschieben und die Regeln derart aufweichen, dass selbst in aromatisierten Früchtetees nicht mal das enthalten ist, was man auf der Verpackung abbildet.

Banane? Nein, Herzkirsche. Aber dem Verbraucher ist es halbwegs egal. Jede Reform wird im Ansatz erstickt oder so lange daran herumgedoktert, dass am Ende ein ‚Reförmchen‘ herauskommt, welches dann abschließend nur den Namen der Kommission ändert. Oder den Tagungsort. Oder andere Bleistifte zur Benutzung für die Protokolle vorschreibt. Harte Sanktionen also!

Stehst du also mit deinen Erdbeeren in der Halle.

Und überlegst dir, dass eine Packung von 500 Gramm vielleicht zu wenig ist für eine Tonne Joghurt. Kaufst also noch eine Zweite und mischst das Ganze.

Verdammt. Plötzlich bist du der Einzige mit einem nachweisbaren Fruchtfleischanteil im Joghurt. Und wirst Marktführer. Und kannst vor lauter Einnahmen und Kohle nichts mehr machen als Millionär zu werden.

Wie, das wäre auch ein Ansatz? Das ist dir zu transparent? Ja, es würde endlich wieder dazu führen, dass wir das essen, was wir auch essen wollen. Und nicht, wie in dem berühmten Louis de Funes (RIP) Film ‚Brust oder Keule‘ irgendwelche Lebensmittel-Ersatzstoffe in uns hineinstopfen.

Aber was erzähle ich hier? Wo doch gerade in der Zeit, in der ich das hier erzählt habe, wieder zigtausend Burger über die Theke gegangen sind. Mach dir mal keinen Kopf und fang an in deinem Garten was anzupflanzen. Urban Gardening. Der Trend wird anhalten denke ich.

Und dann steht  in deinem Lebensmittelbuch vielleicht das alte Rezept für Rotkohl von der Omi.

Und da ist auch tatsächlich Rotkohl drin!

Heissa…schöne Neue Welt!

Am Ende des Tages kommt ein Reporter in deiner Produktionshalle vorbei, die mit dem Joghurt und den Erdbeeren. Und der sieht in deiner Halle die bereits erwähnten Sportler Gymnastik treiben.

Mensch, dann ist das ja sogar ein Fitness-Joghurt den du da verkaufst!

WEISSE BESCHEID,ne?

 

 

TRUMPeter vor dem Herrn

Lieber Tagesbuch,

 

ist er ja, der Herr Trump.

Erstaunt mich Amerika immer wieder mit seltsamen Dingen, die die Welt nicht braucht, so erstaunt mich an den Präsidentenkandidaten jetzt eigentlich nicht mehr so vieles.

Spätestens als mit dem ehemaligen Schauspieler Ronald Reagan jemand an die Macht kam, der am liebsten den ganzen Orbit voller Raketenabwehrgedöns geballert hätte – allerspätestens da war mir klar: die Amis sind durch. Um. Zu viele Burger, zu viel Rinderwahnsinn.

Im Endeffekt ist es aber auch vollkommen egal, bin ich ja schon lange der Ansicht, dass die Hintermänner in der Politik entscheidend sind. Die Lobby ist zu stark, als dass der normale Bürger noch mit seinem Wehklagen die Politik erreicht. Wozu auch? Wählen tun sie ja trotzdem. Da kann es dem Volk noch so dreckig gehen. Einer wird schon hinlaufen. Und da es nach unten keine grenze gibt, würde ja auch dies vollkommen ausreichen.

Oder eben auch nicht. Das Konstrukt heißt dann Wahlbeteiligung und ist eine der wenigen Sachen, die trotz steigenden Bruttosozialproduktes immer weiter sinken. Pendelt sich dann irgendwann mal dahingehend ein, dass sich die Politiker selber wählen und das Volk in der Zeit dem DIDDA beim DADDELN zuschaut. So schlag den Didda. Wären ja auch zwei Fliegen mit einer Klappe. Apropos TV.

Verdachtsfälle.

Ich habe ja den starken Verdacht, dass dieser Donald in Wirklichkeit dafür sorgt, dass im republikanischen Lager auf keinen Fall jemand anderer an die Spitze kommt – um dann indirekt für die Wahl der ersten FRAU zu sorgen.

Schauspieler hatten wir schon, Erdnussfarmer, Ölmulti…Schwarzer ist auch abgehakt. Fehlt endlich die erste Frau in der Präsidentschaft der Vereinigten Staaten. Hauptsache die hat dann keine Affäre mit ihrem Gärtner. Aber das war ja auch in einer anderen Serie.

Auf dem Kopf von Donald soll ein Außerirdischer sitzen, der aussieht wie ein Toupet – und sich von Gehirnmasse ernähren. Gut, wäre der jetzt schon lange tot könnte man einwenden. Darum glaube ich eher daran, dass der gute Herr Trump mit seiner einfachen, stilistisch vielleicht manchmal fragwürdigen Art, dem Volk einfach aufs Maul schaut und die Masse bedient.

Darum ist auch allen so bange, dass er tatsächlich Präsident werden könnte.

Na und? Geht die Welt davon unter wenn er Putin und Konsorten mal die Meinung sagt? Eher nicht.

Und schärfere Gesetze – dazu braucht er dann ja doch immer noch die anderen Abgeordneten. Schließlich haben wir in Ami-Land immer noch eine Technokratur oder eine Firmokratie. Und keine Diktatur des Proletariats. Noch nicht.

Wäre aber schon irgendwie cool.

Wenn endlich einer dort drüben mit DERMASSEN blöden Ansichten kommt, dass man sich hierzulande mal Gedanken darüber macht, ob man diesen kruden Ansichten folgen mag.

Irgendwie bin ich belustigt. Lese die Artikel über den Wahlkampf des Milliardärs immer wieder gerne. Und lache mich fast schief, wenn ich die Journalisten höre, die gar nicht verstehen können, warum die Umfragewerte ständig steigen.

Hmmm.

Ich kann es auch nicht verstehen.

Aber mich besorgt es nicht weiter. Wenn ich überlege, dass wir sogar einen Bush junior überlebt haben…da hat der Herr Trump immerhin schon mal selber was auf die Beine gestellt und nicht einfach nur den Sohn gespielt. Klar, er hatte auch einen einfachen Start ins Leben und konnte mehrfach scheitern weil genug Reichtum vorhanden war. Aber er hat tatsächlich Erfolg. Also: wen stört es wirklich?

Spätestens nachdem mich der Herr O so sehr enttäuscht hat sage ich es mal mit meinem gebrochenen Inglisch:

HU KERS?

 

WEISSE BESCHEID, ne?

 

Arbeitsteilung 2.0

Lieber Tagesbuch,

 

ist es, was unsere Bundesregierung augenscheinlich jeden Tag betreibt.

Da ist nicht jeder für alles bereit und zuständig – nein, weit gefehlt.

Auch wenn man ob der Willkürlichkeit der Ministerämter davon ausgehen könnte. Breit sind die Politiker allerdings oftmals schon. Zumindest wenn man in den Sitzungssaal schaut. Der ist dann nur zu einem Fünftel gefüllt. Weil die alle so breit sind und so viel Platz einnehmen.

Der Rest kassiert für Anwesenheit in Abwesenheit. Arbeitsteilung eben. Dafür muss man ja auch nicht gleich anwesend sein. Wie auf der Arbeit. Körperlich da – aber geistig schon im Urlaub. Macht mich betroffen. Direkt. So als Steuerzahler jetzt.

Dass die kassieren ohne zumindest anwesend zu sein. Schließlich bezahle ich die alle bis zur Pension und darüber hinaus bis an deren Lebensende. Ach, das ist auch Arbeitsteilung? Ich zahle und die sind nicht anwesend? So habe ich das noch gar nicht gesehen…dann kann ja auch nichts dagegen sprechen, wenn die zukünftig für den Staat nicht mehr anwesend sind und wir das lieber selber übernehmen. So wir sind das Volk. Ach, das ist zu lange her? Na dann…

Zurück zum Thema. Wobei ein Abschweif- oder ein Schwafelminister wohl noch fehlt im Kabinett der Ahnungs- und Alternativlosigkeit. Würde ICH dann übernehmen. Kann ich gut. Muss ich nicht mal anwesend sein für sowas. Wie jetzt. Wenn du hier liest. Bin ich ja auch nicht anwesend. Wird Zeit, dass ich dafür kassiere…sozusagen als Abgeordneter. Aber jetzt wirklich zurück zu den Sach- und Lachgeschichten. Bevor du noch Alternativen findest. In dieser Alternativlosen Zeit.

Schließlich frage ich mich ernsthaft fast schon täglich, was eine ehemalige Familienministerin denn für den Verteidigungsbereich mitbringt, außer der Abwehr von aggressivem kindlichem Terror. Den man ja bei so vielen Kindern automatisch täglich erlebt. Wenn man denn anwesend ist. Aber die hat ja mit Sicherheit eine Nanny. Wäre ja auch noch schöner. Bei der Kohle. Wo sind wir denn, wenn sich eine tolle Ministerin nicht mal eine Nanny leisten kann? Geschweige denn zwei Staatssekretäre.

Auch wenn man den kurzen Exkurs zum Ministerium für Arbeit und Soziales berücksichtigt, der ja auch den einen oder anderen Angriff auf die Bundesrepublik in Form von asozialem Verhalten beinhaltet – was befähigt solche Menschen, so mir nichts, dir nichts einfach andere Posten zu besetzen? Jetzt nicht nur so zum rum sitzen. So wirklich halt. Um was zu erreichen. Ach, stimmt, die haben lange genug auf ihren Pöstchen in der Partei geklebt…jetzt wird mir so einiges klar. Aber halt, was ist mit den Jungspunden?

Der damalige FDP-Minister Rösler als Beispiel, der war ja auch so ein Tausendsassa. Erst Gesundheit und dann Wirtschaft und Technologie. Und dann Bundesvorsitzender. Und jetzt Pensionär im Vorruhestand. Klasse! Und kostet den Steuerzahler auch nicht so viel, wenn einer so viele Dinge abdecken kann! Schon in so jungen Jahren!

Sind ja alles Berufspolitiker.

Wenn man so das Kabinett durchgeht, dann staunt man nicht schlecht.

Der de Maizière als Beispiel…erst besondere Aufgaben, dann Verteidigung, dann Inneres. Klasse der Mann. Hat zwar nix zu Ende gebracht – ist aber immer im Gespräch. Wie wäre es als Kanzler de Maizière? Oh Gott denkst du jetzt? Warte es mal ab…

Oder Schäuble: besondere Aufgaben – Inneres – Finanzen. Die können wirklich ALLES!!! Nicht so wie unsereiner, der erst jahrelang zur Schule geht, dann eine Ausbildung oder ein Studium macht und dann 45 Jahre im jeweiligen Beruf arbeitet. Nein. Hier heißt die Devise: watt is noch offen? Machst du dann, okay?

Und nebenbei auch noch Aufgabenteilung bei den jeweiligen Empörtheitsveranstaltungen.

 

Kränze legt mit Vorliebe unser Herr Gauck nieder, der Religionslehrer bzw. Pfarrer vor dem Herrn. Die Ansprache Texte liegen schon in der Schublade (wie bei allen) – und werden dann je nach Bedarf hervorgeholt und runtergebetet. Natürlich mit der nötigen Betroffenheit. Bei dem Gehalt wäre ich auch Betroffen. Und würde mich fast täglich schämen…wenn ich so an die prekären Tagelöhner denke…egal.

Blumen legt dann eher der de Maizière nieder. Kränze sind ja schon weg.

Die Kanzlerin besticht durch ihre Raute und das dazugehörige betroffene Gesicht. Nun, wenn man nur diese eine Handhaltung kann, dann wäre ich auch betroffen.

Insgesamt sind sowieso alle immer betroffen. Hatten wir ja gestern schon. Betrifft mich jetzt nur indirekt. Aber wen betrifft es nicht? Hach, ich bin so deprimiert. Sind alle so böse…aber wir haben ja Mutti. Weiter im Text.

Wenn mal ein Machtwort fehlt, dann holt man den alten Oligarchen- und Putinversteher von den Gaswerken raus, der sagt dann ein machtvolles BASTA. Genau. Schröder kann ja auch fast alles. Mit genug Bier.

Und wenn es um das aussitzen geht – gut, ist jetzt vielleicht sehr schwarz weil der arme Kerl nur noch im Rollstuhl vor sich hin dementiert – dann holt man den Altbundeskanzler hervor. Der erinnert sich dann zwar nicht mehr von wem das Geld kommt. Aber das stört ja auch nicht. Hauptsache wir sind alle EINS! Im Bezahlen nämlich. Das machen dann WIR. Das Volk. Ist ja unsere Aufgabe. Und ansonsten sind wir souverän. Stehen also über den Din gen. So weit, dass wir an die Sachthemen nicht rankommen. Und schreiben und lesen müssen wir auch nicht können. Reicht ja ein Kreuz alle 4 Jahre. Dann kann der Zahlmeister, ja der Herr Schäuble, überweisen. Immer schön Schäubleweise. Äh in Schäublen. Äh. Scheichen. Äh Scheibchen. Sorry. Wie komm ich jetzt wieder auf die Saudis? Ach, stimmt, weil die gar nicht betroffen sind von dem Ganzen. Nur schnell weiter bevor ich hier wieder mit Kriegsspielzeug und Petrodollars anfange.

Bestürzt ist dann oft der Herr Lammert, der sich ja auch als Opferlamm ganz gut macht. So als Präsident des Parlaments kann man auch mal bestürzt sein. Zu mehr hat es dann nicht gereicht. Außer man wechselt ins Europa-Parlament. Dann darf man als Präsident auch zu allem eine Meinung haben und diese auch ständig äußern.

Und wer reist in der Zwischenzeit um die Betroffenheit der Regierung auch im Ausland allen klar zu machen? Klar, der Außenminister, Herr Steinmeier. Darum heißt der ja auch so. Betroffenheitsminister wäre dann ja auch mal was. Aber damit gehe ich jetzt wieder zu weit. Oder?

 

Der Quoten-Ausländer der Grünen möchte dann alles austrocknen. Nur nicht die eigene Nase, die wird gern gepudert. Oder mit Cannabis angereichert. Aber das ist nur eine geringe Schuld, die macht niemanden mehr Betroffen in der Republik. Selbst die Richter nicht mehr. Was man so alles auf dem Balkon haben darf. Wie wäre es mit einer atomaren Mittelstreckenrakete? So als Abwehr und Signal an die Nachbarn? Gibt es dafür auch Waffenscheine oder muss man dafür NATO-Mitglied werden? Türkei lässt grüßen sage ich nur…Grau ist das neue Grün. Wusstest du noch nicht, was?

Dann hätten wir noch die Medien, die sich alles an den Haaren herbeiziehen. Oder Frau Haaren berichten lassen. Kommt aufs Gleiche raus. Außer man hat etwas komplizierte private Verhältnisse, wie der Herr Hofer. Dann wird es heikel. Aber sexuell sind wir in der Republik ja eher nie betroffen. Eher frei. Von allem. Selbst von der Scham. Oder war es von der Leyen? Ich weiß es nicht mehr genau.

Schlussendlich entscheidet dann eh das Bundesverfassungsgericht.

Meist allerdings gegen die Koalition…der Willigen.

Opposition gibt es ja kaum noch. Zumindest nicht im notwendigen Maß. Unter 25 Prozent wird es schwer noch wirklich Opposition zu betreiben. Macht dich das jetzt betroffen?

Dann wird es Zeit, dies kund zu tun. Mit dem richtigen Kreuz. Denn jeder hat sein Kreuz zu tragen. Aufzutragen. Auf den Wahlzettel. An der richtigen Stelle. Auf das der Berufspolitiker eine extreme Erscheinung der Demokratie in den Anfängen derselben war. Und danach nicht mehr gesehen wurde. Weil dann das Volk über Plebiszit entschieden hat.

Wer ist das jetzt wieder?

Mensch, dass du das nicht weißt…das macht mich jetzt betroffen. Bestürzt sogar.

Aber vielleicht besser. Arbeitsteilung. Auch hier.

Ich reg mich auf und versteh auch warum – und du hörst zu und machst einfach was ich sage.

Kreuz mal was anderes an.

Wird Zeit.

WEISSE BESCHEID, ne?

Huch! 12 Milliarden mehr…was nun?

 

Lieber Tagesbuch,

 

ist ja unglaublich, denkt sich der Finanzminister. Da räumt er seinen Schreibtisch auf, so kurz vor Weihnachten, erledigt die Ablage und den ganzen Papierkram…und kurz bevor er nach Hause eilen will um bei seiner lieben Familie das Fest der Liebe zu begehen – liegen da auf der Ecke des Schreibtisches die 12 Milliarden Euro rum.

Klar, bevor sich die Putze die Kohle schnappt oder der Euro total entwertet nahe beim Zimbabwe-Dollar landet, schnappen wir uns doch die Kohle und stecken die in den Flüchtlingsfond. Kommt einem ja wie gerufen. Muss keiner Angst haben! Ist genug Kohle da…wir müssen uns nicht extra verbiegen oder gar einen Soli zahlen. Heissa! Schöne neue Welt!

 

Wir produzieren die Waffen und liefern diese in die Krisenregionen und mit dem Überschuss bei den Steuereinnahmen helfen wir den ganzen Flüchtlingen auf – zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen!

Die Wirtschaft brummt und der Dax liegt am Boden! Zeitgleich sind irgendwelche Internet-Startups Milliarden wert. Produzieren zwar nichts…aber wer weiß!

Alles irreal. Entbehrt jeglicher Grundlage und ist derart verwirrend, dass der normale Bürger, Michel genannt, dort nicht mehr durchblickt.

Und nebenher Mutti, die den Tod von etlichen deutschen bei Anschlägen in der Türkei nebenher auf einer Pressekonferenz bedauert und komplett bestürzt ist. Bananenrepublik Deutschland. Live!

Dagegen ist jede Comedysendung doch in Wirklichkeit ein Drama!

Ein Hoch auf die deutsche Rüstungsindustrie! Ein Hoch auf den Finanzminister! Hat er ja angeblich ‚erwirtschaftet‘, die ganze Kohle.

Stimmt nur nicht so ganz. Denn in Wirklichkeit sind das ja alles Steuern, die da eingenommen werden. Und davon werden Ausgaben abgezogen. Und was davon dann übrig bleibt, das ist dann eigentlich mal zum Bezahlen der Schulden gedacht! Doch weit gefehlt. Bei dem derzeitigen Niedrigzins lohnt sich das Abtragen der Schulden nicht…so wird argumentiert.

Das kann ich verstehen. Macht keinen Sinn. Macht ja eher Sinn, bei 0-Prozent, noch mehr Kohle als Kredit aufzunehmen. Also von den Griechen zu lernen. Oder einfach alles jetzt ad hoc raus zu pulvern…

Ich verstehe nur nicht, WANN dann mal abgezahlt werden soll?

Ach? Nie? Wie jetzt?

Ach, dann fährt das System einfach vor die Wand und alles wird auf Null gesetzt? Und dumm aus der Wäsche guckt nur der kleine Mann dessen Ersparnisse weg sind? Wie, das hat es alles schon gegeben?

Wo sind wir denn hier?

Da würde es sich doch lohnen, für kleines Geld Waffen aufzukaufen und diese dann in der Krise abzustoßen. Gut, ginge auch mit Gold – aber das ist ja irre teuer. Also verkaufen wir lieber weiter Panzer an die Saudis. Und die halten dafür den Ölpreis schon weit unten. Haben ja alle was davon, die Soldaten, die Flüchtlinge, die Saudis und unser Finanzminister. Ja prima! Jetzt habe ich das endlich verstanden!

Oder man investiert das Geld in Bildung. Bringt auch was. Jetzt nicht so direkt sofort. Aber auf lange Sicht.

Ich weiß, ich sehe das jetzt wieder alles zu eng.

Aber weißt du was? Ich kann das Gefasel von den ganzen Berufspolitikern nicht mehr hören, ich mag diese ganze Betroffenheitspolitik nicht, die sich an den Umfragen orientiert und die nächsten Wahlen über alles stellt. Ich mochte reale Politiker. Bei denen man wusste woran man ist. Atomkraft? Nein danke! Oder doch? Oder doch nicht? Nie? Immer? Wie soll man denn am Ende dabei noch durchblicken? Und die Medien?

Tut mir leid…da kann ich besser mit den Nachbarn reden, sie sind näher dran am Geschehen als die dpa-Pressemitteilung. Die wird einfach durch den Computer gejagt und das Blatt wird gedruckt. Steht überall dasselbe. Was soll es auch schon Neues geben? Ach…ich geh mal lieber meinen Schreibtisch aufräumen. Wäre doch gelacht, wenn da nicht noch ein paar Milliarden rumfliegen…

WEISSE BESCHEID, ne?