Kein-Wort-Richtlinie

Lieber Tagesbuch,

wäre für viele Menschen auf dem Planeten vielleicht mal ganz angebracht – so einfach nix mehr zu sagen.

Oder auch nur mehr zu handeln statt zu schwätzen. Manches Mal hilft es ja auch nichts mehr zu sagen. Wenn man sauer ist oder der Worte genug gewechselt wurden. Oder man vielleicht auch gar nicht mehr weiß, was man noch antworten könnte.

In manchen ganz speziellen Fällen kann man auch gar nicht mehr antworten. Jetzt nicht mehr in dem man etwas sagt – sondern, wie heutzutage ja auch sehr oft benutzt, in dem man schreibt.

Eine Message. Kann man ja nicht mehr so leicht, wenn man z.B. schon tot ist. Oder todkrank. Oder Dement. Oder wenn die Kennwortrichtlinie geändert wurde.

Natürlich in der Abwesenheit. Und ohne darüber vorher zu informieren. Das Dokument, in dem über die neue Richtlinie berichtet wird, liegt auf dem Server. Der ist aber nur erreichbar, wenn man sich anmelden kann. Dies wiederum geht nur mit dem richtigen Passwort. Dieses muss man aber vor der korrekten Anmeldung durch das System erst einmal ändern. Eben nach der neuen Richtlinie.

Fehler erkannt?
Klasse. Schon mal mehr Gehirn als 99% der Systemadministratoren auf dem weiten Erdenrund.

Hat man dann irgendwie davon Wind bekommen, dass sich etwas geändert hat, dann muss man diese Richtlinie erst einmal einhalten können.

12 Zeichen. Davon muss eines eine Zahl sein. Ein weiteres ein Großbuchstabe. Und ein Sonderzeichen. Abschließend fehlen noch die aktuelle Schuhgröße, der Bauchumfang, das letzte Datum an dem man zwischengeschlechtlichen Geschlechtsverkehr hatte und die Ankunftszeit der allerletzten U-Bahn in Berlin am Brandenburger Tor am 06.04.2018.
Ganz einfach also.

Wenn man das ganze nun auch noch auf Kisuaheli eingeben kann und im Nachgang in einer kleinen Rechenaufgabe die Geschwindigkeit des Lichts ausrechnen kann – dann ist man schon in seinem Mailaccount. Und findet…genau, das Dokument, in dem die Änderungen zum 01.01. des Jahres beschrieben werden. 246 Seiten, Arial Punkt 8 – ein nettes kleines Handbuch. Lässt sich nur nicht ausdrucken.

Denn in der Zwischenzeit wurden auch neue Drucker aufgestellt, bei denen man jeden Ausdruck per Fingerabdruck-Scan und Augen-Retina-Überprüfung bestätigen muss, bevor dieser beim zuständigen Vorgesetzten zur Genehmigung auf dem Schreibtisch landet. In 3-facher Ausfertigung weil eine Kopie an den Chef des Chefs geht und eine Kopie in das Archiv. So wird nur noch ausgedruckt, was auch wirklich ausgedruckt werden MUSS!

Man spart Papier, Zeit…und irgendwann auch Mitarbeiter ein. Denn, ehrlich gesagt, wer möchte in einer solchen Behörde schon gern arbeiten…äh…suchen?

Im Netz…auf dem Server…wo war es noch…das Dokument…über die kein-Wort-Richtlinie.

Oder wie hieß das noch? Egal, ist eh gleich Feierabend. Lohnt jetzt nicht mehr…fange ich morgen mit an.

Wenn ich mich anmelden kann…

WEISSE BESCHEID, ne?

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