Hundewetter

 

Lieber Tagesbuch,

 

haben wir ja nun seit einigen Tagen draußen vor der Tür.

Dass der Winter kommt war keine Frage, aber erwartet hatte ich ihn zwischen dem 23. und 24. März. So 2 Stunden. Mit Schneefall und allem was dazugehört.

Und dann wäre eigentlich im sofortigen Anschluss Frühling und Sommer dran gewesen!

So war es  zumindest in den letzten Jahren. Ziemlich durch und etwas konfus, das Wetterchen. Sozusagener Klima-Schluckauf.

Und jetzt kommt tatsächlich eine oder mehrere Wochen Winter auf uns zu…und die Schneeschippe damit ja ebenfalls. Mir graut es allerdings nicht – aber meine Lieblingsbeschäftigung sieht etwas anders aus. Dazu später mehr…

Klamme und kalte Finger, Wasserdampf der sichtbar kristallisiert, wenn er den Mund verlässt – eben das ganze Programm mit Handschuhen und dick einpacken und so.

Und ich Idiot habe mir mit der Göttin im Sommer nach reiflicher Überlegung auch noch einen Hund angeschafft. Wie blöde kann man eigentlich sein?

Musste aber. War sozusagen unser Beitrag zur Flüchtlingsproblematik. Ist ja eine verstoßene Andalusierin. Wurde als Welpe schon auf die Straße gesetzt und hat dann auch keine Chance gehabt auf ein faires Verfahren. Da haben wir kurzerhand die Sachen gepackt und die einfach rüber geschmuggelt. Wird halt geduldet, jetzt. So von uns. Ist aber auch ein kleiner Engel…wenn da nicht das drumherum wäre.

Tagtäglich läuft man also zwangsweise mit schicken Kotbeuteln bewaffnet durch die Parkanlagen hinter dem kleinen schwarzen Monster her, ruft ’nein!‘ oder ‚komm hier‘ oder ‚weg da‘ oder auch schlichtweg nur ‚aus!‘ – als ob es sich um einen Roboter handeln würde und dieser auch nur ansatzweise den Kommandos gehorcht. Geschweige diese verstehen würde.

In Wirklichkeit denkt sich der Hund wohl nur: ups! Leckerchen! Schnell wieder zurück!

Um 20 Sekunden später, beim nächsten ärgerlich gerufenen Kommando zu denken: : ups! Leckerchen! Schnell wieder zurück!

Ziemlich simpel. Für Leckerchen machen wir ja alle fast alles. Kommt halt auf das Leckerchen an! Für manche ist es der nackte Partner, für andere ein gutes Essen oder ein netter Film. Für den Hund an sich ist es das, was aus der Hand des Besitzers purzelt wenn er zurück kommt. Manchmal mit einem Stock, manchmal mit einem Ball, manchmal mit dem Hosenbein des Nachbarn.

Klaubt man also während des ausgedehnten Spazierganges den Kot auf. Mit den bereits erwähnten netten Beutelchen, die man seitdem immer bei sich hat…und das eben auch bei jedem Wetter.

Nasser Kot. Trockener Kot. Harter Kot, weicher Kot. Kotähnliches Gebilde, Kot mit Rasen, Kot mit Schlamm, Kot mit Schnee und Kot mit…was war das denn jetzt? Egal, ab in den Beutel damit. Komisch. Kläfft und bewegt sich…

‚Würden sie bitte meinen Benno wieder aus dem Beutel befreien? Ist ein seehr kleiner Pekinese, ich weiß. Aber nur weil der am Kot ihrer Hündin riecht, müssen sie ja nicht gleich…‘

UPS: Na dann.

Man stelle sich vor ich sitze, meinen Hintern vom Ballast des Stoffes befreit, in eindeutiger Stellung auf dem Rasen des Stadtparks – und meine Göttin, bewaffnet mit einem blauen Abfallsack der Größe ‚wir renovieren gerade‘, wartet darauf, dass ich mich erleichtere, um im Anschluss mein Geschäft zu entsorgen.

Klasse! Wäre mit Sicherheit das Stadtgespräch der nächsten Wochen! Hätte auch etwas von Komfort, muss ich ja sagen. Wenn man also nach den Pantoffeln und der Fernsehzeitung mit dem Bier auch noch den Arsch und dessen Entleerung hinterher getragen bekommt.

Hunde haben ihre Halter eben im Griff. Und erziehen sich diese schon so, wie sei es benötigen. Keine Sorge.

Gut, ein Teil der Hundebesitzer schert sich einen feuchten Kehricht darum, ob und wo sich ihr Hund löst. Denen sollte man auch mal etwas lösen. Auflösen. Die Genehmigung der Tierhaltung. Ein Tierführerschein wäre da auch mal etwas…aber das ist ein anderes Thema.

Es passiert ja auch viel zu wenig, dass Besitzer tatsächlich ihr Tier abgeben müssen, wenn sie nicht in der Lage sind, es artgerecht zu halten. Ist natürlich die Frage, ob der Aufenthalt auf dem Sofa oder im Bett mit dem Genuss von getrockneten Hühnerbruststreifchen jetzt artgerecht ist. Wahrscheinlich müsste man barfen oder den Hund seine tägliche Dosis im Wildpark selber erlegen lassen. Aber ich muss ehrlich sagen – ich kann das nicht. Weder das eine noch das andere. Ist mir etwas zuwider.

Aber es hält mich nicht davon ab, auch zu Hause sinnlose Kommandos zu geben – selbst wenn gar niemand da ist.  Das schleift sich halt so ein.

Bis man sich schließlich selber Kommandos gibt: ‚Hose anziehen!‘ Und im Anschluss:

‚Ja fein!‘

‚Zähne putzen!‘ — Ja fein!

Wird man immer begeisterter beim erledigen der standardisierten Dinge des Alltags. Sogar das Müll raus bringen wird von der Göttin dann mit einem Leckerchen bedacht. Ja toll hat er das gemacht! Ja feiner Bursche!

Ja fein ist eben auch so eine nette Floskel der Hundehüter.

Der Hund hat die Hose des Postboten beim Angriff nicht komplett heruntergerissen und in einem Anfall von Tollwut komplett zerlegt? ‚Ja fein!‘

Er ist für das Geschäft nicht ins Wohnzimmer auf den Teppich entfleucht – sondern hat sein Bedürfnis tatsächlich angemeldet und dann im Freien erledigt? (jetzt ohne Gewerbeschein und dreifacher Ausfertigung beim AMT erbeten, nein, einfach in dem er sich vor die Terrassentür setzt und unsereinen doof anschaut)

Ja fein!

Er bringt 2 oder 3 mal den Stock zurück und danach setzt er sich erst einmal an Ort und Stelle damit auseinander, wie man einen Holzstock möglichst fachmännisch zerlegt und dabei auch den letzten Funken leben in eben diesem komplett abtötet?

Ja fein!

Er geht an Artgenossen vorbei, ohne Notiz von ihnen zu nehmen oder erst einmal eine kleine Arie in Bell-Dur zu singen? Gekläffe und Gezerre mit eingeschlossen?

Ja ganz toll!

Gut, über die ineinander verwobenen Hundeleinen der einzelnen Felltiere sieht man jetzt mal geflissentlich hinweg. Kunst ist halt nicht immer einfach zu verstehen und muss in ihren gesamten Ausprägungen auch gewürdigt werden!

Da muss man dann auch mal fünfe gerade sein lassen und dem Terrier sein Feld überlassen, wenn dieser so an die 500 mal wie ein irrer kläfft und einen dabei anschaut, als wenn er gerade etwas äußerst wichtiges zu vermelden hätte!

Ja Klasse!

Immerhin hat er nicht gebissen!

Wenn doch alles und alle im Leben so einfach glücklich zu machen wären wie Hundebesitzer.

Der will nur spielen – in dem er erst den Ärmel, dann den Arm und schließlich die Finger ablutscht und besabbert. Mensch Fein!

Der tut nix – nachdem der Hund eine gefühlte Stunde vor einem steht, mit gefletschten Zähnen und ein wildes Gebell mit dazugehörigem Sabber ums Maul einem irgendwie unmissverständlich suggeriert: ich müsste dann mal dringend weg!

Ja Fein! Der benimmt sich ja schon, ist stubenrein, mit anderen Hunden kommt er auch klar – aber Katzen. Ne, da geht er immer wieder steil. Müssen wir dann dran arbeiten. Sonst wird das nichts mit dem Nachbarn. Der zwei süße Perser sein eigen nennt. Katzen meinte ich! Mensch! Watt du widda denks…

Der hat ja schon demonstrativ einen Zaun gezogen – um seinen eigenen Hof vor den aggressiven Angriffen des anvertrauten Hundes zu schützen. Da hat er aber die Rechnung ohne den Pantoffelzerstörer gemacht.

Nur bei unserer süßen Kleinen nicht. Die ist eigentlich ganz froh, wenn sie zu Hause das Kommando übernehmen kann. Und wundert sich, warum bei jedem Spaziergang der Papa den gerade frisch erzeugten Kot aufsammelt.

Wer weiß, was der damit macht?

Wirft er den Beutel dem Nachbarn über den Zaun?

Untersucht er die Exkremente eingehend in seinem Keller, der ja sowieso schon so seltsame Dinge und Gerüche enthält?

Oder isst er den womöglich sogar?

Der MUSS pervers sein!

 

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