Schubladen im Elefanten – Porzellanladen

Lieber Tagesbuch,

oder wie ich von einem Fettnäpfchen auf kürzestem Weg in das nächste gelange.

Unter diesem Titel gebärdet sich derzeit der bayerische Landeschef. Da zu den aktuellen Themen der Politik längst schon alles gesagt wurde – aber eben noch nicht von jedem, wird er nicht müde, den Schweinwerfer sowohl auf den Freistaat als auch auf seine Person zu lenken. Wieso überhaupt Freistaat? Frei genug, um jede noch so uninteressante Grütze in die Republik zu posaunen? Immerhin. Ist keiner bestürzt darüber…oder legt Kränze nieder.

Ich kritisiere nicht einmal, dass er sich in die lange Reihe der Besucher des großen, wenn nicht sogar größten (jetzt nicht körperlich, sondern eher politisch) russischen Vorstehers für Recht und Ordnung im Asiatischen Teil der Welt einreiht. Nach Stalin oder Lenin oder den ganzen anderen Ungestalten der Geschichte. Kleine Menschen sag ich nur…hüte dich vor kleinen, manchmal auch grünen Menschen…

Wesensgestalt menschlicher Mythen behüte!

Macht mein Feinkosthändler um die Ecke ja auch, solche Besuche. Jetzt nicht direkt in Russland. Eher bei seiner lieben Mutter oder seinem Vater. Und redet eben auch lauthals darüber.

Also ist an diesen Besuchen und den Berichten darüber grundsätzlich ja auch nichts auszusetzen. Wer war, bitte schön, noch NICHT beim kleinen süßen Putin um ihm seine Aufwartung zu machen. Während der totaaaal schlimmen und harten Sanktionen der EU. Und dem Rest der Welt. Darf der ja jetzt nicht mehr an die Förmchen der anderen. Weil der da einfach ganz blöde einmarschiert ist. Der böse. Da sind wir dann mächtig bestürzt und verurteilen das. Früher gab es für so was mächtig was auf das Fressbrett.

Heute wird verurteilt. Natürlich nicht VOR. Sondern irgendwie mittendrin. Das ist Zivilisation in der besten aller Welten, wir sind einen Schritt weiter! Ich bemühe jetzt nicht das Bild des Abgrundes….

In der Zwischenzeit kann man ganz toll wieder einmal irgendwo Kränze niederlegen oder einen ganz, ganz tollen und ganz wichtigen Fusionsreaktor in Schwung bringen. Auch wenn wir von wirklichen Fusionen noch Lichtjahre entfernt sind. So in jeglicher Beziehung jetzt. Bis auf die Zwischenmenschliche. Ein weites Feld und anderes Thema.

Aber zumindest das Plasma kriegen wir schon hin. Für 1,06 Milliarden…und für 800 Millionen eine Philharmonie. Wie viele Kitas das sind? Du bist vielleicht ein Kultur- und Wissenschaftsbanause. Also wirklich…das kann man doch so engstirnig gar nicht sehen! Schließlich ist Kultur ein hohes und wichtiges GUT! Scheiss watt auf die Blagen!!!

Manch einer wäre froh, wenn er erst mal genug Bildung bekommen würde…aber ich schweife ab.

Audienz bei ihrer Majestät, dem kleinkotz gleich an der Wolga.

Ist ja in etwa vergleichbar mit der Audienz beim Papst. Zumindest genauso schwer zu bekommen, für unsereins.

Dass man den Politikzirkus des Oligarchen-Pflegers damit nur unnötig aufwertet, wen stört es wirklich? Empörung und Bestürzung, gar Entrüstung allenthalben. Aber Konsequenzen? Eher weniger.

Heutzutage ist es auch keine wirkliche Debatte mehr, ob man einfach so Länder annektieren kann. Was in früheren Zeiten durchaus auch einmal zu einem Weltkrieg gereicht hat – das ruft heute nur müde sogenannte ‚Sanktionen‘ hervor. Gut, wirkt dann soviel, wie wenn ich meinem Hund Sanktionen in Deutsch androhe. Solange er weiter sein Futter hingestellt bekommt, wird er mich müde belächeln. Und brav Sitz und Platz machen. Aber sein Lieblingskissen bekomme ich trotzdem nicht. Wer kauft noch mal das Gas? Ein Schelm wer außer böses etwas anderes dabei denkt…

Was also im Falle von außerparlamentarischen Parteien ganz gut klappt – der Boykott und das ‚in-die-Ecke-stellen‘, das ist bei Staatspräsidenten dann etwas schwieriger. Gut, wenn es nicht gerade der völlig weltfremde Nordkoreanische Vortänzer ist. Aber selbst der wird von dem ein oder anderen schon mal besucht. Auch wenn es eher in einer ‚Klapse‘ ist. Die da Nordkorea heißt. Kim-Kim-Kim. Oder wie der sich gleich wieder schimpft. Sung oder Jung oder Dung. Auf jeden Fall ziemlich ‚ill‘.

Also übt man sich darin, eifrig alle in irgendwelche Schubladen zu packen, die nicht bei 3 auf den Bäumen sind. Jede Äußerung wird sofort politisch gewichtet. Und was nicht der Regierungshaltung entspricht, ist sofort extreme linke oder rechte Ecke. Ich weiß selber schon gar nicht mehr, was ich bin. Rechtsextremer Linker? Oder Linksextremer Rechter? Auf jeden Fall wohl eher in der Opposition. Und damit eben auch in der Minderheit. macht nix. Macht Spaß!

So eine Opposition ist ja noch nicht einmal mehr geduldet. Auch durch die Schere im Kopf schon nicht mehr. Wagt man sich ja kaum, zu aktuellen Themen noch öffentlich Stellung zu beziehen. Ist man ja gleich abgestempelt und in die Schublade gepackt. Kommt man dann auch nur schwer wieder raus. Dafür sorgt schon die BILD. Oder andere.

Außer man ist eben Ministerpräsident in Bayern. Dann kann man sich quasi (fast) alles erlauben. Also ist man so ungefähr Staatsvize-vize. Wenn nicht sogar drüber.

Oder aber man ist Filmer/Composer/Darsteller/Produzent/was-weiss-ich-was-noch und heißt mit Künstlernamen Tschiller.

Passt ja.

Fast genauso dämlich wie es Göde oder Motsard wäre. Eher peinlich.

Chill me up scotty.

Denn trotz des ganzen Stress und der Unwirklichkeit des Seins, sei an dieser Stelle mal die Kritik der feinen Vernunft angebracht.

Muss man sich als Schauspieler/Filmemacher/Produzent/Writer/Cutter/Composer nicht wirklich auch hin und wieder Gedanken darüber machen, warum man den Film nicht gleich ganz neu erfindet? Warum werden nicht auch die Filmgeräte, die Filmmusik, die Filmstudios und die Fans von einem selber produziert, composed, gecutted und downgewrited?

Spätestens mit dem Auftritt im Allerheiligsten, dem Fußballstammtisch am Sonntag, wurde mir blitzartig klar, dass ich keineswegs mehr gechilled war. Hatte dieser Typ, gegen den Mister Tausend Volt in Wirklichkeit die Größe einer Babyzelle hatte, sich jetzt auch schon in meine Lieblingsecke gedrängt? Zeit genug, den Fernseher der Verdammnis auszuschalten und von meinem geliebten Zerstreuungssport hinüber zur Realität des Tages zu wechseln. Macht der also nicht nur den Tatort unsicher. Nein, weil keiner seinen neuesten Film ansehen will (droht ein totaler Flop zu werden) und er sich persönlich für die absolute Gottheit der gesamten Menschheitsgeschichte hält…trotz näselnder, nuschelnder Stimme, weil also die niederen Fans nicht in den Tempel strömen um der Gottheit bei seinem neuesten Stunt zuzuschauen…erscheint der also am Sonntag in den frühen Morgenstunden höchstpersönlich beim Fußballstammtisch.

Was, bitte schön, hat dieser Typ dort verloren? Noch NIE Fußball gezockt (na gut, vielleicht mit Kumpels auf der Wiese) und vom übersteigerten Selbstbewusstsein her längst schon der nächste Präsidentschaftskandidat der Republikaner in Amerika – muss er nun auch noch hier seinen Senf hinzugeben. Kaum zu verstehen und immer mal wieder seine nette Tochter in den Apparat haltend. Die nächste Moderatorin. Auf jeden Fall.

Da fallen einem gar keine Schubladen mehr ein, die noch unbesetzt sind.

Aber zum Glück gibt es ja die Aus-Taste.

Obwohl. Wenn der gleich mal wieder auf alle einpöbelt wie der berühmte Elefant im Laden mit den Mingvasen…das hätte schon was.

Mir reicht es aber wieder.

Mein Flieger geht gleich.

Ich muss mit Lieblings-Bundespräsident und dem tollen Außenminister und dem Kanzleramtsminister und den ganzen anderen wichtigen Fuzzies mit besonderen Aufgaben schnell mal rüberjetten zum Assad. Um dort meine Bestürzung klar zum Ausdruck zu bringen. Meine Besorgnis. Und meine tiefe Abwehr. Ich verurteile dies ja auf das schärfste.

Was genau?

Ist das nicht ebenso egal wie die blöden Sprüche der Machthaber? Abgespultes Politik-Bullshit-Bingo. Jeden Tag einen Satz -heiße Ohren am Besten…

Wird Zeit, dass die alle in der größten Schublade verschwinden. Der Menschheitsgeschichte. Damit WIR hier mal wieder was gebacken bekommen auf Erden…ne, keine kleinen Brötchen. Und geh mir bloß weg mit dem Krimsekt…

WEISSE BESCHEID, ne?

Ein Gedanke zu “Schubladen im Elefanten – Porzellanladen

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