Die flatulative Osmose

Lieber Tagesbuch,

herrscht ja eindeutig eher beim Mann vor. Zumindest ist mir in all den bisherigen Lebensjahren selten ein weibliches Exemplar untergekommen, welches mit derartiger Monstrosität der Flatulenz huldigt – wie eben der Mann.

Äußert sich bei manchen dieser Art darin, dass tatsächlich sogar Spiele damit verbunden werden. Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang immer an meinen Opa, der mich als kleines Kind immer aufforderte, an seinem Zeigefinger an der rechten Hand zu ziehen. Und in dem Moment, in dem ich dies tat, entfuhr es ihm. Mächtig, laut, oft auch grässlich stinkend, was evtl. auf die Zusammensetzung seiner Darmflora Hinweise hätte eröffnen können, wenn ich denn zu diesem Zeitpunkt bereits ein erfolgreiches Medizinstudium hinter mich gebracht gehabt hätte. Dies war nicht der Fall und so zog die Duftwolke ungehindert über die gesamte Fläche der angrenzenden Grünanlage. Ohne nachfolgende Analyse über deren genaue Zusammensetzung und die vorausgegangenen Prozesse.

Diese Art der offen zur Schau gestellten Flatulenz, der flatulativen Osmose halt, bei der jede Zelle des Körpers die eigenen Stoffwechselprodukte über die Darmwinde aus dem Körper abführt, ist bei Männern scheinbar nicht selten anzutreffen. Zumindest war immer mal wieder jemand dabei, der ungeniert in der Öffentlichkeit sein Innerstes nach außen gekehrt hat.

In den meisten Fällen nicht gerade zur Erheiterung der Umwelt – sondern eher um Empörung und Missgunst zu ernten. Oder wie sagte ein Komödiant letztens? Scheiße is, wenn der Pfurz watt wiegt.

Auf solche tendenziell wichtigen Erkenntnisse kommt halt auch nur, wer seine Düfte nicht sammelt. Was mich wieder dazu bringt, dass ich den Nutzen von Aktivia immer noch nicht verstanden habe. Kann es tatsächlich sein, dass man NICHT pupsen kann? Ist als Mann nahezu unvorstellbar. Gerade bei Vollkornbrot und ausgewogener Ernährung bin ich quasi ein sich ständig in der Gasproduktionsphase befindlicher Zellhaufen in einem Fleischsack. Es gärt rund um die Uhr in mir. Nun nicht nur wegen der Weltpolitik, in der auf der einen Seite die Abschottung und das absolute Paradies versprochen werden – um auf der anderen Seite die halbe andere Welt in der Zwischenzeit mit einem Bombenteppich zu belegen. Ideologien, Religionen, Kriege. Habe ich mir nie etwas draus gemacht und ich muss sagen: ich brauche es auch nicht. Da furz ich sozusagen drauf.

Der eine hortet also die Dämpfe in seinem Inneren, der andere irgendwelche Dinge in seinem Haus oder seiner Wohnung. Nennt sich dann Darmverstopfung oder Messie. Ganz danach, welchem Laster man nun genau frönt.

Wobei der Messie natürlich das entscheidend größere Problem hat – weil er irgendwann noch nicht einmal mehr auf sein eigenes Klo kann. Um Dampf abzulassen oder geschweige denn an seinem Körper irgendwelche Tätigkeiten vorzunehmen. Sei es auch nur zur Pflege desselben. Alles voller Bananenkisten oder Plastiktüten.

Ganz abgesehen von den alten Möbelstücken und Hüten, Vasen, Taschen, Pumpen, Kompressoren oder kleinen Heizkraftwerken. Was sich halt so ansammelt wenn man hin und wieder mal auf den Flohmarkt geht. Da sind andere froh, dass sie den Müll endlich quitt geworden sind – und ein ehrenwerter Messie hortet die neuen Errungenschaften. Nicht, dass mir das harte Schicksal nicht bewusst ist.

Und vor allen Dingen: ich möchte mich nicht über Krankheiten lustig machen, weit gefehlt. Die bedürfen der Behandlung, ohne Frage. Wobei sich mir schon die Frage stellt, ob nicht schon die ganze Welt erkrankt ist. Aber dies ist mal wieder eine andere Geschichte.

So sammelt man also vor sich hin, bis die ganze Bude ohne den Trödeltrupp nicht mehr beherrschbar ist. Und die kommen dann und schmeißen einfach die Hälfte weg. All das, bei dem man jahrelang in seinem Kopf sagte: das kann man doch noch gebrauchen! Ist vielleicht die Erziehung in den Kindheitstagen, kurz nach Kriegsende, ein wenig schuld daran.

Damals trichterte Oma uns allen doch schon ein, dass man lieber etwas repariert als wegschmeißt. Hat man ja nicht so viel davon, von diesen Dingen. Und darum muss man die schon pflegen und aufbewahren und eben auch reparieren. Während Opa mir wieder seinen rechten Zeigefinger hinhielt. Was auch so ziemlich seine abschließende Sicht der Dinge beschrieb.

Was störte es ihn schon? Hatte er doch sein Leben schon gelebt und nun ging es nur noch darum, die Rente sinnlos zu verprassen. Rente? Ja, ich weiß, etwas, was man heute kaum noch versteht. Zumindest, dass man davon leben kann. Geschweige denn große Sprünge machen. Oder gar den Zeigefinger hinhalten. Aber: die Renten sind sicher! Nicht die Höhe, aber eben der Begriff. Auch eine andere Baustelle, kommen wir noch mal dazu. Stichwort Altersarmut.

Stapeln sich also die Erinnerungen und der Müll der Geschichte im Hausflur. Bis es den Angehörigen oder den Nachbarn stinkt. Da hilft dann meist wirklich nur noch die Radikalkur. Alles weg und endlich mal wieder besenrein machen, die gute Stube. So ein Frühjahrsputz hilft ja auch der Seele. Zumal entrümpeln IMMER gut tut. Schließlich belasten viele Dinge einfach nur unser Leben. Man baut sich sozusagen komplett zu. Materielle Bindung an eine immaterielle Zukunft. Denn diese existiert ja erst mal nur im Kopf. Was uns wieder dazu bringt, zu erörtern, was am anderen Ende oft herauskommt. Neben der ganzen Scheiße, die den lieben langen Tag so weltweit ans Licht der Öffentlichkeit kommt.

Wusstest du übrigens, dass ein Abgeordneter NACHDEM er sein Mandat niedergelegt hat, für jedes Jahr mit Mandat 18 Monate lang knapp 9.000 Euro Überbrückung bekommt? Heißt also, man war, sagen wir mal, 11 Jahre im Bundestag – und plötzlich fällt auf, dass man ja gar kein Hirn hat. Muss man sein Mandat niederlegen. Und bekommt dann noch satte 16 Jahre seine Überbrückung. Also muss man erst mit 40 in die Politik. Um bis zur Rente ausgesorgt zu haben. Das sind doch mal echte Perspektiven! Gerade für die junge Generation, die laut aktuellen Nachrichten ja nicht mehr so sehr konsumieren möchte.

Wovon auch? Vom Mindestlohn und von befristeten Verträgen? Da wird man doch gern Politiker! Und lässt so manches mal Dinge ab…von denen man auch denken könnte, es wäre nur ein Furz in der Weltgeschichte.

Und manch einer, der lässt ja auch mal heimlich einen fahren – im Aufzug. Wenn niemand dabei ist. Nur um dann im nächsten Stockwerk peinlich berührt auszusteigen – weil vor der Tür jemand wartet. Und man ja allein im Aufzug war. Wer sollte sonst wohl dort drinnen gefurzt haben? Schlimm, schlimm. Aber auch wieder gut, dass man die eigenen Dämpfe prima riechen kann.

Sonst würde man als Mann auch ziemlich schnell am Ende der eigenen Kräfte angelangt sein. Oder zu Anti-Aktivia greifen. Um der Flatulenz Einhalt zu gebieten. Kann ja sonst auch keiner aushalten! Außer, man bewegt sich im Parlament der geistigen Flatulierer. Wenn man nicht gerade Hirn-Dünnschiss hat. Und von Demokratie und Todesstrafe faselt. Soll es geben. Was sich alles so Demokratie schimpfen darf. Tststs. Da lobe ich mir doch die Einstellung von Opa.

‚Hier, zieh mal dran!‘

Hält mir den Zeigefinger hin – und ich zieh wieder dran. Obwohl ich das ganze doch schon kenne.

Ach Oppa, du warst schon eine Granate!

 

WEISSE BESCHEID, ne?

 

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