Brotdose Kunst

Lieber Tagesbuch, 

ist es, wenn ich mich vor eine Leinwand stelle und mit meinem Eigenurin getränkte Acrylfarbe mit einem Pinsel auf dem weißen Untergrund verteile. Wenn ich dabei meine Stulle esse, könnte man meinen, ich würde meinem Erwerb nachgehen. Und so sehen dies ja weltweit auch viele Kunstkritiker. Bis zu mehrere Millionen Euro werden da hirnlos verbrannt in dem man in solche Werke investiert.

Wobei auch ein Gorilla oder ein Pavian, bewiesenermaßen, solche hoch abstrakten Strichzeichnungen hinbekommen. Da lobe ich mir die Malerei des Gegenstands, bis hin zu sehr abstrakten Darstellungen wie dem Kubismus. Weiterentwickelt hat sich da, zumindest für mich, jedoch nicht mehr viel. Gut, man zahlt heute Unsummen für dieses Gekritzel – aber ein Sohn oder eine Tochter erledigen diese arbeiten auch – ohne dass man dafür Wahnwitz im Portemonnaie spielen müsste.

Aber ich bin ja ein Banause.

Stehe im MOMA und sehe eigentlich nichts. Also nichts, was mich wirklich interessiert. Kann man sich dann auch schenken. Oder anderen. Die freuen sich dann über die Karten.

Apropos freuen:

Es soll tatsächlich Momente geben, in denen sogar eine Kanzlerin lächelt. Der Gegenkandidat macht es vor und kommt aus dem grinsen nicht raus. Nix vorgestellt und trotzdem schon besser. Das schafft selten einer! Zumal er ja nun nicht für einen Neuanfang steht sondern eher für das weiter so. Was Parlamente und Demokratie anbelangt. Aber ich halte mich da raus. Solange die Parteien glücklich sind und die Diäten passen.

Zurück zum Thema.

Also wenn ich morgens oftmals in meine Brotdose schaue, dann ähnelt dies ja schon sehr der abstrakten Kunst die man heutzutage bei den Auktionshäusern unter die Leute bringt.

So mit Chia und Kürbis und Sonnenblume und noch weiteren 10 Sämereien. Lecker. Kann kein Bäcker so hinkriegen wie ich. Dessen bin ich mir bewusst. Und bestaune halt jeden Morgen aufs Neue ein Kunstwerk.

Nur würde mir natürlich für eine selbst gestaltete Stulle niemand den Nobelpreis für alternative Kunst überreichen – weil es den ja nicht gibt. Aber er müsste erfunden werden. Dann könnte man alljährlich über die Experten staunen – wie auch beim Wort des Jahres.  

Die GfdS versetzt mich ja immer wieder ins Staunen.

Ist doch die Aufstellung des Jahres immer auch ein wirklicher Scheinwerfer auf die Dinge, die die Menschen in dieser Zeit bewegt haben. Schau mal rein, es ist wirklich bemerkenswert. Man kann sich in jedes Jahr hineinversetzen.

Und wo wir schon beim postfaktischen sind: der Rennfahrer Sebastian Vettel heißt mit bürgerlichem Namen Sebastian Vettel und ist Rennfahrer! Woher ich das weiß? Es sind halt die Werte unserer Zeit. Die Brüder oder Schwestern verdienen Millionen oder Milliarden mit ihren Hobbys, andere in dem sie sinnfreie Finanzprodukte verhökern und sich ungehemmt bereichern – und die Dritten sehen dabei zu, halten die Taschen auf und beschließen dann Gesetze, um dies alles auch noch zu legitimieren. Unter strenger Diät versteht sich. Und andernorts soll es Leute geben, die tatsächlich nach Pfandflaschen fischen.

Verrückte und auch Perverse Welt. Schließlich könnte man etwas ändern, wenn man nur wollte. Aber wenn am Volke vorbei regiert wird, dann bleibt einem Nichts als staunend da zu stehen und zu registrieren: die Masse ist damit zufrieden!

Der Souverän soll in der Zwischenzeit lieber Auto fahren auf Autobahnen ohne Geschwindigkeitsbegrenzung und so eben jauchzend dahinbrettern ins Grüne hinein. Sorgenfrei. Und GroKo wählen. Auch ein Wort des Jahres.

Aber eben auch Grüne und Terrorist. Wobei die beiden sich jetzt eher gegenseitig ausschließen. Auch wenn man die ersten Jahre der Grünen im Parlament durchaus als Terror bezeichnen konnte. Für die Etablierten. So ganz ohne Regeln und Benimm – einfach nur Protest der Bürger. Herrlich. Nun sind sie eher angepasst und ruhig und dümpeln so in den Parlamenten herum. Man hat sich an die Diäten und Pöstchen gewöhnt. Nis mehr mit Revolte oder Protest. Heute zeigt man mit dem Finger auf die, die Protestieren. Wofür auch immer. Arme Demokratie, so wackelig, dass man nicht einmal Faschisten belächelt ins Parlament einziehen lassen kann um sie dann argumentativ zu bekämpfen. So weit sind wir denn dann doch nicht. Knappe 100 Jahre danach. Seltsam.

Und wen soll ich nun wählen, fragt sich dann unsereiner…?

Hmmm.

Ich würde Dali wählen. Oder Picasso. Oder sogar Rembrandt. Da bekam man was für das Geld. Und es war eine Investition in die Zukunft.

Eben das genaue Gegenteil der Brotdosen-Kunst von heute. EGAL von welcher Partei, wohlgemerkt. Ernst heute, ich weiß. Aber musste sein. Bevor mir noch der Kragen platzt…

WEISSE BESCHEID, ne?


 


 

 

Sie haben 5 Minuten gedacht

Lieber Tagesbuch, 

aber das Tagesziel waren 10 Minuten. Was nun?

Gut, heutzutage kann man bei den ganzen Parolen und Dampfplauderern in Politik und Kultur oftmals eher erkennen, dass diese lieben Menschen vielleicht sogar unter einer Minute liegen. In der Woche. Mit der eigenen Denkleistung. Warum sollte man auch mehr Gehirnschmalz verbrennen als Schmalz auf der Stulle ist? So von wegen Energieerhaltung und EEG-Umlage. Könnte man sich glatt umlegen – oder andere. Oder angewidert abwenden. Aber sind das wirklich Alternativen?

Oder regiert man einfach durch? Ohne Rücksicht auf Verluste? Oder macht am besten gar nichts, sitzt alles aus und plaudert irgendwelche Worthülsen die niemand versteht oder auch verstehen möchte. Man ist dann bestürzt. Oder gar betroffen. Und verurteilt auf das Schärfste. Wow.

Das nenne ich mal Demokratie!

Wenn wir nicht mal mehr die Auswahl haben – oder einem eine Auswahl vorgeGAUCKelt wird. Oder Vorgesteinmeiert. Wie man es eben möchte.

Wie schön wäre es gewesen, wenn hierzulande nach dem Aufbruch 90 eine WIRKLICHE Demokratiebewegung aufgestanden wäre und die Parlamente erobert hätte! Direkte Demokratie bis zum abwinken. Ich möchte mir das gar nicht genauer vorstellen. Aber das hat eher Gründe in der Abwesenheit von Wissen innerhalb der heutigen Gesellschaft.

Womit ich beim Thema wäre.

Habe ich mir, wahrscheinlich als letzter auf diesem Planeten, scheint zumindest so, einen kleinen Sklaventreiber angeschafft. Einen, der mir täglich sagt, wie viel ich geschlafen und mich bewegt habe. Wichtige Informationen, die man braucht um ein glückliches Leben zu führen. Ebenso die Information, dass die 8 Stunden schweres Laufen exakte 32 Kilokalorien verbraucht haben! Heissa! Fast ein halber Joghurt! Da kann ich ja wieder prassen und schlemmen…

Also einen Fitnesscoach jetzt nicht direkt – sondern eines dieser netten Bänder, die einen also auf Schritt und Tritt, neben NSA und BKA über das Handy, überwachen. Und am Ende des Tages dann ein untrügliches Ergebnis ausspucken. Zuwenig gelaufen! Zuviel geschlafen! Also Normalzustand. Der muss schleunigst geändert werden um nicht an Adipositas schrecklich zu verenden. Wo doch vor knapp 150 Jahren die ‚Normalos‘ höchstens 28 Jahre alt wurden, im Schnitt. Und heute, mit circa 100 Kilo Übergewicht schleppen wir uns bis ins hundertste Jahr der Pflege und liegen dem Staat auf der Tasche! Unverschämt! Rente ab 85 oder bis 70 fordere ich da!!!

Zurück zum Thema.

Diese kleinen Maschinen sind ja erst der Beginn der gesamten Entwicklung die uns noch bevorsteht, wage ich mal zu prognostizieren. Überwachen unsere Schritte und die Atmung sowie den Puls oder auch gleich den Blutdruck. In der Steigerung haben wir dann unsere kleine Netzbrille auf, die uns mit den wichtigsten Daten der Umgebung versorgt (direkt auf die Netzhaut projiziert) – und nebenbei misst, wie viel wir denn so den Tag über nachgedacht bzw. unser Gehirn benutzt haben.

‚Sie haben heute nur 5 Minuten wirklich nachgedacht. Und dies nur, weil sie nicht mehr wussten, wo das Klopapier liegt. Dies war wenig effizient und ihr Tagesziel lag sowieso bei 10 Minuten!‘

Ups. Tut mir leid. Also schnell den Bildungsfernseher angeschaltet und die aufoktroyierte Zwangsdokumentation in der Mediathek geschaut. Mindestens 20 Minuten. Weil man nach 30 Sekunden ja eh schon wieder mit den Gedanken abschweift zu Kollegen, Arbeit, Sport oder was weiß ich. BLOSS keine Politik. Oder ähnliches. Oder NACHDENKEN! Warum? Sollen sich doch die anderen die Gedanken machen. Und da passt das Paarungsverhalten der neu kaledonischen Sumpfdotter-Assel hervorragend ins Programm. Warum habe ich das nicht schon eher gewusst? Vielleicht hilft mir das mal bei einer Quizshow? Hört sich wie die ultimative Frage an: wie oft paaren sich die neu kaledonischen Sumpfdotterasseln im Durchschnitt pro Stunde während der Sommersonnenwende?

Wer sich darüber Gedanken macht, der sollte mal eine andere Droge ausprobieren. Oder weniger davon nehmen. Oder entscheidend MEHR!

Also quasi wie in der Politik.

Auch dafür könnte man ja dann Roboter engagieren, in den Parlamenten. Können die da den lieben langen Tag vor sich hin diskutieren. Und wer möchte, kann dem sogar zuhören. Nur wer würde das wollen? Wozu sollte man denn auch alles selbst erledigen?

Denn selbst der Doktor wird dann ja wohl irgendwann nicht mehr der eigene Onkel sein („…das ist der Onkel Doktor, vor dem brauchst du keine Angst haben, der macht nur kurz pieks und dann ist alles wieder gut! Und nachher gibt es ein Eis und ein Comicheft!“ Hurraaa! Wunderbare Kindheit!).

Ist dann eine Maschine die vollkommen leidenschaftslos die Körpersäfte analysiert und mit dem Sachbearbeitungscomputer der Krankenkasse deinen Fall durchgeht. Innerhalb von Millisekunden versteht sich. Während man sich wieder anzieht sozusagen. 

‚Mein Kollege von der Kasse und ich, wir sind beide der Auffassung, sie sollten ab heute 30 Minuten mehr Sport machen. Wir haben sie bei City-Fit angemeldet. Die Beiträge werden sowieso abgebucht und wir überwachen sie per GPS. Also machen sie lieber keine Dummheiten!‘

Geht man also mit einem dummen Gefühl nach Hause und beichtet seinem Partner, dass man aufgrund des übermäßigen Genusses von Teigwaren und hellem Mehl nun täglich eine halbe Stunde später nach Hause kommt.

„Wieso? Hast du etwa eine neue Sekretärin?“

„Ne, aber einen neuen Onkel. Der ist zufällig auch Doktor. Also MEIN neuer Doktor.“

„Das kannst du wer weiß wem erzählen! Du bist um Punkt 4 hier zuhause! Damit das mal klar ist!“

Na Toll.

Also weiter total überhöhte Beiträge für ein nicht genutztes Fitness-Abo zahlen und jeden Monat dem Computerdoktor eine neue Story auftischen! Bis auf den Computer also alles exakt wie heute auch…

Aber wenigstens meckert das Überwachungsband nicht mehr.

Heute 10 Minuten darüber nachgedacht, wie ich den Onkel Doktor austrickse!

Ziel erreicht.

Und in der nächsten Woche überlege ich mir dann ein paar Doktorspiele

Aber das ist ein vollkommen anderes Thema…

WEISSE BESCHEID, ne?

 

Digitalisierung 2016.0

Lieber Tagesbuch,

ist, wenn ein Pokemonjagender Mobiltelefonanstarrer von einem autonom fahrenden Tesla-Auto überfahren wird, dies durch ein Google-Auto aufgenommen und durch eine Verkehrsüberwachungsdrohne komplett aufgezeichnet wird. Willkommen in der neuen Welt. Und die Amazon-Drohne blinzelt verstört beim Paketausliefern auf die Straße und versteht die Welt nicht mehr…

Was genau mag denn nun Digitalisierung sein? Fragst du mich das jetzt wirklich ernsthaft?

Nun, nehmen wir mal an du bist krankenversichert. Dann wird zukünftig der Arztbesuch gar nicht mehr nötig sein. Du schnappst dir morgens früh dein Handy, startest die App deines Hausarztes, der schaut sich über die Kamera deine Prusteln im Gesicht an und schreibt dich krank. Das geschieht unmerklich für dich im Hintergrund. 

Dabei wird erst der Arbeitgeber informiert – und danach die Krankenkasse. Du kannst dich hernach direkt in die Apotheken-App begeben, dort dein Medikament raussuchen (verschiedene Hersteller, mit manchen hast du vielleicht sogar eine Kooperation, d.h. die Sponsoren deiner Tochter die Blockflötenstunden dafür, dass du ihre Produkte kaufst) – und dieses wird dir dann per Drohne zugesandt.

Nach cirka 20 Minuten Flugzeit. Spätestens jetzt musst du deinen Arzt bewerten und für deine Krankenkasse dessen Rechnung freigeben.

Danach wieder ab ins Bett und genesen also. Bis dich am nächsten Morgen die App darauf hinweist, dass du ja sowieso in diesem Jahr schon öfters krank warst und man dir sofort die nächsten 3 Wochen als Krankzeit vorschlägt. Kommt jetzt auch nicht mehr drauf an. Und die Diagnose liefert man dir schon vorab anhand deiner im Klo gemessenen Körperflüssigkeitswerte. 

Nebenbei solltest du die Aufnahme von Alkohol reduzieren, rät dir die Arzt-App. Und gestern, der Fisch, der war aber nicht MSC – und schon gar nicht Bio. Und schon nervt das schlechte Gewissen. Schließlich kann von diesem einen Fisch das leben einer ganzen Fischerfamilie abhängen! Zumindest erscheint es so. In Wirklichkeit trifft es nur einen dieser riesengroßen Fischfang-Trawler im Atlantik – und der kann es weiß Gott verkraften…

Schöne neue Welt.

In der auch schon sehr früh feststeht, wer oder was du wirst. Vor allen Dingen haben deine Eltern dich schon vorher im Baukasten zusammengesetzt. Kann eigentlich kaum noch was schief gehen.

Mit der kleinen App auf dem Smartphone wurde der perfekte Samencocktail zusammengestellt, vom Labor dann fertig gemixt und per Drohne zugestellt. Gut, guter Sex sieht jetzt anders aus – aber was tut man nicht alles für die Menschheit? Möchte nicht jeder einen kleinen Galileo oder Albert? Oder eine Marie? Was gäbe die Welt für einen neuen Jesus oder eine Jesine. Muss man ja nicht gleich wieder an die Wand nageln. oder an ein Kreuz. 

Fällt mir ein, was wäre gewesen, wenn man Jesus geköpft hätte? Würde dann heute jeder mit einem Schwert um den hals herumlaufen? Gut, in Zeiten von Terror und der wahlfreien Ausübung von grober Körperverletzung mit Todesfolge oder jeglichem anderen groben Unfug (ich sage es gleich: ich halte mich aus allen Diskussionen hierzu heraus. Bringt nix. Denn meine Argumente sind nicht tödlich!) kann so ein Mordinstrument bei der Hand oder besser am Hals sicher nützlich sein. 

Aber dann hat ja jeder eins. Halt so wie im kalten Krieg. Alle haben eine Bombe und darum nutzt sie keiner. Ja, so verrückt ist der von den Bäumen heruntergestiegene Affe! Wohl wahr! Manche hielten ja eben dieses verlassen der Bäume schon für den großen Irrtum. Andere gehen noch weiter und finden, wir hätten nicht mal das Wasser verlassen sollen. Besser für uns wäre es sicher gewesen. Gäbe es jetzt Planktoncocktails auf dem Meeresgrund. Aber das ist eine andere Geschichte.

Gut, gibbet also am Spielplatz um die Ecke zur Genüge Jesines oder Jesusse in Tateinheit mit der bekannten Schackeline. Aber wir reden hier ja eher nicht von den Kindern mit sehr viel Potential – also enormer Luft nach oben -, die zumindest schon mal den Stift so halten können wie der Turm in Pisa steht. Zwar schief – aber dennoch lässt sich damit auch ein Wort hinkrakeln. Auch dabei ist man nicht mehr ganz so genau, schließlich wird auf Tablets geschrieben, die Autokorrektur übernimmt den Rest. Selbst der größte Dummbatz bekommt auf diese Weise Weltliteratur hin! Alle Minuten lang ein neuer Shakespeare! Nun, nicht exakt so lang und detailliert bzw. Pointen reich – aber zumindest hört es sich fast schon an wie Englisch. Das Deutsche. Sind wir akut ja auch nicht sehr weit weg von.

Kaum Werbung, in der nicht alles irgendwie besser ist, weil es ‚repair‘ oder ‚revitalift‘ oder ’smoothie‘ ist. Hinzu kommen ‚Events‘ und ‚Spots‘ die dein ‚Life‘ irgendwie besser machen. Es ‚upgraden‘.  Tja, manches mal wünschte ich mir weniger Werbung und mehr Hirn. Aber man kann ja bekanntlich nicht alles haben. Und wer schon Persil und Omo hat, der braucht sich um eine gescheite Gehirnwäsche keine Sorgen mehr zu machen. Ünrigens werden pro jahr 60 Millionen Tonnen Phosphor in die Kloake gespült. Die Hälfte unserer Einfuhren an Phosphor kippen wir wieder weg! Das nenne ich mal Weitblick! Ist so, als wenn ich am Geldautomaten nach jedem Abhebevorgang die Hälfte meines erhaltenen Geldes verschenken würde. Fände ich auch wieder toll. Würde ich den ganzen Tag nur an Bankautomaten stehen! Karriere als Bankautomaten-Vorsteher. Chief of – versteht sich. Man macht ja auch seinen Master und den Bachelor. 

Ich sags ja…denglisch sei dank. Aber nicht mal das ziehen wir durch. Könnte man doch zumindest schon mal das seidt einführen (Kombi aus seit und seid) und den bestimmenden Artikel endlich weglassen. Man liest ja auch kaum noch bestimmende Artikel. Alles eher Einheitsbrei. Auch wieder eine andere Geschichte.

Alles das ist auch bereits mit kleinen bunten Pillen erreichbar. Realität und keine Fiktion. Viagra und Co. lassen grüßen. Täglich wird es mehr. Und in Zukunft sind sogar direkte Eingriffe ins Hirn denkbar. Gut, macht man jetzt nicht so sehr viel kaputt. Von daher sag ich mal: schlimmer geht es eh immer! Also warum nicht? Wären wir wieder bei der Schnittstelle im Kopf, du erinnerst dich?

Naja, auf jeden Fall sind deine Lehrer dann das Internet und diese kleinen, süßen Roboter die dich durch deine Kindheit und Pubertät bis ins Erwachsenenalter begleiten. Kleine Pokémons und PacMans.

Und ein jeder hat eine Brille auf (was ja auch die Diskriminierung der Brillenträger endlich beenden würde) mit der er sämtliche Zusatzinformationen zu einem Objekt sofort eingeblendet bekommt. Steht man also vor der Sehenswürdigkeit und die Datenbrille sagt einem: hey, is 80 Jahre alt, heißt Omma Krawuttke und lebt hier im Altersheim um die Ecke. 

Was die jetzt gerade hier splitterfasernackt vor dem Picasso im Museum macht – man weiß es nicht genau. Aber zumindest erkennt man auf Blick oder Kopfnicken hin, wer die Erziehungsberechtigten waren und sind. Und wie viel Omma Krawuttke im Monat so an Rente kriegt. Und was sie gestern gegessen und eingekauft hat.

Gut, das würde jetzt wieder nur der Ordnungshüter sehen. Der sieht aber auch sofort alle Einträge zur Sprache der gestrigen Woche. Also alles, was Omma Krawuttke in der letzten Woche so vom Stapel gelassen hat.

In Einzelfällen vielleicht nicht so interessant. Aber insgesamt und in BIG DATA sicher ein willkommenes Highlight jeder autoritären Regierung. Die einem durch die Datenbrille natürlich auch immer anzeigt, wie etwas gerade aktuell heißt oder welche Wertung es gerade hat. Doppelplusgut sag ich nur.

Also in all der schönen Zeit in den Allergenfreien Bereichen der Großstadt werden immer mehr und weitere Daten über dich gesammelt. Und die verfestigen dann dein Bild. So dass ein jeder sofort weiß, woran er bei dir ist. Wie erwähnt eben auch der liebe Herr Staat. Der damit dann auch schon weit vor der anstehenden Wahl weiß, wen du denn wählen wirst.

Und darum muss die Wahl ja auch erst gar nicht stattfinden – weil das Ergebnis eh schon feststeht. Das wäre dann auch Demokratie 2.0! Heissa! Und Politiker die ihre Vita oder ihre Abschlüsse gefälscht haben oder irgendwo abgeschrieben oder sonst wie gelogen und korrumpiert haben – gibt es gar nicht mehr. Nur noch Politroboter die den lieben langen Tag nichts anderes tun, als das für und wieder zu debattieren. und zum Schluss wird abgestimmt.

Sagst du jetzt, wo ist der Unterschied zu heute?

Gut, die kosten eben nur noch Strom. Keine dicke Diät mehr.

Und wenn der durch Wind, Wasser und/oder Sonne hergestellt wird…ist doch erst mal alles gut!

Während das Volk draußen Pokemons jagt oder bei der EM/WM/AM/BM/CM zu Hause vor der Glotze zuschaut.

Arbeiten muss ja auch niemand mehr, denn sämtliche Jobs der Welt werden komplett von Robotern erledigt. So dass der Mensch sich ganz auf seine guten Seiten besinnen kann. Ich hatte es bereits beschrieben, du erinnerst dich sicher.

So malt der gute Mensch dann halt Ölgemälde aus Urin oder bastelt aus Filz kleine Hüte. Oder baggert in seinem Garten herum. Ganz, ganz kecke nehmen 3 Stunden lang den gerade im Garten entdeckten wilden(!) Vogel auf. Solange der Akku reicht. Und ein ECHTER VOGEL: Kein Pokemon! Wow!

Lange keinen mehr gesehen. Außer im Zoo oder im TV.

Schöne neue Welt halt…alles so wundervoll bunt! Und sogar in HD! CURVED! Also gebogen…für uns Ältere…

Weisse Bescheid, ne?

 

 

Küche Gobi

Lieber Tagesbuch,

ist eine in Deutschland bekannte Service-Wüste auf diesem Planeten, die ich an den letzten Wochenenden live erleben bzw. erfühlen durfte. In einer normalen Wüste droht ja wegen der vermehrten Hitze das verdursten und eine damit verbundene Austrocknung des gesamten Körpers. Diese Gefahr besteht in der allseits bekannten deutschen Servicewüste eher nicht.

Wenn man nach etwas gefragt wird, dann ob man Wasser möchte. Ist ja auch billig. Bei ca. 20T€ für die nigelnagelneue Küche – da sind die paar Cent für das Mineralwasser doch eine gern angebotene Dienstleistung. Ein Klacks sozusagen.

Die Servicekraft – besser: der Mundschenk – ist auch zu weiterführenden Aussagen nicht fähig, denn auf die Frage, ob man einen Termin machen möchte oder wie lange die Wartezeit für einen Berater ist (wir haben ja verkaufsoffenen Sonntag und damit Verständnis, dass nur mit einer Notbesetzung angetreten wird!) schaut einen die Servicekraft an, ist konsterniert, ihm fehlen die Worte, er blickt durch einen hindurch und fixiert irgendetwas an der gegenüber liegenden Wand. Plötzlich und unvermittelt schaut er einem wieder leicht erstaunt mit weit aufgerissenen Augen in die eigenen – und fragt: ‘Möchten Sie etwas trinken? Ein Glas Wasser vielleicht?‘

Nur ganz leicht an der Beantwortung der eigentlichen Frage vorbei – aber gut, wir haben ja als deutscher Normalbürger immer absolutes Verständnis, zumal wenn jemand am heiligen Sonntag arbeiten muss, drehen eine kleine Runde in der modernen Küchenwelt mit ca. 1.5 Mio. gefühlten ausgestellten Küchen (alle zusammengerechnet auf mehrere Häuser verteilt), stellen fest, dass die Notbesetzung aus 8 Mundschenken, 2 Empfangsdamen und einem Berater besteht. Das ist sinnig. Der eine Teil trägt dabei kleine Schilder mit der Aufschrift ‚bitte nicht ansprechen‘, ein paar andere das Schild ‚Kollege kommt gleich‘ und der Rest das blaue Schild mit ‚Do you speak Kisuaheli?‘.

‚Wir wollen ja hier auch gar nichts verkaufen, wir stellen hier eigentlich nur Accessoires für den Küchenbereich aus…und der Rest ist hier nur zwischendurch eingelagert, was die Küchen und so weiter anbelangt.‘

Na dann.

Nachdem wir unsere vergnügte, obligatorische Runde erneut gedreht haben (auf die komme ich später noch, auf die Marathonrunden in den einzelnen Häusern) landen wir schlussendlich wieder einmal beim Empfang des Hauses.

Die Dame hinter und mit der Theke empfängt sicher gerade Signale aus den entfernteren Bereichen des sichtbaren Kosmos. Eventuelle Hintergrund- oder Mikrowellenstrahlung. Braun gebrannt ist sie ja schon. Der Empfang scheint etwas gestört, sie schaut auch ein wenig irritiert – verdrückt dabei aber das 4. Stück Kuchen, der eigentlich für die massenweise auftretenden Interessenten an diesem Sonntag der offenen Verkaufsfläche gedacht war. Der Kuchenteller leert sich zusehends, der Kopf füllt sich hingegen langsam mit den empfangenen Signalen aus dem Über-Ich – und nach einer längeren Metamorphose dreht sich der Formwandler tatsächlich zu uns um und fragt:

‚ Möchten Sie vielleicht etwas trinken?‘

Auf die Frage, ob man einen Termin machen sollte oder warten oder doch vielleicht später nochmal kommen sollte (am Sonntag von 13-18 Uhr geöffnet immerhin!) antwortet Sie zunächst nicht, sondern empfängt scheinbar wieder.

Zwischendurch empfängt ihr Magen noch ein wenig von der bereits erwähnten gebackenen Süßspeise und der Mundschenk steht schon wieder mit seinen wahnwitzigen Augen neben mir, ich erschrecke mich kurz und heftig zuckend, mich fröstelt, als er mich leicht berührt und mir in das rechte Ohr haucht:

‚Möchten Sie etwas trinken?‘

Ich überlege gerade, ob ich ihm beim nächsten Mal nicht direkt das DU anbieten soll – macht es dann ja auch irgendwie persönlicher und er kommt sich dann in seiner Rolle sicher nicht so herabgesetzt vor – da bricht plötzlich der Empfang der Empfangsdame wieder ab und sie reagiert auf die Frage von vor 10 Minuten.

‚Hmmm. Vielleicht warten Sie und trinken in der Zwischenzeit etwas?‘

Sie schaut angestrengt in Ihre Liste, die entfernt dem New Yorker Telefonbuch ähnelt, blättert, empfängt kurz, blättert, beißt noch einmal genussvoll in den Schokoladenkuchen…und versinkt wieder in Lethargie. Empfang ist schon anstrengend.

Nach einer weiteren Runde und einer vergangenen halben Stunde, mittlerweile mache ich mich schon über die Namen der gestorbenen Bäume, die zu Furnier verarbeitet wurden, lustig, sind wir wieder am Empfang – der diesmal allerdings nicht besetzt ist.

Der Mundschenk steht wieder neben mir, unentschlossen zwar, aber mit einem vollen Tablett Wassergläser in verschiedenen Variationen und sieht mich dabei sehr hoffnungsvoll an.

Hmmm. Vielleicht sollten wir doch etwas trinken? Sonst verdursten wir noch…sind ja hier in Gelsenkirchen, Gelsenwasser ist ja auch nicht mehr das, was es mal war, seit dem Verkauf an die amerikanische Investorengruppe…ich möchte gerade zugreifen, als plötzlich vom Formwandler ( der nun schon wieder 1 KG Schokoladenkuchen zugelegt hat) am Empfang endlich eine neue Antwort kommt.

‚Dann kommen Sie am besten später noch einmal vorbei…so gegen halb 7?‘

Ich bin etwas verstört. Der Laden hat doch nur bis 6 auf? Egal, wird sicherlich seinen eigenen, weiterführenden Sinn haben.

Wir unterbrechen an dieser Stelle kurz – ich empfange gerade Nachrichten von Alpha Centauri. Die haben dort gestern Abend den Willy gehabt (ähnlich unserem Oscar) und ein Achttentakeliger Grottenolm hat dort mächtig abgeräumt. 12 Willys. Mega-Kracher. Wenn es nicht so kurzfristig wäre, würde ich den Film gern in 14 Lichtjahren sehen…mal schauen was geht. Meine Kumpels signalisieren mir, dass das hier keinen Sinn macht und ich eh irgendwann abberufen werde…aber das ist eine andere Geschichte.

In meinen Augenwinkeln sehe ich gerade, wie ein LKW einer nahe gelegenen Getränkefirma mit neuen Wasserkästen auf das Firmengelände einbiegt und stupse meine Göttin an. ‚Wir müssen hier dringend weg!‘

Zurück also aus den Gedanken und der empfangenden Empfangsdame in die Realität der Küchenwelt eines Anbieters mit einem großen M am Anfang des Namens.

Hört übrigens mit e da auf. Obwohl die e nix da haben. Außer Wasser und Kuchen. Immerhin. Seit dem Mittelalter ist auf den Hinweis von Marie Antoinette wenigstens Kuchen aus dem Brot geworden…

Wir überlegen uns, kurzfristig umzudisponieren, die Sperrung der A40 getrost zu ignorieren und fahren das kurze Stück rüber über die Brücke. Auch Zur Brücke genannt…wenn du weißt was ich meine…

Dort ein völlig anderes Bild.

Mein Weltbild gerät ins Wanken. Schließlich habe ich in den letzten Wochen nur die oben erwähnten Beispiele erlebt. Gut, mit einigen Nuancen in die eine oder andere Richtung (Mal war es Kaffee statt Wasser, Mal Obst statt Kuchen – oder sogar Kaffee und Wasser aber keinen Kuchen und kein Obst, oder Obst und Wasser aber keinen Kuchen oder keinen Kaffee. Mir persönlich gefiel ja die Kombination aus Hühnerdöner und Pralinen auf Petersilien-Pesto und angeschmorten Kaisernudeln ganz gut…aber auch das war schnell erledigt als der ewig Fernseh- und allgemein Medien-geile Nelson Müller mir ein Wasser aus einem Glöööööckler-Glas anbot) – aber eigentlich immer das selbe Bild: Verkauf? Nope…

Auch die CHEFFE-Strategie hat nix genutzt:

Sagt also der ca. 22 Jahre alte Berater, er müsse wegen des Preises kurz seinen Chef dazu holen, ob der da noch was machen könnte. Schön und gut. Denkt man so, naja, vielleicht einen Tausender vom Preis runter, der wird ja wohl möglich sein.

Kommt nach zirka 15 Minuten Wartezeit – kein Wasser, kein Kuchen, kein Pesto, kein Kaffee…nix…aber ein schönes Programm zum Design von Küchen vor Augen, also gefühlten 2 Stunden – der angebliche Chef um die Ecke.

Der ist exakt 5 Stunden älter als der begleitende Berater, hat halt Glück gehabt, denn wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!

Und haut sofort mächtig auf die Kacke!

‚Jau, ich will die anderen Häuser heute noch übertreffen, wir melden ja jeden Tag die Umsätze an die Zentrale, mir fehlen noch 25 Tausend zur nächsten Trillion. Darum hab ich jetzt und hier ein Hammer-Angebot für Sie, hab mir ja die Küche gerade angesehen‘

Stopp. Wo? Steht die schon hier? Geil, nehm ich gleich mit, packen Sie mir die ein? Und noch ein Viddel Pfund vom Schwademagen und von der fetten groben auch noch 100 Gramm? Wann will der sich die angeschaut haben? Oder sind die Daten irgendwo zentral gelagert? NSA? Egal, lauschen wir weiter den Worten des Allmächtigen aus dem Haus mit dem höchsten christlichen Feiertag im Namen. Cheffe persönlich. Von allem. Zumindest nach seinem Auftreten.

‚…und würde ich sagen, wir gehen auf die Hälfte runter wenn Sie jetzt und sofort unterschreiben!‘

Ja sicher. Ja ne, is klar. 50 % bei Sofortkauf. Mega. Hyper. Super. Geil.

Bei mir klingeln alle Alarmglocken. Die beiden sollen doch nicht nur von Wasser und Brot leben, zumindest Kuchen sollte doch hin und wieder auch noch möglich sein…also wo wollen die noch was dran verdienen? Also is der Gewinn wie immer schon mit eingerechnet. Also ist wohl auch die ganze Berechnung für den Popo.

Verarsche hoch drei.

‚Nene, heute schon mal sowieso gar nicht. Da schlafen wir noch eine Nacht drüber.‘

‚Kein Problem, ich kann Ihnen ein Rücktrittsrecht bis Montag einräumen.‘

Hömma, Cheffe, schon mal was von 14 Tagen Rücktrittsrecht nach BGB gehört?

Hat er nicht. Ist ja auch von Alpha Centauri. Und sendet der Dame vom Anfang wohl ständig Nachrichten. So rein Mental. Und in Wirklichkeit ist der 580 Jahre alt – sieht eben nur jünger aus, weil sich deren Planet so langsam dreht…bei mir dreht sich auch so langsam alles – wir machen eine kurze Drehung und auf dem Absatz kehrt.

‚Wir melden uns!‘

Intermezzo: Traum wäre natürlich eine Küche in Blau-Weiss. Mit Torolyse. So automatische Verwandlung von Eckbällen, Elfmetern, Freistößen mit über 1200 km/h so dass der Torhüter gleich mit durchs Netz fliegt. Und einer automatische Abschaltfunktion bei drohender Niederlage, Stop and Go (Auswechslung, Trainerwechsel), Timerfunktion auch dabei (verspätete Kündigung) – variables Induktionsfeld (Direkteinspritzung von notwendigen Dopingmitteln kurz vor dem Spiel). Hat was. Wer will schon Schwatt-Gelb? Eher auf oder im Urinal…versteht sich!

Also wir melden uns.

Bei einem anderen Anbieter. Natürlich.

Der ist ganz korrekt, hat nur den kleinen Nachteil, nicht mehr ganz so motiviert zu sein, ist nur noch wenige Tage vor der Rente und Computer kennt er erst so seit 2 Jahren.

2-Finger-Adler-Such-System geht also mit uns den Aufbau der Küche durch. Dazu noch 25 Aktenordner.

Maße, Farben, Formen, Funktionen.

Die frisch gefällte gekorkte Eiche Virginia. Oder doch lieber Pesto Birke Casablanca. Oder vielleicht ein wenig mehr ins Alabama? Wie wär es denn mit Chicago? Birke, Eiche, Buche, Fichte – ne, Nelke ham wir nicht, aber wie wär es mit Kirsch? Alles heute Morgen aus dem eigenen Baumbestand in der Baumschule frisch gefällt und sofort verarbeitet. Da kann man dem Baum noch beim wachsen zusehen, wenn er denn dann furniert oder in Vollholz in der Küche als Unterlage für die fertig panierten Schnitzelchen sein weiteres Dasein fristet!

Mir wird wieder schwummerig, überlege gerade ob ich im Reisebüro bin und gleich buchen muss…und dann irgendwie die Schlussrechnung. Ohne zipp und zapp direkt mal 40 Prozent runter. Geht doch…oder wieder derselbe Trick? Na klar. Irgendwie landen wir dann bei dem Preis, den wir uns auch vorgestellt haben.

Also auf zum nächsten Haus. An der Brücke. Wie schon erwähnt. Kaffee, Wasser, Pesto-Blumenkohl aus dem Dampfgarer und dazu noch Pfannkuchen mit der Kitchen-Aid zubereitet – alles frisch aus der Musterküche. Prima. Natürlich (Holzauge sei wachsam!) mit dem Hintergedanken, diese Geräte auch noch direkt mitzunehmen…egal.

Gestärkt und gesättigt ans Werk.

Wobei, so kann man auch den Sonntag verbringen. So als Alternative zum Waldlauf. Sich schön eine Traumküche aufbauen lassen, dabei Canapees und Brote und Kuchen und was weiß ich noch alles verköstigen. Und dann später belustigt nach Hause. Kann man dann so lange machen, so lange man immer einen anderen Berater erwischt. Holla die Waldfee!

Nebenher bemerkt man Küchenabzüge die völlig sinn frei sind, weil sie aus der Position, in der sie verankert sind, überhaupt keine Luft ziehen können. Außer mit einer Turboprop aus Russland. Unter Volllast versteht sich. Ist dann auch nicht zu laut in der Küche…und die Kerosindämpfe werden ja sofort abgezogen. Gut, das Essen, das man zubereitet gleich mit – aber dafür gibt es ja Deckel…

Sieht aber gut aus. So nach dem Motto: Date, alles essbare vorher bestellt, geliefert und auf der Warmhalteplatte, dann schöne Show mit der Herzeige-Küche und alles unbemerkt in die Töpfe schmeißen.

Herrlich! ‚Du kannst soooooo toll kochen. Und hast eine sooooo tolle Bude!‘

Bettkarte gestempelt würde ich sagen!

Muss halt nur gut aussehen das ganze. Sagt ja auch so mancher Mann. Andere Geschichte…

Das reicht uns nicht. Wir verhandeln knallhart und bei mindestens 6 Häusern (Minimum!!!), holen uns sämtliche Angebote aus dem Bundesgebiet (auch aus Eckernförde!) ein und sichten dann erst mal grob.

Nach ungefähr 2 ½ Jahren dann der Zuschlag! 80% unter Preis – am unteren Limit. Wir haben Luft für alles andere was noch ansteht und haben unsere Traumküche. Gut gepokert würde ich sagen.

Ans Ende die Eindrücke der Menschen. Jogginganzüge die am Sonntag frei die Pocke durch die Gegend tragen. Miniröcke auf xxxxl-beinen. Gepimpt bis zum geht nicht mehr oder unter aller Sau. Dass andere Menschen am Sonntag so auf die Straße gehen verwundert mich nicht mehr – wie die aber aus dem Haus gefunden haben und dann auch noch den Weg zum Küchenhaus. RESPEKT!

Wartende Männer in der Teppichabteilung ganz in der Nähe des Flokati (der auch niemals aus der Mode kommt, oder?) – das Frauenklo ist in der Nähe. Genervt und ermüdet sehen sie aus. Immer nur Wasser ist auf Dauer halt nichts für die Zucht-Haltung des europäischen Hausmannes.

Fragt sich nur unsereiner die ganze Zeit…Wangen? Gab es die nicht nur beim Menschen?

Auf jeden Fall kriegt man so den Sonntag wenn schon nicht stressfrei, dann doch satt und mit genug Flüssigkeit herum…

WEISSE BESCHEID, ne?

 

 

 

 

 

 

 

 

Handy for President

Lieber Tagesbuch,

ja, ich meine das vollkommen Ernst. Jetzt nicht, dass ‚il Presidente‘, der einzig wahre und große Anführer der einzigen und wahren Revolution, ein neues Handy erhält. Das wohl auch, zumal eines angebracht wäre, welches nicht abhörbar und garantiert NSA-sicher ist. Ach, gibt es gar nicht? Na dann…

Nein, ich würde doch tatsächlich dazu raten, das nächste Mal bei der Wahl der Präsidenten weltweit doch lieber direkt die eigenen Handys antreten zu lassen. Die werden doch sowieso so gern in die Hand genommen und umschmeichelt. Und keiner mag sie mehr missen. Sie werden behütet und gepflegt wie der eigene Augapfel und sind heutzutage ebenfalls weltweit doch das teuerste Gut, verbergen sich dahinter doch alle notwendigen Zugriffsdaten auf alle wichtigen Details des jeweiligen Lebens. Habe ich mir zumindest sagen lassen. Also was könnte wichtiger sein? Und man würde sich auch die ganzen Diskussionen und Wahlkämpfe ersparen! Wählt das neue Iphone35765! Macht ihr doch sowieso!!!

Täglich greift also der Durschnittsdeutsche alle 4 Minuten zum Handy. Manch einer hat gar keines – andere wieder lassen ihre Hände gar nicht mehr von der mobilen Ladestation der Eifersüchteleien oder der Selbstdarstellung. Sie können nicht in den Tag gleiten, ohne vorher zumindest kurz nach den letzten Nachrichten auf Twitter, Facebook oder auch nur dem E-Mail-Account geantwortet zu haben.

Da wären wir also, neben den gestern erwähnten Süchten, bei einer neuen Form der Abhängigkeit und auch der eigenen Prostitution. man kann sehr wohl darüber streiten, ob jeder andere Bürger in der Welt gleich 6 Sekunden nach dem Kochvorgang auch wissen muss, was ich mir heute Abend in den Fleischsack packe und dann über Nacht verdaue. Ebenso braucht es wohl nicht alle 5 ein halb Minuten ein neues Selfie. Ich beim aufstehen. Ich beim Zähne putzen. Ich beim anziehen. Ich beim einkaufen. Ich beim vertrümmen des Nachbarn, weil er mir wieder den Parkplatz weggeschnappt hat. Ich beim Einbruchdiebstahl im Discounter um die Ecke. Ich auf der Wache. Ich vor dem Richter. Ich im Knast. Ich bei meiner neuen Clique, die mich so toll beschützt hier im Gefängnis. Ich mit meinem Bewährungshelfer…

Man kann es nicht mehr sehen oder gar mitverfolgen. Also lässt man besser seine Finger davon. Aber dann vibriert es wieder. Das Fernsehen der Neuzeit. Streaming-Dienste und jederzeitiger Internetzugriff inbegriffen. Der Nervtöter mit aller neuestem Klingelton und Bluetooth-Schnittstelle. Und man MUSS quasi danach greifen. Nur kurz noch die Nachricht lesen. Dann mach ich das Licht aus. Oder doch unter der Bettdecke weiter.

Ob wir uns in Zukunft auch auf dem Sterbebett noch mit allen per Whatsapp unterhalten, die letzten Worte sozusagen verewigt auf einem Server im fernen Tuvalu? Der Inselstaat, der inzwischen zwar untergegangen ist, dessen Internetnutzungsrechte aber ohne Weiteres auf einen Rechtsnachfolger in Luxemburg übergegangen ist? Oder bei der Hochzeit? Livestream aus Las Vegas? Hip wäre es ja. Und sicherlich auch schön billig, muss man doch nichts zu essen und zu trinken herankarren. Und die bucklige Verwandtschaft bleibt erst einmal ausgesperrt. Dafür erfährt es aber sofort der virtuelle Freund in Russland, der gleich seine gesamten Fachkräfte hier in Deutschland losschickt – um die heimische Wohnung in der Zwischenzeit besenrein für den nächsten Mieter abzuliefern…Umzugswagen gleich inbegriffen. Und die Nachbarn posten Selfies mit den Möbeln auf der Straße oder den Umzugshelfern bzw. deren Sixpacks die so schön in der Sonne glitzern. Muskelaufnahmen beim Einbruch. Nett.

So wie jeder zweite schon durch die Stadt läuft, als wenn er es ohne Handy gar nicht mehr könnte. Wenn ein Außerirdischer dies sehen würde, der würde seinen Kumpels, die hier ja immer nur die totale Herrschaft und damit die absolute Macht ergreifen wollen, raten, den Menschen dieses ulkige Dings aus der Hand zu entfernen. Denn scheinbar beziehen die ihre Energie aus dem Teil. Zumindest ist ein Akku drin. Hat der Scan ergeben. Und die, die ohne rumlaufen? Erst mal egal, sagt der Chef, um die kümmern wir uns später…

Mal ehrlich, wie oft habe ich schon Paare sich gegenüber sitzend und in ihre Handys starrend im Cafe sitzen gesehen? In letzter Zeit eher sehr oft. Vielleicht waren es aber auch gar keine Paare sondern nur dem gegenüber wildfremde Menschen, die nur wegen der Schnelllebigkeit der Nachricht und der Zeit kurz Unterschlupf suchten, in dem netten Cafe um die Ecke, um die letzten Nachrichten nicht allein lesen zu müssen, andere daran teilhaben zu lassen. Sozusagen gemeinsames chatten – ohne dass man wirklich miteinander verbunden ist. Irgendwo habe ich letztens gelesen, dass wir alle uns weltweit kennen, verknüpft durch die neuen Dienste und der virtuellen Realität die damit einhergeht. Oder eben zumindest auf der virtuellen Ebene irgendwie Freunde sind. Like! Ich kenne quasi die ganze Welt – in dem ich mich von einem zum anderen hangele.Dann brauche ich auch gar kein eigenes Leben mehr, ich kann ja den anderen stetig folgen. Und wenn ich dabei eine Baseball-Kappe trage – ist dies dann mein eigenes Handy-Cap? Und kann ich damit dann auch gleich golfen gehen? Fragen über Fragen. Aufgeworfen durch die Revolution der Kommunikation. Eigentlich wie in Star Trek vorhergesehen. Es kommt halt immer, wie es kommen muss…irgendwie…

Und mit dem Verzicht auf das eigene, reale Leben geht die Sucht nach dem nächsten virtuellen Kommentar einher. Dem nächsten Like. Ja, ich gebe es zu. Auch ich bin schwer abhängig. Wenn ich nicht schon 5 Minuten nach dem Posting mindestens ein ‚gefällt mir‘ ergattert habe, bricht für mich meine kleine, strukturierte Welt zusammen. Heulend verkrieche ich mich ins Schlafzimmer in mein kuscheliges Bett – und poste ein Selfie davon.

Oder ich kann mich auch selber beim onanieren filmen. Oder andere. Und damit gutes Geld verdienen. Nennt sich dann Erpressung. Selfie: ich bei der Geldübergabe.

Einige Sekunden später eintrag auf dem Facebook-Account der örtlichen Polizei: Täter gefasst! Mit Selfie vom diensthabenden Polizisten mit dem Erpresser.  Ich. Und alle Welt kann liken.

Auch das Paar im Cafe. Die gar nicht zusammen gehören. Sich aber mit ihren virtuellen Profilen sogar gerade in diesem Augenblick im selben Dating-Cafe treffen. Und so irgendwie doch miteinander quatschen, obwohl sie sich stumm in ihre Displays starrend gegenüber sitzen. Überspitzt, ja. Aber heute doch schon kranke Realität.

‚Und dann mussten wir uns einfach trennen.‘

‚Wieso, habt ihr einen bösen Krach gehabt?‘

‚Ne, Akku war alle…‘

Für solche Fälle wäre es ja durchaus auch denkbar, dass es überall öffentliche Ladestationen gibt (kein WITZ!) bei denen man sein Handy aufladen kann. Schließlich ist die nächste Ortsangabe (‚bin gerade im Bus‘, ‚bin gerade bei Aldi‘, ‚bin gerade beim Friseur‘, ‚kahrre grate Auto‘) über lebenswichtig und muss vor dem Aufprall auf den Vierzigtonner am Stauende auf der Autobahn noch schnell in die virtuelle Irrealität entlassen werden. Hätte uns dies jemand vorhergesagt, er wäre für nicht ganz richtig im Kopf befunden worden. Zu dieser Zeit gab es allerdings auch noch Telefone mit Kabeln in gelben Zellen, die manch einer auch zum erledigen des dringenden Geschäfts (jetzt nicht eines Ein- oder Verkaufs sondern eher der Notdurft) oder zur Verwüstung des örtlichen Telefonbuches verwandte. Ja, es gab mal solche Bücher. Zu den Zeiten kannte man allerdings auch die zehn wichtigsten Nummern seines Lebens auch noch auswendig. Versuch das heute einmal. Keine Chance! Man trug Mobiltelefone mit sich herum, bei denen der Ersatz Akku im Kofferraum des eigenen Autos lag – weil er so viel Platz weg nahm. Da hatte das Handy ein Gewicht, welches man nur mit der Statur eines Ringkämpfers oder Gewichtheber überhaupt ertragen (Sprichwörtlich) konnte!

Das Highlight für jeden Haushalt war ja schon statt des GRAUEN Telefons das GRÜNE! Da hat sich die Bundestelefonbehörde mal so RICHTIG angestrengt! Und im Nachgang zur Wählscheibe kam dann sogar das Tastentelefon! Damit war man der König der Schrebergartenanlage, ach was, der gesamten Nachbarschaft! Da kamen alle zum stundenlangen Telefonieren – und die anderen saßen im heimischen Wohnzimmer vor der ersten Mattscheibe versammelt. Heile Welt! Da konnte man noch Großkotz spielen ohne dafür einen Ferrari oder Lamborghini in Gelb vor der Haustür zu parken!

Und irgendwann waren dann die Teile so klein, dass man sie fast in der Ritze auf dem heimischen Sofas verlor – weil man eben nur damit Telefonieren konnte. Und heute? Ein mobiles Navigationsgerät im Mobiltelefon ist ja nur ein weiteres GIMMICK!

Virtuos wird also sogar beidhändig während des Spazierganges im Park mit irgendjemand anderem, der vielleicht gerade in einer Achterbahn sitzt oder zum Mond fliegt, darüber philosophiert, dass man ja schon sooooo lange nicht mehr in einem Park war oder in einer Achterbahn sitzend zum Mond geflogen ist. Und 100 andere ‚Mitlauscher‘ liken oder staunen ‚AAAAAAAAHHHHH‘. Weil sie selber gerade im Wartezimmer des Zahnarztes sitzen. Nicht so prickelnd. Aber wie schön, dass es das Leben der anderen gibt. Oder YouTube. Da mach ich mir das Fernsehen dann eben so, wie ich es haben will. Wenn das Fernsehen schon Youtube-Videos zeigt, dann ist es wohl nicht mehr lange bis zum Ende einer weiteren Ära. Generation für Generation stirbt aus, was eigentlich selbstverständlich war. Frag mal die Weber oder Kutscher. Gut, als Rarität in Wien auf einem Fiaker vielleicht noch wahrnehmbar. Aber erzähl mal den Taxifahrern heute von Uber. Oder dem Einzelhandel von Amazon.

Und jetzt blinkt es schon wieder. Also greife ich wieder zu dem kleinen, schnuckeligen Metallgehäuse. Ganz verzückt wer mich denn jetzt anschreibt – gerade in meiner Hochkonzentrationsphase…

Mein Chef.

Ich soll arbeiten und nicht rumchatten.

WEISSE BESCHEID, ne?

 

Die Kopf-Hirn-Schranke

Lieber Tagesbuch,

ist der Bereich des menschlichen Körpers, der eine Existenz von Gehirn oberhalb des Wurmfortsatzes rigoros ausschließt. Zumindest hat man den begründeten Verdacht, dass eine gewisse Form des Homo Sapiens sich gänzlich ohne diese gesonderten Hirnwindungen über den Planeten bewegt. Eigentlich sind diese Mitbewohner nur ein bewegter Wurmfortsatz der im Stoffwechseln relativ routiniert ist. Schon Atmung und die Aufnahme von Flüssigkeit sind ja nicht zu verachten, als grundsätzliche Leistung, die uns von der Amöbe aber jetzt auch nicht wirklich sonderlich abgrenzt. Atmen wird ja gemeinhin auch total überbewertet. Schließlich singt schon Helene von der Atemlosigkeit des Seins. Die Leiden der jungen F. Sozusagen.

In vielen Fällen sorgt die erwähnte Schranke jedoch auch nur für die Vorfilterung von bestimmten Ideen oder Vorstellungen, bevor sich diese im Gehirn des Betroffenen als eigener Geistesblitz manifestieren können. Vorgesetzte leiden selten darunter, die können ganz gut die Arbeit anderer als die eigene verkaufen und anpreisen. Der normale Wutbürger in der Pommesbar hingegen – ´Pommes Schranke‘ ist hier nicht immer nur der Hinweis auf die Bestellung von fetttriefenden Kalorienstäbchen, die mühsam von Kinderhänden aus den Ernte-Kartoffeln herausgeschält wurden, der Wutbürger eben, der leidet schon eher unter vor gefilterter Wahrnehmung. Nein, ich möchte mich an dieser Stelle NICHT über Kinderarbeit lustig machen. Schrecklich und von uns allen unterstützt. Weil der Verbraucher eben NICHT dafür Sorge tragen kann oder will. Und darum finde ich auch, sind die FIRMEN in der PFLICHT. Die müssten sofort ihre Lizenz zum Verkauf in der Republik verlieren, wenn solche Fälle begründet und bewiesen auftauchen. Anders kann man das nicht stoppen. Kann ich von Bürgern am Rande des Existenzminimums auch nicht erwarten, dass die sich um so etwas noch Gedanken machen. Aber eben auch der normale Bürger nicht. Wer bitte schön kann denn diese ganzen Skandale noch behalten, geschweige denn im Bedarf zurückerinnern? Ich jedenfalls nicht. Exkurs beendet. Schranke schließt automatisch…

Man muss an dieser Stelle für alle Zeiten dann auch mit der Freiheit des eigenen Willens endgültig und rigoros aufräumen. Nicht nur, dass der menschliche Körper von Natur aus durch die Sinnesorgane nur dafür ausgelegt ist, die Vergangenheit wahrzunehmen. Hier werden alle Impulse, die auf uns einwirken, schließlich durch die Übertragung von vornherein, mit einem durch die Natur eingeplanten und biologisch zementierten Zeitverlust von uns registriert. Nein, hinzu kommt auch noch, dass das Gehirn diese auf die Vergangenheit bezogenen Impulse auch noch um den Bruchteil von Sekunden früher beurteilt als der kognitive, bewusst wahrnehmbare Teil des Gehirns. Soll in einfachen Worten heißen: es bildet sich seine eigene Meinung auf der Basis von gestern. Oder gerade eben. Und dies auch noch durch Wattebäusche hindurch. Das hier ein gewisses Restrauschen übrig bleibt sei mal völlig außer Acht gestellt. Und hierbei handelt es sich nicht um die Reststrahlung des Urknalls. Obwohl man bei einigen Mitmenschen durchaus vermuten kann, dass sie selbst diesen Knall nicht gehört haben oder auch nie wahrnehmen würden.

Da lachst du einfach nur. Weil dies ja schon seit langem bekannt und nichts Neues ist? Schließlich heißen aus diesem Grunde ja auch die Nachrichten Nachrichten – weil sie im nach hinein richten. Be-richten um genauer zu sein. Das mag wohl sein, da gebe ich dir auch Recht. Viele ewig gestrige sind ja noch immer aktiv in unserer Umwelt und besonders in Politik und Wirtschaft. Aber nun ist dieser Sachverhalt auch noch wissenschaftlich bewiesen! Dass wir alle eigentlich dazu verdammt sind, ewig gestrige zu sein. In unserer Wahrnehmung. Daher auch der große Anreiz, den die Konservativen bei Wahlen auf die Menschen ausüben. Auf mich eher weniger, ich möchte ja selbst mit meinen Worten etwas bewirken. Und wenn es nur ein Lächeln ist, dass ich in ein Gesicht hinein zu zaubern in der Lage bin.

Von wegen also: ich entscheide selber, ob ich um 9 Uhr noch mit dem Auto nach Hause fahre. Trotz der drei Bier im Vorfeld. Übrigens: Vorstoß der Politik ist jetzt die totale Abstinenz im Straßenverkehr. Finde ich toll. Sollte man dann aber auf ALLE Bereiche ausdehnen, in denen Unfälle passieren können. Da fallen mir dann auch spontan der Bundestag und alle angegliederten Gremien ein. Auch wenn ich denen natürlich NIEMALS Alkoholkonsum unterstellen würde. Würde ich mir nie herausnehmen!

Liegt man also im bett und überlegt gerade, ob man denn nun aufstehen soll oder nicht. Und was soll ich dir sagen? Die Entscheidung ist in diesem Fall schon um Millisekunden vorher gefallen – unterbewusst. Dein Unterbewusstsein sacht sich irgendwie:

‚Die faule Socke schick ich gezz zur Arbeit!‘

Und dann steht diese Entscheidung für den gesamten Tag fest. Gut, meist meldet sich dann noch ein Kratzen im Hals oder ein kleiner Schwindel oder auch ein etwas größerer –  wenn man blau oder in diesem Fall eher gelb macht.  Aber im Normalfall eben nicht. Dann überwindet das Ich im Ich sogar den Schweinehund und fährt auch diesem letztlich über den Mund. Oder in dem speziellen Fall über das wenige an Resthirn, was noch nicht durch Konsum oder TV-Serien belegt ist.

Ist sicherlich schwer, wirklich gute Entscheidungen zu treffen, wenn man all seine Informationen aus der Vergangenheit und nicht aus direkten sondern eher indirekten Quellen bekommt. Fast so, als würde man sich eine Binde um den Kopf legen, die Ohren und Augen verschließen und nur noch sechziger-Jahre-Schlager hören. Helene-Fischer-Fans jetzt mal ausgenommen. Oder der Rest, der mit den Prilblumen auf den Kacheln in der Küche.

Mit Blindheit geschlagen, sprichwörtlich.

So wie im übrigen auch Justitia. Die allerdings darum mit Blindheit und Taubheit geschlagen ist, damit ihr niemand etwas böses oder auch einfach nur falsches einflüstert. Wäre ja schon ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, wenn man das mal ein wenig einschränken könnte. Nein, ich trete jetzt hier nicht dafür ein, Presse und Rundfunk sowie Fernsehen ganz abzuschaffen. Aber warum nicht eine richtige ‚Echtheitszensur‘ – wenn wir sowieso schon zensieren? Die Schere im Kopf kommt ja nicht von ungefähr. Man möchte nicht mehr anecken. Verständlich. Dann aber wenigstens richtig.

Fände ich besser als dieses scheinheilige Geschwafel. Von Bestürzung und Betroffenheit. Von Maßnahmen und Reformen. ich kann es nicht mehr hören. Ging mir damals bei Helmut auch so. Den konnte ich dann irgendwann auch nicht mehr hören mit seinem ‚Geschischte‘-Gefasel. Musste ich wohl zum Arzt. Wenn man schlecht hört…oder man braucht halt jemanden, der einen noch Maßregeln kann wenn Mutter und Vater dies schon seit etlichen Jahren vergeblich versucht haben. Darum schlüpft da ja immer sehr schnell und liebend gern der Staat in die Rolle. Und füllt diese bis zur Grenze aus. Sprichwörtlich.

Dabei war der Staat früher eher dazu da, alles einfach nur in Schuss zu halten. Infrastruktur. Bildung. Sozialsystem. Grenzen. Regeln. Kommt dir jetzt auch komisch vor, oder?

Schafft er nicht mehr, auch wenn sich die Ausgaben in der gesamten Zeit mehr als verhundertfacht haben. Hundert Mal mehr Unsinn zu machen, macht es eben nicht besser. Ich sage nur Kopfpauschale oder Praxisgebühr. nur weil man etwas durchsetzen kann, heißt das ja nicht automatisch, dass es auch gut wäre dies zu tun. Wenn man es nicht ausreichend bedacht hat immerhin.

Womit wir wieder bei einem meiner langjährigen Begleiter-Themen angelangt sind: wer überwacht eigentlich die Überwacher? Und wer trägt Sorge, dass keiner den Staat selber übers Ohr haut?

Zumindest im Falle eines bayerischen Steuerhinterziehers kann man sich die Frage des Prominenten-Bonus dieser Tage sicherlich noch einmal stellen. Man wird ja wohl noch mal was dazu sagen dürfen, oder?

Gleichzeitig macht der Staat such selber Sorgen über eine Partei am rechten Rand. Die allerdings auch kaum noch in den Parlamenten vertreten ist. Dennoch finanziert man sich seine Gegner praktisch mit durch die schöne Legislaturperiode. Schon pervers. Aber wer hat gesagt, dass die Art von Demokratie, die wir mittlerweile vorleben, jeden Tag schön oder gar gerecht ist? Keiner. Genau. Und darum mache ich mir wirklich Sorgen

Ja, ich sorge mich ein wenig um unsere  Demokratie so wie ich sie gelernt habe, um das Leben auf diesem Planeten, um jeden Einzelnen um mich herum. Man könnte mich auch Sozialpädagoge schimpfen. Oder eben Asozialpädagoge. Das käme der Sache näher…da ich ja oftmals das genaue Gegenteil von dem vertrete, was so vorgelebt wird. Vielleicht, weil ich hehre Ziele verfolge. Oder aber, weil Unterbewusst schon jemand für mich entschieden hat. Macht mich persönlich sozusagen wertungsfrei. War ich ja gar nicht aktiv. War mein Unterbewusstsein. Kann ich doch gar nichts dafür.

Wenn man mir also mal alle Schranken öffnen würde…

Dann würde ich so einige in die Schranken verweisen. Und dazu braucht man nicht mal viel Hirn…

WEISSE BESCHEID, ne?

 

Der geschenkte Tag

Lieber Tagesbuch, 

ist ja heute, der letzte schöne Tag des wundervollen Monats Februar.

Der Tag, auf den sich viele Menschen eben nur alle 4 Jahre freuen können – weil erst dann eine richtige Geburtstagsfeier möglich ist. Nicht so zwischen den Tagen, von heute auf morgen, wo sich keines der Geburtstagskinder richtig wohlfühlt, weil eben entweder der 28. Februar ist und man ,vorfeiert‘ – oder eben der erste März und man dann halt ‚nachfeiert‘! Also feiert man rein in einen nicht existierenden Tag. Deprimierend oder? Wenn in den kurzen Zeitraum zwischen 23.59 Uhr und 0.00 Uhr der gesamte Tag reingequetscht wird? 24 Stunden in 0 Sekunden? Das ist keine Geschwindigkeitsangabe eines flotten Gefährts. Eher der Ausdruck von Stress…

Hat man wohl gerade noch Zeit, kurz seinen Glückwunsch zu überbringen. Wenn es nicht so viele sind, die einen da beglückwünschen wollen. Also im eigenen hohen Alter wohl eher wahrscheinlicher, dass sich dazu genug Zeit findet – weil eben weniger Gratulanten vorbeikommen. Und dann aber fix. Hand geschüttelt, Geschenk überreicht und schnell noch ein ‚tzlichenglckwnsch‘ gezischt. Schon ist der Nächste dran.

Ist eben quasi so, als wenn man alle 4 Jahre ein Kreuz irgendwo auf einen verflixt langen Zettel machen würde und sich dennoch irgendwie gefühlt oder real nichts ändert. Eine verschenkte Stimme. Oder besser: man kann sie sich auch schenken. Wenn man an so etwas Spaß hat. Oder an Stimmen interessiert ist. So eine Wahl ist dann ja  auch ganz schnell erledigt. Und im Alter ist auch dies viel einfacher. Hab ich immer schon gewählt. Wie, die gibt’s gar nicht mehr? Mist. Dann wähl ich eben was, was so ähnlich klingt. Oder wo ein D für Deutschland drinsteht. Oder so ähnlich halt.

Oder gehe erst gar nicht mehr hin. Schaue mir das nur noch an. Das ist jetzt aber auch deprimierend, sagst du? Dann muss man halt selber aktiv werden. So richtig mit Ortsverein und allem was dazu gehört. Pi Pa Po halt. Pingelig die Parasiten und den Popanz bekämpfen. Die Klaviatur der Politik mitspielen. Mit viel Bier und Wein und örtlichen Problemen. Da werde ich auch noch mal drüber berichten, den Politiker in seinem Wesen beschreiben…erinnere mich bei Zeiten mal daran.

Über dieses aktive Stadium bin ich jedoch schon Jahre hinaus. Ich habe mich selber pensioniert und zurückgezogen, sitze auf dem Sofa  und meckere nur noch. Ist auch einfacher. Muss man nicht so viel selber machen. Keine Plakate mehr schleppen oder bei Wind und Wetter an irgendwelchen Gleisen angekettet herumliegen. Um dann festzustellen, dass der Zug eine ganz andere Route nimmt an diesem Tag.  Oder im ganzen Leben. Schön bequem. Vom Schreibtisch, Sofa, Sessel oder auch aus dem Bett heraus durch die Republik zu zappen und dabei immer einen Kommentar auf den Lippen. Nein, das hat auf keinen Fall etwas mit der Berichterstattung zu tun. Eher schon mit den Sendern. Gibt halt IMMER was zu meckern. Und was zu verbessern. Für mich gibt es nichts tödlicheres als den Stillstand. Es muss halt immer was gehen. Und meist ist es ja auch so.

Und wenn es nur die Kritik an der schreibenden oder moderierenden Zunft ist. Die sich neuerdings bei der Berichterstattung mit dem kommentieren nicht sonderlich zurück hält. Da wird alles sehr schnell in das richtige Licht gerückt. Da ist man dann ganz fix im Schubladendenken und der politischen Korrektheit. Was nicht darf, das darf eben nicht. Ohne mich da jetzt irgendwie in aktuelle Themen einmischen zu wollen. Der Spaltpilz ist auch ohne mich aktiv. Ich HABE dazu einfach keine Meinung. Ich möchte mich einfach nicht von irgendeiner Seite blöd anpöbeln lassen. So weit sind wir nämlich in der demokratischen Debatte schon gekommen. Ich finde das zumindest befremdlich. Aber egal, kein böses Blut hier an dieser Stelle. Auch wenn es durchaus auch mal nachdenklicher sein darf in diesem Blog. Jeder wie er möchte, ich bin da wirklich ein ganzer Demokrat. Auch wenn man mir den direkten Zugriff entzogen hat. Eben mit den Kreuzchen – alle vier Jahre. Da muss ich dann auch weder lesen noch schreiben können. Eine der beiden ersten und man liegt zur Hälfte in der Hälfte. Mir geht es dabei einfach nur gegen den Strich, wenn man aktuelles Geschehen in der Presse dann auch gleich mit bewertet. Die Wertung selber kann man getrost bitte mal mir überlassen. Da bin ich durchaus alt genug dafür. Aber irgendwie scheint dies heute nicht mehr möglich zu sein. Schade. Den meisten scheint man nicht mehr zu trauen. Woher kommt es nur? Dieses Unvertrauen aller Beteiligten?

Die Hoffnung stirbt eben zuletzt, oh mein Gott. Auch wenn dieser Vortänzer einer globalen Erinnerungsbewegung mit Hang zum Jenseits  mir  persönlich gar nicht gehört. Und ich ja irgendwie auch nicht mehr dazu. Aber man wird ihn wohl doch noch verwenden dürfen, oder? Hat sich halt so eingebürgert wie das Tempo statt des Taschentuchs und dem UHU statt des Klebers. Jetzt nicht der aus dem Fernsehen. Der fürs Papier. Nicht für das gedruckte wohlgemerkt. Eher so für die noch unbeschriebenen Seiten.

Und da lobe ich es mir doch, alle vier Jahre einen Extra-Tag zu haben. Einen zur Besinnung und vor allem auch zur Rückschau. Oder wie gerade im letzten Absatz auch zur Manöverkritik. Um sich hinzusetzen und einfach mal aufzuschreiben. Oder zusammenzukleben und dabei ein um das andere Taschentuch zu füllen.

Wie waren die letzten 4 Jahre? Was kommt in den nächsten 4? Wie sieht es mit meiner wirtschaftlichen Entwicklung aus? Brauchen wir einen 4-Jahres-Plan oder setzen wir auf den Markt? Kommen wir ohne Kredite aus oder werden wir uns bei irgendjemandem etwas borgen, also anleihen? Oder drucken wir gleich etwas Geld im Keller? Inflation hin oder her, bei nahezu Nullinflation kann man doch drucken was die Platte hergibt. Nach mir die Sintflut. Und Geld raushauen für alles Mögliche. Zumal jeden Monat mehr Geld entdeckt wird. Zumindest im Bundesfinanzministerium. Wo haben die das all die Jahre nur versteckt gehabt?

Und da einem ja im Normalfall niemand etwas schenkt im Kapitalismus – da muss man schon genau hinsehen, sehr seltenes Pflänzchen – kann man sich beim Schöpfer bedanken, dass es nicht so genau hinkommt, mit den Umlaufzeiten von Sonne und Erde. Und dass man eben alle 4 Jahre so einen Tag einschieben muss. Ist doch eigentlich eine schöne Geste des Universums an das jeweilige Individuum, oder? Jeder kriegt einfach einen Tag geschenkt jedes vierte Jahr! Tolles Gimmick, dieses Universum hätte ich im Jenseits wohl auch gewählt!

Was kann man da nicht alles tun!

Gut, der Großteil von uns muss arbeiten gehen – also freut sich vorrangig der Arbeitgeber alle 4 Jahre über einen geschenkten Arbeitstag. Wenn er denn in die Arbeitswoche fällt. Oder doch nicht? Hmmm. Das kann ich nicht mal entscheiden. Dadurch, dass das Jahr einen Tag mehr hat, also 366 Tage, ist es vorrangig erst einmal ein Arbeitstag mehr. Man könnte natürlich auch den ersten Tag des Schaltjahres doppelt feiern. Sozusagen alle 4 Jahre einen nullten Tag im Januar einführen. Dann würden wir einen weiteren Tag frei haben. Ist doch auch viel schöner zwischen Silvester und Neujahr. Und sinnvoller, weil die Erklärung ja auch die ist, dass man alle 4 Jahre einen Tag einschieben muss. Warum nur willkürlich am Ende des Februars? Ich plädiere hiermit also für den Nullten Januar.

Und ich schenke mir die Kritik an diesem Tag. Also jetzt für heute mal. Freue mich über die ganzen Damen und Herren, die heute wieder 4 Jahre älter werden. Das ist doch effektiv. Gar nicht erst jedes Jahr feiern und sich überlegen, dass man wieder ein Jahr älter geworden ist. Ne, besser alle 4 Jahre, dann hat man auch nur alle 20 Jahre einen glatten Sprung bei der vorderen Zahl. Damit auch nur durchschnittlich 5 von diesen deprimierenden Wechseln im durchschnittlichen Leben. Wenn man eben 100 wird.

Schöne Vorstellung. Wobei ich selber mich über jedes Jahr freue. Immer wieder aufs Neue freue ich mich Ende Februar auf den Weg zur Arbeit, wenn ich merke, dass ich wieder in der Helligkeit hin und zurück fahre. Das gibt mir die Gewissheit, dass der Sommer unaufhaltbar auf dem Weg ist. Und die ersten Strahlen uns schon erreichen.

So gewiss kann sich der Februarist nicht sein. Zumal wenn dann tatsächlich einer den 29.Februar abschaffen würde. Dann wäre es zumindest noch zu Lebzeiten ganz vorbei mit dem Geburtstag feiern.

Keine schöne Vorstellung.

Aber nur deswegen alles so lassen wie es ist? Das ist doch kein Grund. Vor 10.000 Jahren gab es so etwas wie das Schaltjahr noch nicht. Ob es schon Kalender gab, ich wage es zu bezweifeln. Am Anfang war wohl erst mal die eigene Höhle wichtiger. Der Frau, dass die Höhle schön sauber, dem Mann eher, dass genug gegorene Substanz im Keller zu finden ist. So hat jeder seine Prioritäten. Bis sich dann mal einer aufgerafft hat und so etwas wie einen Kalender erfunden hat. Da war der Weg noch weit. Und in der Folge kamen dann so glorreiche Entdeckungen wie die Kalendersprüche oder –Fotos auf.

Spiralkalender. Abreißkalender. Mondkalender. Adventskalender. Gregorianische oder Anpflanz- bzw. Saatkalender.

Fragt man sich doch glatt nebenbei, ob der Schaltjahreskalender teurer ist als der normale. Schließlich ist ja auch eine Seite mehr zu drucken. Wo kommen wir denn da hin?

Wie man sieht – nichts Wesentliches heute. Kein besonderer Einfall an dem Tag, der einem einfach so in den Schoß fällt. Wo wir gerade beim fallen sind: fällt doch eh keinem auf. Wer hat schon Gefallen an den Gedanken eines ausgefallenen Denkers?

Ach, doch, sicher. Eines wäre da tatsächlich ja noch: die ganzen Frauen, die heute hochschwanger im Bett liegen und hoffen, dass der Nachwuchs lieber noch einen weiteren Tag wartet. Damit er nicht so ein doofer Schaltjahres-Geburtstags-Feierer wird. Die Damen und die damit verbundene Qual kann ich mir ganz gut bildlich vorstellen.

Darum drücke ich heute mal die Daumen. Einen ganzen Tag lang. Versprochen. Warum? Geschenkt!

Weisse Bescheid, ne?

Das Übersetzungsbüro

Lieber Tagesbuch,

für Leichte Sprache erklärt mir vom gestrigen Tage an, warum ich schon seit Jahren das Gefühl habe, ein Alien zu sein. Fremd auf diesem Felsbrocken im All namens Erde, fremd in meinem Land, meiner Stadt und oftmals sogar in meinem Körper.

Klar, nicht selten hat dieses Gefühl eher damit zu tun,  dass ich meinen Fleischsack mit einer Überdosis alkoholartiger Substanzen derart schnell konfrontiert habe, dass dem armen physischen Ausdruck meiner Existenz nur eine simple Lösung bleibt: sich zu erbrechen.

Da kann man sich dann schon mal fremd im eigenen Körper fühlen, wenn sich alles dreht und man sich eher auf einer Achter oder gar 16erBahn wähnt.

Und sind wir doch mal ganz ehrlich, wie oft war dir in deinem Leben schon so richtig zum kotzen zu Mute?

Und das eher nicht wegen eines seltsamen Mageninhalts oder einer allzu kurvenreichen Strecke in den Schweizer Alpen auf der Flucht vor den deutschen Steuerfahndern, die nur mit einer kleinen, silbrig-glänzenden CD bewaffnet versuchen, dir, dem Beelzebub der Steuerhinterziehung, die Flötentöne beizubringen? Oft, ich weiß. Aber dies soll hier nicht das Thema sein.

In manchen dieser Kotzanfälle ist es aber auch nur das Unverständnis über einen nicht einmal sonderlich  komplizierten Sachverhalt.

Da könnte man einfach kotzen weil einem danach ist.

Und genau um dieses Unverständnis teilweise oder sogar ganz auszuräumen – wenn man denn intellektuell dazu in der Lage ist, gerade beim Typus des Berufspolitikers habe ich da ja oftmals so meine argen Zweifel, aber dies ist ja auch weithin bekannt – also um auch noch die letzten Fragen zu beantworten und absolute Klarheit zu schaffen, da gibt es nun das Übersetzungsbüro der Leichten Sprache.

Bevor ich dir in kurzen, verständlichen, klaren und leichten Sätzen erkläre worum es sich dabei handelt, sollten wir noch ein Wort zum gerade erwähnten Berufspolitiker verlieren.

Sicher, man kann ja immer einräumen, die lieben Abgeordneten MÜSSEN nicht immer alles verstehen, was sie so den lieben, langen und sicher auch sehr anstrengenden Tag im noch weitaus anstrengenderen  Parlament vor sich hin beschließen. Aber schön wäre es schon, oder?

Wenn jemand mir zum Beispiel die Halbwertszeit für Plutonium etwas näher bringen möchte, um mir damit eingehender klar zu machen, dass ich weit über 20 Tausend Jahre auf den von mir verursachten Müll aufzupassen habe, weil dieser in der Zwischenzeit stark strahlend ist und damit durchaus auch in der Lage alles andere im nahen Umfeld zu kontaminieren – dann kann man einer neuen Energiequelle im lockeren Gespräch ja durchaus auch schon einmal etwas skeptischer eingestellt sein. Wenn man nicht gerade einen etwas größeren Koffer unter seinem Schreibtisch in der Staatskanzlei gefunden hat.

Allerdings gäbe es unter solchen Umständen wohl auch kein BER oder irgendwelche Philharmonien an größeren Flussläufen. Oder zumindest nicht zu solchen Preisen und mit diesen Folgen. Sollte man doch annehmen.

Apropos: hat man ja gerade in dieser Woche auch wieder einmal festgestellt, dass bundesbananikanische Großbauprojekte im Schnitt IMMER 30 Prozent teurer werden als ursprünglich geplant. Im Durchschnitt wohlgemerkt. Fragt man sich glatt, ob bei der Planung und Veranschlagung solcher großen Bauvorhaben nicht auch meine Omma das letzte Wort haben könnte. So als ultima ratio.

‚Nix, datt is zu teuer.‘

‚Mensch Omma, datt soll doch der tollste und größte und beste und schnellste und überhaupt deutscheste Flughafen auffer Welt werden!‘

‚Nix. Dann kann ich wieder nicht schlafen wenn ich durch Zufall mal in Berlin übernachte. Nene, die haben doch auch schon ein paar Flughäfen. Is zu teuer. Auch mit dem ganzen Brimborium dabei. Schluss, Aus. Datt machen wir nich!‘

‚Och Mensch Omma!

Spricht es aus und in der Tagesschau am Abend hört man dann so tolle Sätze wie:

‚Auch das Bundesrepublikanische Großbauprojekt des Flughafenneubaus in Berlin wurde heute mittag vonne Omma abgelehnt. Nach der Elbphilharmonie, dem unterirdischen Stuttgarter Bahnhof und der eigenen Weltraumstartbasis in Andernach am Rhein ist dies damit das vierte Bauprojekt in Folge, welches mit der Begründung, es sei zu teuer, von der Omma abgelehnt wurde. Vertreter der Wirtschaft und der Bauindustrie in der Republik sind bestürzt und befürchten nun Einbußen bis hin zu klaren Einbrüchen in der Konjunktur.‘

Und?

Ich fände es herrlich.

Wenn man sich so alljährlich unser geliebtes Schwarzbuch anschaut, dann wird einem oft ganz schwarz vor Augen. Und dann könnte man kotzen. Da hätte der kluge Hausfrauensachverstand einer nur mittelmäßig begüterten Omma eben schon ausgereicht, um diesen Irrsinn zu verhindern. So meine Meinung.

Oder man institutionalisiert das ganze. Eben mit einem Übersetzungsbüro. Um das tägliche Geschwurbel in für alle verständliche Worte zu kleiden. Da würde die Nachricht im Staatsfernsehen der BRD dann nur noch lauten:

‚BER machen wir nich mehr – is zu teuer!‘

Das versteht doch wenigstens jeder! Jetzt nicht direkt warum genau eben dieses Projekt. Aber halt die für jeden verständlichen, wichtigsten Gründe. Ohne großes Palaver.

So könnte man sich dann auch die große Politik vorstellen.

Also keine schwülstigen Reden über Bestürzung oder tiefe Betroffenheit. Nein. Tacheles.

‚Wenn der Herr Putin da jetzt nicht seine Waffen mit der kompletten Armee abzieht und da nicht langsam mal Ruhe ist im Karton, dann gibt et richtig Laffka. Sacht die Omma.‘

Herrlich. Omma for President sozusagen.

Also quasi so, wie es bald in den USA auch sein wird. Zumindest reden dort ja auch alle vom Untergang der Demokratie.

Ich sag es ja, wäre sowohl hier als auch dort ganz gut.

Nach über 100 Jahren ist es mir auch nicht mehr ganz so klar, warum ich mir dieses tägliche Geschwafel anhören muss, wenn dadurch nur Aktionen im Hintergrund, Korruption oder sonstige Vorteilnahme gedeckt wird.

Letztlich soll das Büro aber ganz andere Aufgaben, leider, übernehmen. Es soll behördliche Anweisungen in ein deutsch übersetzen, welches auch der gemeine Bürger versteht. Nein, nicht der Wutbürger. Eher so du und ich. Dass man mit diesen Maßnahmen  implizit klar macht, dass sich die Politik und die damit zusammenhängenden Behörden nun schlussendlich ganz vom Bürger und seiner Sprache entfernt haben, das ist dabei jedoch nur nebensächlich. Was hat man schon davon, wenn einen das eigene Volk nicht mehr versteht?

Geschweige denn die Zugereisten? Welchen Eindruck hat man als Außenstehender von einer Behörde, die eine simple Übersetzung braucht, um sich verständlich auszudrücken?

Nicht, dass ich mich an dieser Stelle über Menschen mit Behinderung lustig machen oder deren Probleme klein reden möchte, weit gefehlt. Ich finde es eher sonderbar, dass man sich nicht verständlich auszudrücken vermag und hierfür noch Bürokräfte beschäftigen muss. Fragt man sich glatt, wer hier die Behinderung hat…

Und man fragt sich sofort, wer überhaupt noch in der Lage ist, in dieser Republik eine Steuererklärung ordentlich und vor allem Ordnungsgemäß auszufüllen – wenn das schon der gebildete und versierte Herr Hoeness nicht richtig schafft. Der Arme.

Geschweige denn von den ganzen Mitbürgern zu reden, die weder Schreiben noch Lesen können. Die armen Parlamentarier. Klar, dass man dann ein Übersetzungsbüro braucht.

Könnte ich auch langsam gebrauchen, verstehe das hier alles ja schon lange nicht mehr…

WEISSE BESCHEID, ne?

Schweinegrippe

Lieber Tagesbuch,

 

die geliebte, besonders von der Pharmaindustrie erwartete und dabei auch fest in der Umsatz- und Erlösstatistik eingeplante Schweinegrippe ist wieder da! Hurra! Habe ich ja auch lange genug darauf gewartet! Zumindest wurde in der letzten Woche wieder einmal der Versuch gestartet, die Hysterie allenthalben zu beginnen…

Nun kann man zum letzten uns bekannten Ausbruch ja nur sagen: toll, dass nur so wenige sich wirklich ernsthaft infiziert haben! Lag wohl an den Unmengen an Impfstoffen, die an die Bevölkerung verteilt wurden. Ich selber und mein kompletter Umkreis jedenfalls waren nicht dabei. Seltsam. Aber offenbar nur Glück! Wie wir zu einem Hochsicherheitsrisiko wurden und dennoch nicht krank! Gut, einige sagen wir sind es – im Kopf. Aber da kenne ich auch noch andere Beispiele, die weitaus schlimmer dran sind. Nicht wahr Herr Dobrindt? Hat ja den Rinderwahnsinn praktisch schon im Namen…

Wobei ich in der Sache Schweinegrippe ja auch eine andere Vermutung hege. Seit den Prinzen wissen wir ja, dass Männer im Allgemeinen und auch Besonderen Schweine sind. Daher ist in der Ableitung die Schweinegrippe auch in Wahrheit – Lügenpresse hin oder her – die Männergrippe! Und mit eben dieser, wir wissen es alle, ist absolut nicht zu spaßen!

Für gewöhnlich entwickelt sich die schreckliche Männergrippe schleppend, mit einem irgendwie nicht an körperlichen Symptomen festzumachenden Unwohlsein im Kopf. Hernach stellen sich oft ein fürchterlicher Schnupfen und ein ziemlich komatöses Kratzen im Hals ein.

Schon diese ersten Warnzeichen werden von sämtlichen Männern sehr ernst genommen, weiß man doch um den meist schlimmen Verlauf der weltweit bekannten Männergrippe. Die ersten Medikamente werden schon vorsorglich auch von noch nicht infizierten Männern im Umkreis des angeschlagenen prophylaktisch genommen. Hierzu zählen insbesondere starke Schmerzmittel und die bekannten Antibiotika. Hinzu kommen Bier und eventuell noch andere Alkoholika – und natürlich letztere in Menschenform. Die schließen sich quasi immer sofort in die Behandlung mit ein.

Man nimmt eben auch an, dass sich die ersten multiresistenten Keime durchaus nicht in den Krankenhäusern sondern in den Pubs und Kneipen der Welt gebildet haben, in denen der Anteil an männlichen Besuchern über das normale statistische Mittel hinaus ging. Also in knapp 99 Prozent der Fälle. Die Infektionswelle selber ist in Fachkreisen auch als Kneipensterben bekannt. Mit dieser ist absolut nicht zu spaßen! Hier im Ruhrgebiet, einhergehend mit dem Rauchverbot, hat eben dieses Sterben schon ausnahmslos alle kleinen Läden hinfort gespült. Im wahrsten Sinne des Wortes. Gut, in einigen wenigen Fällen waren auch die Besitzer der Lokalität selber die treibende weil am meisten saufende Kraft. Aber in allen anderen bekannten Fällen gibt es eine durchaus auffällige Verbindung zur bereits erwähnten Männergrippe…

Der Infizierte selber hat zum Zeitpunkt der ersten Anzeichen der Infektion allerdings noch keine Medikamente genommen und scheut auch den Gang zum Arzt. Schließlich ist er ja ein Mann – da haut ihn ein lächerlicher Schnupfen schon nicht um. Es ist Samstag, der Bundesligaspieltag steht an, danach der Kneipen- und dann auch der unvermeidliche Discobesuch. An diesem wie jedem Wochenende hätte dann ja auch nur noch der Notdienst oder das Krankenhaus offen. Zur Belagerung der Krankenhäuser durch Bagatellkrankheiten mal ein anderes Mal etwas mehr…an dieser Stelle nur so viel: Wer mit einem Schnupfen ins Krankenhaus geht, der gehört sofort in ein sicheres Herkunftsland wie die Schweiz abgeschoben. Würde auch den Franken wieder runterregulieren…

Durch den Nichtbesuch des Arztes oder anderer helfender Menschen wird also die Möglichkeit, den Virus möglichst weit zu verbreiten, exzessiv wahrgenommen. Indem man wie auch sonst immer wahllos an fremden Gläsern nippt oder wild um die Gegend bzw. Häuser zieht – mit den damit allseits bekannten, verbundenen Risiken wie wildes Küssen und leidenschaftliche Liebkosungen irgendwelcher zufälliger Geschlechtspartner. Dies natürlich auch außerhalb des Paarungsrituals (auch als Brunftzeit oder ‚isch-bin-der-Prinz‘-Zeit besser bekannt)) oder der Karnevalszeit – dabei wird eigentlich wenig Unterschied gemacht.

Mit dem erreichten Alkoholpegel schwindet allerdings  auch die Widerstandsfähigkeit des gesamten männlichen Körpers und spätestens nach der bekannten Inkubationszeit von einem Sonntag ist es am Montag morgen leider zu spät: nichts geht mehr. Aus dem Kratzen im Hals ist eine eitrige, den Schlund komplett zu verschließen drohende Infektion geworden, die sich auf sämtliche innere Organe, den Tastsinn, die Ohren und die Augen auswirkt. Der jeweilige Partner wird nur unter übermenschlichen Anstrengungen wahrgenommen, der Patient wird bettlägerig und mäkelnd. Alle 20 Sekunden entweicht ein Stöhnen oder Seufzen, die Kopfschmerzen sind nahezu unerträglich und alle Körperfunktionen drohen ihren Dienst einzustellen. An Arbeit ist nun zunächst wirklich nicht mehr zu denken. Man kann als Partner eher froh sein, wenn sich der Infizierte noch leidlich am frühen Montag morgen zum Arzt durchkämpfen kann.

Spätestens dort wächst sich die Infektion dann zur bekannten, nahezu tödlichen Männergrippe aus. Alle uns bekannten Organe, praktisch der gesamte Körper, der Stoffwechsel und ganz besonders die Hygiene sind akut davon betroffen und unter Mitleidenschaft gezogen.

In den nächsten 2 Wochen ist an Selbstreinigung des Infizierten nicht auch nur annähernd zu denken. Er liegt eher lethargisch im Bett herum, stöhnend ob der höllischen und qualvollen Schmerzen – und ist gerade noch in der Lage, dem  Lieblingsprogramm im Fernsehen zu folgen. Gut eingepackt und durch den Partner mit Flüssigkeiten und Essbarem versorgt beginnt nun die qualvolle, alles Vorherige  in den Schatten stellende  Phase der Genesung – die sich allerdings auch gute 3 oder 4 Wochen hinziehen kann.

Am Ende ist man dann sehr froh, erneut dem Tod von der Schippe gesprungen zu sein und freut sich schon auf den nächsten Stadionbesuch – nach der Winterpause wohlgemerkt.

Jo. Da helfen auch keine Pillen. Männergrippe halt. Muss man durch. Oder besser: Frau! Bis das Ferkel wieder anfängt sich zu waschen halt…dann ist das gröbste vorbei. In den meisten Fällen  allerdings auch die Beziehung.. Ob darum so viele der bekannten Fälle tödlich enden?

Weisse Bescheid, ne?

 

 

Die erweiterte Periode

Lieber Tagesbuch,

hat jetzt nichts mit den bekannten Zyklen der Frau zu tun – auch wenn dieses Thema an sich ja schon ein weites Feld ist und sicherlich einmal der Betrachtung wert wäre. Aber Blut soll uns heute nicht weiter stören. Obwohl, da fällt mir spontan einer ein.

*political-correctness-off* *gender-mode-off* *satire-modus-on*

Was wäre, wenn die Erde sich 30 mal schneller drehen würde?

Nun. Es gäbe jeden Tag Gehalt und die Frauen würden verbluten…

*all-off-or-on*

Ich weiß. Böse. Aber hat was. Das mit dem Geld zumindest. Was wäre die Welt nur ohne Frauen…könnte man glatt aufs Geld verzichten…hehe…

Aber jeden Tag eine frische Gehaltszahlung, das hätte doch was. Wobei. Würde wahrscheinlich exakt 20 Minuten dauern und dann wären alle Dinge des täglichen Lebens 30 mal so teuer…wie ich uns als Menschheit so kenne.

Das Periodensystem.

Wundersame Entdeckung des Menschen, der sich seit Anbeginn der Zeit Gedanken darüber macht, aus welchen Stoffen denn die Welt besteht.

Das fing wahrscheinlich an bei den Höhlenbewohnern und der ersten Keule., Da wird sich der, der sie als erster auf den Schädel gezimmert bekam, auch Gedanken gemacht haben, woraus die wohl besteht. Zumindest kurzzeitig. Kurz vor dem Aufprall. Und dann erstmal nicht mehr. Manchmal auch nie mehr.

Bis hin zu den Griechen war unser Verständnis nur sehr rudimentär. Hatte man doch nur die Sinne um überhaupt feststellen zu können, aus was etwas besteht. Man konnte das salzige Wasser schmecken – auch wenn man nicht wusste, warum es überhaupt salzig war. Irgendwie war das ja auch egal. In 10 Minuten ging der Marathon los und der Verkäufer vor dem Stadiontor, der mit dem frischen Wasser geprotzt hatte, der war sicherlich schon längst über alle Berge. Also ausgespuckt und weiter dem Spektakel zugesehen…

Oder auch die Süße einer Frucht. Führte ja angeblich dazu, dass der Apfel, der nicht weit vom Stamm fiel, ausgerechnet Eva vor die Füße rollte. Und die Schlange ihr dann einflüsterte, davon zu naschen um die herrliche Süße zu probieren. Kannte Eva ja noch nicht. Und eine Handtasche zum aufbewahren für später war noch nicht erfunden. Geschweige denn der Kosmetikspiegel.

Die erste Frau war aber doch nicht blöd. Also bemühte sie ihren Vorkoster. Adam. Der ja auch an sich immer und in allen Momenten für das Grobe da war. Tiere erlegen, jagen, Holz hacken, Feuer machen. Müll rausbringen.

Gut, hätte er sich selber hinaus befördern müssen. Aber das hat ja dann dieser dämliche Gott erledigt, nachdem die Erkenntnis reifte…hier nackt im Garten rumzustehen und der Nachbar glotzt blöd aus der Höhle…

Wer wollte schon nackt durch die Gegend laufen? Von den Frauen jetzt. Ich höre schon eine Milliarde Männer ‚ich!‘ schreien…

Jo, Kleidung gibt es wohl nur deshalb. Denn am Anfang, so viel steht in beiden Sichtweisen, Wissenschaft und Religion, fest, da waren wir wohl nackt. Gut, Behaarung hatten wir noch reichlich. Und es gab noch keine Epiliergeräte oder Brasilian Waxing. Eher den Frauenvollbart und die Männerrückenbehaarung. Appetitlich.

Aber stehengeblieben waren wir ja eigentlich bei den alten Griechen. Um die beiden im Paradies kümmern wir uns noch ein anderes mal…

Gut, die haben also den ganzen Tag rumgehangen, die Griechen, so ein wenig philosophiert und dabei auch nebenbei noch irgendwie die Mathematik entdeckt – zumindest hatten Pythgoras und Sokrates nichts anderes zu tun, als es sich damals schon für alle Zukunft bei den Jugendlichen zu verkacken.

Und nebenher, neben rumliegen und Weintrauben verzehren und ein paar Quadrate oder Dreiecke in den Sand zu zeichnen, dachte man, die Welt bestehe aus Feuer, Wasser, Luft und Erde.

Also dieselbe Ansicht, die ein Großteil der Menschheit auch heute noch vertritt.

Neben dem so-dahin-stoffwechseln, wo es ja auf die Luft ganz besonders ankommt, dem anzünden von Feuer oder dem hochdrehen der Heizung, dem monatlichen Bad (alles andere wäre Verschwendung, habe ich doch tatsächlich von jemandem gehört, der sich seit 3 Jahren nicht wäscht sondern nur ein von ihm selber entworfenes Parfüm aufträgt. Na heidewitzka Herr Kapitän. Da kann man dann zu Karneval als Sondermülldeponie gehen. Ohne irgendwas am Outfit oder ähnlichem zu ändern. Pfui. Also einmal im Monat ist selbst für den bildungsfernen Bürger Minimum. Außer er entwickelt sich zum oder ist bereits ein Messie. Ich denke, dann kommen wir mit den 3 Jahren wieder ganz gut hin. Was das jetzt mit Fußball zu tun hat? Sag mal, hörst du mir überhaupt zu???) – und schlussendlich dem Boden der Tatsachen, auf dem das eigene Bett sich befindet,  existiert ja kaum etwas in der eingeengten Sichtweise.

Neben Atmung, Heizung, ritueller Waschung und dem zu-Bett-gehen unterscheidet sich das normale Leben also nicht wirklich von dem der Griechen im Altertum. 4 Elemente. Alles andere ist unwichtig.

Zieht sich wie ein roter Faden so durch den Alltag.

Ein-Aus-Lauter-Leise beim Fernseher.

Vor-zurück-links-rechts beim bewegen in der Öffentlichkeit.

Wach-einschlafend-schlafend-aufwachend als Zustände des Lebens.

Hungrig, durstig, müde, erschöpft.

Satt, sternhagelvoll, hellwach, aufgekratzt.

 

Kann man so stundenlang für alle Bereiche des Lebens durchgehen.

Geld drauf, Geld abgehoben, Geld ausgegeben, kein Geld mehr.

Arbeit verloren, ohne Arbeit, arbeitssuchend, Schmuckdesignerin.

Also alles in allem recht Griechisch – und nach Westerwelle auch römisch. Zumindest in der vollendeten Dekadenz. Wenn Fleisch nix mehr kostet und der Weg zum Discounter nur 5 Minuten beansprucht – dann ist es sehr weit bis zur nächsten Revolution. Ein voller Bauch revolutioniert nicht gern. Außer er ist austerisierter Grieche in Europa und möchte mit 55 schon in Rente gehen. Dafür lohnt es sich ja schon mal zu streiken.

Gut. Irgendwann, so knappe 4000 Jahre der totalen Abstinenz von Intelligenz später, hat sich dann wieder mal einer hingesetzt und nachgesehen, aus was denn die Welt wohl wirklich gemacht ist.

Als Alchemist war der aber eher auf der Suche nach Gold. So wie alle vor und nach ihm. Würde mich mal interessieren, wenn mal ein Komet eingefangen würde, auf dem es alle seltenen Stoffe des Kosmos im Überfluss gebe. Was dann lieber Kapitalismus? Ach, stimmt, wir sind ja schon bei den bunten Scheinchen und dem ‚Nullwert‘. Ich vergaß.

Eperimentierte der Typ also mit seinem Urin herum. Nicht, weil das so verlockend war. Eher, weil der so schön goldgelb war. Und von diesem Herrn an, der da seinen Morgenurin auf einer kleinen Gasflamme im Kolben erhitzte und aufwändig untersuchte, bis hin zu heutigen Kernfusionsexperimenten in Superbeschleunigern die Milliardensummen verschlingen, hat man eine ziemliche Menge an neuen Elementen entdeckt. Über 200, um es mal zu beziffern. Und dies in nur knappen 300 Jahren. Und ständig entstehen neue. Ob uns nach oben eine Grenze gesetzt ist, man weiß es derzeit nicht. Auch welche Möglichkeiten uns die ganzen neuen Elemente bieten werden – alles noch in den trüben Fenstern der Labore verborgen.

Das wichtigste Element jedoch, der gewöhnliche Sapiens, der kratzt sich derweil im Schritt und popelt an der Ampel. Oder lackiert sich bei rot die Fingernägel. Was wieder einmal beweist, dass Fortschritt und Wissen den gewöhnlichen Menschen jetzt nicht ganz so weit voranbringen. Gut, der kann auf dem Klo am frühen Morgen dann auch selber analysieren, dass die Streifen irgendwie…äh…lassen wir das. Bevor es total unappetitlich wird. Er könnte es aber. Das mit der Analyse.

Und darum ist es um jeden einzelnen der Erdenbürger wichtig. Wissen wir, wo und wann der nächste Bohr, Einstein, Shakespeare, Schiller, Mozart, Beethoven oder Gauck geboren wird? Eben.

Zumindest bei der nächsten Periode weiß es aber die Göttin ziemlich genau. DER oder DIE wird das Periodensystem definitiv NICHT erweitern.

Kommt sie zornig die Treppe herauf und öffnet die Tür zum Prinzenklo ruckartig:

‚Hör auf schon wieder mit deinem Urin rum zu spielen! Komm lieber runter, ich hab Apfeltorte gebacken…‘

WEISSE BESCHEID, ne?