Brotdose Kunst

Lieber Tagesbuch, 

ist es, wenn ich mich vor eine Leinwand stelle und mit meinem Eigenurin getränkte Acrylfarbe mit einem Pinsel auf dem weißen Untergrund verteile. Wenn ich dabei meine Stulle esse, könnte man meinen, ich würde meinem Erwerb nachgehen. Und so sehen dies ja weltweit auch viele Kunstkritiker. Bis zu mehrere Millionen Euro werden da hirnlos verbrannt in dem man in solche Werke investiert.

Wobei auch ein Gorilla oder ein Pavian, bewiesenermaßen, solche hoch abstrakten Strichzeichnungen hinbekommen. Da lobe ich mir die Malerei des Gegenstands, bis hin zu sehr abstrakten Darstellungen wie dem Kubismus. Weiterentwickelt hat sich da, zumindest für mich, jedoch nicht mehr viel. Gut, man zahlt heute Unsummen für dieses Gekritzel – aber ein Sohn oder eine Tochter erledigen diese arbeiten auch – ohne dass man dafür Wahnwitz im Portemonnaie spielen müsste.

Aber ich bin ja ein Banause.

Stehe im MOMA und sehe eigentlich nichts. Also nichts, was mich wirklich interessiert. Kann man sich dann auch schenken. Oder anderen. Die freuen sich dann über die Karten.

Apropos freuen:

Es soll tatsächlich Momente geben, in denen sogar eine Kanzlerin lächelt. Der Gegenkandidat macht es vor und kommt aus dem grinsen nicht raus. Nix vorgestellt und trotzdem schon besser. Das schafft selten einer! Zumal er ja nun nicht für einen Neuanfang steht sondern eher für das weiter so. Was Parlamente und Demokratie anbelangt. Aber ich halte mich da raus. Solange die Parteien glücklich sind und die Diäten passen.

Zurück zum Thema.

Also wenn ich morgens oftmals in meine Brotdose schaue, dann ähnelt dies ja schon sehr der abstrakten Kunst die man heutzutage bei den Auktionshäusern unter die Leute bringt.

So mit Chia und Kürbis und Sonnenblume und noch weiteren 10 Sämereien. Lecker. Kann kein Bäcker so hinkriegen wie ich. Dessen bin ich mir bewusst. Und bestaune halt jeden Morgen aufs Neue ein Kunstwerk.

Nur würde mir natürlich für eine selbst gestaltete Stulle niemand den Nobelpreis für alternative Kunst überreichen – weil es den ja nicht gibt. Aber er müsste erfunden werden. Dann könnte man alljährlich über die Experten staunen – wie auch beim Wort des Jahres.  

Die GfdS versetzt mich ja immer wieder ins Staunen.

Ist doch die Aufstellung des Jahres immer auch ein wirklicher Scheinwerfer auf die Dinge, die die Menschen in dieser Zeit bewegt haben. Schau mal rein, es ist wirklich bemerkenswert. Man kann sich in jedes Jahr hineinversetzen.

Und wo wir schon beim postfaktischen sind: der Rennfahrer Sebastian Vettel heißt mit bürgerlichem Namen Sebastian Vettel und ist Rennfahrer! Woher ich das weiß? Es sind halt die Werte unserer Zeit. Die Brüder oder Schwestern verdienen Millionen oder Milliarden mit ihren Hobbys, andere in dem sie sinnfreie Finanzprodukte verhökern und sich ungehemmt bereichern – und die Dritten sehen dabei zu, halten die Taschen auf und beschließen dann Gesetze, um dies alles auch noch zu legitimieren. Unter strenger Diät versteht sich. Und andernorts soll es Leute geben, die tatsächlich nach Pfandflaschen fischen.

Verrückte und auch Perverse Welt. Schließlich könnte man etwas ändern, wenn man nur wollte. Aber wenn am Volke vorbei regiert wird, dann bleibt einem Nichts als staunend da zu stehen und zu registrieren: die Masse ist damit zufrieden!

Der Souverän soll in der Zwischenzeit lieber Auto fahren auf Autobahnen ohne Geschwindigkeitsbegrenzung und so eben jauchzend dahinbrettern ins Grüne hinein. Sorgenfrei. Und GroKo wählen. Auch ein Wort des Jahres.

Aber eben auch Grüne und Terrorist. Wobei die beiden sich jetzt eher gegenseitig ausschließen. Auch wenn man die ersten Jahre der Grünen im Parlament durchaus als Terror bezeichnen konnte. Für die Etablierten. So ganz ohne Regeln und Benimm – einfach nur Protest der Bürger. Herrlich. Nun sind sie eher angepasst und ruhig und dümpeln so in den Parlamenten herum. Man hat sich an die Diäten und Pöstchen gewöhnt. Nis mehr mit Revolte oder Protest. Heute zeigt man mit dem Finger auf die, die Protestieren. Wofür auch immer. Arme Demokratie, so wackelig, dass man nicht einmal Faschisten belächelt ins Parlament einziehen lassen kann um sie dann argumentativ zu bekämpfen. So weit sind wir denn dann doch nicht. Knappe 100 Jahre danach. Seltsam.

Und wen soll ich nun wählen, fragt sich dann unsereiner…?

Hmmm.

Ich würde Dali wählen. Oder Picasso. Oder sogar Rembrandt. Da bekam man was für das Geld. Und es war eine Investition in die Zukunft.

Eben das genaue Gegenteil der Brotdosen-Kunst von heute. EGAL von welcher Partei, wohlgemerkt. Ernst heute, ich weiß. Aber musste sein. Bevor mir noch der Kragen platzt…

WEISSE BESCHEID, ne?


 


 

 

Die flatulative Osmose

Lieber Tagesbuch,

herrscht ja eindeutig eher beim Mann vor. Zumindest ist mir in all den bisherigen Lebensjahren selten ein weibliches Exemplar untergekommen, welches mit derartiger Monstrosität der Flatulenz huldigt – wie eben der Mann.

Äußert sich bei manchen dieser Art darin, dass tatsächlich sogar Spiele damit verbunden werden. Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang immer an meinen Opa, der mich als kleines Kind immer aufforderte, an seinem Zeigefinger an der rechten Hand zu ziehen. Und in dem Moment, in dem ich dies tat, entfuhr es ihm. Mächtig, laut, oft auch grässlich stinkend, was evtl. auf die Zusammensetzung seiner Darmflora Hinweise hätte eröffnen können, wenn ich denn zu diesem Zeitpunkt bereits ein erfolgreiches Medizinstudium hinter mich gebracht gehabt hätte. Dies war nicht der Fall und so zog die Duftwolke ungehindert über die gesamte Fläche der angrenzenden Grünanlage. Ohne nachfolgende Analyse über deren genaue Zusammensetzung und die vorausgegangenen Prozesse.

Diese Art der offen zur Schau gestellten Flatulenz, der flatulativen Osmose halt, bei der jede Zelle des Körpers die eigenen Stoffwechselprodukte über die Darmwinde aus dem Körper abführt, ist bei Männern scheinbar nicht selten anzutreffen. Zumindest war immer mal wieder jemand dabei, der ungeniert in der Öffentlichkeit sein Innerstes nach außen gekehrt hat.

In den meisten Fällen nicht gerade zur Erheiterung der Umwelt – sondern eher um Empörung und Missgunst zu ernten. Oder wie sagte ein Komödiant letztens? Scheiße is, wenn der Pfurz watt wiegt.

Auf solche tendenziell wichtigen Erkenntnisse kommt halt auch nur, wer seine Düfte nicht sammelt. Was mich wieder dazu bringt, dass ich den Nutzen von Aktivia immer noch nicht verstanden habe. Kann es tatsächlich sein, dass man NICHT pupsen kann? Ist als Mann nahezu unvorstellbar. Gerade bei Vollkornbrot und ausgewogener Ernährung bin ich quasi ein sich ständig in der Gasproduktionsphase befindlicher Zellhaufen in einem Fleischsack. Es gärt rund um die Uhr in mir. Nun nicht nur wegen der Weltpolitik, in der auf der einen Seite die Abschottung und das absolute Paradies versprochen werden – um auf der anderen Seite die halbe andere Welt in der Zwischenzeit mit einem Bombenteppich zu belegen. Ideologien, Religionen, Kriege. Habe ich mir nie etwas draus gemacht und ich muss sagen: ich brauche es auch nicht. Da furz ich sozusagen drauf.

Der eine hortet also die Dämpfe in seinem Inneren, der andere irgendwelche Dinge in seinem Haus oder seiner Wohnung. Nennt sich dann Darmverstopfung oder Messie. Ganz danach, welchem Laster man nun genau frönt.

Wobei der Messie natürlich das entscheidend größere Problem hat – weil er irgendwann noch nicht einmal mehr auf sein eigenes Klo kann. Um Dampf abzulassen oder geschweige denn an seinem Körper irgendwelche Tätigkeiten vorzunehmen. Sei es auch nur zur Pflege desselben. Alles voller Bananenkisten oder Plastiktüten.

Ganz abgesehen von den alten Möbelstücken und Hüten, Vasen, Taschen, Pumpen, Kompressoren oder kleinen Heizkraftwerken. Was sich halt so ansammelt wenn man hin und wieder mal auf den Flohmarkt geht. Da sind andere froh, dass sie den Müll endlich quitt geworden sind – und ein ehrenwerter Messie hortet die neuen Errungenschaften. Nicht, dass mir das harte Schicksal nicht bewusst ist.

Und vor allen Dingen: ich möchte mich nicht über Krankheiten lustig machen, weit gefehlt. Die bedürfen der Behandlung, ohne Frage. Wobei sich mir schon die Frage stellt, ob nicht schon die ganze Welt erkrankt ist. Aber dies ist mal wieder eine andere Geschichte.

So sammelt man also vor sich hin, bis die ganze Bude ohne den Trödeltrupp nicht mehr beherrschbar ist. Und die kommen dann und schmeißen einfach die Hälfte weg. All das, bei dem man jahrelang in seinem Kopf sagte: das kann man doch noch gebrauchen! Ist vielleicht die Erziehung in den Kindheitstagen, kurz nach Kriegsende, ein wenig schuld daran.

Damals trichterte Oma uns allen doch schon ein, dass man lieber etwas repariert als wegschmeißt. Hat man ja nicht so viel davon, von diesen Dingen. Und darum muss man die schon pflegen und aufbewahren und eben auch reparieren. Während Opa mir wieder seinen rechten Zeigefinger hinhielt. Was auch so ziemlich seine abschließende Sicht der Dinge beschrieb.

Was störte es ihn schon? Hatte er doch sein Leben schon gelebt und nun ging es nur noch darum, die Rente sinnlos zu verprassen. Rente? Ja, ich weiß, etwas, was man heute kaum noch versteht. Zumindest, dass man davon leben kann. Geschweige denn große Sprünge machen. Oder gar den Zeigefinger hinhalten. Aber: die Renten sind sicher! Nicht die Höhe, aber eben der Begriff. Auch eine andere Baustelle, kommen wir noch mal dazu. Stichwort Altersarmut.

Stapeln sich also die Erinnerungen und der Müll der Geschichte im Hausflur. Bis es den Angehörigen oder den Nachbarn stinkt. Da hilft dann meist wirklich nur noch die Radikalkur. Alles weg und endlich mal wieder besenrein machen, die gute Stube. So ein Frühjahrsputz hilft ja auch der Seele. Zumal entrümpeln IMMER gut tut. Schließlich belasten viele Dinge einfach nur unser Leben. Man baut sich sozusagen komplett zu. Materielle Bindung an eine immaterielle Zukunft. Denn diese existiert ja erst mal nur im Kopf. Was uns wieder dazu bringt, zu erörtern, was am anderen Ende oft herauskommt. Neben der ganzen Scheiße, die den lieben langen Tag so weltweit ans Licht der Öffentlichkeit kommt.

Wusstest du übrigens, dass ein Abgeordneter NACHDEM er sein Mandat niedergelegt hat, für jedes Jahr mit Mandat 18 Monate lang knapp 9.000 Euro Überbrückung bekommt? Heißt also, man war, sagen wir mal, 11 Jahre im Bundestag – und plötzlich fällt auf, dass man ja gar kein Hirn hat. Muss man sein Mandat niederlegen. Und bekommt dann noch satte 16 Jahre seine Überbrückung. Also muss man erst mit 40 in die Politik. Um bis zur Rente ausgesorgt zu haben. Das sind doch mal echte Perspektiven! Gerade für die junge Generation, die laut aktuellen Nachrichten ja nicht mehr so sehr konsumieren möchte.

Wovon auch? Vom Mindestlohn und von befristeten Verträgen? Da wird man doch gern Politiker! Und lässt so manches mal Dinge ab…von denen man auch denken könnte, es wäre nur ein Furz in der Weltgeschichte.

Und manch einer, der lässt ja auch mal heimlich einen fahren – im Aufzug. Wenn niemand dabei ist. Nur um dann im nächsten Stockwerk peinlich berührt auszusteigen – weil vor der Tür jemand wartet. Und man ja allein im Aufzug war. Wer sollte sonst wohl dort drinnen gefurzt haben? Schlimm, schlimm. Aber auch wieder gut, dass man die eigenen Dämpfe prima riechen kann.

Sonst würde man als Mann auch ziemlich schnell am Ende der eigenen Kräfte angelangt sein. Oder zu Anti-Aktivia greifen. Um der Flatulenz Einhalt zu gebieten. Kann ja sonst auch keiner aushalten! Außer, man bewegt sich im Parlament der geistigen Flatulierer. Wenn man nicht gerade Hirn-Dünnschiss hat. Und von Demokratie und Todesstrafe faselt. Soll es geben. Was sich alles so Demokratie schimpfen darf. Tststs. Da lobe ich mir doch die Einstellung von Opa.

‚Hier, zieh mal dran!‘

Hält mir den Zeigefinger hin – und ich zieh wieder dran. Obwohl ich das ganze doch schon kenne.

Ach Oppa, du warst schon eine Granate!

 

WEISSE BESCHEID, ne?

 

Digitalisierung 2016.0

Lieber Tagesbuch,

ist, wenn ein Pokemonjagender Mobiltelefonanstarrer von einem autonom fahrenden Tesla-Auto überfahren wird, dies durch ein Google-Auto aufgenommen und durch eine Verkehrsüberwachungsdrohne komplett aufgezeichnet wird. Willkommen in der neuen Welt. Und die Amazon-Drohne blinzelt verstört beim Paketausliefern auf die Straße und versteht die Welt nicht mehr…

Was genau mag denn nun Digitalisierung sein? Fragst du mich das jetzt wirklich ernsthaft?

Nun, nehmen wir mal an du bist krankenversichert. Dann wird zukünftig der Arztbesuch gar nicht mehr nötig sein. Du schnappst dir morgens früh dein Handy, startest die App deines Hausarztes, der schaut sich über die Kamera deine Prusteln im Gesicht an und schreibt dich krank. Das geschieht unmerklich für dich im Hintergrund. 

Dabei wird erst der Arbeitgeber informiert – und danach die Krankenkasse. Du kannst dich hernach direkt in die Apotheken-App begeben, dort dein Medikament raussuchen (verschiedene Hersteller, mit manchen hast du vielleicht sogar eine Kooperation, d.h. die Sponsoren deiner Tochter die Blockflötenstunden dafür, dass du ihre Produkte kaufst) – und dieses wird dir dann per Drohne zugesandt.

Nach cirka 20 Minuten Flugzeit. Spätestens jetzt musst du deinen Arzt bewerten und für deine Krankenkasse dessen Rechnung freigeben.

Danach wieder ab ins Bett und genesen also. Bis dich am nächsten Morgen die App darauf hinweist, dass du ja sowieso in diesem Jahr schon öfters krank warst und man dir sofort die nächsten 3 Wochen als Krankzeit vorschlägt. Kommt jetzt auch nicht mehr drauf an. Und die Diagnose liefert man dir schon vorab anhand deiner im Klo gemessenen Körperflüssigkeitswerte. 

Nebenbei solltest du die Aufnahme von Alkohol reduzieren, rät dir die Arzt-App. Und gestern, der Fisch, der war aber nicht MSC – und schon gar nicht Bio. Und schon nervt das schlechte Gewissen. Schließlich kann von diesem einen Fisch das leben einer ganzen Fischerfamilie abhängen! Zumindest erscheint es so. In Wirklichkeit trifft es nur einen dieser riesengroßen Fischfang-Trawler im Atlantik – und der kann es weiß Gott verkraften…

Schöne neue Welt.

In der auch schon sehr früh feststeht, wer oder was du wirst. Vor allen Dingen haben deine Eltern dich schon vorher im Baukasten zusammengesetzt. Kann eigentlich kaum noch was schief gehen.

Mit der kleinen App auf dem Smartphone wurde der perfekte Samencocktail zusammengestellt, vom Labor dann fertig gemixt und per Drohne zugestellt. Gut, guter Sex sieht jetzt anders aus – aber was tut man nicht alles für die Menschheit? Möchte nicht jeder einen kleinen Galileo oder Albert? Oder eine Marie? Was gäbe die Welt für einen neuen Jesus oder eine Jesine. Muss man ja nicht gleich wieder an die Wand nageln. oder an ein Kreuz. 

Fällt mir ein, was wäre gewesen, wenn man Jesus geköpft hätte? Würde dann heute jeder mit einem Schwert um den hals herumlaufen? Gut, in Zeiten von Terror und der wahlfreien Ausübung von grober Körperverletzung mit Todesfolge oder jeglichem anderen groben Unfug (ich sage es gleich: ich halte mich aus allen Diskussionen hierzu heraus. Bringt nix. Denn meine Argumente sind nicht tödlich!) kann so ein Mordinstrument bei der Hand oder besser am Hals sicher nützlich sein. 

Aber dann hat ja jeder eins. Halt so wie im kalten Krieg. Alle haben eine Bombe und darum nutzt sie keiner. Ja, so verrückt ist der von den Bäumen heruntergestiegene Affe! Wohl wahr! Manche hielten ja eben dieses verlassen der Bäume schon für den großen Irrtum. Andere gehen noch weiter und finden, wir hätten nicht mal das Wasser verlassen sollen. Besser für uns wäre es sicher gewesen. Gäbe es jetzt Planktoncocktails auf dem Meeresgrund. Aber das ist eine andere Geschichte.

Gut, gibbet also am Spielplatz um die Ecke zur Genüge Jesines oder Jesusse in Tateinheit mit der bekannten Schackeline. Aber wir reden hier ja eher nicht von den Kindern mit sehr viel Potential – also enormer Luft nach oben -, die zumindest schon mal den Stift so halten können wie der Turm in Pisa steht. Zwar schief – aber dennoch lässt sich damit auch ein Wort hinkrakeln. Auch dabei ist man nicht mehr ganz so genau, schließlich wird auf Tablets geschrieben, die Autokorrektur übernimmt den Rest. Selbst der größte Dummbatz bekommt auf diese Weise Weltliteratur hin! Alle Minuten lang ein neuer Shakespeare! Nun, nicht exakt so lang und detailliert bzw. Pointen reich – aber zumindest hört es sich fast schon an wie Englisch. Das Deutsche. Sind wir akut ja auch nicht sehr weit weg von.

Kaum Werbung, in der nicht alles irgendwie besser ist, weil es ‚repair‘ oder ‚revitalift‘ oder ’smoothie‘ ist. Hinzu kommen ‚Events‘ und ‚Spots‘ die dein ‚Life‘ irgendwie besser machen. Es ‚upgraden‘.  Tja, manches mal wünschte ich mir weniger Werbung und mehr Hirn. Aber man kann ja bekanntlich nicht alles haben. Und wer schon Persil und Omo hat, der braucht sich um eine gescheite Gehirnwäsche keine Sorgen mehr zu machen. Ünrigens werden pro jahr 60 Millionen Tonnen Phosphor in die Kloake gespült. Die Hälfte unserer Einfuhren an Phosphor kippen wir wieder weg! Das nenne ich mal Weitblick! Ist so, als wenn ich am Geldautomaten nach jedem Abhebevorgang die Hälfte meines erhaltenen Geldes verschenken würde. Fände ich auch wieder toll. Würde ich den ganzen Tag nur an Bankautomaten stehen! Karriere als Bankautomaten-Vorsteher. Chief of – versteht sich. Man macht ja auch seinen Master und den Bachelor. 

Ich sags ja…denglisch sei dank. Aber nicht mal das ziehen wir durch. Könnte man doch zumindest schon mal das seidt einführen (Kombi aus seit und seid) und den bestimmenden Artikel endlich weglassen. Man liest ja auch kaum noch bestimmende Artikel. Alles eher Einheitsbrei. Auch wieder eine andere Geschichte.

Alles das ist auch bereits mit kleinen bunten Pillen erreichbar. Realität und keine Fiktion. Viagra und Co. lassen grüßen. Täglich wird es mehr. Und in Zukunft sind sogar direkte Eingriffe ins Hirn denkbar. Gut, macht man jetzt nicht so sehr viel kaputt. Von daher sag ich mal: schlimmer geht es eh immer! Also warum nicht? Wären wir wieder bei der Schnittstelle im Kopf, du erinnerst dich?

Naja, auf jeden Fall sind deine Lehrer dann das Internet und diese kleinen, süßen Roboter die dich durch deine Kindheit und Pubertät bis ins Erwachsenenalter begleiten. Kleine Pokémons und PacMans.

Und ein jeder hat eine Brille auf (was ja auch die Diskriminierung der Brillenträger endlich beenden würde) mit der er sämtliche Zusatzinformationen zu einem Objekt sofort eingeblendet bekommt. Steht man also vor der Sehenswürdigkeit und die Datenbrille sagt einem: hey, is 80 Jahre alt, heißt Omma Krawuttke und lebt hier im Altersheim um die Ecke. 

Was die jetzt gerade hier splitterfasernackt vor dem Picasso im Museum macht – man weiß es nicht genau. Aber zumindest erkennt man auf Blick oder Kopfnicken hin, wer die Erziehungsberechtigten waren und sind. Und wie viel Omma Krawuttke im Monat so an Rente kriegt. Und was sie gestern gegessen und eingekauft hat.

Gut, das würde jetzt wieder nur der Ordnungshüter sehen. Der sieht aber auch sofort alle Einträge zur Sprache der gestrigen Woche. Also alles, was Omma Krawuttke in der letzten Woche so vom Stapel gelassen hat.

In Einzelfällen vielleicht nicht so interessant. Aber insgesamt und in BIG DATA sicher ein willkommenes Highlight jeder autoritären Regierung. Die einem durch die Datenbrille natürlich auch immer anzeigt, wie etwas gerade aktuell heißt oder welche Wertung es gerade hat. Doppelplusgut sag ich nur.

Also in all der schönen Zeit in den Allergenfreien Bereichen der Großstadt werden immer mehr und weitere Daten über dich gesammelt. Und die verfestigen dann dein Bild. So dass ein jeder sofort weiß, woran er bei dir ist. Wie erwähnt eben auch der liebe Herr Staat. Der damit dann auch schon weit vor der anstehenden Wahl weiß, wen du denn wählen wirst.

Und darum muss die Wahl ja auch erst gar nicht stattfinden – weil das Ergebnis eh schon feststeht. Das wäre dann auch Demokratie 2.0! Heissa! Und Politiker die ihre Vita oder ihre Abschlüsse gefälscht haben oder irgendwo abgeschrieben oder sonst wie gelogen und korrumpiert haben – gibt es gar nicht mehr. Nur noch Politroboter die den lieben langen Tag nichts anderes tun, als das für und wieder zu debattieren. und zum Schluss wird abgestimmt.

Sagst du jetzt, wo ist der Unterschied zu heute?

Gut, die kosten eben nur noch Strom. Keine dicke Diät mehr.

Und wenn der durch Wind, Wasser und/oder Sonne hergestellt wird…ist doch erst mal alles gut!

Während das Volk draußen Pokemons jagt oder bei der EM/WM/AM/BM/CM zu Hause vor der Glotze zuschaut.

Arbeiten muss ja auch niemand mehr, denn sämtliche Jobs der Welt werden komplett von Robotern erledigt. So dass der Mensch sich ganz auf seine guten Seiten besinnen kann. Ich hatte es bereits beschrieben, du erinnerst dich sicher.

So malt der gute Mensch dann halt Ölgemälde aus Urin oder bastelt aus Filz kleine Hüte. Oder baggert in seinem Garten herum. Ganz, ganz kecke nehmen 3 Stunden lang den gerade im Garten entdeckten wilden(!) Vogel auf. Solange der Akku reicht. Und ein ECHTER VOGEL: Kein Pokemon! Wow!

Lange keinen mehr gesehen. Außer im Zoo oder im TV.

Schöne neue Welt halt…alles so wundervoll bunt! Und sogar in HD! CURVED! Also gebogen…für uns Ältere…

Weisse Bescheid, ne?

 

 

Die Kopf-Hirn-Schranke

Lieber Tagesbuch,

ist der Bereich des menschlichen Körpers, der eine Existenz von Gehirn oberhalb des Wurmfortsatzes rigoros ausschließt. Zumindest hat man den begründeten Verdacht, dass eine gewisse Form des Homo Sapiens sich gänzlich ohne diese gesonderten Hirnwindungen über den Planeten bewegt. Eigentlich sind diese Mitbewohner nur ein bewegter Wurmfortsatz der im Stoffwechseln relativ routiniert ist. Schon Atmung und die Aufnahme von Flüssigkeit sind ja nicht zu verachten, als grundsätzliche Leistung, die uns von der Amöbe aber jetzt auch nicht wirklich sonderlich abgrenzt. Atmen wird ja gemeinhin auch total überbewertet. Schließlich singt schon Helene von der Atemlosigkeit des Seins. Die Leiden der jungen F. Sozusagen.

In vielen Fällen sorgt die erwähnte Schranke jedoch auch nur für die Vorfilterung von bestimmten Ideen oder Vorstellungen, bevor sich diese im Gehirn des Betroffenen als eigener Geistesblitz manifestieren können. Vorgesetzte leiden selten darunter, die können ganz gut die Arbeit anderer als die eigene verkaufen und anpreisen. Der normale Wutbürger in der Pommesbar hingegen – ´Pommes Schranke‘ ist hier nicht immer nur der Hinweis auf die Bestellung von fetttriefenden Kalorienstäbchen, die mühsam von Kinderhänden aus den Ernte-Kartoffeln herausgeschält wurden, der Wutbürger eben, der leidet schon eher unter vor gefilterter Wahrnehmung. Nein, ich möchte mich an dieser Stelle NICHT über Kinderarbeit lustig machen. Schrecklich und von uns allen unterstützt. Weil der Verbraucher eben NICHT dafür Sorge tragen kann oder will. Und darum finde ich auch, sind die FIRMEN in der PFLICHT. Die müssten sofort ihre Lizenz zum Verkauf in der Republik verlieren, wenn solche Fälle begründet und bewiesen auftauchen. Anders kann man das nicht stoppen. Kann ich von Bürgern am Rande des Existenzminimums auch nicht erwarten, dass die sich um so etwas noch Gedanken machen. Aber eben auch der normale Bürger nicht. Wer bitte schön kann denn diese ganzen Skandale noch behalten, geschweige denn im Bedarf zurückerinnern? Ich jedenfalls nicht. Exkurs beendet. Schranke schließt automatisch…

Man muss an dieser Stelle für alle Zeiten dann auch mit der Freiheit des eigenen Willens endgültig und rigoros aufräumen. Nicht nur, dass der menschliche Körper von Natur aus durch die Sinnesorgane nur dafür ausgelegt ist, die Vergangenheit wahrzunehmen. Hier werden alle Impulse, die auf uns einwirken, schließlich durch die Übertragung von vornherein, mit einem durch die Natur eingeplanten und biologisch zementierten Zeitverlust von uns registriert. Nein, hinzu kommt auch noch, dass das Gehirn diese auf die Vergangenheit bezogenen Impulse auch noch um den Bruchteil von Sekunden früher beurteilt als der kognitive, bewusst wahrnehmbare Teil des Gehirns. Soll in einfachen Worten heißen: es bildet sich seine eigene Meinung auf der Basis von gestern. Oder gerade eben. Und dies auch noch durch Wattebäusche hindurch. Das hier ein gewisses Restrauschen übrig bleibt sei mal völlig außer Acht gestellt. Und hierbei handelt es sich nicht um die Reststrahlung des Urknalls. Obwohl man bei einigen Mitmenschen durchaus vermuten kann, dass sie selbst diesen Knall nicht gehört haben oder auch nie wahrnehmen würden.

Da lachst du einfach nur. Weil dies ja schon seit langem bekannt und nichts Neues ist? Schließlich heißen aus diesem Grunde ja auch die Nachrichten Nachrichten – weil sie im nach hinein richten. Be-richten um genauer zu sein. Das mag wohl sein, da gebe ich dir auch Recht. Viele ewig gestrige sind ja noch immer aktiv in unserer Umwelt und besonders in Politik und Wirtschaft. Aber nun ist dieser Sachverhalt auch noch wissenschaftlich bewiesen! Dass wir alle eigentlich dazu verdammt sind, ewig gestrige zu sein. In unserer Wahrnehmung. Daher auch der große Anreiz, den die Konservativen bei Wahlen auf die Menschen ausüben. Auf mich eher weniger, ich möchte ja selbst mit meinen Worten etwas bewirken. Und wenn es nur ein Lächeln ist, dass ich in ein Gesicht hinein zu zaubern in der Lage bin.

Von wegen also: ich entscheide selber, ob ich um 9 Uhr noch mit dem Auto nach Hause fahre. Trotz der drei Bier im Vorfeld. Übrigens: Vorstoß der Politik ist jetzt die totale Abstinenz im Straßenverkehr. Finde ich toll. Sollte man dann aber auf ALLE Bereiche ausdehnen, in denen Unfälle passieren können. Da fallen mir dann auch spontan der Bundestag und alle angegliederten Gremien ein. Auch wenn ich denen natürlich NIEMALS Alkoholkonsum unterstellen würde. Würde ich mir nie herausnehmen!

Liegt man also im bett und überlegt gerade, ob man denn nun aufstehen soll oder nicht. Und was soll ich dir sagen? Die Entscheidung ist in diesem Fall schon um Millisekunden vorher gefallen – unterbewusst. Dein Unterbewusstsein sacht sich irgendwie:

‚Die faule Socke schick ich gezz zur Arbeit!‘

Und dann steht diese Entscheidung für den gesamten Tag fest. Gut, meist meldet sich dann noch ein Kratzen im Hals oder ein kleiner Schwindel oder auch ein etwas größerer –  wenn man blau oder in diesem Fall eher gelb macht.  Aber im Normalfall eben nicht. Dann überwindet das Ich im Ich sogar den Schweinehund und fährt auch diesem letztlich über den Mund. Oder in dem speziellen Fall über das wenige an Resthirn, was noch nicht durch Konsum oder TV-Serien belegt ist.

Ist sicherlich schwer, wirklich gute Entscheidungen zu treffen, wenn man all seine Informationen aus der Vergangenheit und nicht aus direkten sondern eher indirekten Quellen bekommt. Fast so, als würde man sich eine Binde um den Kopf legen, die Ohren und Augen verschließen und nur noch sechziger-Jahre-Schlager hören. Helene-Fischer-Fans jetzt mal ausgenommen. Oder der Rest, der mit den Prilblumen auf den Kacheln in der Küche.

Mit Blindheit geschlagen, sprichwörtlich.

So wie im übrigen auch Justitia. Die allerdings darum mit Blindheit und Taubheit geschlagen ist, damit ihr niemand etwas böses oder auch einfach nur falsches einflüstert. Wäre ja schon ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, wenn man das mal ein wenig einschränken könnte. Nein, ich trete jetzt hier nicht dafür ein, Presse und Rundfunk sowie Fernsehen ganz abzuschaffen. Aber warum nicht eine richtige ‚Echtheitszensur‘ – wenn wir sowieso schon zensieren? Die Schere im Kopf kommt ja nicht von ungefähr. Man möchte nicht mehr anecken. Verständlich. Dann aber wenigstens richtig.

Fände ich besser als dieses scheinheilige Geschwafel. Von Bestürzung und Betroffenheit. Von Maßnahmen und Reformen. ich kann es nicht mehr hören. Ging mir damals bei Helmut auch so. Den konnte ich dann irgendwann auch nicht mehr hören mit seinem ‚Geschischte‘-Gefasel. Musste ich wohl zum Arzt. Wenn man schlecht hört…oder man braucht halt jemanden, der einen noch Maßregeln kann wenn Mutter und Vater dies schon seit etlichen Jahren vergeblich versucht haben. Darum schlüpft da ja immer sehr schnell und liebend gern der Staat in die Rolle. Und füllt diese bis zur Grenze aus. Sprichwörtlich.

Dabei war der Staat früher eher dazu da, alles einfach nur in Schuss zu halten. Infrastruktur. Bildung. Sozialsystem. Grenzen. Regeln. Kommt dir jetzt auch komisch vor, oder?

Schafft er nicht mehr, auch wenn sich die Ausgaben in der gesamten Zeit mehr als verhundertfacht haben. Hundert Mal mehr Unsinn zu machen, macht es eben nicht besser. Ich sage nur Kopfpauschale oder Praxisgebühr. nur weil man etwas durchsetzen kann, heißt das ja nicht automatisch, dass es auch gut wäre dies zu tun. Wenn man es nicht ausreichend bedacht hat immerhin.

Womit wir wieder bei einem meiner langjährigen Begleiter-Themen angelangt sind: wer überwacht eigentlich die Überwacher? Und wer trägt Sorge, dass keiner den Staat selber übers Ohr haut?

Zumindest im Falle eines bayerischen Steuerhinterziehers kann man sich die Frage des Prominenten-Bonus dieser Tage sicherlich noch einmal stellen. Man wird ja wohl noch mal was dazu sagen dürfen, oder?

Gleichzeitig macht der Staat such selber Sorgen über eine Partei am rechten Rand. Die allerdings auch kaum noch in den Parlamenten vertreten ist. Dennoch finanziert man sich seine Gegner praktisch mit durch die schöne Legislaturperiode. Schon pervers. Aber wer hat gesagt, dass die Art von Demokratie, die wir mittlerweile vorleben, jeden Tag schön oder gar gerecht ist? Keiner. Genau. Und darum mache ich mir wirklich Sorgen

Ja, ich sorge mich ein wenig um unsere  Demokratie so wie ich sie gelernt habe, um das Leben auf diesem Planeten, um jeden Einzelnen um mich herum. Man könnte mich auch Sozialpädagoge schimpfen. Oder eben Asozialpädagoge. Das käme der Sache näher…da ich ja oftmals das genaue Gegenteil von dem vertrete, was so vorgelebt wird. Vielleicht, weil ich hehre Ziele verfolge. Oder aber, weil Unterbewusst schon jemand für mich entschieden hat. Macht mich persönlich sozusagen wertungsfrei. War ich ja gar nicht aktiv. War mein Unterbewusstsein. Kann ich doch gar nichts dafür.

Wenn man mir also mal alle Schranken öffnen würde…

Dann würde ich so einige in die Schranken verweisen. Und dazu braucht man nicht mal viel Hirn…

WEISSE BESCHEID, ne?

 

Schubladen im Elefanten – Porzellanladen

Lieber Tagesbuch,

oder wie ich von einem Fettnäpfchen auf kürzestem Weg in das nächste gelange.

Unter diesem Titel gebärdet sich derzeit der bayerische Landeschef. Da zu den aktuellen Themen der Politik längst schon alles gesagt wurde – aber eben noch nicht von jedem, wird er nicht müde, den Schweinwerfer sowohl auf den Freistaat als auch auf seine Person zu lenken. Wieso überhaupt Freistaat? Frei genug, um jede noch so uninteressante Grütze in die Republik zu posaunen? Immerhin. Ist keiner bestürzt darüber…oder legt Kränze nieder.

Ich kritisiere nicht einmal, dass er sich in die lange Reihe der Besucher des großen, wenn nicht sogar größten (jetzt nicht körperlich, sondern eher politisch) russischen Vorstehers für Recht und Ordnung im Asiatischen Teil der Welt einreiht. Nach Stalin oder Lenin oder den ganzen anderen Ungestalten der Geschichte. Kleine Menschen sag ich nur…hüte dich vor kleinen, manchmal auch grünen Menschen…

Wesensgestalt menschlicher Mythen behüte!

Macht mein Feinkosthändler um die Ecke ja auch, solche Besuche. Jetzt nicht direkt in Russland. Eher bei seiner lieben Mutter oder seinem Vater. Und redet eben auch lauthals darüber.

Also ist an diesen Besuchen und den Berichten darüber grundsätzlich ja auch nichts auszusetzen. Wer war, bitte schön, noch NICHT beim kleinen süßen Putin um ihm seine Aufwartung zu machen. Während der totaaaal schlimmen und harten Sanktionen der EU. Und dem Rest der Welt. Darf der ja jetzt nicht mehr an die Förmchen der anderen. Weil der da einfach ganz blöde einmarschiert ist. Der böse. Da sind wir dann mächtig bestürzt und verurteilen das. Früher gab es für so was mächtig was auf das Fressbrett.

Heute wird verurteilt. Natürlich nicht VOR. Sondern irgendwie mittendrin. Das ist Zivilisation in der besten aller Welten, wir sind einen Schritt weiter! Ich bemühe jetzt nicht das Bild des Abgrundes….

In der Zwischenzeit kann man ganz toll wieder einmal irgendwo Kränze niederlegen oder einen ganz, ganz tollen und ganz wichtigen Fusionsreaktor in Schwung bringen. Auch wenn wir von wirklichen Fusionen noch Lichtjahre entfernt sind. So in jeglicher Beziehung jetzt. Bis auf die Zwischenmenschliche. Ein weites Feld und anderes Thema.

Aber zumindest das Plasma kriegen wir schon hin. Für 1,06 Milliarden…und für 800 Millionen eine Philharmonie. Wie viele Kitas das sind? Du bist vielleicht ein Kultur- und Wissenschaftsbanause. Also wirklich…das kann man doch so engstirnig gar nicht sehen! Schließlich ist Kultur ein hohes und wichtiges GUT! Scheiss watt auf die Blagen!!!

Manch einer wäre froh, wenn er erst mal genug Bildung bekommen würde…aber ich schweife ab.

Audienz bei ihrer Majestät, dem kleinkotz gleich an der Wolga.

Ist ja in etwa vergleichbar mit der Audienz beim Papst. Zumindest genauso schwer zu bekommen, für unsereins.

Dass man den Politikzirkus des Oligarchen-Pflegers damit nur unnötig aufwertet, wen stört es wirklich? Empörung und Bestürzung, gar Entrüstung allenthalben. Aber Konsequenzen? Eher weniger.

Heutzutage ist es auch keine wirkliche Debatte mehr, ob man einfach so Länder annektieren kann. Was in früheren Zeiten durchaus auch einmal zu einem Weltkrieg gereicht hat – das ruft heute nur müde sogenannte ‚Sanktionen‘ hervor. Gut, wirkt dann soviel, wie wenn ich meinem Hund Sanktionen in Deutsch androhe. Solange er weiter sein Futter hingestellt bekommt, wird er mich müde belächeln. Und brav Sitz und Platz machen. Aber sein Lieblingskissen bekomme ich trotzdem nicht. Wer kauft noch mal das Gas? Ein Schelm wer außer böses etwas anderes dabei denkt…

Was also im Falle von außerparlamentarischen Parteien ganz gut klappt – der Boykott und das ‚in-die-Ecke-stellen‘, das ist bei Staatspräsidenten dann etwas schwieriger. Gut, wenn es nicht gerade der völlig weltfremde Nordkoreanische Vortänzer ist. Aber selbst der wird von dem ein oder anderen schon mal besucht. Auch wenn es eher in einer ‚Klapse‘ ist. Die da Nordkorea heißt. Kim-Kim-Kim. Oder wie der sich gleich wieder schimpft. Sung oder Jung oder Dung. Auf jeden Fall ziemlich ‚ill‘.

Also übt man sich darin, eifrig alle in irgendwelche Schubladen zu packen, die nicht bei 3 auf den Bäumen sind. Jede Äußerung wird sofort politisch gewichtet. Und was nicht der Regierungshaltung entspricht, ist sofort extreme linke oder rechte Ecke. Ich weiß selber schon gar nicht mehr, was ich bin. Rechtsextremer Linker? Oder Linksextremer Rechter? Auf jeden Fall wohl eher in der Opposition. Und damit eben auch in der Minderheit. macht nix. Macht Spaß!

So eine Opposition ist ja noch nicht einmal mehr geduldet. Auch durch die Schere im Kopf schon nicht mehr. Wagt man sich ja kaum, zu aktuellen Themen noch öffentlich Stellung zu beziehen. Ist man ja gleich abgestempelt und in die Schublade gepackt. Kommt man dann auch nur schwer wieder raus. Dafür sorgt schon die BILD. Oder andere.

Außer man ist eben Ministerpräsident in Bayern. Dann kann man sich quasi (fast) alles erlauben. Also ist man so ungefähr Staatsvize-vize. Wenn nicht sogar drüber.

Oder aber man ist Filmer/Composer/Darsteller/Produzent/was-weiss-ich-was-noch und heißt mit Künstlernamen Tschiller.

Passt ja.

Fast genauso dämlich wie es Göde oder Motsard wäre. Eher peinlich.

Chill me up scotty.

Denn trotz des ganzen Stress und der Unwirklichkeit des Seins, sei an dieser Stelle mal die Kritik der feinen Vernunft angebracht.

Muss man sich als Schauspieler/Filmemacher/Produzent/Writer/Cutter/Composer nicht wirklich auch hin und wieder Gedanken darüber machen, warum man den Film nicht gleich ganz neu erfindet? Warum werden nicht auch die Filmgeräte, die Filmmusik, die Filmstudios und die Fans von einem selber produziert, composed, gecutted und downgewrited?

Spätestens mit dem Auftritt im Allerheiligsten, dem Fußballstammtisch am Sonntag, wurde mir blitzartig klar, dass ich keineswegs mehr gechilled war. Hatte dieser Typ, gegen den Mister Tausend Volt in Wirklichkeit die Größe einer Babyzelle hatte, sich jetzt auch schon in meine Lieblingsecke gedrängt? Zeit genug, den Fernseher der Verdammnis auszuschalten und von meinem geliebten Zerstreuungssport hinüber zur Realität des Tages zu wechseln. Macht der also nicht nur den Tatort unsicher. Nein, weil keiner seinen neuesten Film ansehen will (droht ein totaler Flop zu werden) und er sich persönlich für die absolute Gottheit der gesamten Menschheitsgeschichte hält…trotz näselnder, nuschelnder Stimme, weil also die niederen Fans nicht in den Tempel strömen um der Gottheit bei seinem neuesten Stunt zuzuschauen…erscheint der also am Sonntag in den frühen Morgenstunden höchstpersönlich beim Fußballstammtisch.

Was, bitte schön, hat dieser Typ dort verloren? Noch NIE Fußball gezockt (na gut, vielleicht mit Kumpels auf der Wiese) und vom übersteigerten Selbstbewusstsein her längst schon der nächste Präsidentschaftskandidat der Republikaner in Amerika – muss er nun auch noch hier seinen Senf hinzugeben. Kaum zu verstehen und immer mal wieder seine nette Tochter in den Apparat haltend. Die nächste Moderatorin. Auf jeden Fall.

Da fallen einem gar keine Schubladen mehr ein, die noch unbesetzt sind.

Aber zum Glück gibt es ja die Aus-Taste.

Obwohl. Wenn der gleich mal wieder auf alle einpöbelt wie der berühmte Elefant im Laden mit den Mingvasen…das hätte schon was.

Mir reicht es aber wieder.

Mein Flieger geht gleich.

Ich muss mit Lieblings-Bundespräsident und dem tollen Außenminister und dem Kanzleramtsminister und den ganzen anderen wichtigen Fuzzies mit besonderen Aufgaben schnell mal rüberjetten zum Assad. Um dort meine Bestürzung klar zum Ausdruck zu bringen. Meine Besorgnis. Und meine tiefe Abwehr. Ich verurteile dies ja auf das schärfste.

Was genau?

Ist das nicht ebenso egal wie die blöden Sprüche der Machthaber? Abgespultes Politik-Bullshit-Bingo. Jeden Tag einen Satz -heiße Ohren am Besten…

Wird Zeit, dass die alle in der größten Schublade verschwinden. Der Menschheitsgeschichte. Damit WIR hier mal wieder was gebacken bekommen auf Erden…ne, keine kleinen Brötchen. Und geh mir bloß weg mit dem Krimsekt…

WEISSE BESCHEID, ne?

Unvermögen

Lieber Tagesbuch,

 

ist laut einer neuen Studie des Bundesfirlefanzministeriums sehr gleich verbreitet in der Bananenrepublik Schlaand.

Entgegen den bisherigen Vermutungen, dass das Vermögen in direkter Weise mit dem Unvermögen in Korrelation steht, haben Wiesenschaftler nun herausgefunden, dass das Unvermögen proportional zur Machtfülle wächst.

Erste Studien ergaben bereits im Altertum zarte Hinweise auf die direkte Verbindung zwischen Macht und Ohnmacht. Schon Moses war nicht in der Lage, selber das Wasser zu teilen: er brauchte einen Gott dafür. Dass dieser dann auch gleich noch mit Geboten um die Ecke kam, lief nach dem Motto: die Geister die ich rief…

Das Unvermögen zieht sich aber weiter wie ein roter Faden durch die Menschheitsgeschichte. Angefangen bei eben diesem Gott, der nicht in der Lage war, eine fehlerfreie Kopie seiner selbst zu erstellen (das Klonen war kurz nach dem Urknall noch in den Kinderschuhen – und der Tinnitus nach dem großen Knall hat auch sein übriges getan) bis hin zu Shakespeare, der nicht in der Lage war, die Frage nach dem Sein oder Nichtsein zu beantworten. Er war ja auch kein Gott, der einfach so mal eben alles aus dem Nichts erschaffen hat. Obwohl die Zentralbanken heutzutage auch Geld aus dem Nichts erschaffen können. Aber das ist ein anderes Thema.

So war es eben auch Gilgamesch nicht möglich, den Tod des Enkidur, oder Hannibal, trotz Elefantenrunde über die Alpen, letztlich die Niederlage von Karthago zu verhindern. Obwohl beide Vermögend und sicherlich auch mit Macht versehen waren. Nutzt halt nix wenn man nicht die richtige Idee hat.

Denn Unvermögende gibt es ja zu Tausenden.

Die können morgens schon nicht aufstehen, weil sie in der Nacht nicht schlafen konnten. Dann können sie nicht frühstücken, weil sie ja am Vortag auch nicht einkaufen konnten.

Gleiches gilt aber dann auch für sämtliche Mahlzeiten des Tages. Und können sich auch nicht anziehen, weil sie sich vor dem Schrank auch nicht entscheiden können.

Und können deswegen nicht arbeiten gehen, weil nackt geht ja nun auch nicht.

Und aus Sorge um einen möglichen Job können sie nachts nicht schlafen.

Darüber können sie auch mit niemandem sprechen – weil keiner da ist, der sich das anhören würde. Und schließlich fällt es auch niemandem so wirklich auf. Weil all die anderen ebenfalls unvermögend sind. Ein Teufelskreis.

Auch wenn man sich fragt, warum da jetzt wieder direkt solch ein Aberglauben im Spiel sein muss. An den Schwefeltypen glaubt doch nicht wirklich noch jemand, oder? Irrsinn. Und das im 21. Jahrhundert. Aber da gibt es ja noch ganz andere Dinge, an die Menschen so glauben. Ich sage nur Lichtenergie. Oder Demokratie.

Ich vermag mir nicht auszumalen, wo dies alles noch hinführen wird.

In ein paar hundert Jahren werden alle so abhängig von kleinen, süßen Robotern sein, dass selbst lesen und schreiben wieder komplett verlernt sind. Das ist keine Prognose sondern nur die Fortführung des Jetzt in die Zukunft. Sag ich mal so.

Vor etwa 10 Jahren war die normale U-Bahnfahrt noch von vielen lesenden Menschen begleitet. Bücher. Nicht Whatsapp. Also INHALT nicht AUFENTHALT waren maßgeblich.

Aber was soll es schon?

Spätestens mit der Vorstellung, dass irgendwann in weiter Ferne keiner mehr weiß, was die Warnhinweise an den Stollen zu den atomaren Giftfässern zu bedeuten haben und man eher glaubt, dass es sich hier um was ganz mega-tolles handelt, welches man unbedingt sofort ausbuddeln muss, um dort schnell mal reinzuschauen…spätestens dann wird einem klar: Knappe Zwanzigtausend Jahre soll der strahlende Dreck dort unter der Erde liegen? Is klar. Ihr seid mir echte Spaßvögel.

Wahrscheinlich können eben diese dann bereits ohne Motoren fliegen.

Und die echten Vögel (wegen der Mutationsraten in der unmittelbaren Nähe von radioaktiven Fässern) können dann sprechen.

Und lesen sich gegenseitig die Bedienungsanleitungen für ihre fehlgesteuerten Menschen vor.

‚Meiner kackt immer in den Käfig!‘

‚Ja, bei Menschen ist das ja auch immer gleich so ein riesiger Haufen! Musst ihn vegan ernähren, dann stinkt es zumindest nicht so doll…‘

‚Ja du hast gut zwitschern, woher nehmen? Bio und vegan ist mir zu teuer, ich kann nur zum Vogli!‘

‚Tja, hättest du mal besser aufgepasst und nicht immer dazwischengeträllert…dann wärst du heute ein hohes Tier! Ein Saat-Sekretär oder so…‘

‚Ach, was soll es schon. Muss ich halt weiter von meinem Mindestlohn leben und zusehen. Zumindest gibt es in meiner Stadt noch keine Menschensteuer wie bei euch…‘

Wir verlassen diese zukünftige (?) Diskussion und wenden uns wieder der unmittelbaren Gegenwart zu.

Unvermögen ist also, wenn man trotzdem einfach weiter macht.

Ohne Blick auf die Konsequenzen.

So an einem lauschigen Frühlingsnachmittag eine Atombombe in der Garage entwickeln etwa.

Oder mit 180 durch die Fußgängerzone – am Sonntag-Mittag.

Oder Geld drucken um Staatsanleihen damit zu kaufen.

Oder wählen zu gehen und sich nix dabei zu denken – und trotzdem zu hoffen, dass sich was ändert. Also das normale Verhalten des Bürgers von heute.

Wo war ich?

Genau: ob nun Gilgamesch oder Moses oder Cäsar oder wer auch immer in der Geschichte.

Probleme gab es immer schon. Und immer genug Leute mit Unvermögen, das Problem zu lösen. Wie sagte Einstein? Wenn man nur einen Hammer hat, dann sieht jedes Problem wie ein Nagel aus…

 

WEISSE BESCHEID, ne?

 

Huch! 12 Milliarden mehr…was nun?

 

Lieber Tagesbuch,

 

ist ja unglaublich, denkt sich der Finanzminister. Da räumt er seinen Schreibtisch auf, so kurz vor Weihnachten, erledigt die Ablage und den ganzen Papierkram…und kurz bevor er nach Hause eilen will um bei seiner lieben Familie das Fest der Liebe zu begehen – liegen da auf der Ecke des Schreibtisches die 12 Milliarden Euro rum.

Klar, bevor sich die Putze die Kohle schnappt oder der Euro total entwertet nahe beim Zimbabwe-Dollar landet, schnappen wir uns doch die Kohle und stecken die in den Flüchtlingsfond. Kommt einem ja wie gerufen. Muss keiner Angst haben! Ist genug Kohle da…wir müssen uns nicht extra verbiegen oder gar einen Soli zahlen. Heissa! Schöne neue Welt!

 

Wir produzieren die Waffen und liefern diese in die Krisenregionen und mit dem Überschuss bei den Steuereinnahmen helfen wir den ganzen Flüchtlingen auf – zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen!

Die Wirtschaft brummt und der Dax liegt am Boden! Zeitgleich sind irgendwelche Internet-Startups Milliarden wert. Produzieren zwar nichts…aber wer weiß!

Alles irreal. Entbehrt jeglicher Grundlage und ist derart verwirrend, dass der normale Bürger, Michel genannt, dort nicht mehr durchblickt.

Und nebenher Mutti, die den Tod von etlichen deutschen bei Anschlägen in der Türkei nebenher auf einer Pressekonferenz bedauert und komplett bestürzt ist. Bananenrepublik Deutschland. Live!

Dagegen ist jede Comedysendung doch in Wirklichkeit ein Drama!

Ein Hoch auf die deutsche Rüstungsindustrie! Ein Hoch auf den Finanzminister! Hat er ja angeblich ‚erwirtschaftet‘, die ganze Kohle.

Stimmt nur nicht so ganz. Denn in Wirklichkeit sind das ja alles Steuern, die da eingenommen werden. Und davon werden Ausgaben abgezogen. Und was davon dann übrig bleibt, das ist dann eigentlich mal zum Bezahlen der Schulden gedacht! Doch weit gefehlt. Bei dem derzeitigen Niedrigzins lohnt sich das Abtragen der Schulden nicht…so wird argumentiert.

Das kann ich verstehen. Macht keinen Sinn. Macht ja eher Sinn, bei 0-Prozent, noch mehr Kohle als Kredit aufzunehmen. Also von den Griechen zu lernen. Oder einfach alles jetzt ad hoc raus zu pulvern…

Ich verstehe nur nicht, WANN dann mal abgezahlt werden soll?

Ach? Nie? Wie jetzt?

Ach, dann fährt das System einfach vor die Wand und alles wird auf Null gesetzt? Und dumm aus der Wäsche guckt nur der kleine Mann dessen Ersparnisse weg sind? Wie, das hat es alles schon gegeben?

Wo sind wir denn hier?

Da würde es sich doch lohnen, für kleines Geld Waffen aufzukaufen und diese dann in der Krise abzustoßen. Gut, ginge auch mit Gold – aber das ist ja irre teuer. Also verkaufen wir lieber weiter Panzer an die Saudis. Und die halten dafür den Ölpreis schon weit unten. Haben ja alle was davon, die Soldaten, die Flüchtlinge, die Saudis und unser Finanzminister. Ja prima! Jetzt habe ich das endlich verstanden!

Oder man investiert das Geld in Bildung. Bringt auch was. Jetzt nicht so direkt sofort. Aber auf lange Sicht.

Ich weiß, ich sehe das jetzt wieder alles zu eng.

Aber weißt du was? Ich kann das Gefasel von den ganzen Berufspolitikern nicht mehr hören, ich mag diese ganze Betroffenheitspolitik nicht, die sich an den Umfragen orientiert und die nächsten Wahlen über alles stellt. Ich mochte reale Politiker. Bei denen man wusste woran man ist. Atomkraft? Nein danke! Oder doch? Oder doch nicht? Nie? Immer? Wie soll man denn am Ende dabei noch durchblicken? Und die Medien?

Tut mir leid…da kann ich besser mit den Nachbarn reden, sie sind näher dran am Geschehen als die dpa-Pressemitteilung. Die wird einfach durch den Computer gejagt und das Blatt wird gedruckt. Steht überall dasselbe. Was soll es auch schon Neues geben? Ach…ich geh mal lieber meinen Schreibtisch aufräumen. Wäre doch gelacht, wenn da nicht noch ein paar Milliarden rumfliegen…

WEISSE BESCHEID, ne?

Demen(z)

Lieber Tagesbuch,

war in der Antike ja die Mehrzahl von Demos – dem Volke. Auf der Quadriga könnte demnach also auch stehen: Dem deutschen Demos. Aber dann würden die meisten es ja wieder nicht verstehen. Oder an der Grammatik rummäkeln. Also doch besser: dem deutschen Volke(r)! In seiner Demenz. Vergesslich ist er nämlich. Vielleicht sogar Gott-sei-dank? Man weiß es ja nicht…

Machen wir mal einen kleinen Schwenk in die Geschichte.

Noch vor nicht allzu langer Zeit, da gab es mal Könige und Fürsten, Kaiser und den gesamten Adel mit der dazugehörigen Kaste der Religionsvertreter, die Kurie. Die hatten alle mehr oder weniger Privilegien und in Gesamtheit sind sie alle gut damit gefahren, dass nur einer, der König, das Sagen hatte.

Das nannte sich Monarchie. Noch weiter zurück war es der berühmte Cäsar, von dem sich ja auch unser deutscher Kaiser ableitet. Jetzt vom Namen her…

Und diese tolle Monarchie war vererbbar und von Gottes Gnaden geschenkt. Also irgendwie unabänderlich. Man musste auch irgendwie nix großartiges können oder so. Am Anfang vielleicht, da hat man dann in großen Schlachten (kann der Mensch ja am besten) bewiesen, was für ein toller Herrscher man doch war.

Dann kam irgendwann (grooooosser Sprung, erschreckend wie lange Menschen sowas mit sich machen  lassen…) die Aufklärung und mit ihr wurde den meisten, nachdem der riesige Brocken im Auge verschwunden war, richtig schlecht. Bei einigen verschwand der Brocken auch endlich von der Kette am Bein.

Erkannten die Bürger nun plötzlich doch, dass sich praktisch alle an ihnen bereicherten. Der König, der Adel, die Kurie – irgendwie alle wollten ihren Anteil ohne auch nur einen Finger krumm zu machen. Nur der dumme Bürger, seit jeher Sklave seines Herrn, der musste auf dem Felde ackern und für alle den Ertrag irgendwie erwirtschaften. Fast wie heute? Moment, da kommen wir noch dazu…

Also gab es dann irgendwann zwangsläufig eine Revolution. Erstmalig irgendwie in Amerika (auch wenn ich damit zigtausend Revolten unterschlage, ich weiß)– da wollte man einfach nix mehr mit England zu tun haben und hinterher auch mit den Sklavenhaltern. Und den Tee schon mal gar nicht. Von wegen abwarten und Tee trinken. So etwas gefällt dann den Herrschern gar nicht – also schreitet man ein und schlägt mal wieder Köpfe ein. Lieblingsbeschäftigung wenn kein Fußball läuft.

Selbst in Frankreich ging es los. Hier war es dann schon eher eine Revolution des Volkes. gegen ‚die da oben‘. Proletarier gegen Nutznießer…äh…Aristokraten.

Da wurde dann ganz revolutionär ein jeder einen Kopf kürzer gemacht. Schließlich sogar die Revolutionäre selber. Und dann, upsala, kam plötzlich Napoleon und wollte wieder König bzw. Kaiser sein. Ging auch eigentlich ganz gut, aber irgendwie haben ihn die anderen Staatsfürsten nicht anerkannt. War er doch ein dahergelaufener niederen Ranges. Also musste man ihm sein Waterloo bereiten. Ich eile, du bemerkst es.

Zwischenstation war dann der deutsche Frühling – und die Revolution fraß sich durch ganz Europa. Zum Schluss landeten alle irgendwie beim Parlament. In dem viel geredet und beschlossen wurde. Alles war, so schien es, gut. Die Macht war wieder bei einigen wenigen – aber immerhin hatten diese jetzt Ahnung von der Materie und alles war auf dem richtigen Weg. Sollte man meinen.

Bis man sich nicht mehr vertrug und wieder bei den Stöcken und Köpfe einschlagen landete. Half ja immer mal wieder. Zumindest war es ein Konzept, welches zigtausend Jahre lang erfolgreich war. Und Gründe gab es ja immer welche. Notfalls konnte man die ja auch ganz gut erfinden…hält sich ja ebenfalls bis in die Neuzeit, diese Idee.

Nach der richtig großen Schlachterei ging man wieder zur Tagesordnung über, die einen waren fortan die guten, die anderen die bösen. Je nach Hauptstadt mal so oder anders herum. Hauptsache man hatte ein Parlament oder einen Debattierclub der sich so ähnlich nannte – dann konnte man zumindest sicher sein, nicht mehr in einer Monarchie zu leben.

Gut. Von dort zur Diktatur ist es nur ein Katzensprung – in beiden Fällen.

Aber solange man alle paar Jahre wählen durfte, waren scheinbar alle zufrieden. Schon seltsam, aber wahr.

Und dann kam irgendwann der Berufspolitiker auf den Plan. Mein Liebling. Von nichts wirklich Ahnung, noch nie im Leben richtig was gearbeitet oder vollbracht – und darum überall einsetzbar. Ist ja eigentlich ständiger Laie. Nicht von der, versteht sich. Muss man sich keine Sorgen machen. Macht sowieso nix, weil er ja keine Ahnung hat. Also macht er , im Normalfall, auch nix kaputt. Und wie schon erwähnt: überall einsetzbar!

Mal als Familienminister. Dann als Verteidigungsminister, oder als Finanzminister, notfalls eben auch als Landwirtschaftsminister. Zum Schluss sogar als Präsident oder Kanzler. Natürlich alles auch in der weiblichen Form. Austausch- und verhandelbar.

Leider auch weiterhin keinen Plan aber überall ein Wort mitzureden. Und große Reden schwingen. Und in der Öffentlichkeit entrüstet, betroffen oder gar bestürzt sein. Seinen Protest ausdrücken. Und klar Stellung beziehen. Sich gegen eine Entscheidung stemmend. Und natürlich nur seinem Gewissen verpflichtet. Fraktionszwang? Existiert doch nicht…auch wenn er real ausgelebt wird. Nirgendwo dokumentiert und darum auch nicht verfolgt. Wie das NSA-Spektakel oder vergleichbare andere Skandale. Werden in den letzten 10 oder 20 Jahren einfach aus gesessen. Hat schon der Vorgänger so gemacht und der Vorgänger…und et lief! Alles grün!

Fragt sich nur…wofür?

Sind die Skandal-Politiker nicht unnötig wie ein Kropf? Wofür irgendwelche Hanseln bezahlen, wenn man heute ganz gut ohne aus käme? Unnötige Steuergelder, die da in den Plenarsälen verbraten werden. Sagst du, wo kämen wir denn da hin? Tja…

Früher ist das Volk auf die Straße gegangen. Demos eben.

Heute schaut man gelangweilt zu – wenn es hoch kommt, gerade noch die Tagesschau. Der Großteil schaut gar nicht mehr hin und macht lieber PAAADY!

Und wozu führt es? Immer mehr von diesen berufenen Politikern, immer mehr von denen, die keine Ahnung haben. Immer weniger Fachwissen, immer mehr Lobbyisten, immer mehr Korruption und immer weniger Demokratie.

Zwangsläufig.

Und wen interessiert‘s?

Mich. Ehrlich.

Ich mache mir Sorgen.

Um das Überleben der Sumpfdotterblume. Um das Überleben der Amphibien, der Vögel, der Säuger.

Um das Überlebend der Intelligenz in der Politik.

Alles vom Aussterben bedroht.

Die Liste der bedrohten Arten muss ergänzt werden.

Und ich wäre dafür, sowohl Greenpeace als auch Amnesty oder Ärzte ohne Grenzen einzuschalten.

Rettet das Volk! Vor seinen Schlächtern…wir haben uns zum Ende hin komplett selber weg revolutioniert. Nur ganz ohne Guillotine. Nur mit einem kleinen Kasten. Vor dem alle Hocken. Prima. Schöne neue Parallelwelt…

Es lebe das TV! Es lebe das Internet! Die Zerstreuung, die Unwissenheit!

Noch nie war Diktatur so simpel…ääääh…was war noch mal Diktatur?

Frau Müller, zum Diktat bitte! Ach, die guckt grad DSDS? Dann will ich die mal nicht weiter stören…

Hab schon wieder vergessen, was ich eigentlich noch sagen wollte…Demenz halt.

WEISSE BESCHEID, ne?