Digitalisierung 2016.0

Lieber Tagesbuch,

ist, wenn ein Pokemonjagender Mobiltelefonanstarrer von einem autonom fahrenden Tesla-Auto überfahren wird, dies durch ein Google-Auto aufgenommen und durch eine Verkehrsüberwachungsdrohne komplett aufgezeichnet wird. Willkommen in der neuen Welt. Und die Amazon-Drohne blinzelt verstört beim Paketausliefern auf die Straße und versteht die Welt nicht mehr…

Was genau mag denn nun Digitalisierung sein? Fragst du mich das jetzt wirklich ernsthaft?

Nun, nehmen wir mal an du bist krankenversichert. Dann wird zukünftig der Arztbesuch gar nicht mehr nötig sein. Du schnappst dir morgens früh dein Handy, startest die App deines Hausarztes, der schaut sich über die Kamera deine Prusteln im Gesicht an und schreibt dich krank. Das geschieht unmerklich für dich im Hintergrund. 

Dabei wird erst der Arbeitgeber informiert – und danach die Krankenkasse. Du kannst dich hernach direkt in die Apotheken-App begeben, dort dein Medikament raussuchen (verschiedene Hersteller, mit manchen hast du vielleicht sogar eine Kooperation, d.h. die Sponsoren deiner Tochter die Blockflötenstunden dafür, dass du ihre Produkte kaufst) – und dieses wird dir dann per Drohne zugesandt.

Nach cirka 20 Minuten Flugzeit. Spätestens jetzt musst du deinen Arzt bewerten und für deine Krankenkasse dessen Rechnung freigeben.

Danach wieder ab ins Bett und genesen also. Bis dich am nächsten Morgen die App darauf hinweist, dass du ja sowieso in diesem Jahr schon öfters krank warst und man dir sofort die nächsten 3 Wochen als Krankzeit vorschlägt. Kommt jetzt auch nicht mehr drauf an. Und die Diagnose liefert man dir schon vorab anhand deiner im Klo gemessenen Körperflüssigkeitswerte. 

Nebenbei solltest du die Aufnahme von Alkohol reduzieren, rät dir die Arzt-App. Und gestern, der Fisch, der war aber nicht MSC – und schon gar nicht Bio. Und schon nervt das schlechte Gewissen. Schließlich kann von diesem einen Fisch das leben einer ganzen Fischerfamilie abhängen! Zumindest erscheint es so. In Wirklichkeit trifft es nur einen dieser riesengroßen Fischfang-Trawler im Atlantik – und der kann es weiß Gott verkraften…

Schöne neue Welt.

In der auch schon sehr früh feststeht, wer oder was du wirst. Vor allen Dingen haben deine Eltern dich schon vorher im Baukasten zusammengesetzt. Kann eigentlich kaum noch was schief gehen.

Mit der kleinen App auf dem Smartphone wurde der perfekte Samencocktail zusammengestellt, vom Labor dann fertig gemixt und per Drohne zugestellt. Gut, guter Sex sieht jetzt anders aus – aber was tut man nicht alles für die Menschheit? Möchte nicht jeder einen kleinen Galileo oder Albert? Oder eine Marie? Was gäbe die Welt für einen neuen Jesus oder eine Jesine. Muss man ja nicht gleich wieder an die Wand nageln. oder an ein Kreuz. 

Fällt mir ein, was wäre gewesen, wenn man Jesus geköpft hätte? Würde dann heute jeder mit einem Schwert um den hals herumlaufen? Gut, in Zeiten von Terror und der wahlfreien Ausübung von grober Körperverletzung mit Todesfolge oder jeglichem anderen groben Unfug (ich sage es gleich: ich halte mich aus allen Diskussionen hierzu heraus. Bringt nix. Denn meine Argumente sind nicht tödlich!) kann so ein Mordinstrument bei der Hand oder besser am Hals sicher nützlich sein. 

Aber dann hat ja jeder eins. Halt so wie im kalten Krieg. Alle haben eine Bombe und darum nutzt sie keiner. Ja, so verrückt ist der von den Bäumen heruntergestiegene Affe! Wohl wahr! Manche hielten ja eben dieses verlassen der Bäume schon für den großen Irrtum. Andere gehen noch weiter und finden, wir hätten nicht mal das Wasser verlassen sollen. Besser für uns wäre es sicher gewesen. Gäbe es jetzt Planktoncocktails auf dem Meeresgrund. Aber das ist eine andere Geschichte.

Gut, gibbet also am Spielplatz um die Ecke zur Genüge Jesines oder Jesusse in Tateinheit mit der bekannten Schackeline. Aber wir reden hier ja eher nicht von den Kindern mit sehr viel Potential – also enormer Luft nach oben -, die zumindest schon mal den Stift so halten können wie der Turm in Pisa steht. Zwar schief – aber dennoch lässt sich damit auch ein Wort hinkrakeln. Auch dabei ist man nicht mehr ganz so genau, schließlich wird auf Tablets geschrieben, die Autokorrektur übernimmt den Rest. Selbst der größte Dummbatz bekommt auf diese Weise Weltliteratur hin! Alle Minuten lang ein neuer Shakespeare! Nun, nicht exakt so lang und detailliert bzw. Pointen reich – aber zumindest hört es sich fast schon an wie Englisch. Das Deutsche. Sind wir akut ja auch nicht sehr weit weg von.

Kaum Werbung, in der nicht alles irgendwie besser ist, weil es ‚repair‘ oder ‚revitalift‘ oder ’smoothie‘ ist. Hinzu kommen ‚Events‘ und ‚Spots‘ die dein ‚Life‘ irgendwie besser machen. Es ‚upgraden‘.  Tja, manches mal wünschte ich mir weniger Werbung und mehr Hirn. Aber man kann ja bekanntlich nicht alles haben. Und wer schon Persil und Omo hat, der braucht sich um eine gescheite Gehirnwäsche keine Sorgen mehr zu machen. Ünrigens werden pro jahr 60 Millionen Tonnen Phosphor in die Kloake gespült. Die Hälfte unserer Einfuhren an Phosphor kippen wir wieder weg! Das nenne ich mal Weitblick! Ist so, als wenn ich am Geldautomaten nach jedem Abhebevorgang die Hälfte meines erhaltenen Geldes verschenken würde. Fände ich auch wieder toll. Würde ich den ganzen Tag nur an Bankautomaten stehen! Karriere als Bankautomaten-Vorsteher. Chief of – versteht sich. Man macht ja auch seinen Master und den Bachelor. 

Ich sags ja…denglisch sei dank. Aber nicht mal das ziehen wir durch. Könnte man doch zumindest schon mal das seidt einführen (Kombi aus seit und seid) und den bestimmenden Artikel endlich weglassen. Man liest ja auch kaum noch bestimmende Artikel. Alles eher Einheitsbrei. Auch wieder eine andere Geschichte.

Alles das ist auch bereits mit kleinen bunten Pillen erreichbar. Realität und keine Fiktion. Viagra und Co. lassen grüßen. Täglich wird es mehr. Und in Zukunft sind sogar direkte Eingriffe ins Hirn denkbar. Gut, macht man jetzt nicht so sehr viel kaputt. Von daher sag ich mal: schlimmer geht es eh immer! Also warum nicht? Wären wir wieder bei der Schnittstelle im Kopf, du erinnerst dich?

Naja, auf jeden Fall sind deine Lehrer dann das Internet und diese kleinen, süßen Roboter die dich durch deine Kindheit und Pubertät bis ins Erwachsenenalter begleiten. Kleine Pokémons und PacMans.

Und ein jeder hat eine Brille auf (was ja auch die Diskriminierung der Brillenträger endlich beenden würde) mit der er sämtliche Zusatzinformationen zu einem Objekt sofort eingeblendet bekommt. Steht man also vor der Sehenswürdigkeit und die Datenbrille sagt einem: hey, is 80 Jahre alt, heißt Omma Krawuttke und lebt hier im Altersheim um die Ecke. 

Was die jetzt gerade hier splitterfasernackt vor dem Picasso im Museum macht – man weiß es nicht genau. Aber zumindest erkennt man auf Blick oder Kopfnicken hin, wer die Erziehungsberechtigten waren und sind. Und wie viel Omma Krawuttke im Monat so an Rente kriegt. Und was sie gestern gegessen und eingekauft hat.

Gut, das würde jetzt wieder nur der Ordnungshüter sehen. Der sieht aber auch sofort alle Einträge zur Sprache der gestrigen Woche. Also alles, was Omma Krawuttke in der letzten Woche so vom Stapel gelassen hat.

In Einzelfällen vielleicht nicht so interessant. Aber insgesamt und in BIG DATA sicher ein willkommenes Highlight jeder autoritären Regierung. Die einem durch die Datenbrille natürlich auch immer anzeigt, wie etwas gerade aktuell heißt oder welche Wertung es gerade hat. Doppelplusgut sag ich nur.

Also in all der schönen Zeit in den Allergenfreien Bereichen der Großstadt werden immer mehr und weitere Daten über dich gesammelt. Und die verfestigen dann dein Bild. So dass ein jeder sofort weiß, woran er bei dir ist. Wie erwähnt eben auch der liebe Herr Staat. Der damit dann auch schon weit vor der anstehenden Wahl weiß, wen du denn wählen wirst.

Und darum muss die Wahl ja auch erst gar nicht stattfinden – weil das Ergebnis eh schon feststeht. Das wäre dann auch Demokratie 2.0! Heissa! Und Politiker die ihre Vita oder ihre Abschlüsse gefälscht haben oder irgendwo abgeschrieben oder sonst wie gelogen und korrumpiert haben – gibt es gar nicht mehr. Nur noch Politroboter die den lieben langen Tag nichts anderes tun, als das für und wieder zu debattieren. und zum Schluss wird abgestimmt.

Sagst du jetzt, wo ist der Unterschied zu heute?

Gut, die kosten eben nur noch Strom. Keine dicke Diät mehr.

Und wenn der durch Wind, Wasser und/oder Sonne hergestellt wird…ist doch erst mal alles gut!

Während das Volk draußen Pokemons jagt oder bei der EM/WM/AM/BM/CM zu Hause vor der Glotze zuschaut.

Arbeiten muss ja auch niemand mehr, denn sämtliche Jobs der Welt werden komplett von Robotern erledigt. So dass der Mensch sich ganz auf seine guten Seiten besinnen kann. Ich hatte es bereits beschrieben, du erinnerst dich sicher.

So malt der gute Mensch dann halt Ölgemälde aus Urin oder bastelt aus Filz kleine Hüte. Oder baggert in seinem Garten herum. Ganz, ganz kecke nehmen 3 Stunden lang den gerade im Garten entdeckten wilden(!) Vogel auf. Solange der Akku reicht. Und ein ECHTER VOGEL: Kein Pokemon! Wow!

Lange keinen mehr gesehen. Außer im Zoo oder im TV.

Schöne neue Welt halt…alles so wundervoll bunt! Und sogar in HD! CURVED! Also gebogen…für uns Ältere…

Weisse Bescheid, ne?

 

 

Ran an die Eier!

Lieber Tagesbuch,

damit meine ich grundsätzlich natürlich AUCH das Liebesspiel zwischen Blume und Biene, so wie es jeder von uns kennt. Da werden dann sanft die Knospen bearbeitet und manchmal auch die Wurzel allen Übels beim Schopfe gepackt…soweit für uns Erwachsene recht eindeutig. Wenn dann im Nachgang noch ein harter Tritt in die Weichteile erfolgt und man dies alles rechtzeitig (so ca. 1 bis ½ Wochen vor den Feiertagen) erledigt – dann hat man sie: die zu Ostern allseits beliebten, bunten Eier!

Grün und rot und blau…

Fällt mir glatt einer ein:

Kommt ein Mann zum Ohrenarzt. Er nestelt an seinem Hosenschlitz herum, der Arzt ist irritiert und sagt sofort:‘ Ähm, ich bin ein Ohrenarzt. So wie es aussieht…‘

‚Moment, lassen Sie mich bitte kurz erklären.‘ Sagt der Patient während er seine Hose öffnet und an seiner Unterhose herumwerkelt.

‚Nein, nein, ich bin OHRENARZT, sie müssen sicherlich zu einem Urologen oder Internisten oder…‘

In der Zwischenzeit hat der Patient sein ‚Gemächt‘ entblößt und dieses erstrahlt in allen Regenbogenfarben, durchsetzt mit eitrigen und wunden Stellen.

‚Oh mein Gott. Damit müssen sie dringend zu einem Fachmann, das sieht schrecklich aus…‘

‚Lassen Sie mich doch bitt erst einmal erklären. Also. Wir haben einen Kegelklub. Und immer, wenn jemand in die Rinne wirft, dann kommen die beiden ältesten Kegelbrüder mit den dicksten Kugeln zu einem, stellen sich rechts und links vom Werfer auf, der muss sein Genital herausholen und zwischen den Kugeln platzieren – und dann zählen die beiden rückwärts…drei…zwei…eins…‘

Der Doktor starrt den Patienten entsetzt und fassungslos an, kriegt aber kein Wort mehr heraus.

‚Sehen Sie – und genau DAS höre ich nicht!‘

So viel also zu bunt gefärbten Eiern zu Ostern.

Wie kommt es eigentlich dazu, dass erwachsene Menschen zu einem besonderen Feiertag im Jahr in ihrem Garten oder sonst irgendwo in der Umgebung Lebensmittel, die sie zuvor mühsam mit Lebensmittelfarbe bearbeitet haben, verstecken – um diese dann später von anderen ausgraben zu lassen? Oder Monate später beim eigenhändigen Mähen des Rasens den fauligen Geruch bemerken und dann die jeweiligen Überreste mit kleinen Kotzanfällen beseitigen zu müssen? Welche Religion schafft so etwas? Und warum? Warum keine Sardinen oder die zugehörigen Dosen? Oder Käse? Oder warum versteckt man nicht direkt Blumenerde? Gut, schwer zu finden, ich verstehe es…

Der Name selber leitet sich ja aus dem lateinischen ab, also aus der alten Sprache Roms, dem Weltimperium, das sich vor den Neros und Cäsaren der Welt nicht verstecken konnte – und allen anderen einfach die eigene Ideologie  mit militärischen Mitteln aufgezwungen hat. Wer Parallelen entdeckt soll die zunächst für sich behalten. Hier geht es um Latein. Oder den, der mit seinem eben am Ende ist. Dem Lateinischen, in dem es ursprünglich ja Pascha heißt. Und wer den in der zivilisierten und emanzipierten westlichen Welt eben zu oft raushängen lässt, der bekommt auch mal einen zwischen die Hörner oder direkt einen Tritt gezielt unterhalb des Beckenbodens – und hat damit zwangsläufig geschwollene und farbige Eier. Kommt es also daher? Es wäre sinnig. Und hätte sogar nach den vergangenen tausenden von Jahren noch einen Bezug zur Realität. Den hat manch einer heutzutage ja schon verloren. Verlorene Eier. Wieder was anderes. Von den dicken oder verlorenen also kommt es eher nicht her. Auch wenn Eier ein zentraler Bestandteil des Festes sind, diese aber schon vor zigtausend Jahren bemalt wurden – galten Eier eben schlechthin schon immer für Fruchtbarkeit und wurden in eben den dazugehörigen Fruchtbarkeitsriten zu allen möglichen Dingen benutzt. Heutzutage bekundet man ja auch immer noch sein missfallen, in dem man wildfremde Menschen einfach mit faulen Eiern bewirft. Auf das die Frucht dieses Geistes für alle sichtbar stinke? Könnte für mich glatt ebenfalls ein tägliches Ritual werden…

Kein Wunder, wenn man dann, glaubt man an Auferstehung und ewiges Leben, auch an ein solches Fruchtbarkeitssymbol glaubt. Warum man dieses dann aber eifrig versteckt und von Mitmenschen suchen lässt, ist vordergründig nicht ganz so einfach zu klären. Und wenn die Eier, wie gerade  schon beiläufig bemerkt, schon vor tausenden von Jahren bemalt wurden, selbst in China oder Afrika – ohne einen Bezug zur christlichen Religion…wird einem ganz anders, wenn man ein solches prähistorisches Ei dann mal entdeckt. Von der Wertigkeit einem Faberge-Ei nahe kommend – vom Geruch dann eher nicht.

Unabhängig von eben diesen bemalten Eiern verstecken viele ja noch andere Dinge im Leben vor den Mitmenschen. Manch einer seine Neigungen, oder den Besitz – weil man Angst vor dem Verlust hat. Verlustängste sind ja eine der größten Triebkräfte im Leben. Auch wenn das letzte Hemd ja bekanntlich keine Taschen hat. Dennoch hat man halt enorme Angst davor. Beim vergraben der Eier hingegen legt man es ja sogar darauf an, dass diese gefunden werden. Also wäre es gleich besser, man würde es wie beim Geocaching machen und sich die Koordinaten gleich mit aufschreiben. Das wiederum kann dann wirklich in Arbeit ausarten – aber man hat im Hochsommer die unliebsamen Überraschungen nicht. Oder nur wenige. Soll ja auch mal Zahlendreher geben. Oder andere Missverständnisse.

Manch einer lässt sich sogar die Färberei komplett abnehmen und kauft schon fertig gefärbte Eier. Geht einem natürlich der tolle Essiggeruch und das färben an sich flöten. Als Kind, wie sollte es auch anders sein, habe ich das geliebt. Sogar Eier ausgeblasen für den Osterstrauch habe ich regelmäßig. Jetzt nicht die des ortsansässigen Pfarrers für dessen Strauch – nein, weit gefehlt, auch wenn ich mir ob der Sorgsamkeit des Priesters mit seinen anvertrauten Messdienern nie ganz sicher war. Anderes Thema. Ich sage nur Thebartz van Elst. Golden Eier. Oder Goldener Ochse. Komme ich noch mal zu.

Also man feiert die Auferstehung des Herrn und hatte dafür früher einmal sogar eine ganze Osterwoche frei. Hat man dann wegrationalisiert, in Zeiten der Industrialisierung, bis auf den Freitag und den Montag. Blöd, wenn man am Samstag oder Sonntag zu Ostern dann arbeiten muss. Ist sowieso schon nicht mehr zeitgemäß. Aber an solchen Tagen ärgert man sich dann sogar mehrfach.

Hatte man also vorher eine Woche Zeit zu färben, zu verstecken und zu suchen – muss das alles in der heutigen, schnelllebigen Zeit, an einem Tag passieren. Im Schnelldurchgang eben. In der aggressivsten Form habe ich dies einmal bei den Nachbarn erlebt. Die Eltern verstecken um kurz nach 9 Uhr am frühen Ostersonntag die Eier, die Kinder suchen um 20 nach Neun danach – mit dezenten Hinweisen von den genervten Erziehungsberechtigten (‚guck doch mal hinter dem Strauch‘, ‚schau doch mal in die Regenwassertonne‘, ‚sieh mal im Kühlschrank nach‘), weil die grenzdebilen Spielkonsolensüchtigen eher mit einer neuen APP versuchen, auf ihrem Handy den Kumpels aus dem Kindergarten klarzumachen, warum sie gerade bei der netten Netzwerkballerei wegen der blöden Eltern nicht teilnehmen können. Da wird dann oft aus Nachbarschaftsgründen und den mit den Streitigkeiten untereinander verbundenen Polizeieinsätzen ganz drauf verzichtet und die bunten Eier landen sofort auf dem Wohnzimmertisch. Ohne lästiges verstecken oder gar suchen. Und dann aber Heidewitzka – 3 Wochen Cholesteringepumpe auf Kasse. Man kann die Teile dann irgendwann auch nicht mehr sehen. Selbst das Frühstücksei wird dann schief angesehen.

Darum halten es einige wie mit ihrer nicht ausgelebten Religion: sie machen gar nicht erst mit. Freuen sich zwar auch auf die wenigen freien Tage, in denen sie entspannen können – solange bis draußen bei den anderen die Eier gesucht werden.

Stellen wir uns mal vor, wenn tatsächlich noch jedermann bei dem Mittelalterlichen Spektakel mitmachen würde. Man könnte in aller Seelenruhe ganze Stadtviertel plündern. Wie bei einer EM oder WM im Halbfinale – wenn die Deutschen dabei sind. Da taumelt auch alles in absoluter Glückseligkeit – während zur gleichen Zeit im Parallelament die wirklich wichtigen Gesetze verabschiedet werden.

Zum Beispiel, dass die Lebensmittelfarbe zum Färben der Ostereier nur noch aus biologisch abbaubaren und möglichst auch vom Menschen verzehrbaren Inhaltsstoffen bestehen darf. Als wenn jemand die Schale mit isst. Aber stimmt schon, ich hatte auch in der Kindheit oft Eier, deren Farbe nach dem pellen auch das ansonsten schneeweiße Ei im Inneren mitgefärbt hatten. Ich hab es trotzdem gegessen. Wer weiß was drin war? Und eigentlich bin ich auch froh drum. Ich habe ebenfalls Erde im Sandkasten gegessen, bin mit einer Schnoddernase rumgelaufen, bin auf Bäume geklettert und habe auch die Blätter von den Bäumen in meinen Mund gesteckt. Ich war halt auch die meiste Zeit draußen. Und das eben nicht nur am Ostersonntag zum Auffinden von versteckten, gefärbten Lebensmitteln von Zuchtvögeln. Wenn ich im heimischen Wohnzimmer vor der Kiste saß, dann war das eher für Cpt. Future, Biene Maja oder Kimba den Weißen Löwen. Da erstehen Gedanken in mir auf…herrlich. Hat Ostern eben doch was Gutes. Wer braucht schon Eier?…außer ein Herr Kahn?

WEISSE BESCHEID, ne?

 

 

 

 

 

Alles ist relativ…

Lieber Tagesbuch, 

seit dem uns Albert mit der Relativitätstheorie beglückt hat und in der Folge Wissenschaftler erklärten, dass Zeit eine Illusion ist, der wir nur nachhängen, weil wir sonst keine Bezugspunkte im Raum hätten – seitdem geht es mir besser.

Zeit ist Illusion. Ich wusste es immer schon. Der Übergang von Vergangenheit in Zukunft ist ein steter Fluss, der sich nicht genau ‚packen‘ lässt. Dieses Jetzt. In dem Augenblick, wenn man es erwähnt oder bemerkt – ist es schon wieder vorbei und Vergangenheit. Und die kann man eben nicht konservieren. Vielleicht noch in unseren Gedanken oder Niederschriften. So, wie ich es hier ja auch immer versuche.

Schon als Kind waren mir Dinge wie ‚du bist um 6 zu Hause‘ oder ‚du bleibst nicht so lang‘ irgendwie nicht konkret genug. Was hieß nun ‚um 6‘? Ging 11 auch? Oder durfte ich nicht exakt 6 Uhr auf der Matte stehen – weil man ja ‚um‘ gesagt hatte? Was ist lang? Was ist kurz?

Gut, Frauen und Männer haben da sowieso von der Grundkonstruktion her schon ein unterschiedliches Maß. Auch was die Zeit selber anbelangt.

‚Ich komme gleich‘ – kann dann schon mal eine Spielfilmlänge bedeuten. Oder eine Halbzeit. Je nachdem. Oder auch 3 Stunden, wenn im Bad keine Elektroschocker integriert wurden. So unter dem Toilettensitz oder in der Dusche. Ausgiebiges Duschen ist ja auch relativ. Sind 2 Stunden schon zu viel? Wann bekommt man Schwimmhäute? Und warum runzelt beim einen die Haut schon nach ein paar Minuten – bei anderen aber erst nach Stunden, oder, im Fall von bereits gestrafften Gesichtern, nie?

Botox und kosmetischer Operation sei Dank. Netter Anblick übrigens. Wenn man so einer Gesichtssteifen Maske gegenübersteht. Hat etwas androgynes. Völlige Bewegungsstarre bei selbst den ausgefallensten Sätzen – und auch beim Lachen. Tja, wenn man nicht in Demut altern kann…irgendetwas falsch gelaufen in der Erziehung. Wahrscheinlich immer schon vor 6 zu Hause gewesen. Oder gar nicht rausgegangen.

Diese Gesichter erinnern mich irgendwie immer an ‚I – Robot‘ oder ähnliche Hollywoodschinken. Da fällt mir ein: ist der Hollywoodschinken eigentlich in der EU oder weltweit geschützt? So wie der Parma- oder der Schwarzwälder? Und warum bezeichnet man alte Bilder oder Bücher ebenfalls als Schinken?

Da wären wir doch schon bei den Details.

Alles ist irgendwie relativ seit Einstein. Selbst Albert. Ob nun ein oder zwei Steine – das dürfte bei der Entdeckung der Relativität keinen Unterschied gemacht haben. Aber ob Schwerkraft im Wartezimmer des Zahnarztes in der Lage ist, die Zeit zu dehnen – ich sage: ja!

Um das Massezentrum des Arztes herum bildet sich meiner Ansicht nach ein sogenannter Ereignishorizont.

Jeder, der im Warteraum mit erheblichen Zahnschmerzen sitzt, wird schon durch den Geruch und die Geräusche in eine Art Paralleluniversum katapultiert. Da werden Minuten zu Jahren!

Der 15jährige, der in der Bravo oder InTouch liest(unwahrscheinlich) oder auf seinem neuesten Smartphone herumdaddelt (eher wahrscheinlich) – für den vergeht die Zeit allerdings wie im Flug. Warum vergeht Zeit im Flug schneller als im Kaugummi? Wenn sie sich hinzieht wie derselbe?

Welche Kräfte wirken auf die Körper, wenn man im Kino auf dem falschen Platz sitzt und panisch den Eingang beobachtet – ob der wahre Besitzer der Logenkarten noch kommt oder man den Film auf eben diesem Platz genießen kann? Ist dieses Spielchen ebenfalls genauso spannend bei ausverkauftem Haus?

Alles ist relativ.

Der eine muss wegen nicht bezahlter Parkknöllchen für 3 Jahre hinter Gitter. Der andere bekommt trotz massiven Steuerbetrugs (30 Millionen muss man erst mal hinterziehen können! Welche Summen da im Spiel sind, Kruzifix sag i nur!) nach knapp einem halben Jahr wegen guter Aussichten auf die Re-sozialisation schon wieder ein Präsidentenamt beim bayerischen Staatsfußball.

Der eine verdient mit ‚Chery-Chery-Lady‘-Gedudel Millionen – der andere kommt mit ‚is-mir-egal‘ gerade so über die Runden.

Was ist Strafe? Für den einen schon der nicht mehr essbare Schokoriegel, weil die Waage und der Partner mit strengem Blick jede weitere Kalorienzufuhr argwöhnisch betrachten – für den anderen erst der Entzug von Anwesenheit oder eben von Trilliarden der jeweiligen Landeswährung…wenn man Materialist ist.

Alles egal? Von wegen.

Von ‚Relativierern‘ wimmelt es im Alltag nur so. Wenn man allerdings immer mit irgendeiner Relation wieder alles relativiert, dann wird nichts geändert! Denn man kann zu allem immer die passende Statistik finden. Jeder siebte Mensch ist ein Chinese. Wenn ich mich so im Büro umschaue…stimmt da irgendetwas nicht. Gut, die reden immer alle Fachchinesisch – aber die Sprache ist ja nicht alles. Wenn dem so wäre, wären die Bayern oder die Schweizer schon verloren! Okay, ich nehme es zurück. In Wirklichkeit ist Deutsch ja sowieso auf dem Rückzug.

Relativ zur gesamten Menschheit gesehen – sind wir nur eine kleine Nische. Aber eine nette, wie ich finde. Und irgendwie stimmen uns dabei ja auch viele andere Menschen auf dem Globus zu. Gott-sei-Dank hat sich das Bild über die Jahrzehnte gewandelt. Nicht jeder ist Braun oder ein literarisches Genie. Meist ja nur eins von beidem, sieht man ja auch an der neuen Version von Mein Kampf.

Ich kann nur sagen: ich hätte die Kommentare nicht gebraucht. Ich habe mich als Jugendlicher voller Interesse an das Werk herangewagt…und bin nach ein paar Seiten überfordert gewesen. Ich habe NICHTS verstanden. Hätte also auch Chinesisch sein können.

Wäre vielleicht auch besser gewesen.

Interessanterweise habe ich vor kurzem erfahren, dass der Attentäter des ersten Weltkriegs, Gavrilo Princip, nur ein Zufall der Geschichte war. Eigentlich wollte das Paar einen ganz anderen Weg nehmen, ein Bombenattentat zuvor war fehlgeschlagen, die Polizei führte das Paar aber weiter auf der geplanten Route…und so konnte Gavrilo, der scheinbar als einziger der Verschwörer noch nicht den Heimweg angetreten war, in der Sekunde, als der Wagen stoppte, zuschlagen. In der Folge erster und zweiter Weltkrieg, Kalter Krieg und Vietnam und Hiroshima und Nagasaki und so weiter und so fort.

Zufall. Oder Notwendigkeit?

Komische Dinge, die einem im Wartezimmer so durch den Kopf gehen wenn man über Relativität und den anstehenden Termin nachdenkt. Hoffentlich ist der Arzt kein Chinese. Oder lieber doch? Ist ja schließlich ein Akkupunktur-Termin.

Und Akku – das kann ja nur Energie geben! 

WEISSE BESCHEID, ne?