Digitalisierung 2016.0

Lieber Tagesbuch,

ist, wenn ein Pokemonjagender Mobiltelefonanstarrer von einem autonom fahrenden Tesla-Auto überfahren wird, dies durch ein Google-Auto aufgenommen und durch eine Verkehrsüberwachungsdrohne komplett aufgezeichnet wird. Willkommen in der neuen Welt. Und die Amazon-Drohne blinzelt verstört beim Paketausliefern auf die Straße und versteht die Welt nicht mehr…

Was genau mag denn nun Digitalisierung sein? Fragst du mich das jetzt wirklich ernsthaft?

Nun, nehmen wir mal an du bist krankenversichert. Dann wird zukünftig der Arztbesuch gar nicht mehr nötig sein. Du schnappst dir morgens früh dein Handy, startest die App deines Hausarztes, der schaut sich über die Kamera deine Prusteln im Gesicht an und schreibt dich krank. Das geschieht unmerklich für dich im Hintergrund. 

Dabei wird erst der Arbeitgeber informiert – und danach die Krankenkasse. Du kannst dich hernach direkt in die Apotheken-App begeben, dort dein Medikament raussuchen (verschiedene Hersteller, mit manchen hast du vielleicht sogar eine Kooperation, d.h. die Sponsoren deiner Tochter die Blockflötenstunden dafür, dass du ihre Produkte kaufst) – und dieses wird dir dann per Drohne zugesandt.

Nach cirka 20 Minuten Flugzeit. Spätestens jetzt musst du deinen Arzt bewerten und für deine Krankenkasse dessen Rechnung freigeben.

Danach wieder ab ins Bett und genesen also. Bis dich am nächsten Morgen die App darauf hinweist, dass du ja sowieso in diesem Jahr schon öfters krank warst und man dir sofort die nächsten 3 Wochen als Krankzeit vorschlägt. Kommt jetzt auch nicht mehr drauf an. Und die Diagnose liefert man dir schon vorab anhand deiner im Klo gemessenen Körperflüssigkeitswerte. 

Nebenbei solltest du die Aufnahme von Alkohol reduzieren, rät dir die Arzt-App. Und gestern, der Fisch, der war aber nicht MSC – und schon gar nicht Bio. Und schon nervt das schlechte Gewissen. Schließlich kann von diesem einen Fisch das leben einer ganzen Fischerfamilie abhängen! Zumindest erscheint es so. In Wirklichkeit trifft es nur einen dieser riesengroßen Fischfang-Trawler im Atlantik – und der kann es weiß Gott verkraften…

Schöne neue Welt.

In der auch schon sehr früh feststeht, wer oder was du wirst. Vor allen Dingen haben deine Eltern dich schon vorher im Baukasten zusammengesetzt. Kann eigentlich kaum noch was schief gehen.

Mit der kleinen App auf dem Smartphone wurde der perfekte Samencocktail zusammengestellt, vom Labor dann fertig gemixt und per Drohne zugestellt. Gut, guter Sex sieht jetzt anders aus – aber was tut man nicht alles für die Menschheit? Möchte nicht jeder einen kleinen Galileo oder Albert? Oder eine Marie? Was gäbe die Welt für einen neuen Jesus oder eine Jesine. Muss man ja nicht gleich wieder an die Wand nageln. oder an ein Kreuz. 

Fällt mir ein, was wäre gewesen, wenn man Jesus geköpft hätte? Würde dann heute jeder mit einem Schwert um den hals herumlaufen? Gut, in Zeiten von Terror und der wahlfreien Ausübung von grober Körperverletzung mit Todesfolge oder jeglichem anderen groben Unfug (ich sage es gleich: ich halte mich aus allen Diskussionen hierzu heraus. Bringt nix. Denn meine Argumente sind nicht tödlich!) kann so ein Mordinstrument bei der Hand oder besser am Hals sicher nützlich sein. 

Aber dann hat ja jeder eins. Halt so wie im kalten Krieg. Alle haben eine Bombe und darum nutzt sie keiner. Ja, so verrückt ist der von den Bäumen heruntergestiegene Affe! Wohl wahr! Manche hielten ja eben dieses verlassen der Bäume schon für den großen Irrtum. Andere gehen noch weiter und finden, wir hätten nicht mal das Wasser verlassen sollen. Besser für uns wäre es sicher gewesen. Gäbe es jetzt Planktoncocktails auf dem Meeresgrund. Aber das ist eine andere Geschichte.

Gut, gibbet also am Spielplatz um die Ecke zur Genüge Jesines oder Jesusse in Tateinheit mit der bekannten Schackeline. Aber wir reden hier ja eher nicht von den Kindern mit sehr viel Potential – also enormer Luft nach oben -, die zumindest schon mal den Stift so halten können wie der Turm in Pisa steht. Zwar schief – aber dennoch lässt sich damit auch ein Wort hinkrakeln. Auch dabei ist man nicht mehr ganz so genau, schließlich wird auf Tablets geschrieben, die Autokorrektur übernimmt den Rest. Selbst der größte Dummbatz bekommt auf diese Weise Weltliteratur hin! Alle Minuten lang ein neuer Shakespeare! Nun, nicht exakt so lang und detailliert bzw. Pointen reich – aber zumindest hört es sich fast schon an wie Englisch. Das Deutsche. Sind wir akut ja auch nicht sehr weit weg von.

Kaum Werbung, in der nicht alles irgendwie besser ist, weil es ‚repair‘ oder ‚revitalift‘ oder ’smoothie‘ ist. Hinzu kommen ‚Events‘ und ‚Spots‘ die dein ‚Life‘ irgendwie besser machen. Es ‚upgraden‘.  Tja, manches mal wünschte ich mir weniger Werbung und mehr Hirn. Aber man kann ja bekanntlich nicht alles haben. Und wer schon Persil und Omo hat, der braucht sich um eine gescheite Gehirnwäsche keine Sorgen mehr zu machen. Ünrigens werden pro jahr 60 Millionen Tonnen Phosphor in die Kloake gespült. Die Hälfte unserer Einfuhren an Phosphor kippen wir wieder weg! Das nenne ich mal Weitblick! Ist so, als wenn ich am Geldautomaten nach jedem Abhebevorgang die Hälfte meines erhaltenen Geldes verschenken würde. Fände ich auch wieder toll. Würde ich den ganzen Tag nur an Bankautomaten stehen! Karriere als Bankautomaten-Vorsteher. Chief of – versteht sich. Man macht ja auch seinen Master und den Bachelor. 

Ich sags ja…denglisch sei dank. Aber nicht mal das ziehen wir durch. Könnte man doch zumindest schon mal das seidt einführen (Kombi aus seit und seid) und den bestimmenden Artikel endlich weglassen. Man liest ja auch kaum noch bestimmende Artikel. Alles eher Einheitsbrei. Auch wieder eine andere Geschichte.

Alles das ist auch bereits mit kleinen bunten Pillen erreichbar. Realität und keine Fiktion. Viagra und Co. lassen grüßen. Täglich wird es mehr. Und in Zukunft sind sogar direkte Eingriffe ins Hirn denkbar. Gut, macht man jetzt nicht so sehr viel kaputt. Von daher sag ich mal: schlimmer geht es eh immer! Also warum nicht? Wären wir wieder bei der Schnittstelle im Kopf, du erinnerst dich?

Naja, auf jeden Fall sind deine Lehrer dann das Internet und diese kleinen, süßen Roboter die dich durch deine Kindheit und Pubertät bis ins Erwachsenenalter begleiten. Kleine Pokémons und PacMans.

Und ein jeder hat eine Brille auf (was ja auch die Diskriminierung der Brillenträger endlich beenden würde) mit der er sämtliche Zusatzinformationen zu einem Objekt sofort eingeblendet bekommt. Steht man also vor der Sehenswürdigkeit und die Datenbrille sagt einem: hey, is 80 Jahre alt, heißt Omma Krawuttke und lebt hier im Altersheim um die Ecke. 

Was die jetzt gerade hier splitterfasernackt vor dem Picasso im Museum macht – man weiß es nicht genau. Aber zumindest erkennt man auf Blick oder Kopfnicken hin, wer die Erziehungsberechtigten waren und sind. Und wie viel Omma Krawuttke im Monat so an Rente kriegt. Und was sie gestern gegessen und eingekauft hat.

Gut, das würde jetzt wieder nur der Ordnungshüter sehen. Der sieht aber auch sofort alle Einträge zur Sprache der gestrigen Woche. Also alles, was Omma Krawuttke in der letzten Woche so vom Stapel gelassen hat.

In Einzelfällen vielleicht nicht so interessant. Aber insgesamt und in BIG DATA sicher ein willkommenes Highlight jeder autoritären Regierung. Die einem durch die Datenbrille natürlich auch immer anzeigt, wie etwas gerade aktuell heißt oder welche Wertung es gerade hat. Doppelplusgut sag ich nur.

Also in all der schönen Zeit in den Allergenfreien Bereichen der Großstadt werden immer mehr und weitere Daten über dich gesammelt. Und die verfestigen dann dein Bild. So dass ein jeder sofort weiß, woran er bei dir ist. Wie erwähnt eben auch der liebe Herr Staat. Der damit dann auch schon weit vor der anstehenden Wahl weiß, wen du denn wählen wirst.

Und darum muss die Wahl ja auch erst gar nicht stattfinden – weil das Ergebnis eh schon feststeht. Das wäre dann auch Demokratie 2.0! Heissa! Und Politiker die ihre Vita oder ihre Abschlüsse gefälscht haben oder irgendwo abgeschrieben oder sonst wie gelogen und korrumpiert haben – gibt es gar nicht mehr. Nur noch Politroboter die den lieben langen Tag nichts anderes tun, als das für und wieder zu debattieren. und zum Schluss wird abgestimmt.

Sagst du jetzt, wo ist der Unterschied zu heute?

Gut, die kosten eben nur noch Strom. Keine dicke Diät mehr.

Und wenn der durch Wind, Wasser und/oder Sonne hergestellt wird…ist doch erst mal alles gut!

Während das Volk draußen Pokemons jagt oder bei der EM/WM/AM/BM/CM zu Hause vor der Glotze zuschaut.

Arbeiten muss ja auch niemand mehr, denn sämtliche Jobs der Welt werden komplett von Robotern erledigt. So dass der Mensch sich ganz auf seine guten Seiten besinnen kann. Ich hatte es bereits beschrieben, du erinnerst dich sicher.

So malt der gute Mensch dann halt Ölgemälde aus Urin oder bastelt aus Filz kleine Hüte. Oder baggert in seinem Garten herum. Ganz, ganz kecke nehmen 3 Stunden lang den gerade im Garten entdeckten wilden(!) Vogel auf. Solange der Akku reicht. Und ein ECHTER VOGEL: Kein Pokemon! Wow!

Lange keinen mehr gesehen. Außer im Zoo oder im TV.

Schöne neue Welt halt…alles so wundervoll bunt! Und sogar in HD! CURVED! Also gebogen…für uns Ältere…

Weisse Bescheid, ne?

 

 

Die Kopf-Hirn-Schranke

Lieber Tagesbuch,

ist der Bereich des menschlichen Körpers, der eine Existenz von Gehirn oberhalb des Wurmfortsatzes rigoros ausschließt. Zumindest hat man den begründeten Verdacht, dass eine gewisse Form des Homo Sapiens sich gänzlich ohne diese gesonderten Hirnwindungen über den Planeten bewegt. Eigentlich sind diese Mitbewohner nur ein bewegter Wurmfortsatz der im Stoffwechseln relativ routiniert ist. Schon Atmung und die Aufnahme von Flüssigkeit sind ja nicht zu verachten, als grundsätzliche Leistung, die uns von der Amöbe aber jetzt auch nicht wirklich sonderlich abgrenzt. Atmen wird ja gemeinhin auch total überbewertet. Schließlich singt schon Helene von der Atemlosigkeit des Seins. Die Leiden der jungen F. Sozusagen.

In vielen Fällen sorgt die erwähnte Schranke jedoch auch nur für die Vorfilterung von bestimmten Ideen oder Vorstellungen, bevor sich diese im Gehirn des Betroffenen als eigener Geistesblitz manifestieren können. Vorgesetzte leiden selten darunter, die können ganz gut die Arbeit anderer als die eigene verkaufen und anpreisen. Der normale Wutbürger in der Pommesbar hingegen – ´Pommes Schranke‘ ist hier nicht immer nur der Hinweis auf die Bestellung von fetttriefenden Kalorienstäbchen, die mühsam von Kinderhänden aus den Ernte-Kartoffeln herausgeschält wurden, der Wutbürger eben, der leidet schon eher unter vor gefilterter Wahrnehmung. Nein, ich möchte mich an dieser Stelle NICHT über Kinderarbeit lustig machen. Schrecklich und von uns allen unterstützt. Weil der Verbraucher eben NICHT dafür Sorge tragen kann oder will. Und darum finde ich auch, sind die FIRMEN in der PFLICHT. Die müssten sofort ihre Lizenz zum Verkauf in der Republik verlieren, wenn solche Fälle begründet und bewiesen auftauchen. Anders kann man das nicht stoppen. Kann ich von Bürgern am Rande des Existenzminimums auch nicht erwarten, dass die sich um so etwas noch Gedanken machen. Aber eben auch der normale Bürger nicht. Wer bitte schön kann denn diese ganzen Skandale noch behalten, geschweige denn im Bedarf zurückerinnern? Ich jedenfalls nicht. Exkurs beendet. Schranke schließt automatisch…

Man muss an dieser Stelle für alle Zeiten dann auch mit der Freiheit des eigenen Willens endgültig und rigoros aufräumen. Nicht nur, dass der menschliche Körper von Natur aus durch die Sinnesorgane nur dafür ausgelegt ist, die Vergangenheit wahrzunehmen. Hier werden alle Impulse, die auf uns einwirken, schließlich durch die Übertragung von vornherein, mit einem durch die Natur eingeplanten und biologisch zementierten Zeitverlust von uns registriert. Nein, hinzu kommt auch noch, dass das Gehirn diese auf die Vergangenheit bezogenen Impulse auch noch um den Bruchteil von Sekunden früher beurteilt als der kognitive, bewusst wahrnehmbare Teil des Gehirns. Soll in einfachen Worten heißen: es bildet sich seine eigene Meinung auf der Basis von gestern. Oder gerade eben. Und dies auch noch durch Wattebäusche hindurch. Das hier ein gewisses Restrauschen übrig bleibt sei mal völlig außer Acht gestellt. Und hierbei handelt es sich nicht um die Reststrahlung des Urknalls. Obwohl man bei einigen Mitmenschen durchaus vermuten kann, dass sie selbst diesen Knall nicht gehört haben oder auch nie wahrnehmen würden.

Da lachst du einfach nur. Weil dies ja schon seit langem bekannt und nichts Neues ist? Schließlich heißen aus diesem Grunde ja auch die Nachrichten Nachrichten – weil sie im nach hinein richten. Be-richten um genauer zu sein. Das mag wohl sein, da gebe ich dir auch Recht. Viele ewig gestrige sind ja noch immer aktiv in unserer Umwelt und besonders in Politik und Wirtschaft. Aber nun ist dieser Sachverhalt auch noch wissenschaftlich bewiesen! Dass wir alle eigentlich dazu verdammt sind, ewig gestrige zu sein. In unserer Wahrnehmung. Daher auch der große Anreiz, den die Konservativen bei Wahlen auf die Menschen ausüben. Auf mich eher weniger, ich möchte ja selbst mit meinen Worten etwas bewirken. Und wenn es nur ein Lächeln ist, dass ich in ein Gesicht hinein zu zaubern in der Lage bin.

Von wegen also: ich entscheide selber, ob ich um 9 Uhr noch mit dem Auto nach Hause fahre. Trotz der drei Bier im Vorfeld. Übrigens: Vorstoß der Politik ist jetzt die totale Abstinenz im Straßenverkehr. Finde ich toll. Sollte man dann aber auf ALLE Bereiche ausdehnen, in denen Unfälle passieren können. Da fallen mir dann auch spontan der Bundestag und alle angegliederten Gremien ein. Auch wenn ich denen natürlich NIEMALS Alkoholkonsum unterstellen würde. Würde ich mir nie herausnehmen!

Liegt man also im bett und überlegt gerade, ob man denn nun aufstehen soll oder nicht. Und was soll ich dir sagen? Die Entscheidung ist in diesem Fall schon um Millisekunden vorher gefallen – unterbewusst. Dein Unterbewusstsein sacht sich irgendwie:

‚Die faule Socke schick ich gezz zur Arbeit!‘

Und dann steht diese Entscheidung für den gesamten Tag fest. Gut, meist meldet sich dann noch ein Kratzen im Hals oder ein kleiner Schwindel oder auch ein etwas größerer –  wenn man blau oder in diesem Fall eher gelb macht.  Aber im Normalfall eben nicht. Dann überwindet das Ich im Ich sogar den Schweinehund und fährt auch diesem letztlich über den Mund. Oder in dem speziellen Fall über das wenige an Resthirn, was noch nicht durch Konsum oder TV-Serien belegt ist.

Ist sicherlich schwer, wirklich gute Entscheidungen zu treffen, wenn man all seine Informationen aus der Vergangenheit und nicht aus direkten sondern eher indirekten Quellen bekommt. Fast so, als würde man sich eine Binde um den Kopf legen, die Ohren und Augen verschließen und nur noch sechziger-Jahre-Schlager hören. Helene-Fischer-Fans jetzt mal ausgenommen. Oder der Rest, der mit den Prilblumen auf den Kacheln in der Küche.

Mit Blindheit geschlagen, sprichwörtlich.

So wie im übrigen auch Justitia. Die allerdings darum mit Blindheit und Taubheit geschlagen ist, damit ihr niemand etwas böses oder auch einfach nur falsches einflüstert. Wäre ja schon ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, wenn man das mal ein wenig einschränken könnte. Nein, ich trete jetzt hier nicht dafür ein, Presse und Rundfunk sowie Fernsehen ganz abzuschaffen. Aber warum nicht eine richtige ‚Echtheitszensur‘ – wenn wir sowieso schon zensieren? Die Schere im Kopf kommt ja nicht von ungefähr. Man möchte nicht mehr anecken. Verständlich. Dann aber wenigstens richtig.

Fände ich besser als dieses scheinheilige Geschwafel. Von Bestürzung und Betroffenheit. Von Maßnahmen und Reformen. ich kann es nicht mehr hören. Ging mir damals bei Helmut auch so. Den konnte ich dann irgendwann auch nicht mehr hören mit seinem ‚Geschischte‘-Gefasel. Musste ich wohl zum Arzt. Wenn man schlecht hört…oder man braucht halt jemanden, der einen noch Maßregeln kann wenn Mutter und Vater dies schon seit etlichen Jahren vergeblich versucht haben. Darum schlüpft da ja immer sehr schnell und liebend gern der Staat in die Rolle. Und füllt diese bis zur Grenze aus. Sprichwörtlich.

Dabei war der Staat früher eher dazu da, alles einfach nur in Schuss zu halten. Infrastruktur. Bildung. Sozialsystem. Grenzen. Regeln. Kommt dir jetzt auch komisch vor, oder?

Schafft er nicht mehr, auch wenn sich die Ausgaben in der gesamten Zeit mehr als verhundertfacht haben. Hundert Mal mehr Unsinn zu machen, macht es eben nicht besser. Ich sage nur Kopfpauschale oder Praxisgebühr. nur weil man etwas durchsetzen kann, heißt das ja nicht automatisch, dass es auch gut wäre dies zu tun. Wenn man es nicht ausreichend bedacht hat immerhin.

Womit wir wieder bei einem meiner langjährigen Begleiter-Themen angelangt sind: wer überwacht eigentlich die Überwacher? Und wer trägt Sorge, dass keiner den Staat selber übers Ohr haut?

Zumindest im Falle eines bayerischen Steuerhinterziehers kann man sich die Frage des Prominenten-Bonus dieser Tage sicherlich noch einmal stellen. Man wird ja wohl noch mal was dazu sagen dürfen, oder?

Gleichzeitig macht der Staat such selber Sorgen über eine Partei am rechten Rand. Die allerdings auch kaum noch in den Parlamenten vertreten ist. Dennoch finanziert man sich seine Gegner praktisch mit durch die schöne Legislaturperiode. Schon pervers. Aber wer hat gesagt, dass die Art von Demokratie, die wir mittlerweile vorleben, jeden Tag schön oder gar gerecht ist? Keiner. Genau. Und darum mache ich mir wirklich Sorgen

Ja, ich sorge mich ein wenig um unsere  Demokratie so wie ich sie gelernt habe, um das Leben auf diesem Planeten, um jeden Einzelnen um mich herum. Man könnte mich auch Sozialpädagoge schimpfen. Oder eben Asozialpädagoge. Das käme der Sache näher…da ich ja oftmals das genaue Gegenteil von dem vertrete, was so vorgelebt wird. Vielleicht, weil ich hehre Ziele verfolge. Oder aber, weil Unterbewusst schon jemand für mich entschieden hat. Macht mich persönlich sozusagen wertungsfrei. War ich ja gar nicht aktiv. War mein Unterbewusstsein. Kann ich doch gar nichts dafür.

Wenn man mir also mal alle Schranken öffnen würde…

Dann würde ich so einige in die Schranken verweisen. Und dazu braucht man nicht mal viel Hirn…

WEISSE BESCHEID, ne?

 

Der geschenkte Tag

Lieber Tagesbuch, 

ist ja heute, der letzte schöne Tag des wundervollen Monats Februar.

Der Tag, auf den sich viele Menschen eben nur alle 4 Jahre freuen können – weil erst dann eine richtige Geburtstagsfeier möglich ist. Nicht so zwischen den Tagen, von heute auf morgen, wo sich keines der Geburtstagskinder richtig wohlfühlt, weil eben entweder der 28. Februar ist und man ,vorfeiert‘ – oder eben der erste März und man dann halt ‚nachfeiert‘! Also feiert man rein in einen nicht existierenden Tag. Deprimierend oder? Wenn in den kurzen Zeitraum zwischen 23.59 Uhr und 0.00 Uhr der gesamte Tag reingequetscht wird? 24 Stunden in 0 Sekunden? Das ist keine Geschwindigkeitsangabe eines flotten Gefährts. Eher der Ausdruck von Stress…

Hat man wohl gerade noch Zeit, kurz seinen Glückwunsch zu überbringen. Wenn es nicht so viele sind, die einen da beglückwünschen wollen. Also im eigenen hohen Alter wohl eher wahrscheinlicher, dass sich dazu genug Zeit findet – weil eben weniger Gratulanten vorbeikommen. Und dann aber fix. Hand geschüttelt, Geschenk überreicht und schnell noch ein ‚tzlichenglckwnsch‘ gezischt. Schon ist der Nächste dran.

Ist eben quasi so, als wenn man alle 4 Jahre ein Kreuz irgendwo auf einen verflixt langen Zettel machen würde und sich dennoch irgendwie gefühlt oder real nichts ändert. Eine verschenkte Stimme. Oder besser: man kann sie sich auch schenken. Wenn man an so etwas Spaß hat. Oder an Stimmen interessiert ist. So eine Wahl ist dann ja  auch ganz schnell erledigt. Und im Alter ist auch dies viel einfacher. Hab ich immer schon gewählt. Wie, die gibt’s gar nicht mehr? Mist. Dann wähl ich eben was, was so ähnlich klingt. Oder wo ein D für Deutschland drinsteht. Oder so ähnlich halt.

Oder gehe erst gar nicht mehr hin. Schaue mir das nur noch an. Das ist jetzt aber auch deprimierend, sagst du? Dann muss man halt selber aktiv werden. So richtig mit Ortsverein und allem was dazu gehört. Pi Pa Po halt. Pingelig die Parasiten und den Popanz bekämpfen. Die Klaviatur der Politik mitspielen. Mit viel Bier und Wein und örtlichen Problemen. Da werde ich auch noch mal drüber berichten, den Politiker in seinem Wesen beschreiben…erinnere mich bei Zeiten mal daran.

Über dieses aktive Stadium bin ich jedoch schon Jahre hinaus. Ich habe mich selber pensioniert und zurückgezogen, sitze auf dem Sofa  und meckere nur noch. Ist auch einfacher. Muss man nicht so viel selber machen. Keine Plakate mehr schleppen oder bei Wind und Wetter an irgendwelchen Gleisen angekettet herumliegen. Um dann festzustellen, dass der Zug eine ganz andere Route nimmt an diesem Tag.  Oder im ganzen Leben. Schön bequem. Vom Schreibtisch, Sofa, Sessel oder auch aus dem Bett heraus durch die Republik zu zappen und dabei immer einen Kommentar auf den Lippen. Nein, das hat auf keinen Fall etwas mit der Berichterstattung zu tun. Eher schon mit den Sendern. Gibt halt IMMER was zu meckern. Und was zu verbessern. Für mich gibt es nichts tödlicheres als den Stillstand. Es muss halt immer was gehen. Und meist ist es ja auch so.

Und wenn es nur die Kritik an der schreibenden oder moderierenden Zunft ist. Die sich neuerdings bei der Berichterstattung mit dem kommentieren nicht sonderlich zurück hält. Da wird alles sehr schnell in das richtige Licht gerückt. Da ist man dann ganz fix im Schubladendenken und der politischen Korrektheit. Was nicht darf, das darf eben nicht. Ohne mich da jetzt irgendwie in aktuelle Themen einmischen zu wollen. Der Spaltpilz ist auch ohne mich aktiv. Ich HABE dazu einfach keine Meinung. Ich möchte mich einfach nicht von irgendeiner Seite blöd anpöbeln lassen. So weit sind wir nämlich in der demokratischen Debatte schon gekommen. Ich finde das zumindest befremdlich. Aber egal, kein böses Blut hier an dieser Stelle. Auch wenn es durchaus auch mal nachdenklicher sein darf in diesem Blog. Jeder wie er möchte, ich bin da wirklich ein ganzer Demokrat. Auch wenn man mir den direkten Zugriff entzogen hat. Eben mit den Kreuzchen – alle vier Jahre. Da muss ich dann auch weder lesen noch schreiben können. Eine der beiden ersten und man liegt zur Hälfte in der Hälfte. Mir geht es dabei einfach nur gegen den Strich, wenn man aktuelles Geschehen in der Presse dann auch gleich mit bewertet. Die Wertung selber kann man getrost bitte mal mir überlassen. Da bin ich durchaus alt genug dafür. Aber irgendwie scheint dies heute nicht mehr möglich zu sein. Schade. Den meisten scheint man nicht mehr zu trauen. Woher kommt es nur? Dieses Unvertrauen aller Beteiligten?

Die Hoffnung stirbt eben zuletzt, oh mein Gott. Auch wenn dieser Vortänzer einer globalen Erinnerungsbewegung mit Hang zum Jenseits  mir  persönlich gar nicht gehört. Und ich ja irgendwie auch nicht mehr dazu. Aber man wird ihn wohl doch noch verwenden dürfen, oder? Hat sich halt so eingebürgert wie das Tempo statt des Taschentuchs und dem UHU statt des Klebers. Jetzt nicht der aus dem Fernsehen. Der fürs Papier. Nicht für das gedruckte wohlgemerkt. Eher so für die noch unbeschriebenen Seiten.

Und da lobe ich es mir doch, alle vier Jahre einen Extra-Tag zu haben. Einen zur Besinnung und vor allem auch zur Rückschau. Oder wie gerade im letzten Absatz auch zur Manöverkritik. Um sich hinzusetzen und einfach mal aufzuschreiben. Oder zusammenzukleben und dabei ein um das andere Taschentuch zu füllen.

Wie waren die letzten 4 Jahre? Was kommt in den nächsten 4? Wie sieht es mit meiner wirtschaftlichen Entwicklung aus? Brauchen wir einen 4-Jahres-Plan oder setzen wir auf den Markt? Kommen wir ohne Kredite aus oder werden wir uns bei irgendjemandem etwas borgen, also anleihen? Oder drucken wir gleich etwas Geld im Keller? Inflation hin oder her, bei nahezu Nullinflation kann man doch drucken was die Platte hergibt. Nach mir die Sintflut. Und Geld raushauen für alles Mögliche. Zumal jeden Monat mehr Geld entdeckt wird. Zumindest im Bundesfinanzministerium. Wo haben die das all die Jahre nur versteckt gehabt?

Und da einem ja im Normalfall niemand etwas schenkt im Kapitalismus – da muss man schon genau hinsehen, sehr seltenes Pflänzchen – kann man sich beim Schöpfer bedanken, dass es nicht so genau hinkommt, mit den Umlaufzeiten von Sonne und Erde. Und dass man eben alle 4 Jahre so einen Tag einschieben muss. Ist doch eigentlich eine schöne Geste des Universums an das jeweilige Individuum, oder? Jeder kriegt einfach einen Tag geschenkt jedes vierte Jahr! Tolles Gimmick, dieses Universum hätte ich im Jenseits wohl auch gewählt!

Was kann man da nicht alles tun!

Gut, der Großteil von uns muss arbeiten gehen – also freut sich vorrangig der Arbeitgeber alle 4 Jahre über einen geschenkten Arbeitstag. Wenn er denn in die Arbeitswoche fällt. Oder doch nicht? Hmmm. Das kann ich nicht mal entscheiden. Dadurch, dass das Jahr einen Tag mehr hat, also 366 Tage, ist es vorrangig erst einmal ein Arbeitstag mehr. Man könnte natürlich auch den ersten Tag des Schaltjahres doppelt feiern. Sozusagen alle 4 Jahre einen nullten Tag im Januar einführen. Dann würden wir einen weiteren Tag frei haben. Ist doch auch viel schöner zwischen Silvester und Neujahr. Und sinnvoller, weil die Erklärung ja auch die ist, dass man alle 4 Jahre einen Tag einschieben muss. Warum nur willkürlich am Ende des Februars? Ich plädiere hiermit also für den Nullten Januar.

Und ich schenke mir die Kritik an diesem Tag. Also jetzt für heute mal. Freue mich über die ganzen Damen und Herren, die heute wieder 4 Jahre älter werden. Das ist doch effektiv. Gar nicht erst jedes Jahr feiern und sich überlegen, dass man wieder ein Jahr älter geworden ist. Ne, besser alle 4 Jahre, dann hat man auch nur alle 20 Jahre einen glatten Sprung bei der vorderen Zahl. Damit auch nur durchschnittlich 5 von diesen deprimierenden Wechseln im durchschnittlichen Leben. Wenn man eben 100 wird.

Schöne Vorstellung. Wobei ich selber mich über jedes Jahr freue. Immer wieder aufs Neue freue ich mich Ende Februar auf den Weg zur Arbeit, wenn ich merke, dass ich wieder in der Helligkeit hin und zurück fahre. Das gibt mir die Gewissheit, dass der Sommer unaufhaltbar auf dem Weg ist. Und die ersten Strahlen uns schon erreichen.

So gewiss kann sich der Februarist nicht sein. Zumal wenn dann tatsächlich einer den 29.Februar abschaffen würde. Dann wäre es zumindest noch zu Lebzeiten ganz vorbei mit dem Geburtstag feiern.

Keine schöne Vorstellung.

Aber nur deswegen alles so lassen wie es ist? Das ist doch kein Grund. Vor 10.000 Jahren gab es so etwas wie das Schaltjahr noch nicht. Ob es schon Kalender gab, ich wage es zu bezweifeln. Am Anfang war wohl erst mal die eigene Höhle wichtiger. Der Frau, dass die Höhle schön sauber, dem Mann eher, dass genug gegorene Substanz im Keller zu finden ist. So hat jeder seine Prioritäten. Bis sich dann mal einer aufgerafft hat und so etwas wie einen Kalender erfunden hat. Da war der Weg noch weit. Und in der Folge kamen dann so glorreiche Entdeckungen wie die Kalendersprüche oder –Fotos auf.

Spiralkalender. Abreißkalender. Mondkalender. Adventskalender. Gregorianische oder Anpflanz- bzw. Saatkalender.

Fragt man sich doch glatt nebenbei, ob der Schaltjahreskalender teurer ist als der normale. Schließlich ist ja auch eine Seite mehr zu drucken. Wo kommen wir denn da hin?

Wie man sieht – nichts Wesentliches heute. Kein besonderer Einfall an dem Tag, der einem einfach so in den Schoß fällt. Wo wir gerade beim fallen sind: fällt doch eh keinem auf. Wer hat schon Gefallen an den Gedanken eines ausgefallenen Denkers?

Ach, doch, sicher. Eines wäre da tatsächlich ja noch: die ganzen Frauen, die heute hochschwanger im Bett liegen und hoffen, dass der Nachwuchs lieber noch einen weiteren Tag wartet. Damit er nicht so ein doofer Schaltjahres-Geburtstags-Feierer wird. Die Damen und die damit verbundene Qual kann ich mir ganz gut bildlich vorstellen.

Darum drücke ich heute mal die Daumen. Einen ganzen Tag lang. Versprochen. Warum? Geschenkt!

Weisse Bescheid, ne?

Der Irrsinn als Obergrenze

Lieber Tagesbuch,

macht sich scheinbar bei unseren Berufspolitikern jetzt schon nahezu täglich bemerkbar.

Da war man zunächst in den letzten Jahren ja schon gewöhnt, dass immer mal wieder im Sommerloch ein neues Schwein durch die Hauptstadt gejagt wurde. Ob es nun die PKW-Maut oder auch die damalige Praxisgebühr war. Schlussendlich wurde die Sau derart forciert in die Enge getrieben, dass ihr quasi ja nichts anderes übrig blieb, als sich real zu manifestieren…soll heißen: jeder Unsinn wird irgendwann dann auch mal umgesetzt. Und jetzt starten die Debatten schon im Winter…

Gut, in Einzelfällen revidiert man dann vielleicht auch noch einmal, wenn man merkt, dass man mehr Kosten produziert als man jemals Einnahmen generieren könnte. Aber eben auch nicht immer. Praxis ist halt nicht stetig….zumindest nicht über Gebühr.

Man muss die neue Sau nur lang genug in der Öffentlichkeit heiß debattieren – bis der Michel sich brav ergibt…und einfach aussitzt. DAS war übrigens der entscheidende Fehler bei Stuttgart 21. Da ging alles zu schnell und zu viele haben dann automatisch genauer hingeschaut.

Wie der berühmte Frosch…der ins heiße Wasser stürzt und danach die Flucht ergreift. Wenn man ihn hingegen langsam erhitzt, mitsamt des Wassers…BER ist da ein schönes Beispiel. Da hat es doch auch wunderbar geklappt. Oder bei der Elbphilharmonie.

Prunkstücke deutscher Architektur und ein Loblied auf Ordnungs- und Verwaltungsfetischismus im Lande…wenn die beiden denn mal überhaupt irgendwann fertig werden. Fragt auch keiner mehr nach den Kosten.

In der Zwischenzeit gibt es ja täglich hunderte neue Krisen und Probleme. Griechenland? Krise! Banken? Krise! Euro? Krise! Staaten? Krise! IS? Krise! Flüchtlinge? Krise! Ukraine? Krise! Beckenbauer und Sommermärchen? Krise…such dir einfach ein Stichwort aus. Irgendwer wird schon die Krise dazu finden! Ich sag nur Pisa…isch krick di crise!

 

Wo war ich?

Ach ja. Korruption. Wie immer. Oder eben Barzahl-Obergrenze…wie man es nimmt. Und vor allen Dingen: WOHER man es nimmt…aber echte, harte, widerliche Korruption, also so die tatsächliche?

Haben wir ja hier nicht. Hier werden immer schön sauber Steuern gezahlt, ganz besonders wenn man Präsident eines Fußballvereins ist. Auch die Pharma- oder Krankenhauslobby quetscht nicht den Patienten aus…ne, die Kassen. Der Pilot ist auch nicht böse. Oder der Zugführer. Nein, die haben gelernt.

Wo ganz oben ist, da kann man mächtig Kasse machen.

Außer, man hat eine Obergrenze. Für die anderen, versteht sich.

Hätte man bei den Bauwerken auch mal besser eingeführt, so eine Obergrenze. Auf jeden Fall muss der Finanzminister dann zukünftig die Schmiergeldzahlungen an die Beteiligten Unternehmen direkt vom Ministerium aus überweisen. Das nenne ich mal Transparenz!

Und keiner kann mehr auf dem Parkplatz oder hinterher im Parlament behaupten, er wüsste von keinem Koffer. Wird dann auch keiner so schnell Finanzminister. Na, wenn der, der unverhohlen in die Kasse greift sich nicht auskennt…wer denn dann? Kohl jedenfalls nicht. Der erinnert sich ja auch nicht mehr. Anderes Thema.

Auf jeden Fall baut man in der Zwischenzeit schön weiter an BER und Konsorten. Und überweist sich alles brav, was die 5000 überschreitet.

 

‚Macht dann exakt 5 Millionen. Bitte in 500ern. Sonst muss ich das noch überweisen…und auch noch versteuern. Will ja keiner, oder? Hehe…‘

Sprach es und feierte seinen Geburtstag mit der Kanzlerin. Auf deren Kosten. Auch fein arrangiert. Und hernach redet niemand davon. Ach, doch. Von den blöden Nachfolgern. Die den Kahn dann retten müssen und eklatant scheitern…

In derselben Zeit klotzen die fleißigen Chinesischen Wanderameisen mal 100 Kohlekraftwerke oder 40 Flughäfen oder auch wahlweise 30 Staudämme in die Gegend.

Wenn denn der Beton reicht. Oder eben die seltenen Erden. Ganz wie es beliebt.

Der Beton in den Köpfen der bundesrepublikanischen Politprofis scheint jedenfalls immer noch ganz gut auszureichen. So dass man hin und wieder mall auf GANZ neue Ideen kommt.

Eine Obergrenze bei der Barzahlung. Um dem organisierten Verbrechen das Leben schwerer zu machen.

Na klar, wird doch die gut ausgebildete Fachkraft dann demnächst die Drogengelder brav nach Kolumbien überweisen. Oder den Waffenkauf bei Heckler und Koch schön über Paypal abwickeln. Käuferschutz inklusive. Dann noch besser die Schrottgewehre der Bundeswehr bei ebay verhökern. Hätte Charme. Und wir endlich wieder Kohle in der Tasche. Dann noch ein paar alte Panzer nach Saudi Arabien. Wer sagt denn, wir würden Extremisten unterstützen? Wir doch nicht…

Ich fasse diese grenzenlose Naivität nicht. Ich bin ja auch ein feiner Mensch. Ohne Argwohn. Nicht, dass der Staat schon lange allzu gern den gläsernen Bürger hätte. So mit der Obergrenze für den jährlichen Orgasmus bzw. die Anzahl der erlaubten Koitus im Jahr zu regulieren.

Dazu dann gleich auch noch die wöchentliche Ration Fisch, Fleisch, Blumen, Käse, Pralinen – welche Lobby habe ich vergessen? Ach ja, die Automobile. Wird man dann zukünftig auch nicht mehr bar bezahlen können. Die 180000 für den Porsche.

Hat man vorher ja unter dem Kopfkissen gehortet. weil auf der Bank…bei deeeeen Zinsen? Bin ich doof? Ist ja auch quasi ein Trinkgeld…

Wie schon gesagt. Eine Obergrenze bei der Infantilität scheint es nicht zu geben.

Abschaffung des Bargeldes als Nahziel.

Wird also Zeit, dass ich mich dagegen wehre und ab sofort alles bar bezahle. Wäre ja auch noch schöner.

Übrigens war der Staat mal dazu da, dem Bürger zu dienen.

Mittlerweile ist es eher eine Knebelveranstaltung geworden. Und wer den neuesten Knebel findet, der wird dann gleich Bundesminister.

Wozu so eine große Koalition doch gut ist. Kann man alles durchdrücken was man immer schon mal am Volke vorbei machen wollte. Opposition? Gibt es weder im Parlament noch im richtigen  Leben.

Und am besten,. wenn wieder mal Finale bei EM oder WM ist.

Steht ja bald an.

Kann ich schnell noch meine Finalkarte bar bezahlen gehen. Dürfte knapp über den 5000 liegen…

 

‚Herr Ober – das ist ihre Grenze!‘

Zeigt auf den Tisch mit der akkuraten weißen Decke und markiert dabei das Trinkgeld.

‚Schließlich sind wir hier nicht bei wünsch dir was…‘

Also der wird die 5000 eh nie erreichen. Obwohl…Inflation sei gegrüßt…eigentlich hat er die Sorgen nicht. Also schluckt er auch die Obergrenze.

Sankt Florian ick hör dir trapsen…

 

Weisse Bescheid, ne?

 

Dolly BASTA

Lieber Tagesbuch,

wäre ja MEINE ultimative Antwort auf Forschung an embryonalen Stammzellen. Jetzt nicht Dolly. Eher das Basta. Für mich gibt es da irgendwie eine imaginäre Schmerzgrenze. Mir geht es persönlich alles zu weit. Aber ich bin ja auch nur ein kleiner (Wut?)Bundesbürger…

In England hat man gerade das okay bekommen. Natürlich nur aus Forschungsgründen. Ist quasi so, wie die Japaner mit den Walen. Die machen das ja auch nur aus Forschungsgründen. Oder der normale Iraner bis vor kurzem mit seinem angereicherten Plutonium. Auch nur wegen der lieben Forschung.

Jetzt also Stammzellen.

Damit ist in naher Zukunft der Weg frei für den Menschen 2.0. Zumindest offiziell. Soll ja keiner glauben, dass die anderen Hexenköche nicht schon lange an den Experimentiertischen stehen würden. Frankenstein lässt grüßen. Und ganz ohne Alchemie und Hokuspokus oder Strom einleiten um zum Leben zu erwecken. Nein. Ganz real und wahrscheinlich, wenn es denn dann lang genug erforscht ist, total simpel. Bekommt man dann seinen Bausatz bei Netto, Lidl oder Aldi.

Wie wär es? Lieber 3 oder gar 4 Beine? Welche Anzahl an Armen oder Fingern wären denn genehm? Augen- und Haarfarbe gehen dabei dann total unter, wenn man schlussendlich sogar die politische Gesinnung vorbestimmen kann.

‚Na, in DER Kombination wird der sicher mal Diktator in einem karibischen Inselstaat. Mit allen Konsequenzen. Wird dann wohl nicht alt. Wollen sie beide nicht lieber die Beamtenvariante? Lehrer oder Sachbearbeiter? Hätte ganz goldene Zukunft…‘

Das Pärchen schaut sich intensiv an.

‚Ne, lassen sie mal, das mit dem Inselstaat kommt uns gelegen, wir wollten sowieso nach der Geburt auswandern und unsere Unterstützungszahlungen in der Karibik kassieren. Das passt ganz gut!‘

 

Stellt sich die philosophische Frage, ob die Abtreibung von Cäsar, Hannibal, Attila, Idi Amin, Hitler oder Stalin etwas geändert hätte? Wären andere in die Bresche gesprungen? Wäre die Welt besser ohne die negativen Erfahrungen? Fragen über Fragen.

Kann man schlecht beantworten, bleibt alles weiterhin Spekulation.

Aber die bestimmbaren Faktoren beim zukünftigen Nachwuchs, die werden Ruck-Zuck auch Teil unserer gelebten Realität. Mag sich die Gesellschaft noch so sehr sträuben: wenn die ersten Staaten damit beginnen, dann wird zum Schluss jeder aufspringen um den Zug nicht zu verpassen. Ich denke, wir alle werden es noch erleben.

Kiemen, Flossen, Flügel – was uns alles genau bevorsteht, man weiß es nicht.

Spätestens wenn der eigene Nachwuchs dann durch das Zimmer fliegt oder stundenlang unter Wasser in der Badewanne herumplantscht. Spätestens dann werden wir realisieren, dass wir WIRKLICH zum alten Eisen gehören.

Wird man also zukünftig durch einzelne, fliegende Polizeibeamte in der Luft überwacht – ohne das man es bemerkt. Allgemeine Verkehrskontrolle. Bitte den Führerschein, die Fahrzeugpapiere und den Klon-Nachweis.

Wie, sie sind gar nicht geklont? So ein richtiger Mensch? Wo gibt es denn sowas noch? Fahren sie mal dort drüben in die Lücke, wir werden ihr Fahrzeug mal genauer untersuchen…

Auch Spione können zukünftig dann über zig Kilometer durch ihre optimierten Ohren auch noch den kleinsten Seufzer wahrnehmen. Und Transportprobleme werden von den menschlichen Hulks erledigt – mit Beinen wie Baumstämme und einer extra-breiten Ladefläche auf dem Rücken. Von wegen Feinstaub und Diesel. Das Gen macht‘s!

Die Frau mit den 500 Fingern tippt in aller Seelenruhe in der Schreibstube des Amtes vor sich hin – und der wirkliche Normalbürger, der wird Hartz beziehen. 8 oder 9 oder so. 4 reicht ja dann schon lange nicht mehr.

Für das menschliche Genom haben wir noch Jahrzehnte gebraucht. Beim Klonen werden wir die Schallmauer noch in diesem Jahrhundert durchbrechen. Versprochen. Wer sollte auch einen Riegel vorschieben? Zu verlockend ist es, am gewöhnlichen Menschen herumzuexperimentieren. Hat der Mensch ja schon immer gemacht. Nannte sich dann Zucht oder Ordnung. Oder beides.

So Leute, ich muss los. Arzttermin. Mein rechter Flügel schmerzt seit gestern wieder. Und meine Frau muss wegen ihrer sechsten Brust nochmal unter das Messer. Je oller, je Dolly.

Nicht, dass es mich stören würde. Aber nachdem das eigene Pferd nun auch Milch und Wolle abwirft…warum keinen Paprika-Hahn? Oder ein Dönertier? So mit Zwiebel auf dem Kopf?

Und wozu noch Kostüme zu Karneval, wenn man sich kurz die Gene spritzen kann – um dann als Batman oder Meerjungfrau im Getümmel gar nicht mehr groß aufzufallen…

Wolle mer se neilosse?

WEISSE BESCHEID, ne?

Der mechanische Fernseher

Lieber Tagesbuch,

feiert seinen 90. Geburtstag. Was mit einer einfachen Lochscheibe und einer bunten Puppe begann, das endet, zumindest bis gestern, mit Kasalla im Dschungelcamp. Heute eher besinnliche Gedanken zum 90. Geburtstag der liebsten Erfindung der Menschheit nach dem Wasserklosett.

Stellt sich einem so ganz allgemein die Frage, liegt es vielleicht an der Lochscheibe, dass viele Sendungen ein solches Loch im Kopf hinterlassen – oder war das Loch schon vorher da und muss nur gefüllt werden? In vielen Fällen ertappt man sich beim nächsten Griff in die Chipstüte bei dem Gedanken: ‚warum eigentlich schaue ich mir das an‘?

Automatisch halt – oder ist es in Wirklichkeit das Unterbewusstsein, welches sich durch die bunten Bilder auf der Mattscheibe derart gelangweilt abwendet und in letzten Zuckungen, vor dem dahinscheiden in seelischer Umnachtung, diese Frage in das Bewusstsein entlässt.

Haben Wissenschaftler ja in den letzten Jahren durch MRT-Aufnahmen festgestellt, dass die einzelnen Entscheidungen des Menschen schon Millisekunden, bevor sie scheinbar ‚bewusst‘ entschieden werden, durch das Unterbewusste bewertet und in der Folge auch bestimmt werden. Da hat man quasi gar keinen Einfluss darauf – darum kauft man sich dann eine Blöd am Kiosk.  Oder schaut RTL2. Oder wählt…

Heißt die Mattscheibe eigentlich darum so, weil alles im Menschen ermattet, selbst die Gegenwehr? Wo wären wir ohne Big Brother, DSDS, GZSZ? Warum eigentlich weiß jeder, der diese Kürzel hört, worüber ich hier schreibe? Warum liest keiner die Blöd und weiß dennoch über die Schlagzeilen Bescheid – alles unterbewusste Käufe, verdrängt vom Ich, versteckt vor dem eigenen Bewusstsein? Macht es einfacher, viele Entscheidungen im Leben zu verstehen bzw. nachzuvollziehen. Da bekommt der kalte Krieg endlich einen Sinn. Oder die Mauer. Die war ja, so Ulbricht, auch gar nicht beabsichtigt. Ist quasi unterbewusst gemauert worden. Von mechanischen Maurern. Die das auch nicht wollten. Geschweige denn gewusst oder gar bewusst wahrgenommen haben. Ist ja darum auch so lang geworden. Hat ja keiner Stopp gesagt…so richtig bewusst. Das Politbüro war ja zu diesem Zeitpunkt schon wieder mit dem neuen 5-Jahres-Plan beschäftigt…

Liegt es in der Natur des Menschen, sich mit den ganzen Banalitäten des Lebens lieber abzugeben, als über die gesamte Menschheit und deren drängende Probleme nachzudenken und dabei vielleicht sogar Lösungen zu finden?

Was stört mich schon eine Erwärmung des Planeten, wenn ich im Januar im Garten endlich meinen Geburtstag feiern kann! In kurzen Hosen und T-Shirt! Endlich…habe ja auch lang genug drauf gewartet. Grill angezündet und das Fass anstechen!

Währenddessen, in einem anderen Teil des Felsbrocken im All: Schneesturm! Und im Radio die sinnige Bemerkung, dieser wäre sogar mit Schnee und viel Wind. Ja sag mal. Wie kann das denn? Ein Sturm mit Wind? Und noch dazu Flocken? Ach. Stimmt. Wir haben ja noch Winter. Und im Radio sitzen eben auch nur Menschen mit 32 Knochen mehr im Kopf. Mechanisches Gehirn.

Zumindest in anderen Teilen der Welt. Wenn man mal vom heimischen Wohnzimmer ausgeht.

Ich gebe es zu – ich bin froh mich abends mit Irrsinn berieseln lassen zu können. Oder, falls ich es möchte, mir hochgeistiges oder kulturelles oder feinsinniges oder nachdenkliches anzuschauen. Ich habe die freie Wahl. Gut, nicht alles ist hochqualitativ. Aber 2 Tonnen Würmer – das hat was. Wann hat man schon die Gelegenheit im Leben, die alle auf einmal zu sehen?

Im Dschungel selber war ich noch nicht – und ich bin auch so spät am Abend nicht dabei. Da liege ich schon im Bett und lese mich durch die Welt.

Auch eine Form der Kommunikation. So mehr mit sich selber. Scheinen sehr viele Menschen zu benötigen, sonst wären die Verkaufszahlen einschlägiger trivialer Literatur nicht so hoch!

Ob also nun atomarer oder gefühlskalter Winter sei mal ganz dahingestellt. Tut sich ja nicht viel in der Unterscheidung. Wenn man nicht mehr miteinander redet, dann ist Kommunikation immer sehr schwierig. Wie bei mir und meinem Buch!

Außer, die Kommunikation läuft nur noch über die Medien ab. Nennt sich dann Propaganda. Wobei die Vorsilbe Pro hier ja schon fehl am Platz ist, nimmt sie einen doch positiv im Voraus ein.

Eigentlich, um möglichst objektiv zu bleiben, ist es ja Paganda. Dies wiederum versteht aber keiner – zumindest wäre es ein neues Unwort für die Gesellschaft für deutsche Sprache. Und weckt Assoziationen zu Pangäa – den Urkontinent.

Also hören wir uns die Paganda der jeweiligen Seite an. Und sehen Bilder über den angeblichen oder tatsächlichen Terror des Tages. Ein Autofahrer terrorisiert seine Mitmenschen mit Abgasen. Ein anderer treibt seinen Terror in der gesamten Nachbarschaft in dem er mit lauter Musik sinnlos durch die Gegend fährt. Also fast so wie der mobile Musikantenstadel. Den man bei uns sehr gut Nachmittags auf der A40 beobachten kann. Stop and go in seiner feinsten Ausprägung.

Alles ist Terror. Und überall ist Terror. Keine Kriege mehr ohne die zugehörige terroristische Miliz.

Und wir immer live dabei. So daß man wunderbar abstumpft und nur noch milde lächelnd den ‚Vogel des Jahres‘ oder die ‚Schnecke der Woche‘ wahrnimmt. Bunt gemixt mit Kochshows und wunderbaren Selbstfindungssendungen a la Dschungelcamp.

Da sag mir einer, das Fernsehen sei tot. Dass sich die Jugend immer weiter ins Netz verlagert und gerne streamt ändert ja nichts an der Tatsache, dass der Normalbürger mechanisch am Abend den Knopf auf der Fernbedienung drückt.

Nicht, dass ich das verurteilen würde, sehe ich doch selber gern Krimis oder Unterhaltung bzw. Comedy.

Aber es ist schon verrückt, wie sich unsere Gesellschaften in den letzten 100 Jahren gewandelt haben. Und wie viel Unsinn den Tag über durch Menschen produziert wird.

Stell sich mal einer vor, es ist Revolution und die Fernsehsender berichten über die 3 Terroristen. Und alles schaut gebannt zu. Auf dem heimischen Sofa. Mit dem Popcorn.

Wer ist nun ärmer dran? Der, der den Unsinn erschafft oder der, der es sich auch noch ansieht?

Ganz oft habe ich mir eine Lochscheibe gewünscht, die den Mist wegfiltert. Und dann kamst du.

Und mal ganz ehrlich: ein mechanischer Fernseher, hört sich für mich eher nach einem Roboter an, der sich durch das Programm zappt. So wie die Rundfunkintendanten. Oder der deutsche Michel.

WEISSE BESCHEID, ne?

 

 

 

 

 

Unvermögen

Lieber Tagesbuch,

 

ist laut einer neuen Studie des Bundesfirlefanzministeriums sehr gleich verbreitet in der Bananenrepublik Schlaand.

Entgegen den bisherigen Vermutungen, dass das Vermögen in direkter Weise mit dem Unvermögen in Korrelation steht, haben Wiesenschaftler nun herausgefunden, dass das Unvermögen proportional zur Machtfülle wächst.

Erste Studien ergaben bereits im Altertum zarte Hinweise auf die direkte Verbindung zwischen Macht und Ohnmacht. Schon Moses war nicht in der Lage, selber das Wasser zu teilen: er brauchte einen Gott dafür. Dass dieser dann auch gleich noch mit Geboten um die Ecke kam, lief nach dem Motto: die Geister die ich rief…

Das Unvermögen zieht sich aber weiter wie ein roter Faden durch die Menschheitsgeschichte. Angefangen bei eben diesem Gott, der nicht in der Lage war, eine fehlerfreie Kopie seiner selbst zu erstellen (das Klonen war kurz nach dem Urknall noch in den Kinderschuhen – und der Tinnitus nach dem großen Knall hat auch sein übriges getan) bis hin zu Shakespeare, der nicht in der Lage war, die Frage nach dem Sein oder Nichtsein zu beantworten. Er war ja auch kein Gott, der einfach so mal eben alles aus dem Nichts erschaffen hat. Obwohl die Zentralbanken heutzutage auch Geld aus dem Nichts erschaffen können. Aber das ist ein anderes Thema.

So war es eben auch Gilgamesch nicht möglich, den Tod des Enkidur, oder Hannibal, trotz Elefantenrunde über die Alpen, letztlich die Niederlage von Karthago zu verhindern. Obwohl beide Vermögend und sicherlich auch mit Macht versehen waren. Nutzt halt nix wenn man nicht die richtige Idee hat.

Denn Unvermögende gibt es ja zu Tausenden.

Die können morgens schon nicht aufstehen, weil sie in der Nacht nicht schlafen konnten. Dann können sie nicht frühstücken, weil sie ja am Vortag auch nicht einkaufen konnten.

Gleiches gilt aber dann auch für sämtliche Mahlzeiten des Tages. Und können sich auch nicht anziehen, weil sie sich vor dem Schrank auch nicht entscheiden können.

Und können deswegen nicht arbeiten gehen, weil nackt geht ja nun auch nicht.

Und aus Sorge um einen möglichen Job können sie nachts nicht schlafen.

Darüber können sie auch mit niemandem sprechen – weil keiner da ist, der sich das anhören würde. Und schließlich fällt es auch niemandem so wirklich auf. Weil all die anderen ebenfalls unvermögend sind. Ein Teufelskreis.

Auch wenn man sich fragt, warum da jetzt wieder direkt solch ein Aberglauben im Spiel sein muss. An den Schwefeltypen glaubt doch nicht wirklich noch jemand, oder? Irrsinn. Und das im 21. Jahrhundert. Aber da gibt es ja noch ganz andere Dinge, an die Menschen so glauben. Ich sage nur Lichtenergie. Oder Demokratie.

Ich vermag mir nicht auszumalen, wo dies alles noch hinführen wird.

In ein paar hundert Jahren werden alle so abhängig von kleinen, süßen Robotern sein, dass selbst lesen und schreiben wieder komplett verlernt sind. Das ist keine Prognose sondern nur die Fortführung des Jetzt in die Zukunft. Sag ich mal so.

Vor etwa 10 Jahren war die normale U-Bahnfahrt noch von vielen lesenden Menschen begleitet. Bücher. Nicht Whatsapp. Also INHALT nicht AUFENTHALT waren maßgeblich.

Aber was soll es schon?

Spätestens mit der Vorstellung, dass irgendwann in weiter Ferne keiner mehr weiß, was die Warnhinweise an den Stollen zu den atomaren Giftfässern zu bedeuten haben und man eher glaubt, dass es sich hier um was ganz mega-tolles handelt, welches man unbedingt sofort ausbuddeln muss, um dort schnell mal reinzuschauen…spätestens dann wird einem klar: Knappe Zwanzigtausend Jahre soll der strahlende Dreck dort unter der Erde liegen? Is klar. Ihr seid mir echte Spaßvögel.

Wahrscheinlich können eben diese dann bereits ohne Motoren fliegen.

Und die echten Vögel (wegen der Mutationsraten in der unmittelbaren Nähe von radioaktiven Fässern) können dann sprechen.

Und lesen sich gegenseitig die Bedienungsanleitungen für ihre fehlgesteuerten Menschen vor.

‚Meiner kackt immer in den Käfig!‘

‚Ja, bei Menschen ist das ja auch immer gleich so ein riesiger Haufen! Musst ihn vegan ernähren, dann stinkt es zumindest nicht so doll…‘

‚Ja du hast gut zwitschern, woher nehmen? Bio und vegan ist mir zu teuer, ich kann nur zum Vogli!‘

‚Tja, hättest du mal besser aufgepasst und nicht immer dazwischengeträllert…dann wärst du heute ein hohes Tier! Ein Saat-Sekretär oder so…‘

‚Ach, was soll es schon. Muss ich halt weiter von meinem Mindestlohn leben und zusehen. Zumindest gibt es in meiner Stadt noch keine Menschensteuer wie bei euch…‘

Wir verlassen diese zukünftige (?) Diskussion und wenden uns wieder der unmittelbaren Gegenwart zu.

Unvermögen ist also, wenn man trotzdem einfach weiter macht.

Ohne Blick auf die Konsequenzen.

So an einem lauschigen Frühlingsnachmittag eine Atombombe in der Garage entwickeln etwa.

Oder mit 180 durch die Fußgängerzone – am Sonntag-Mittag.

Oder Geld drucken um Staatsanleihen damit zu kaufen.

Oder wählen zu gehen und sich nix dabei zu denken – und trotzdem zu hoffen, dass sich was ändert. Also das normale Verhalten des Bürgers von heute.

Wo war ich?

Genau: ob nun Gilgamesch oder Moses oder Cäsar oder wer auch immer in der Geschichte.

Probleme gab es immer schon. Und immer genug Leute mit Unvermögen, das Problem zu lösen. Wie sagte Einstein? Wenn man nur einen Hammer hat, dann sieht jedes Problem wie ein Nagel aus…

 

WEISSE BESCHEID, ne?

 

Wolle mit IQ

Lieber Tagesbuch,

damit ist jetzt nicht der übliche Schlagersänger nach einem VHS-Lehrgang gemeint – und auch nicht das Schaf, welches gemeinhin der Träger eben dieser Wolle ist. Denn bei beiden hält sich das mit dem IQ ja bekanntlich in engen Grenzen.

Nein, vielmehr Kleidung, die durch technische Weiterentwicklung unter Umständen sogar intelligenter als der Besitzer wird. Kann man also demnächst bei KIK an der Kasse darüber rätseln, ob der Wollpulli mehr Intelligenzquotient besitzt als die Mittvierzigerin, die mit ihren 2 quängelnden Kindern auf das bezahlen wartet.

Meist gehört nicht viel dazu, schließlich hat ja schon Graubrot öfter einen größeren Wirkradius als der gemeine Mitmensch. Zumindest im Darm. Dem Mitmenschen hingegen geht meist ja der Großteil des Lebens ‚am Arsch vorbei‘.

Da werden also die Kleidungsstücke mit Elektronik vollgestopft. Gut, jetzt, noch in den Kinderschuhen steckend, handelt es sich um Solarzellen die das Handy aufladen können oder bunte Lichter die auf der Anzugjacke wimmeln – oder auch um eine Heizung, die die Jacke im Winter schön wärmt. Aber wie erwähnt, dies sind ja erst die Anfänge.

Wahrscheinlich wird in nicht allzu ferner Zukunft das Handy mit der Jacke kommunizieren können. Man selber sitzt mit der Bewegungstüchtigkeit abträglichen Promillewerten an der Bar und das Handy ordert in der Zwischenzeit die letzte Runde, das Taxi und die Jacke aus der Garderobe. Und dies alles, weil die gnädige Partnerin gerade mit einer netten Nachricht unmissverständlich klar gemacht hat, dass ein ‚schlibedisch‘ bei Weitem nicht mehr ausreicht und der Heimweg unverzüglich anzutreten ist.

Beim morgendlichen ankleiden sagt einem dann der Kaschmirpulli, dass man derzeit 5 Kilo zu viel auf den Rippen hat und auf dieser Grundlage gerade eine Mitgliedschaft im Fitnessclub um die Ecke gebucht wurde.

Die Zahnbürste weist darauf hin, dass mit der neuen Creme zu viel Schmelz abgetragen wird und außerdem der nächste Kontrolltermin beim Zahnarzt fällig wird. Eine verträglichere Creme wurde bereits bestellt.

Unterdessen ergab die morgendliche Analyse der Stuhl- und Urinprobe, dass der ständige Verzehr belegter Brötchen aus dem Kantinenautomaten zu einem Anstieg beim Cholesterin geführt hat. Auch hier wird der nächste Termin beim Hausarzt unverzüglich gebucht.

Dieser ist nur wenige Minuten nach 8 darüber informiert, welche Nahrungsmittel wir in den letzten 8 Wochen zu uns genommen haben und hat ein fertig ausgearbeitetes Konzept zur Kalorienreduzierung bereits von der Krankenkasse zugesandt bekommen. In der Zwischenzeit hat das Kontrollsystem der Uhr Alarm geschlagen – zwei außerordentliche Systolen legen den Verdacht nahe, dass der Alkoholgenuss vom Vorabend nicht förderlich war.

Der Barkeeper wird darüber informiert, dass man beim nächsten Besuch auf 4 Bier und 3 Korn herunterreguliert wurde.

Bei der Gelegenheit rief Oma gerade an – sie hat durch die App auf ihrem neuen Smartphone mitbekommen, dass man den neuen Strickpulli seit Weihnachten nicht einmal getragen hat und fordert nun das Material zurück – über den geldwerten Ersatz des Aufwandes sei noch zu reden.

Kurz vor Feierabend weist der Abnutzungssensor in den Sohlen darauf hin, dass die heute Morgen angezogenen Schuhe nur noch 3 Tage Benutzung erlauben würden, dann sei ein Besuch beim Schuster nicht mehr vermeidbar. Ersatzweise könnte die Sohle auch direkt im Netz nach einem neuen, vergleichbaren Paar suchen.

Die Fahrt nach Hause wird ein Spießrutenlauf, da sämtliche am Tag empfangenen Nachrichten nun auf die Windschutzscheibe geworfen werden – durch die vielen Meetings des Tages blieb keine Zeit auch nur eine davon zu beantworten.

Die Tochter beschwert sich über die Gästeliste zur Geburtstagsparty, da sei ja nicht ein einziger dabei, der auch nur als Partner in Zukunft in Betracht kommen würde. Sie verweigert schlichtweg die Teilnahme. Außerdem habe sie noch nichts Gescheites zum Anziehen gefunden, meldet sich ihr Kleiderschrank mitten in der Nachricht zu Wort.

Die Partnerin sagt den gemeinsamen Kinoabend ab, da der Platz neben ihr von einem rechtsradikalen gebucht wurde, wie ihr gerade über das eigene Ticket mitgeteilt wurde. Da bleibt also nur ein kleiner Umweg zum Kiosk – dort angekommen stellt man aber verblüfft fest, dass der Kioskbesitzer in einer heftigen Debatte mit dem eigenen Kittel feststeckt. Nach 6 Wochen will dieser endlich mal wieder gewaschen werden und verweigert schlichtweg die Arbeit. Stocksteif steht der arme Mann hinter seiner Theke und kann nicht bedienen…

Spätestens in der eigenen Hauseinfahrt wird einem dann klar, dass man die neue Welt gar nicht so schnell um sich haben wollte. Dort weigert sich nämlich die eigene Garage, sich für die schmutzigen Reifen zu öffnen. ‚Gerade frisch gewischt‘ lautet die Anzeige auf dem Display.

Nach der Zurechtweisung durch den Nachrichtensprecher im TV, dass man ja schon seit Wochen keine Nachrichten mehr geschaut habe und so etwas nicht weiter toleriert wird, das Abo werde wohl gekündigt wenn man sein Sehverhalten nicht ändert, schleicht man sich ins Bett und das frisch bezogene Laken raunzt einen unsanft an: ‘Mensch, geh duschen!‘

 

WEISSE BESCHEID, ne?