Schweinegrippe

Lieber Tagesbuch,

 

die geliebte, besonders von der Pharmaindustrie erwartete und dabei auch fest in der Umsatz- und Erlösstatistik eingeplante Schweinegrippe ist wieder da! Hurra! Habe ich ja auch lange genug darauf gewartet! Zumindest wurde in der letzten Woche wieder einmal der Versuch gestartet, die Hysterie allenthalben zu beginnen…

Nun kann man zum letzten uns bekannten Ausbruch ja nur sagen: toll, dass nur so wenige sich wirklich ernsthaft infiziert haben! Lag wohl an den Unmengen an Impfstoffen, die an die Bevölkerung verteilt wurden. Ich selber und mein kompletter Umkreis jedenfalls waren nicht dabei. Seltsam. Aber offenbar nur Glück! Wie wir zu einem Hochsicherheitsrisiko wurden und dennoch nicht krank! Gut, einige sagen wir sind es – im Kopf. Aber da kenne ich auch noch andere Beispiele, die weitaus schlimmer dran sind. Nicht wahr Herr Dobrindt? Hat ja den Rinderwahnsinn praktisch schon im Namen…

Wobei ich in der Sache Schweinegrippe ja auch eine andere Vermutung hege. Seit den Prinzen wissen wir ja, dass Männer im Allgemeinen und auch Besonderen Schweine sind. Daher ist in der Ableitung die Schweinegrippe auch in Wahrheit – Lügenpresse hin oder her – die Männergrippe! Und mit eben dieser, wir wissen es alle, ist absolut nicht zu spaßen!

Für gewöhnlich entwickelt sich die schreckliche Männergrippe schleppend, mit einem irgendwie nicht an körperlichen Symptomen festzumachenden Unwohlsein im Kopf. Hernach stellen sich oft ein fürchterlicher Schnupfen und ein ziemlich komatöses Kratzen im Hals ein.

Schon diese ersten Warnzeichen werden von sämtlichen Männern sehr ernst genommen, weiß man doch um den meist schlimmen Verlauf der weltweit bekannten Männergrippe. Die ersten Medikamente werden schon vorsorglich auch von noch nicht infizierten Männern im Umkreis des angeschlagenen prophylaktisch genommen. Hierzu zählen insbesondere starke Schmerzmittel und die bekannten Antibiotika. Hinzu kommen Bier und eventuell noch andere Alkoholika – und natürlich letztere in Menschenform. Die schließen sich quasi immer sofort in die Behandlung mit ein.

Man nimmt eben auch an, dass sich die ersten multiresistenten Keime durchaus nicht in den Krankenhäusern sondern in den Pubs und Kneipen der Welt gebildet haben, in denen der Anteil an männlichen Besuchern über das normale statistische Mittel hinaus ging. Also in knapp 99 Prozent der Fälle. Die Infektionswelle selber ist in Fachkreisen auch als Kneipensterben bekannt. Mit dieser ist absolut nicht zu spaßen! Hier im Ruhrgebiet, einhergehend mit dem Rauchverbot, hat eben dieses Sterben schon ausnahmslos alle kleinen Läden hinfort gespült. Im wahrsten Sinne des Wortes. Gut, in einigen wenigen Fällen waren auch die Besitzer der Lokalität selber die treibende weil am meisten saufende Kraft. Aber in allen anderen bekannten Fällen gibt es eine durchaus auffällige Verbindung zur bereits erwähnten Männergrippe…

Der Infizierte selber hat zum Zeitpunkt der ersten Anzeichen der Infektion allerdings noch keine Medikamente genommen und scheut auch den Gang zum Arzt. Schließlich ist er ja ein Mann – da haut ihn ein lächerlicher Schnupfen schon nicht um. Es ist Samstag, der Bundesligaspieltag steht an, danach der Kneipen- und dann auch der unvermeidliche Discobesuch. An diesem wie jedem Wochenende hätte dann ja auch nur noch der Notdienst oder das Krankenhaus offen. Zur Belagerung der Krankenhäuser durch Bagatellkrankheiten mal ein anderes Mal etwas mehr…an dieser Stelle nur so viel: Wer mit einem Schnupfen ins Krankenhaus geht, der gehört sofort in ein sicheres Herkunftsland wie die Schweiz abgeschoben. Würde auch den Franken wieder runterregulieren…

Durch den Nichtbesuch des Arztes oder anderer helfender Menschen wird also die Möglichkeit, den Virus möglichst weit zu verbreiten, exzessiv wahrgenommen. Indem man wie auch sonst immer wahllos an fremden Gläsern nippt oder wild um die Gegend bzw. Häuser zieht – mit den damit allseits bekannten, verbundenen Risiken wie wildes Küssen und leidenschaftliche Liebkosungen irgendwelcher zufälliger Geschlechtspartner. Dies natürlich auch außerhalb des Paarungsrituals (auch als Brunftzeit oder ‚isch-bin-der-Prinz‘-Zeit besser bekannt)) oder der Karnevalszeit – dabei wird eigentlich wenig Unterschied gemacht.

Mit dem erreichten Alkoholpegel schwindet allerdings  auch die Widerstandsfähigkeit des gesamten männlichen Körpers und spätestens nach der bekannten Inkubationszeit von einem Sonntag ist es am Montag morgen leider zu spät: nichts geht mehr. Aus dem Kratzen im Hals ist eine eitrige, den Schlund komplett zu verschließen drohende Infektion geworden, die sich auf sämtliche innere Organe, den Tastsinn, die Ohren und die Augen auswirkt. Der jeweilige Partner wird nur unter übermenschlichen Anstrengungen wahrgenommen, der Patient wird bettlägerig und mäkelnd. Alle 20 Sekunden entweicht ein Stöhnen oder Seufzen, die Kopfschmerzen sind nahezu unerträglich und alle Körperfunktionen drohen ihren Dienst einzustellen. An Arbeit ist nun zunächst wirklich nicht mehr zu denken. Man kann als Partner eher froh sein, wenn sich der Infizierte noch leidlich am frühen Montag morgen zum Arzt durchkämpfen kann.

Spätestens dort wächst sich die Infektion dann zur bekannten, nahezu tödlichen Männergrippe aus. Alle uns bekannten Organe, praktisch der gesamte Körper, der Stoffwechsel und ganz besonders die Hygiene sind akut davon betroffen und unter Mitleidenschaft gezogen.

In den nächsten 2 Wochen ist an Selbstreinigung des Infizierten nicht auch nur annähernd zu denken. Er liegt eher lethargisch im Bett herum, stöhnend ob der höllischen und qualvollen Schmerzen – und ist gerade noch in der Lage, dem  Lieblingsprogramm im Fernsehen zu folgen. Gut eingepackt und durch den Partner mit Flüssigkeiten und Essbarem versorgt beginnt nun die qualvolle, alles Vorherige  in den Schatten stellende  Phase der Genesung – die sich allerdings auch gute 3 oder 4 Wochen hinziehen kann.

Am Ende ist man dann sehr froh, erneut dem Tod von der Schippe gesprungen zu sein und freut sich schon auf den nächsten Stadionbesuch – nach der Winterpause wohlgemerkt.

Jo. Da helfen auch keine Pillen. Männergrippe halt. Muss man durch. Oder besser: Frau! Bis das Ferkel wieder anfängt sich zu waschen halt…dann ist das gröbste vorbei. In den meisten Fällen  allerdings auch die Beziehung.. Ob darum so viele der bekannten Fälle tödlich enden?

Weisse Bescheid, ne?