Brotdose Kunst

Lieber Tagesbuch, 

ist es, wenn ich mich vor eine Leinwand stelle und mit meinem Eigenurin getränkte Acrylfarbe mit einem Pinsel auf dem weißen Untergrund verteile. Wenn ich dabei meine Stulle esse, könnte man meinen, ich würde meinem Erwerb nachgehen. Und so sehen dies ja weltweit auch viele Kunstkritiker. Bis zu mehrere Millionen Euro werden da hirnlos verbrannt in dem man in solche Werke investiert.

Wobei auch ein Gorilla oder ein Pavian, bewiesenermaßen, solche hoch abstrakten Strichzeichnungen hinbekommen. Da lobe ich mir die Malerei des Gegenstands, bis hin zu sehr abstrakten Darstellungen wie dem Kubismus. Weiterentwickelt hat sich da, zumindest für mich, jedoch nicht mehr viel. Gut, man zahlt heute Unsummen für dieses Gekritzel – aber ein Sohn oder eine Tochter erledigen diese arbeiten auch – ohne dass man dafür Wahnwitz im Portemonnaie spielen müsste.

Aber ich bin ja ein Banause.

Stehe im MOMA und sehe eigentlich nichts. Also nichts, was mich wirklich interessiert. Kann man sich dann auch schenken. Oder anderen. Die freuen sich dann über die Karten.

Apropos freuen:

Es soll tatsächlich Momente geben, in denen sogar eine Kanzlerin lächelt. Der Gegenkandidat macht es vor und kommt aus dem grinsen nicht raus. Nix vorgestellt und trotzdem schon besser. Das schafft selten einer! Zumal er ja nun nicht für einen Neuanfang steht sondern eher für das weiter so. Was Parlamente und Demokratie anbelangt. Aber ich halte mich da raus. Solange die Parteien glücklich sind und die Diäten passen.

Zurück zum Thema.

Also wenn ich morgens oftmals in meine Brotdose schaue, dann ähnelt dies ja schon sehr der abstrakten Kunst die man heutzutage bei den Auktionshäusern unter die Leute bringt.

So mit Chia und Kürbis und Sonnenblume und noch weiteren 10 Sämereien. Lecker. Kann kein Bäcker so hinkriegen wie ich. Dessen bin ich mir bewusst. Und bestaune halt jeden Morgen aufs Neue ein Kunstwerk.

Nur würde mir natürlich für eine selbst gestaltete Stulle niemand den Nobelpreis für alternative Kunst überreichen – weil es den ja nicht gibt. Aber er müsste erfunden werden. Dann könnte man alljährlich über die Experten staunen – wie auch beim Wort des Jahres.  

Die GfdS versetzt mich ja immer wieder ins Staunen.

Ist doch die Aufstellung des Jahres immer auch ein wirklicher Scheinwerfer auf die Dinge, die die Menschen in dieser Zeit bewegt haben. Schau mal rein, es ist wirklich bemerkenswert. Man kann sich in jedes Jahr hineinversetzen.

Und wo wir schon beim postfaktischen sind: der Rennfahrer Sebastian Vettel heißt mit bürgerlichem Namen Sebastian Vettel und ist Rennfahrer! Woher ich das weiß? Es sind halt die Werte unserer Zeit. Die Brüder oder Schwestern verdienen Millionen oder Milliarden mit ihren Hobbys, andere in dem sie sinnfreie Finanzprodukte verhökern und sich ungehemmt bereichern – und die Dritten sehen dabei zu, halten die Taschen auf und beschließen dann Gesetze, um dies alles auch noch zu legitimieren. Unter strenger Diät versteht sich. Und andernorts soll es Leute geben, die tatsächlich nach Pfandflaschen fischen.

Verrückte und auch Perverse Welt. Schließlich könnte man etwas ändern, wenn man nur wollte. Aber wenn am Volke vorbei regiert wird, dann bleibt einem Nichts als staunend da zu stehen und zu registrieren: die Masse ist damit zufrieden!

Der Souverän soll in der Zwischenzeit lieber Auto fahren auf Autobahnen ohne Geschwindigkeitsbegrenzung und so eben jauchzend dahinbrettern ins Grüne hinein. Sorgenfrei. Und GroKo wählen. Auch ein Wort des Jahres.

Aber eben auch Grüne und Terrorist. Wobei die beiden sich jetzt eher gegenseitig ausschließen. Auch wenn man die ersten Jahre der Grünen im Parlament durchaus als Terror bezeichnen konnte. Für die Etablierten. So ganz ohne Regeln und Benimm – einfach nur Protest der Bürger. Herrlich. Nun sind sie eher angepasst und ruhig und dümpeln so in den Parlamenten herum. Man hat sich an die Diäten und Pöstchen gewöhnt. Nis mehr mit Revolte oder Protest. Heute zeigt man mit dem Finger auf die, die Protestieren. Wofür auch immer. Arme Demokratie, so wackelig, dass man nicht einmal Faschisten belächelt ins Parlament einziehen lassen kann um sie dann argumentativ zu bekämpfen. So weit sind wir denn dann doch nicht. Knappe 100 Jahre danach. Seltsam.

Und wen soll ich nun wählen, fragt sich dann unsereiner…?

Hmmm.

Ich würde Dali wählen. Oder Picasso. Oder sogar Rembrandt. Da bekam man was für das Geld. Und es war eine Investition in die Zukunft.

Eben das genaue Gegenteil der Brotdosen-Kunst von heute. EGAL von welcher Partei, wohlgemerkt. Ernst heute, ich weiß. Aber musste sein. Bevor mir noch der Kragen platzt…

WEISSE BESCHEID, ne?


 


 

 

Digitalisierung 2016.0

Lieber Tagesbuch,

ist, wenn ein Pokemonjagender Mobiltelefonanstarrer von einem autonom fahrenden Tesla-Auto überfahren wird, dies durch ein Google-Auto aufgenommen und durch eine Verkehrsüberwachungsdrohne komplett aufgezeichnet wird. Willkommen in der neuen Welt. Und die Amazon-Drohne blinzelt verstört beim Paketausliefern auf die Straße und versteht die Welt nicht mehr…

Was genau mag denn nun Digitalisierung sein? Fragst du mich das jetzt wirklich ernsthaft?

Nun, nehmen wir mal an du bist krankenversichert. Dann wird zukünftig der Arztbesuch gar nicht mehr nötig sein. Du schnappst dir morgens früh dein Handy, startest die App deines Hausarztes, der schaut sich über die Kamera deine Prusteln im Gesicht an und schreibt dich krank. Das geschieht unmerklich für dich im Hintergrund. 

Dabei wird erst der Arbeitgeber informiert – und danach die Krankenkasse. Du kannst dich hernach direkt in die Apotheken-App begeben, dort dein Medikament raussuchen (verschiedene Hersteller, mit manchen hast du vielleicht sogar eine Kooperation, d.h. die Sponsoren deiner Tochter die Blockflötenstunden dafür, dass du ihre Produkte kaufst) – und dieses wird dir dann per Drohne zugesandt.

Nach cirka 20 Minuten Flugzeit. Spätestens jetzt musst du deinen Arzt bewerten und für deine Krankenkasse dessen Rechnung freigeben.

Danach wieder ab ins Bett und genesen also. Bis dich am nächsten Morgen die App darauf hinweist, dass du ja sowieso in diesem Jahr schon öfters krank warst und man dir sofort die nächsten 3 Wochen als Krankzeit vorschlägt. Kommt jetzt auch nicht mehr drauf an. Und die Diagnose liefert man dir schon vorab anhand deiner im Klo gemessenen Körperflüssigkeitswerte. 

Nebenbei solltest du die Aufnahme von Alkohol reduzieren, rät dir die Arzt-App. Und gestern, der Fisch, der war aber nicht MSC – und schon gar nicht Bio. Und schon nervt das schlechte Gewissen. Schließlich kann von diesem einen Fisch das leben einer ganzen Fischerfamilie abhängen! Zumindest erscheint es so. In Wirklichkeit trifft es nur einen dieser riesengroßen Fischfang-Trawler im Atlantik – und der kann es weiß Gott verkraften…

Schöne neue Welt.

In der auch schon sehr früh feststeht, wer oder was du wirst. Vor allen Dingen haben deine Eltern dich schon vorher im Baukasten zusammengesetzt. Kann eigentlich kaum noch was schief gehen.

Mit der kleinen App auf dem Smartphone wurde der perfekte Samencocktail zusammengestellt, vom Labor dann fertig gemixt und per Drohne zugestellt. Gut, guter Sex sieht jetzt anders aus – aber was tut man nicht alles für die Menschheit? Möchte nicht jeder einen kleinen Galileo oder Albert? Oder eine Marie? Was gäbe die Welt für einen neuen Jesus oder eine Jesine. Muss man ja nicht gleich wieder an die Wand nageln. oder an ein Kreuz. 

Fällt mir ein, was wäre gewesen, wenn man Jesus geköpft hätte? Würde dann heute jeder mit einem Schwert um den hals herumlaufen? Gut, in Zeiten von Terror und der wahlfreien Ausübung von grober Körperverletzung mit Todesfolge oder jeglichem anderen groben Unfug (ich sage es gleich: ich halte mich aus allen Diskussionen hierzu heraus. Bringt nix. Denn meine Argumente sind nicht tödlich!) kann so ein Mordinstrument bei der Hand oder besser am Hals sicher nützlich sein. 

Aber dann hat ja jeder eins. Halt so wie im kalten Krieg. Alle haben eine Bombe und darum nutzt sie keiner. Ja, so verrückt ist der von den Bäumen heruntergestiegene Affe! Wohl wahr! Manche hielten ja eben dieses verlassen der Bäume schon für den großen Irrtum. Andere gehen noch weiter und finden, wir hätten nicht mal das Wasser verlassen sollen. Besser für uns wäre es sicher gewesen. Gäbe es jetzt Planktoncocktails auf dem Meeresgrund. Aber das ist eine andere Geschichte.

Gut, gibbet also am Spielplatz um die Ecke zur Genüge Jesines oder Jesusse in Tateinheit mit der bekannten Schackeline. Aber wir reden hier ja eher nicht von den Kindern mit sehr viel Potential – also enormer Luft nach oben -, die zumindest schon mal den Stift so halten können wie der Turm in Pisa steht. Zwar schief – aber dennoch lässt sich damit auch ein Wort hinkrakeln. Auch dabei ist man nicht mehr ganz so genau, schließlich wird auf Tablets geschrieben, die Autokorrektur übernimmt den Rest. Selbst der größte Dummbatz bekommt auf diese Weise Weltliteratur hin! Alle Minuten lang ein neuer Shakespeare! Nun, nicht exakt so lang und detailliert bzw. Pointen reich – aber zumindest hört es sich fast schon an wie Englisch. Das Deutsche. Sind wir akut ja auch nicht sehr weit weg von.

Kaum Werbung, in der nicht alles irgendwie besser ist, weil es ‚repair‘ oder ‚revitalift‘ oder ’smoothie‘ ist. Hinzu kommen ‚Events‘ und ‚Spots‘ die dein ‚Life‘ irgendwie besser machen. Es ‚upgraden‘.  Tja, manches mal wünschte ich mir weniger Werbung und mehr Hirn. Aber man kann ja bekanntlich nicht alles haben. Und wer schon Persil und Omo hat, der braucht sich um eine gescheite Gehirnwäsche keine Sorgen mehr zu machen. Ünrigens werden pro jahr 60 Millionen Tonnen Phosphor in die Kloake gespült. Die Hälfte unserer Einfuhren an Phosphor kippen wir wieder weg! Das nenne ich mal Weitblick! Ist so, als wenn ich am Geldautomaten nach jedem Abhebevorgang die Hälfte meines erhaltenen Geldes verschenken würde. Fände ich auch wieder toll. Würde ich den ganzen Tag nur an Bankautomaten stehen! Karriere als Bankautomaten-Vorsteher. Chief of – versteht sich. Man macht ja auch seinen Master und den Bachelor. 

Ich sags ja…denglisch sei dank. Aber nicht mal das ziehen wir durch. Könnte man doch zumindest schon mal das seidt einführen (Kombi aus seit und seid) und den bestimmenden Artikel endlich weglassen. Man liest ja auch kaum noch bestimmende Artikel. Alles eher Einheitsbrei. Auch wieder eine andere Geschichte.

Alles das ist auch bereits mit kleinen bunten Pillen erreichbar. Realität und keine Fiktion. Viagra und Co. lassen grüßen. Täglich wird es mehr. Und in Zukunft sind sogar direkte Eingriffe ins Hirn denkbar. Gut, macht man jetzt nicht so sehr viel kaputt. Von daher sag ich mal: schlimmer geht es eh immer! Also warum nicht? Wären wir wieder bei der Schnittstelle im Kopf, du erinnerst dich?

Naja, auf jeden Fall sind deine Lehrer dann das Internet und diese kleinen, süßen Roboter die dich durch deine Kindheit und Pubertät bis ins Erwachsenenalter begleiten. Kleine Pokémons und PacMans.

Und ein jeder hat eine Brille auf (was ja auch die Diskriminierung der Brillenträger endlich beenden würde) mit der er sämtliche Zusatzinformationen zu einem Objekt sofort eingeblendet bekommt. Steht man also vor der Sehenswürdigkeit und die Datenbrille sagt einem: hey, is 80 Jahre alt, heißt Omma Krawuttke und lebt hier im Altersheim um die Ecke. 

Was die jetzt gerade hier splitterfasernackt vor dem Picasso im Museum macht – man weiß es nicht genau. Aber zumindest erkennt man auf Blick oder Kopfnicken hin, wer die Erziehungsberechtigten waren und sind. Und wie viel Omma Krawuttke im Monat so an Rente kriegt. Und was sie gestern gegessen und eingekauft hat.

Gut, das würde jetzt wieder nur der Ordnungshüter sehen. Der sieht aber auch sofort alle Einträge zur Sprache der gestrigen Woche. Also alles, was Omma Krawuttke in der letzten Woche so vom Stapel gelassen hat.

In Einzelfällen vielleicht nicht so interessant. Aber insgesamt und in BIG DATA sicher ein willkommenes Highlight jeder autoritären Regierung. Die einem durch die Datenbrille natürlich auch immer anzeigt, wie etwas gerade aktuell heißt oder welche Wertung es gerade hat. Doppelplusgut sag ich nur.

Also in all der schönen Zeit in den Allergenfreien Bereichen der Großstadt werden immer mehr und weitere Daten über dich gesammelt. Und die verfestigen dann dein Bild. So dass ein jeder sofort weiß, woran er bei dir ist. Wie erwähnt eben auch der liebe Herr Staat. Der damit dann auch schon weit vor der anstehenden Wahl weiß, wen du denn wählen wirst.

Und darum muss die Wahl ja auch erst gar nicht stattfinden – weil das Ergebnis eh schon feststeht. Das wäre dann auch Demokratie 2.0! Heissa! Und Politiker die ihre Vita oder ihre Abschlüsse gefälscht haben oder irgendwo abgeschrieben oder sonst wie gelogen und korrumpiert haben – gibt es gar nicht mehr. Nur noch Politroboter die den lieben langen Tag nichts anderes tun, als das für und wieder zu debattieren. und zum Schluss wird abgestimmt.

Sagst du jetzt, wo ist der Unterschied zu heute?

Gut, die kosten eben nur noch Strom. Keine dicke Diät mehr.

Und wenn der durch Wind, Wasser und/oder Sonne hergestellt wird…ist doch erst mal alles gut!

Während das Volk draußen Pokemons jagt oder bei der EM/WM/AM/BM/CM zu Hause vor der Glotze zuschaut.

Arbeiten muss ja auch niemand mehr, denn sämtliche Jobs der Welt werden komplett von Robotern erledigt. So dass der Mensch sich ganz auf seine guten Seiten besinnen kann. Ich hatte es bereits beschrieben, du erinnerst dich sicher.

So malt der gute Mensch dann halt Ölgemälde aus Urin oder bastelt aus Filz kleine Hüte. Oder baggert in seinem Garten herum. Ganz, ganz kecke nehmen 3 Stunden lang den gerade im Garten entdeckten wilden(!) Vogel auf. Solange der Akku reicht. Und ein ECHTER VOGEL: Kein Pokemon! Wow!

Lange keinen mehr gesehen. Außer im Zoo oder im TV.

Schöne neue Welt halt…alles so wundervoll bunt! Und sogar in HD! CURVED! Also gebogen…für uns Ältere…

Weisse Bescheid, ne?

 

 

Die Kopf-Hirn-Schranke

Lieber Tagesbuch,

ist der Bereich des menschlichen Körpers, der eine Existenz von Gehirn oberhalb des Wurmfortsatzes rigoros ausschließt. Zumindest hat man den begründeten Verdacht, dass eine gewisse Form des Homo Sapiens sich gänzlich ohne diese gesonderten Hirnwindungen über den Planeten bewegt. Eigentlich sind diese Mitbewohner nur ein bewegter Wurmfortsatz der im Stoffwechseln relativ routiniert ist. Schon Atmung und die Aufnahme von Flüssigkeit sind ja nicht zu verachten, als grundsätzliche Leistung, die uns von der Amöbe aber jetzt auch nicht wirklich sonderlich abgrenzt. Atmen wird ja gemeinhin auch total überbewertet. Schließlich singt schon Helene von der Atemlosigkeit des Seins. Die Leiden der jungen F. Sozusagen.

In vielen Fällen sorgt die erwähnte Schranke jedoch auch nur für die Vorfilterung von bestimmten Ideen oder Vorstellungen, bevor sich diese im Gehirn des Betroffenen als eigener Geistesblitz manifestieren können. Vorgesetzte leiden selten darunter, die können ganz gut die Arbeit anderer als die eigene verkaufen und anpreisen. Der normale Wutbürger in der Pommesbar hingegen – ´Pommes Schranke‘ ist hier nicht immer nur der Hinweis auf die Bestellung von fetttriefenden Kalorienstäbchen, die mühsam von Kinderhänden aus den Ernte-Kartoffeln herausgeschält wurden, der Wutbürger eben, der leidet schon eher unter vor gefilterter Wahrnehmung. Nein, ich möchte mich an dieser Stelle NICHT über Kinderarbeit lustig machen. Schrecklich und von uns allen unterstützt. Weil der Verbraucher eben NICHT dafür Sorge tragen kann oder will. Und darum finde ich auch, sind die FIRMEN in der PFLICHT. Die müssten sofort ihre Lizenz zum Verkauf in der Republik verlieren, wenn solche Fälle begründet und bewiesen auftauchen. Anders kann man das nicht stoppen. Kann ich von Bürgern am Rande des Existenzminimums auch nicht erwarten, dass die sich um so etwas noch Gedanken machen. Aber eben auch der normale Bürger nicht. Wer bitte schön kann denn diese ganzen Skandale noch behalten, geschweige denn im Bedarf zurückerinnern? Ich jedenfalls nicht. Exkurs beendet. Schranke schließt automatisch…

Man muss an dieser Stelle für alle Zeiten dann auch mit der Freiheit des eigenen Willens endgültig und rigoros aufräumen. Nicht nur, dass der menschliche Körper von Natur aus durch die Sinnesorgane nur dafür ausgelegt ist, die Vergangenheit wahrzunehmen. Hier werden alle Impulse, die auf uns einwirken, schließlich durch die Übertragung von vornherein, mit einem durch die Natur eingeplanten und biologisch zementierten Zeitverlust von uns registriert. Nein, hinzu kommt auch noch, dass das Gehirn diese auf die Vergangenheit bezogenen Impulse auch noch um den Bruchteil von Sekunden früher beurteilt als der kognitive, bewusst wahrnehmbare Teil des Gehirns. Soll in einfachen Worten heißen: es bildet sich seine eigene Meinung auf der Basis von gestern. Oder gerade eben. Und dies auch noch durch Wattebäusche hindurch. Das hier ein gewisses Restrauschen übrig bleibt sei mal völlig außer Acht gestellt. Und hierbei handelt es sich nicht um die Reststrahlung des Urknalls. Obwohl man bei einigen Mitmenschen durchaus vermuten kann, dass sie selbst diesen Knall nicht gehört haben oder auch nie wahrnehmen würden.

Da lachst du einfach nur. Weil dies ja schon seit langem bekannt und nichts Neues ist? Schließlich heißen aus diesem Grunde ja auch die Nachrichten Nachrichten – weil sie im nach hinein richten. Be-richten um genauer zu sein. Das mag wohl sein, da gebe ich dir auch Recht. Viele ewig gestrige sind ja noch immer aktiv in unserer Umwelt und besonders in Politik und Wirtschaft. Aber nun ist dieser Sachverhalt auch noch wissenschaftlich bewiesen! Dass wir alle eigentlich dazu verdammt sind, ewig gestrige zu sein. In unserer Wahrnehmung. Daher auch der große Anreiz, den die Konservativen bei Wahlen auf die Menschen ausüben. Auf mich eher weniger, ich möchte ja selbst mit meinen Worten etwas bewirken. Und wenn es nur ein Lächeln ist, dass ich in ein Gesicht hinein zu zaubern in der Lage bin.

Von wegen also: ich entscheide selber, ob ich um 9 Uhr noch mit dem Auto nach Hause fahre. Trotz der drei Bier im Vorfeld. Übrigens: Vorstoß der Politik ist jetzt die totale Abstinenz im Straßenverkehr. Finde ich toll. Sollte man dann aber auf ALLE Bereiche ausdehnen, in denen Unfälle passieren können. Da fallen mir dann auch spontan der Bundestag und alle angegliederten Gremien ein. Auch wenn ich denen natürlich NIEMALS Alkoholkonsum unterstellen würde. Würde ich mir nie herausnehmen!

Liegt man also im bett und überlegt gerade, ob man denn nun aufstehen soll oder nicht. Und was soll ich dir sagen? Die Entscheidung ist in diesem Fall schon um Millisekunden vorher gefallen – unterbewusst. Dein Unterbewusstsein sacht sich irgendwie:

‚Die faule Socke schick ich gezz zur Arbeit!‘

Und dann steht diese Entscheidung für den gesamten Tag fest. Gut, meist meldet sich dann noch ein Kratzen im Hals oder ein kleiner Schwindel oder auch ein etwas größerer –  wenn man blau oder in diesem Fall eher gelb macht.  Aber im Normalfall eben nicht. Dann überwindet das Ich im Ich sogar den Schweinehund und fährt auch diesem letztlich über den Mund. Oder in dem speziellen Fall über das wenige an Resthirn, was noch nicht durch Konsum oder TV-Serien belegt ist.

Ist sicherlich schwer, wirklich gute Entscheidungen zu treffen, wenn man all seine Informationen aus der Vergangenheit und nicht aus direkten sondern eher indirekten Quellen bekommt. Fast so, als würde man sich eine Binde um den Kopf legen, die Ohren und Augen verschließen und nur noch sechziger-Jahre-Schlager hören. Helene-Fischer-Fans jetzt mal ausgenommen. Oder der Rest, der mit den Prilblumen auf den Kacheln in der Küche.

Mit Blindheit geschlagen, sprichwörtlich.

So wie im übrigen auch Justitia. Die allerdings darum mit Blindheit und Taubheit geschlagen ist, damit ihr niemand etwas böses oder auch einfach nur falsches einflüstert. Wäre ja schon ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, wenn man das mal ein wenig einschränken könnte. Nein, ich trete jetzt hier nicht dafür ein, Presse und Rundfunk sowie Fernsehen ganz abzuschaffen. Aber warum nicht eine richtige ‚Echtheitszensur‘ – wenn wir sowieso schon zensieren? Die Schere im Kopf kommt ja nicht von ungefähr. Man möchte nicht mehr anecken. Verständlich. Dann aber wenigstens richtig.

Fände ich besser als dieses scheinheilige Geschwafel. Von Bestürzung und Betroffenheit. Von Maßnahmen und Reformen. ich kann es nicht mehr hören. Ging mir damals bei Helmut auch so. Den konnte ich dann irgendwann auch nicht mehr hören mit seinem ‚Geschischte‘-Gefasel. Musste ich wohl zum Arzt. Wenn man schlecht hört…oder man braucht halt jemanden, der einen noch Maßregeln kann wenn Mutter und Vater dies schon seit etlichen Jahren vergeblich versucht haben. Darum schlüpft da ja immer sehr schnell und liebend gern der Staat in die Rolle. Und füllt diese bis zur Grenze aus. Sprichwörtlich.

Dabei war der Staat früher eher dazu da, alles einfach nur in Schuss zu halten. Infrastruktur. Bildung. Sozialsystem. Grenzen. Regeln. Kommt dir jetzt auch komisch vor, oder?

Schafft er nicht mehr, auch wenn sich die Ausgaben in der gesamten Zeit mehr als verhundertfacht haben. Hundert Mal mehr Unsinn zu machen, macht es eben nicht besser. Ich sage nur Kopfpauschale oder Praxisgebühr. nur weil man etwas durchsetzen kann, heißt das ja nicht automatisch, dass es auch gut wäre dies zu tun. Wenn man es nicht ausreichend bedacht hat immerhin.

Womit wir wieder bei einem meiner langjährigen Begleiter-Themen angelangt sind: wer überwacht eigentlich die Überwacher? Und wer trägt Sorge, dass keiner den Staat selber übers Ohr haut?

Zumindest im Falle eines bayerischen Steuerhinterziehers kann man sich die Frage des Prominenten-Bonus dieser Tage sicherlich noch einmal stellen. Man wird ja wohl noch mal was dazu sagen dürfen, oder?

Gleichzeitig macht der Staat such selber Sorgen über eine Partei am rechten Rand. Die allerdings auch kaum noch in den Parlamenten vertreten ist. Dennoch finanziert man sich seine Gegner praktisch mit durch die schöne Legislaturperiode. Schon pervers. Aber wer hat gesagt, dass die Art von Demokratie, die wir mittlerweile vorleben, jeden Tag schön oder gar gerecht ist? Keiner. Genau. Und darum mache ich mir wirklich Sorgen

Ja, ich sorge mich ein wenig um unsere  Demokratie so wie ich sie gelernt habe, um das Leben auf diesem Planeten, um jeden Einzelnen um mich herum. Man könnte mich auch Sozialpädagoge schimpfen. Oder eben Asozialpädagoge. Das käme der Sache näher…da ich ja oftmals das genaue Gegenteil von dem vertrete, was so vorgelebt wird. Vielleicht, weil ich hehre Ziele verfolge. Oder aber, weil Unterbewusst schon jemand für mich entschieden hat. Macht mich persönlich sozusagen wertungsfrei. War ich ja gar nicht aktiv. War mein Unterbewusstsein. Kann ich doch gar nichts dafür.

Wenn man mir also mal alle Schranken öffnen würde…

Dann würde ich so einige in die Schranken verweisen. Und dazu braucht man nicht mal viel Hirn…

WEISSE BESCHEID, ne?

 

Kornkreise

Lieber Tagesbuch,

sind in diesen Tagen ja wieder hochaktuell.

Ob nun in Düsseldorf oder Köln, Koblenz oder Deggendorf – ob Fasching, Fassenach oder Karneval, ob mit Kostüm oder lieber gleich ganz ohne jegliche  Kleidung: Korn erleichtert alles. Zumindest denkt sich dies der gewöhnliche Karnevalist.

Abgesehen von heftigen Artikulations- sowie Bewegungsstörungen, die bis hin zu komatösen Zuständen reichen, in denen die geistig umnachteten im Parlament ihre Kreise ziehen (ohne Korn, wohlgemerkt), ist bei vielen die Aufnahme von allgemeinen Botschaften durch die Hinzunahme von gesättigten Kohlenwasserstoffen doch sehr stark eingeschränkt.

Gut, bis auf die Botschaft, dass gerade frische, vergorene oder destillierte Flüssigkeiten bestellt oder geliefert wurden.

Ziehen also die Jecken hübsch verkleidet durch die Straßen und ihre Kreise, auch Polonäsen genannt. Manch einer ist auch gar nicht mehr in der Lage geradeaus zu schreiten – sicherlich lässt sich der allgemeine Gang unter Alkoholeinfluss irgendwie in Korrelation zur Erfindung der Polonäse bringen. Kreislaufen mit Rausch. Und dazu mit Pappkappe und Schminke. Herrlich. Und fast schon so, wie der normale Tag im Büro. Jetzt ohne Korn oder Bier wohlgemerkt. Oder auch nicht? Wer weiß…

Ich persönlich finde diesen aus dem altgermanischen Heidentum stammenden Brauch immer noch sehr zeitgemäß.

Man stolzierte mit seltsamer Kleidung auf dem Körper, trug Masken, sprach wirres Zeug und klopfte wild mit irgendwelchen Hölzern herum – um die bösen Geister zu vertreiben. Letzte Woche im deutschen Bundestag. Nutzte nix, die Mehrheit des Parlaments war eh nicht anwesend und hat nur die Kohle für die Abwesenheit kassiert.

Vor knapp 5000 Jahren allerdings, in Mesopotamien, also da, wo jetzt zwischen Euphrat und Tigris gerade rivalisierende und marodierende Banden aus aller Herrn Länder ihr Unwesen treiben, da war es eine Art ‚Gleichstellungsfest‘. Der niedere durfte dem Hochgestellten mal die Meinung sagen und wurde dafür nicht sofort gesteinigt oder an den Eiern zum trocknen aufgehängt. Nun gut, hin und wieder nach der Feier ein bisschen. Aber dann hat ja auch keiner mehr so genau hingeschaut. Justitia war schon immer blind…und das auch ohne Alk!

Hin und wieder war es sogar möglich, dass diese Bräuche über ganze Wochen praktiziert wurden. Allerdings achtete man weithin darauf, irgendwann wieder die Ordnung herzustellen. Also das alte Herr-Sklaven-Verhältnis, welches sich ja wie ein roter Faden durch die Menschheitsgeschichte zieht, wieder herzustellen. Ober sticht unter. Notfalls auch mal nicht nur bildlich.

Scheinbar, weil der Mensch nicht anders kann.

Immer will irgendwer irgendwen anderen beherrschen oder dessen Besitz, Land, Frau, Kind oder auch nur Hut sein eigen nennen. Und dann gab et imma ma widda auffe Omme. Ab und zu auch mit den Hölzern, mit denen man noch kurz vorher die bösen Geister vertrieben hatte. Nannte sich dann auch Revolution. Oder Aufstand. Um den Herrscher zu vertreiben. Hat meist ja nix genutzt. Kam dann ein anderer und hat den Platz eingenommen. Vakuum zieht halt an. Meist Typen, mit eben dieser grenzenlosen leere im Kopf.

So wie aktuell im Zweistromland ja auch. Von den Zuständen jetzt. In die Köpfe kann ich ja nicht reingucken. Wirkt aber irgendwie so…ähnlich.

Der eine will nich weg und wird von anderen dabei gedeckt und unterstützt.

Die anderen wollen unbedingt, dass der erstgenannte endlich abhaut und kämpfen dafür bis zum bitteren Ende. Und die dritten im Bunde wollen einfach gar nix mehr und kloppen sich direkt mit allen Beteiligten, die das nicht wollen. Und mittendrin dann der Rest, der sonst immer doof rumsteht und nur zuguckt. Jetzt wollen die aber auch ihr Süppchen kochen und mitmischen. Wer weiß, was am Ende dabei raus springt. Marodeure eben.

Und zwischenzeitlich zündet der wahnsinnige aus Nordkorea immer mal wieder ein paar Bomben und Langstreckenraketen – weil er wohl gerade Langeweile hat.

Unterdessen wird in anderen Landstrichen der Erde gefeiert und um den Korn gekreist was der Magen hält. Bis zum abwinken und zur totalen Umnachtung halt. Welch ein Wunder. Anders isset ja auch fast schon nicht mehr zu ertragen…

Man könnte ehrlich meinen, man lebt auf einem total Durchgeknallten Planeten, der von irgendwelchen verrückt gewordenen Primaten unter totaler Kontrolle steht. Keine Chance dem Wahn zu entkommen.

Von der anderen Seite des Atlantiks schwappt dann noch der Milliardär mit hinein – es wird wohl nicht besser. Das kann man sich kaum noch Schönsaufen. Aber versuchen kann man es immerhin.

Allenthalben herrscht also der Ausnahmezustand, hier vor Ort jedoch nur zwischen Altweiber und Aschermittwoch – woanders eben das gesamte Jahr. Womit wir wieder im Parlament wären.

Die Ausnahme bestätigt hier ja die Regel.

Im Normalfall, das hatten wir ja schon, sieht man leere Ränge und müde Debatten, die keinen so wirklich faszinieren oder auch nur interessieren. Jeder hat was zu sagen. Meistens nicht mal zur Sache – aber das tut hier nichts zur eben dieser.

Denn bezahlt wird man ja trotzdem. Ob man nun körperlich oder nur geistig oder irgendwie transzendent anwesend ist. Vertreten durch seine Aura oder die Chakren oder…Ommm. Macht ja auch nix. Fehlt nur noch, dass die Interviews bald auch so aussehen.

‚Was haben sie denn heute Nacht bei den so harten Verhandlungen erreicht?‘

In der gesamten Nacht wurde ausgiebig mit Alkohol experimentiert um die Wirkung auf unter 16jährige nachvollziehen zu können.

‚Tschakka! Alkohol nur noch ab 16!‘

Wie man jetzt auf die gezogene Grenze sowohl beim Kauf von Alkohol als auch bei der Wahl, der Möglichkeit Bundespräsident zu werden oder bei der Geschäftsfähigkeit nach BGB kommt – man kann es sich fast denken.

Aber eben auch nur fast.

In den meisten Fällen wird für die harte nächtliche Arbeit ganz gut verdient.

Der Normalbürger würde sagen: und dies nicht zu knapp. Nennt sich dann logischerweise Diät und soll wohl suggerieren, dass man Maß hält und sich in strengster Enthaltsamkeit übt. Gut, auf dem Oktoberfest, mit der Maß in der Hand. Da bin ich ganz bei dir. Aber ansonsten?

Enthaltsamkeit nach ausgiebigen Gelagen? Klar…nach Karneval ist Fasten angesagt. Wer es denn glaubt – soll laut Bibel seelig werden. Wenn der Papst das erlaubt. Dazu ein anderes mal mehr.

Ich für meinen Teil halte meine lieben Abgeordneten alle für leicht überbezahlt und auch gasförmig. Überflüssig eben.

Ursprünglich war die Höhe des Gehaltes ja dazu gedacht, die wichtigen Köpfe vor Korruption und Einflussnahme der Industrie zu schützen und ihnen die Möglichkeit zu geben, auch stark zu bleiben und den Verlockungen des Geldes zu widerstehen. Darum eigentlich so hohe Gehälter.

Na das hat ja dann auch super geklappt. Die erste Woche.

Pharmalobby, Automobillobby, Tabaklobby, Ärztelobby, Hotellobby, Kaufmannslobby, Öllobby…mir fallen jetzt spontan keine weiteren mehr ein. Aber das reicht ja auch.

Zumal diese besagten Lobbyisten (oder deren Anwälte/ Kanzleien) Gesetze ausarbeiten, die dann von den Sekretären der Ministerien dem Parlament unterbreitet werden.

Der einzelne Politiker wäre ja auch überfordert, sollte er sich zwischen nächtlichem Komasaufen und Tagträumendem Parlamentsverzicht im heimischen Bett auch noch in die Materie Eindenken oder eingehender damit befassen müssen. Man muss ja flexibel bleiben, der nächste Posten winkt bald schon!

Wie, das glaubst du nicht? Dann hak mal nach…klingt verrückt, ich weiß. Aber das ist die Realität. Glauben heißt eben nicht Wissen. So wie Kunst von Können kommt und nicht von wollen. Dann hieße sie ja auch Wulst! Und Politik hieße eigentlich Lobbyismus. In Neusprech aber eher nicht. Da heißt es eher parlamentarischer Untersuchungsausschuss. Oder Verfassungsklage.

Fernab also von jeglicher Vernunft und Objektivität wird da auch schon mal eine Abwrackprämie beschlossen. Und dann schmeißt der Michl prompt sein Auto in die Tonne. Funktioniert noch einwandfrei, ist auch ansonsten kaum gealtert und toll verarbeitet, keine Kratzer im Lack, toller Oldtimer den man hegt und pflegt und damit auch ein wenig beiträgt zum Klimawandel – also weg damit! Wir haben es ja!  Strand in Dortmund? Klasse, pack schomma die Badehose ein!

Wie war das noch mal mit der Dekadenz?

Ach, stimmt ja.

Meist ging diese, in der Geschichte, ja nicht vom kleinen Volk aus – sondern von den Herrschenden. Und um es ein wenig erträglicher zu gestalten, mit ansehen zu müssen, dass der Herr in Saus und Braus lebt und der Knecht gerade so über die Runden kommt – um dies also zu legitimieren, da führten selbst die hochdekadenten Römer schon die Saturnalen ein.

Feierte man einfach einen Gott der auf dem Nachbarplaneten lebt – und alle waren zufrieden.

Später hat man den festen Wohnsitz des besagten Gottes dann irgendwann ganz nach weit draußen verlegt, um wissenschaftlich nicht angreifbar zu sein und sich dem niederen Volk nicht noch erklären zu müssen. So wie die Erde eben flach war und die Sonne sich um die Erde drehte. Logisch. Eingängig. Und so simpel. Prima eben. Trink! Und mach dir nich immer so viele Gedanken, Mensch!

In der Zwischenzeit, also wenn gerade nicht gefeiert wurde, gab es zumindest was zu essen und auch Spiele in der Arena. Da wurden dann andere geopfert – und man war froh, dass man selber im Trockenen saß und mit dem Daumen über Wohl und Wehe abstimmen durfte. Kanten Brot und Spiele. Oder Trauben und Wein. Wie es beliebt.

Gut, hat sich in den paar tausend Jahren jetzt insgesamt nicht so viel verändert an der Situation. Heute ist es nicht der Daumen sondern die ganze Hand, die für ein Kreuz gebraucht wird – und man muss nicht mal mehr die Hütte verlassen um die täglichen Dschungel- oder Bachelorspiele zu sehen.

Und mit den Mächtigen muss man auch nicht jeden Tag konfrontiert werden – da reicht ja auch der gewöhnliche Chef, der auch nur ein armer Untergebener seines Vorgesetzten ist. Und so weiter und so fort.

Und wenn man all dies geschichtlich jetzt im Zusammenhang sieht, dann ist es doch gar nicht mal so schlimm, wenn sich das Volk für eine komplette Woche total im Alkohol ertränkt, oder?

Würden wir doch auch verstehen, wenn wir, mal von außen betrachtet, quasi als Besucher, hier mit einem Raumschiff landen würden. Oder?

Oder wir zauberten mit unserer weit fortgeschrittenen Technik über Nacht Kreise ins Getreidefeld. .

Denn wenn die Primaten doch schon Atombomben bauen können – dann muss ja zumindest IRGENDWO auch ein Fünkchen Intelligenz zu vermuten sein, oder?

‚Also, Leute, heute machen wir die runden Teile direkt in das Korn. Datt Saufen die ja auch. Beachten die dann wenigstens.‘

‚ Ja, hoffen wir mal. Wenn die mit dem abfeiern aufgehört haben…also morgen, äh übermorgen. Ach, gucken wir in ein paar tausend Jahren noch mal nach…is besser, denk ich mal. Letztet mal mit der kack Kreuzigung hat mir jedenfalls echt gereicht. Vielleicht klappen ja schöne Bilder im Korn…is zumindest noch ein Versuch wert!‘

Denn eine zweite Chance hat doch wohl jeder verdient, oder?

WEISSE BESCHEID, ne?

Die erweiterte Periode

Lieber Tagesbuch,

hat jetzt nichts mit den bekannten Zyklen der Frau zu tun – auch wenn dieses Thema an sich ja schon ein weites Feld ist und sicherlich einmal der Betrachtung wert wäre. Aber Blut soll uns heute nicht weiter stören. Obwohl, da fällt mir spontan einer ein.

*political-correctness-off* *gender-mode-off* *satire-modus-on*

Was wäre, wenn die Erde sich 30 mal schneller drehen würde?

Nun. Es gäbe jeden Tag Gehalt und die Frauen würden verbluten…

*all-off-or-on*

Ich weiß. Böse. Aber hat was. Das mit dem Geld zumindest. Was wäre die Welt nur ohne Frauen…könnte man glatt aufs Geld verzichten…hehe…

Aber jeden Tag eine frische Gehaltszahlung, das hätte doch was. Wobei. Würde wahrscheinlich exakt 20 Minuten dauern und dann wären alle Dinge des täglichen Lebens 30 mal so teuer…wie ich uns als Menschheit so kenne.

Das Periodensystem.

Wundersame Entdeckung des Menschen, der sich seit Anbeginn der Zeit Gedanken darüber macht, aus welchen Stoffen denn die Welt besteht.

Das fing wahrscheinlich an bei den Höhlenbewohnern und der ersten Keule., Da wird sich der, der sie als erster auf den Schädel gezimmert bekam, auch Gedanken gemacht haben, woraus die wohl besteht. Zumindest kurzzeitig. Kurz vor dem Aufprall. Und dann erstmal nicht mehr. Manchmal auch nie mehr.

Bis hin zu den Griechen war unser Verständnis nur sehr rudimentär. Hatte man doch nur die Sinne um überhaupt feststellen zu können, aus was etwas besteht. Man konnte das salzige Wasser schmecken – auch wenn man nicht wusste, warum es überhaupt salzig war. Irgendwie war das ja auch egal. In 10 Minuten ging der Marathon los und der Verkäufer vor dem Stadiontor, der mit dem frischen Wasser geprotzt hatte, der war sicherlich schon längst über alle Berge. Also ausgespuckt und weiter dem Spektakel zugesehen…

Oder auch die Süße einer Frucht. Führte ja angeblich dazu, dass der Apfel, der nicht weit vom Stamm fiel, ausgerechnet Eva vor die Füße rollte. Und die Schlange ihr dann einflüsterte, davon zu naschen um die herrliche Süße zu probieren. Kannte Eva ja noch nicht. Und eine Handtasche zum aufbewahren für später war noch nicht erfunden. Geschweige denn der Kosmetikspiegel.

Die erste Frau war aber doch nicht blöd. Also bemühte sie ihren Vorkoster. Adam. Der ja auch an sich immer und in allen Momenten für das Grobe da war. Tiere erlegen, jagen, Holz hacken, Feuer machen. Müll rausbringen.

Gut, hätte er sich selber hinaus befördern müssen. Aber das hat ja dann dieser dämliche Gott erledigt, nachdem die Erkenntnis reifte…hier nackt im Garten rumzustehen und der Nachbar glotzt blöd aus der Höhle…

Wer wollte schon nackt durch die Gegend laufen? Von den Frauen jetzt. Ich höre schon eine Milliarde Männer ‚ich!‘ schreien…

Jo, Kleidung gibt es wohl nur deshalb. Denn am Anfang, so viel steht in beiden Sichtweisen, Wissenschaft und Religion, fest, da waren wir wohl nackt. Gut, Behaarung hatten wir noch reichlich. Und es gab noch keine Epiliergeräte oder Brasilian Waxing. Eher den Frauenvollbart und die Männerrückenbehaarung. Appetitlich.

Aber stehengeblieben waren wir ja eigentlich bei den alten Griechen. Um die beiden im Paradies kümmern wir uns noch ein anderes mal…

Gut, die haben also den ganzen Tag rumgehangen, die Griechen, so ein wenig philosophiert und dabei auch nebenbei noch irgendwie die Mathematik entdeckt – zumindest hatten Pythgoras und Sokrates nichts anderes zu tun, als es sich damals schon für alle Zukunft bei den Jugendlichen zu verkacken.

Und nebenher, neben rumliegen und Weintrauben verzehren und ein paar Quadrate oder Dreiecke in den Sand zu zeichnen, dachte man, die Welt bestehe aus Feuer, Wasser, Luft und Erde.

Also dieselbe Ansicht, die ein Großteil der Menschheit auch heute noch vertritt.

Neben dem so-dahin-stoffwechseln, wo es ja auf die Luft ganz besonders ankommt, dem anzünden von Feuer oder dem hochdrehen der Heizung, dem monatlichen Bad (alles andere wäre Verschwendung, habe ich doch tatsächlich von jemandem gehört, der sich seit 3 Jahren nicht wäscht sondern nur ein von ihm selber entworfenes Parfüm aufträgt. Na heidewitzka Herr Kapitän. Da kann man dann zu Karneval als Sondermülldeponie gehen. Ohne irgendwas am Outfit oder ähnlichem zu ändern. Pfui. Also einmal im Monat ist selbst für den bildungsfernen Bürger Minimum. Außer er entwickelt sich zum oder ist bereits ein Messie. Ich denke, dann kommen wir mit den 3 Jahren wieder ganz gut hin. Was das jetzt mit Fußball zu tun hat? Sag mal, hörst du mir überhaupt zu???) – und schlussendlich dem Boden der Tatsachen, auf dem das eigene Bett sich befindet,  existiert ja kaum etwas in der eingeengten Sichtweise.

Neben Atmung, Heizung, ritueller Waschung und dem zu-Bett-gehen unterscheidet sich das normale Leben also nicht wirklich von dem der Griechen im Altertum. 4 Elemente. Alles andere ist unwichtig.

Zieht sich wie ein roter Faden so durch den Alltag.

Ein-Aus-Lauter-Leise beim Fernseher.

Vor-zurück-links-rechts beim bewegen in der Öffentlichkeit.

Wach-einschlafend-schlafend-aufwachend als Zustände des Lebens.

Hungrig, durstig, müde, erschöpft.

Satt, sternhagelvoll, hellwach, aufgekratzt.

 

Kann man so stundenlang für alle Bereiche des Lebens durchgehen.

Geld drauf, Geld abgehoben, Geld ausgegeben, kein Geld mehr.

Arbeit verloren, ohne Arbeit, arbeitssuchend, Schmuckdesignerin.

Also alles in allem recht Griechisch – und nach Westerwelle auch römisch. Zumindest in der vollendeten Dekadenz. Wenn Fleisch nix mehr kostet und der Weg zum Discounter nur 5 Minuten beansprucht – dann ist es sehr weit bis zur nächsten Revolution. Ein voller Bauch revolutioniert nicht gern. Außer er ist austerisierter Grieche in Europa und möchte mit 55 schon in Rente gehen. Dafür lohnt es sich ja schon mal zu streiken.

Gut. Irgendwann, so knappe 4000 Jahre der totalen Abstinenz von Intelligenz später, hat sich dann wieder mal einer hingesetzt und nachgesehen, aus was denn die Welt wohl wirklich gemacht ist.

Als Alchemist war der aber eher auf der Suche nach Gold. So wie alle vor und nach ihm. Würde mich mal interessieren, wenn mal ein Komet eingefangen würde, auf dem es alle seltenen Stoffe des Kosmos im Überfluss gebe. Was dann lieber Kapitalismus? Ach, stimmt, wir sind ja schon bei den bunten Scheinchen und dem ‚Nullwert‘. Ich vergaß.

Eperimentierte der Typ also mit seinem Urin herum. Nicht, weil das so verlockend war. Eher, weil der so schön goldgelb war. Und von diesem Herrn an, der da seinen Morgenurin auf einer kleinen Gasflamme im Kolben erhitzte und aufwändig untersuchte, bis hin zu heutigen Kernfusionsexperimenten in Superbeschleunigern die Milliardensummen verschlingen, hat man eine ziemliche Menge an neuen Elementen entdeckt. Über 200, um es mal zu beziffern. Und dies in nur knappen 300 Jahren. Und ständig entstehen neue. Ob uns nach oben eine Grenze gesetzt ist, man weiß es derzeit nicht. Auch welche Möglichkeiten uns die ganzen neuen Elemente bieten werden – alles noch in den trüben Fenstern der Labore verborgen.

Das wichtigste Element jedoch, der gewöhnliche Sapiens, der kratzt sich derweil im Schritt und popelt an der Ampel. Oder lackiert sich bei rot die Fingernägel. Was wieder einmal beweist, dass Fortschritt und Wissen den gewöhnlichen Menschen jetzt nicht ganz so weit voranbringen. Gut, der kann auf dem Klo am frühen Morgen dann auch selber analysieren, dass die Streifen irgendwie…äh…lassen wir das. Bevor es total unappetitlich wird. Er könnte es aber. Das mit der Analyse.

Und darum ist es um jeden einzelnen der Erdenbürger wichtig. Wissen wir, wo und wann der nächste Bohr, Einstein, Shakespeare, Schiller, Mozart, Beethoven oder Gauck geboren wird? Eben.

Zumindest bei der nächsten Periode weiß es aber die Göttin ziemlich genau. DER oder DIE wird das Periodensystem definitiv NICHT erweitern.

Kommt sie zornig die Treppe herauf und öffnet die Tür zum Prinzenklo ruckartig:

‚Hör auf schon wieder mit deinem Urin rum zu spielen! Komm lieber runter, ich hab Apfeltorte gebacken…‘

WEISSE BESCHEID, ne?

 

 

 

 

 

Schubladen im Elefanten – Porzellanladen

Lieber Tagesbuch,

oder wie ich von einem Fettnäpfchen auf kürzestem Weg in das nächste gelange.

Unter diesem Titel gebärdet sich derzeit der bayerische Landeschef. Da zu den aktuellen Themen der Politik längst schon alles gesagt wurde – aber eben noch nicht von jedem, wird er nicht müde, den Schweinwerfer sowohl auf den Freistaat als auch auf seine Person zu lenken. Wieso überhaupt Freistaat? Frei genug, um jede noch so uninteressante Grütze in die Republik zu posaunen? Immerhin. Ist keiner bestürzt darüber…oder legt Kränze nieder.

Ich kritisiere nicht einmal, dass er sich in die lange Reihe der Besucher des großen, wenn nicht sogar größten (jetzt nicht körperlich, sondern eher politisch) russischen Vorstehers für Recht und Ordnung im Asiatischen Teil der Welt einreiht. Nach Stalin oder Lenin oder den ganzen anderen Ungestalten der Geschichte. Kleine Menschen sag ich nur…hüte dich vor kleinen, manchmal auch grünen Menschen…

Wesensgestalt menschlicher Mythen behüte!

Macht mein Feinkosthändler um die Ecke ja auch, solche Besuche. Jetzt nicht direkt in Russland. Eher bei seiner lieben Mutter oder seinem Vater. Und redet eben auch lauthals darüber.

Also ist an diesen Besuchen und den Berichten darüber grundsätzlich ja auch nichts auszusetzen. Wer war, bitte schön, noch NICHT beim kleinen süßen Putin um ihm seine Aufwartung zu machen. Während der totaaaal schlimmen und harten Sanktionen der EU. Und dem Rest der Welt. Darf der ja jetzt nicht mehr an die Förmchen der anderen. Weil der da einfach ganz blöde einmarschiert ist. Der böse. Da sind wir dann mächtig bestürzt und verurteilen das. Früher gab es für so was mächtig was auf das Fressbrett.

Heute wird verurteilt. Natürlich nicht VOR. Sondern irgendwie mittendrin. Das ist Zivilisation in der besten aller Welten, wir sind einen Schritt weiter! Ich bemühe jetzt nicht das Bild des Abgrundes….

In der Zwischenzeit kann man ganz toll wieder einmal irgendwo Kränze niederlegen oder einen ganz, ganz tollen und ganz wichtigen Fusionsreaktor in Schwung bringen. Auch wenn wir von wirklichen Fusionen noch Lichtjahre entfernt sind. So in jeglicher Beziehung jetzt. Bis auf die Zwischenmenschliche. Ein weites Feld und anderes Thema.

Aber zumindest das Plasma kriegen wir schon hin. Für 1,06 Milliarden…und für 800 Millionen eine Philharmonie. Wie viele Kitas das sind? Du bist vielleicht ein Kultur- und Wissenschaftsbanause. Also wirklich…das kann man doch so engstirnig gar nicht sehen! Schließlich ist Kultur ein hohes und wichtiges GUT! Scheiss watt auf die Blagen!!!

Manch einer wäre froh, wenn er erst mal genug Bildung bekommen würde…aber ich schweife ab.

Audienz bei ihrer Majestät, dem kleinkotz gleich an der Wolga.

Ist ja in etwa vergleichbar mit der Audienz beim Papst. Zumindest genauso schwer zu bekommen, für unsereins.

Dass man den Politikzirkus des Oligarchen-Pflegers damit nur unnötig aufwertet, wen stört es wirklich? Empörung und Bestürzung, gar Entrüstung allenthalben. Aber Konsequenzen? Eher weniger.

Heutzutage ist es auch keine wirkliche Debatte mehr, ob man einfach so Länder annektieren kann. Was in früheren Zeiten durchaus auch einmal zu einem Weltkrieg gereicht hat – das ruft heute nur müde sogenannte ‚Sanktionen‘ hervor. Gut, wirkt dann soviel, wie wenn ich meinem Hund Sanktionen in Deutsch androhe. Solange er weiter sein Futter hingestellt bekommt, wird er mich müde belächeln. Und brav Sitz und Platz machen. Aber sein Lieblingskissen bekomme ich trotzdem nicht. Wer kauft noch mal das Gas? Ein Schelm wer außer böses etwas anderes dabei denkt…

Was also im Falle von außerparlamentarischen Parteien ganz gut klappt – der Boykott und das ‚in-die-Ecke-stellen‘, das ist bei Staatspräsidenten dann etwas schwieriger. Gut, wenn es nicht gerade der völlig weltfremde Nordkoreanische Vortänzer ist. Aber selbst der wird von dem ein oder anderen schon mal besucht. Auch wenn es eher in einer ‚Klapse‘ ist. Die da Nordkorea heißt. Kim-Kim-Kim. Oder wie der sich gleich wieder schimpft. Sung oder Jung oder Dung. Auf jeden Fall ziemlich ‚ill‘.

Also übt man sich darin, eifrig alle in irgendwelche Schubladen zu packen, die nicht bei 3 auf den Bäumen sind. Jede Äußerung wird sofort politisch gewichtet. Und was nicht der Regierungshaltung entspricht, ist sofort extreme linke oder rechte Ecke. Ich weiß selber schon gar nicht mehr, was ich bin. Rechtsextremer Linker? Oder Linksextremer Rechter? Auf jeden Fall wohl eher in der Opposition. Und damit eben auch in der Minderheit. macht nix. Macht Spaß!

So eine Opposition ist ja noch nicht einmal mehr geduldet. Auch durch die Schere im Kopf schon nicht mehr. Wagt man sich ja kaum, zu aktuellen Themen noch öffentlich Stellung zu beziehen. Ist man ja gleich abgestempelt und in die Schublade gepackt. Kommt man dann auch nur schwer wieder raus. Dafür sorgt schon die BILD. Oder andere.

Außer man ist eben Ministerpräsident in Bayern. Dann kann man sich quasi (fast) alles erlauben. Also ist man so ungefähr Staatsvize-vize. Wenn nicht sogar drüber.

Oder aber man ist Filmer/Composer/Darsteller/Produzent/was-weiss-ich-was-noch und heißt mit Künstlernamen Tschiller.

Passt ja.

Fast genauso dämlich wie es Göde oder Motsard wäre. Eher peinlich.

Chill me up scotty.

Denn trotz des ganzen Stress und der Unwirklichkeit des Seins, sei an dieser Stelle mal die Kritik der feinen Vernunft angebracht.

Muss man sich als Schauspieler/Filmemacher/Produzent/Writer/Cutter/Composer nicht wirklich auch hin und wieder Gedanken darüber machen, warum man den Film nicht gleich ganz neu erfindet? Warum werden nicht auch die Filmgeräte, die Filmmusik, die Filmstudios und die Fans von einem selber produziert, composed, gecutted und downgewrited?

Spätestens mit dem Auftritt im Allerheiligsten, dem Fußballstammtisch am Sonntag, wurde mir blitzartig klar, dass ich keineswegs mehr gechilled war. Hatte dieser Typ, gegen den Mister Tausend Volt in Wirklichkeit die Größe einer Babyzelle hatte, sich jetzt auch schon in meine Lieblingsecke gedrängt? Zeit genug, den Fernseher der Verdammnis auszuschalten und von meinem geliebten Zerstreuungssport hinüber zur Realität des Tages zu wechseln. Macht der also nicht nur den Tatort unsicher. Nein, weil keiner seinen neuesten Film ansehen will (droht ein totaler Flop zu werden) und er sich persönlich für die absolute Gottheit der gesamten Menschheitsgeschichte hält…trotz näselnder, nuschelnder Stimme, weil also die niederen Fans nicht in den Tempel strömen um der Gottheit bei seinem neuesten Stunt zuzuschauen…erscheint der also am Sonntag in den frühen Morgenstunden höchstpersönlich beim Fußballstammtisch.

Was, bitte schön, hat dieser Typ dort verloren? Noch NIE Fußball gezockt (na gut, vielleicht mit Kumpels auf der Wiese) und vom übersteigerten Selbstbewusstsein her längst schon der nächste Präsidentschaftskandidat der Republikaner in Amerika – muss er nun auch noch hier seinen Senf hinzugeben. Kaum zu verstehen und immer mal wieder seine nette Tochter in den Apparat haltend. Die nächste Moderatorin. Auf jeden Fall.

Da fallen einem gar keine Schubladen mehr ein, die noch unbesetzt sind.

Aber zum Glück gibt es ja die Aus-Taste.

Obwohl. Wenn der gleich mal wieder auf alle einpöbelt wie der berühmte Elefant im Laden mit den Mingvasen…das hätte schon was.

Mir reicht es aber wieder.

Mein Flieger geht gleich.

Ich muss mit Lieblings-Bundespräsident und dem tollen Außenminister und dem Kanzleramtsminister und den ganzen anderen wichtigen Fuzzies mit besonderen Aufgaben schnell mal rüberjetten zum Assad. Um dort meine Bestürzung klar zum Ausdruck zu bringen. Meine Besorgnis. Und meine tiefe Abwehr. Ich verurteile dies ja auf das schärfste.

Was genau?

Ist das nicht ebenso egal wie die blöden Sprüche der Machthaber? Abgespultes Politik-Bullshit-Bingo. Jeden Tag einen Satz -heiße Ohren am Besten…

Wird Zeit, dass die alle in der größten Schublade verschwinden. Der Menschheitsgeschichte. Damit WIR hier mal wieder was gebacken bekommen auf Erden…ne, keine kleinen Brötchen. Und geh mir bloß weg mit dem Krimsekt…

WEISSE BESCHEID, ne?

Der Irrsinn als Obergrenze

Lieber Tagesbuch,

macht sich scheinbar bei unseren Berufspolitikern jetzt schon nahezu täglich bemerkbar.

Da war man zunächst in den letzten Jahren ja schon gewöhnt, dass immer mal wieder im Sommerloch ein neues Schwein durch die Hauptstadt gejagt wurde. Ob es nun die PKW-Maut oder auch die damalige Praxisgebühr war. Schlussendlich wurde die Sau derart forciert in die Enge getrieben, dass ihr quasi ja nichts anderes übrig blieb, als sich real zu manifestieren…soll heißen: jeder Unsinn wird irgendwann dann auch mal umgesetzt. Und jetzt starten die Debatten schon im Winter…

Gut, in Einzelfällen revidiert man dann vielleicht auch noch einmal, wenn man merkt, dass man mehr Kosten produziert als man jemals Einnahmen generieren könnte. Aber eben auch nicht immer. Praxis ist halt nicht stetig….zumindest nicht über Gebühr.

Man muss die neue Sau nur lang genug in der Öffentlichkeit heiß debattieren – bis der Michel sich brav ergibt…und einfach aussitzt. DAS war übrigens der entscheidende Fehler bei Stuttgart 21. Da ging alles zu schnell und zu viele haben dann automatisch genauer hingeschaut.

Wie der berühmte Frosch…der ins heiße Wasser stürzt und danach die Flucht ergreift. Wenn man ihn hingegen langsam erhitzt, mitsamt des Wassers…BER ist da ein schönes Beispiel. Da hat es doch auch wunderbar geklappt. Oder bei der Elbphilharmonie.

Prunkstücke deutscher Architektur und ein Loblied auf Ordnungs- und Verwaltungsfetischismus im Lande…wenn die beiden denn mal überhaupt irgendwann fertig werden. Fragt auch keiner mehr nach den Kosten.

In der Zwischenzeit gibt es ja täglich hunderte neue Krisen und Probleme. Griechenland? Krise! Banken? Krise! Euro? Krise! Staaten? Krise! IS? Krise! Flüchtlinge? Krise! Ukraine? Krise! Beckenbauer und Sommermärchen? Krise…such dir einfach ein Stichwort aus. Irgendwer wird schon die Krise dazu finden! Ich sag nur Pisa…isch krick di crise!

 

Wo war ich?

Ach ja. Korruption. Wie immer. Oder eben Barzahl-Obergrenze…wie man es nimmt. Und vor allen Dingen: WOHER man es nimmt…aber echte, harte, widerliche Korruption, also so die tatsächliche?

Haben wir ja hier nicht. Hier werden immer schön sauber Steuern gezahlt, ganz besonders wenn man Präsident eines Fußballvereins ist. Auch die Pharma- oder Krankenhauslobby quetscht nicht den Patienten aus…ne, die Kassen. Der Pilot ist auch nicht böse. Oder der Zugführer. Nein, die haben gelernt.

Wo ganz oben ist, da kann man mächtig Kasse machen.

Außer, man hat eine Obergrenze. Für die anderen, versteht sich.

Hätte man bei den Bauwerken auch mal besser eingeführt, so eine Obergrenze. Auf jeden Fall muss der Finanzminister dann zukünftig die Schmiergeldzahlungen an die Beteiligten Unternehmen direkt vom Ministerium aus überweisen. Das nenne ich mal Transparenz!

Und keiner kann mehr auf dem Parkplatz oder hinterher im Parlament behaupten, er wüsste von keinem Koffer. Wird dann auch keiner so schnell Finanzminister. Na, wenn der, der unverhohlen in die Kasse greift sich nicht auskennt…wer denn dann? Kohl jedenfalls nicht. Der erinnert sich ja auch nicht mehr. Anderes Thema.

Auf jeden Fall baut man in der Zwischenzeit schön weiter an BER und Konsorten. Und überweist sich alles brav, was die 5000 überschreitet.

 

‚Macht dann exakt 5 Millionen. Bitte in 500ern. Sonst muss ich das noch überweisen…und auch noch versteuern. Will ja keiner, oder? Hehe…‘

Sprach es und feierte seinen Geburtstag mit der Kanzlerin. Auf deren Kosten. Auch fein arrangiert. Und hernach redet niemand davon. Ach, doch. Von den blöden Nachfolgern. Die den Kahn dann retten müssen und eklatant scheitern…

In derselben Zeit klotzen die fleißigen Chinesischen Wanderameisen mal 100 Kohlekraftwerke oder 40 Flughäfen oder auch wahlweise 30 Staudämme in die Gegend.

Wenn denn der Beton reicht. Oder eben die seltenen Erden. Ganz wie es beliebt.

Der Beton in den Köpfen der bundesrepublikanischen Politprofis scheint jedenfalls immer noch ganz gut auszureichen. So dass man hin und wieder mall auf GANZ neue Ideen kommt.

Eine Obergrenze bei der Barzahlung. Um dem organisierten Verbrechen das Leben schwerer zu machen.

Na klar, wird doch die gut ausgebildete Fachkraft dann demnächst die Drogengelder brav nach Kolumbien überweisen. Oder den Waffenkauf bei Heckler und Koch schön über Paypal abwickeln. Käuferschutz inklusive. Dann noch besser die Schrottgewehre der Bundeswehr bei ebay verhökern. Hätte Charme. Und wir endlich wieder Kohle in der Tasche. Dann noch ein paar alte Panzer nach Saudi Arabien. Wer sagt denn, wir würden Extremisten unterstützen? Wir doch nicht…

Ich fasse diese grenzenlose Naivität nicht. Ich bin ja auch ein feiner Mensch. Ohne Argwohn. Nicht, dass der Staat schon lange allzu gern den gläsernen Bürger hätte. So mit der Obergrenze für den jährlichen Orgasmus bzw. die Anzahl der erlaubten Koitus im Jahr zu regulieren.

Dazu dann gleich auch noch die wöchentliche Ration Fisch, Fleisch, Blumen, Käse, Pralinen – welche Lobby habe ich vergessen? Ach ja, die Automobile. Wird man dann zukünftig auch nicht mehr bar bezahlen können. Die 180000 für den Porsche.

Hat man vorher ja unter dem Kopfkissen gehortet. weil auf der Bank…bei deeeeen Zinsen? Bin ich doof? Ist ja auch quasi ein Trinkgeld…

Wie schon gesagt. Eine Obergrenze bei der Infantilität scheint es nicht zu geben.

Abschaffung des Bargeldes als Nahziel.

Wird also Zeit, dass ich mich dagegen wehre und ab sofort alles bar bezahle. Wäre ja auch noch schöner.

Übrigens war der Staat mal dazu da, dem Bürger zu dienen.

Mittlerweile ist es eher eine Knebelveranstaltung geworden. Und wer den neuesten Knebel findet, der wird dann gleich Bundesminister.

Wozu so eine große Koalition doch gut ist. Kann man alles durchdrücken was man immer schon mal am Volke vorbei machen wollte. Opposition? Gibt es weder im Parlament noch im richtigen  Leben.

Und am besten,. wenn wieder mal Finale bei EM oder WM ist.

Steht ja bald an.

Kann ich schnell noch meine Finalkarte bar bezahlen gehen. Dürfte knapp über den 5000 liegen…

 

‚Herr Ober – das ist ihre Grenze!‘

Zeigt auf den Tisch mit der akkuraten weißen Decke und markiert dabei das Trinkgeld.

‚Schließlich sind wir hier nicht bei wünsch dir was…‘

Also der wird die 5000 eh nie erreichen. Obwohl…Inflation sei gegrüßt…eigentlich hat er die Sorgen nicht. Also schluckt er auch die Obergrenze.

Sankt Florian ick hör dir trapsen…

 

Weisse Bescheid, ne?

 

Dolly BASTA

Lieber Tagesbuch,

wäre ja MEINE ultimative Antwort auf Forschung an embryonalen Stammzellen. Jetzt nicht Dolly. Eher das Basta. Für mich gibt es da irgendwie eine imaginäre Schmerzgrenze. Mir geht es persönlich alles zu weit. Aber ich bin ja auch nur ein kleiner (Wut?)Bundesbürger…

In England hat man gerade das okay bekommen. Natürlich nur aus Forschungsgründen. Ist quasi so, wie die Japaner mit den Walen. Die machen das ja auch nur aus Forschungsgründen. Oder der normale Iraner bis vor kurzem mit seinem angereicherten Plutonium. Auch nur wegen der lieben Forschung.

Jetzt also Stammzellen.

Damit ist in naher Zukunft der Weg frei für den Menschen 2.0. Zumindest offiziell. Soll ja keiner glauben, dass die anderen Hexenköche nicht schon lange an den Experimentiertischen stehen würden. Frankenstein lässt grüßen. Und ganz ohne Alchemie und Hokuspokus oder Strom einleiten um zum Leben zu erwecken. Nein. Ganz real und wahrscheinlich, wenn es denn dann lang genug erforscht ist, total simpel. Bekommt man dann seinen Bausatz bei Netto, Lidl oder Aldi.

Wie wär es? Lieber 3 oder gar 4 Beine? Welche Anzahl an Armen oder Fingern wären denn genehm? Augen- und Haarfarbe gehen dabei dann total unter, wenn man schlussendlich sogar die politische Gesinnung vorbestimmen kann.

‚Na, in DER Kombination wird der sicher mal Diktator in einem karibischen Inselstaat. Mit allen Konsequenzen. Wird dann wohl nicht alt. Wollen sie beide nicht lieber die Beamtenvariante? Lehrer oder Sachbearbeiter? Hätte ganz goldene Zukunft…‘

Das Pärchen schaut sich intensiv an.

‚Ne, lassen sie mal, das mit dem Inselstaat kommt uns gelegen, wir wollten sowieso nach der Geburt auswandern und unsere Unterstützungszahlungen in der Karibik kassieren. Das passt ganz gut!‘

 

Stellt sich die philosophische Frage, ob die Abtreibung von Cäsar, Hannibal, Attila, Idi Amin, Hitler oder Stalin etwas geändert hätte? Wären andere in die Bresche gesprungen? Wäre die Welt besser ohne die negativen Erfahrungen? Fragen über Fragen.

Kann man schlecht beantworten, bleibt alles weiterhin Spekulation.

Aber die bestimmbaren Faktoren beim zukünftigen Nachwuchs, die werden Ruck-Zuck auch Teil unserer gelebten Realität. Mag sich die Gesellschaft noch so sehr sträuben: wenn die ersten Staaten damit beginnen, dann wird zum Schluss jeder aufspringen um den Zug nicht zu verpassen. Ich denke, wir alle werden es noch erleben.

Kiemen, Flossen, Flügel – was uns alles genau bevorsteht, man weiß es nicht.

Spätestens wenn der eigene Nachwuchs dann durch das Zimmer fliegt oder stundenlang unter Wasser in der Badewanne herumplantscht. Spätestens dann werden wir realisieren, dass wir WIRKLICH zum alten Eisen gehören.

Wird man also zukünftig durch einzelne, fliegende Polizeibeamte in der Luft überwacht – ohne das man es bemerkt. Allgemeine Verkehrskontrolle. Bitte den Führerschein, die Fahrzeugpapiere und den Klon-Nachweis.

Wie, sie sind gar nicht geklont? So ein richtiger Mensch? Wo gibt es denn sowas noch? Fahren sie mal dort drüben in die Lücke, wir werden ihr Fahrzeug mal genauer untersuchen…

Auch Spione können zukünftig dann über zig Kilometer durch ihre optimierten Ohren auch noch den kleinsten Seufzer wahrnehmen. Und Transportprobleme werden von den menschlichen Hulks erledigt – mit Beinen wie Baumstämme und einer extra-breiten Ladefläche auf dem Rücken. Von wegen Feinstaub und Diesel. Das Gen macht‘s!

Die Frau mit den 500 Fingern tippt in aller Seelenruhe in der Schreibstube des Amtes vor sich hin – und der wirkliche Normalbürger, der wird Hartz beziehen. 8 oder 9 oder so. 4 reicht ja dann schon lange nicht mehr.

Für das menschliche Genom haben wir noch Jahrzehnte gebraucht. Beim Klonen werden wir die Schallmauer noch in diesem Jahrhundert durchbrechen. Versprochen. Wer sollte auch einen Riegel vorschieben? Zu verlockend ist es, am gewöhnlichen Menschen herumzuexperimentieren. Hat der Mensch ja schon immer gemacht. Nannte sich dann Zucht oder Ordnung. Oder beides.

So Leute, ich muss los. Arzttermin. Mein rechter Flügel schmerzt seit gestern wieder. Und meine Frau muss wegen ihrer sechsten Brust nochmal unter das Messer. Je oller, je Dolly.

Nicht, dass es mich stören würde. Aber nachdem das eigene Pferd nun auch Milch und Wolle abwirft…warum keinen Paprika-Hahn? Oder ein Dönertier? So mit Zwiebel auf dem Kopf?

Und wozu noch Kostüme zu Karneval, wenn man sich kurz die Gene spritzen kann – um dann als Batman oder Meerjungfrau im Getümmel gar nicht mehr groß aufzufallen…

Wolle mer se neilosse?

WEISSE BESCHEID, ne?

Der mechanische Fernseher

Lieber Tagesbuch,

feiert seinen 90. Geburtstag. Was mit einer einfachen Lochscheibe und einer bunten Puppe begann, das endet, zumindest bis gestern, mit Kasalla im Dschungelcamp. Heute eher besinnliche Gedanken zum 90. Geburtstag der liebsten Erfindung der Menschheit nach dem Wasserklosett.

Stellt sich einem so ganz allgemein die Frage, liegt es vielleicht an der Lochscheibe, dass viele Sendungen ein solches Loch im Kopf hinterlassen – oder war das Loch schon vorher da und muss nur gefüllt werden? In vielen Fällen ertappt man sich beim nächsten Griff in die Chipstüte bei dem Gedanken: ‚warum eigentlich schaue ich mir das an‘?

Automatisch halt – oder ist es in Wirklichkeit das Unterbewusstsein, welches sich durch die bunten Bilder auf der Mattscheibe derart gelangweilt abwendet und in letzten Zuckungen, vor dem dahinscheiden in seelischer Umnachtung, diese Frage in das Bewusstsein entlässt.

Haben Wissenschaftler ja in den letzten Jahren durch MRT-Aufnahmen festgestellt, dass die einzelnen Entscheidungen des Menschen schon Millisekunden, bevor sie scheinbar ‚bewusst‘ entschieden werden, durch das Unterbewusste bewertet und in der Folge auch bestimmt werden. Da hat man quasi gar keinen Einfluss darauf – darum kauft man sich dann eine Blöd am Kiosk.  Oder schaut RTL2. Oder wählt…

Heißt die Mattscheibe eigentlich darum so, weil alles im Menschen ermattet, selbst die Gegenwehr? Wo wären wir ohne Big Brother, DSDS, GZSZ? Warum eigentlich weiß jeder, der diese Kürzel hört, worüber ich hier schreibe? Warum liest keiner die Blöd und weiß dennoch über die Schlagzeilen Bescheid – alles unterbewusste Käufe, verdrängt vom Ich, versteckt vor dem eigenen Bewusstsein? Macht es einfacher, viele Entscheidungen im Leben zu verstehen bzw. nachzuvollziehen. Da bekommt der kalte Krieg endlich einen Sinn. Oder die Mauer. Die war ja, so Ulbricht, auch gar nicht beabsichtigt. Ist quasi unterbewusst gemauert worden. Von mechanischen Maurern. Die das auch nicht wollten. Geschweige denn gewusst oder gar bewusst wahrgenommen haben. Ist ja darum auch so lang geworden. Hat ja keiner Stopp gesagt…so richtig bewusst. Das Politbüro war ja zu diesem Zeitpunkt schon wieder mit dem neuen 5-Jahres-Plan beschäftigt…

Liegt es in der Natur des Menschen, sich mit den ganzen Banalitäten des Lebens lieber abzugeben, als über die gesamte Menschheit und deren drängende Probleme nachzudenken und dabei vielleicht sogar Lösungen zu finden?

Was stört mich schon eine Erwärmung des Planeten, wenn ich im Januar im Garten endlich meinen Geburtstag feiern kann! In kurzen Hosen und T-Shirt! Endlich…habe ja auch lang genug drauf gewartet. Grill angezündet und das Fass anstechen!

Währenddessen, in einem anderen Teil des Felsbrocken im All: Schneesturm! Und im Radio die sinnige Bemerkung, dieser wäre sogar mit Schnee und viel Wind. Ja sag mal. Wie kann das denn? Ein Sturm mit Wind? Und noch dazu Flocken? Ach. Stimmt. Wir haben ja noch Winter. Und im Radio sitzen eben auch nur Menschen mit 32 Knochen mehr im Kopf. Mechanisches Gehirn.

Zumindest in anderen Teilen der Welt. Wenn man mal vom heimischen Wohnzimmer ausgeht.

Ich gebe es zu – ich bin froh mich abends mit Irrsinn berieseln lassen zu können. Oder, falls ich es möchte, mir hochgeistiges oder kulturelles oder feinsinniges oder nachdenkliches anzuschauen. Ich habe die freie Wahl. Gut, nicht alles ist hochqualitativ. Aber 2 Tonnen Würmer – das hat was. Wann hat man schon die Gelegenheit im Leben, die alle auf einmal zu sehen?

Im Dschungel selber war ich noch nicht – und ich bin auch so spät am Abend nicht dabei. Da liege ich schon im Bett und lese mich durch die Welt.

Auch eine Form der Kommunikation. So mehr mit sich selber. Scheinen sehr viele Menschen zu benötigen, sonst wären die Verkaufszahlen einschlägiger trivialer Literatur nicht so hoch!

Ob also nun atomarer oder gefühlskalter Winter sei mal ganz dahingestellt. Tut sich ja nicht viel in der Unterscheidung. Wenn man nicht mehr miteinander redet, dann ist Kommunikation immer sehr schwierig. Wie bei mir und meinem Buch!

Außer, die Kommunikation läuft nur noch über die Medien ab. Nennt sich dann Propaganda. Wobei die Vorsilbe Pro hier ja schon fehl am Platz ist, nimmt sie einen doch positiv im Voraus ein.

Eigentlich, um möglichst objektiv zu bleiben, ist es ja Paganda. Dies wiederum versteht aber keiner – zumindest wäre es ein neues Unwort für die Gesellschaft für deutsche Sprache. Und weckt Assoziationen zu Pangäa – den Urkontinent.

Also hören wir uns die Paganda der jeweiligen Seite an. Und sehen Bilder über den angeblichen oder tatsächlichen Terror des Tages. Ein Autofahrer terrorisiert seine Mitmenschen mit Abgasen. Ein anderer treibt seinen Terror in der gesamten Nachbarschaft in dem er mit lauter Musik sinnlos durch die Gegend fährt. Also fast so wie der mobile Musikantenstadel. Den man bei uns sehr gut Nachmittags auf der A40 beobachten kann. Stop and go in seiner feinsten Ausprägung.

Alles ist Terror. Und überall ist Terror. Keine Kriege mehr ohne die zugehörige terroristische Miliz.

Und wir immer live dabei. So daß man wunderbar abstumpft und nur noch milde lächelnd den ‚Vogel des Jahres‘ oder die ‚Schnecke der Woche‘ wahrnimmt. Bunt gemixt mit Kochshows und wunderbaren Selbstfindungssendungen a la Dschungelcamp.

Da sag mir einer, das Fernsehen sei tot. Dass sich die Jugend immer weiter ins Netz verlagert und gerne streamt ändert ja nichts an der Tatsache, dass der Normalbürger mechanisch am Abend den Knopf auf der Fernbedienung drückt.

Nicht, dass ich das verurteilen würde, sehe ich doch selber gern Krimis oder Unterhaltung bzw. Comedy.

Aber es ist schon verrückt, wie sich unsere Gesellschaften in den letzten 100 Jahren gewandelt haben. Und wie viel Unsinn den Tag über durch Menschen produziert wird.

Stell sich mal einer vor, es ist Revolution und die Fernsehsender berichten über die 3 Terroristen. Und alles schaut gebannt zu. Auf dem heimischen Sofa. Mit dem Popcorn.

Wer ist nun ärmer dran? Der, der den Unsinn erschafft oder der, der es sich auch noch ansieht?

Ganz oft habe ich mir eine Lochscheibe gewünscht, die den Mist wegfiltert. Und dann kamst du.

Und mal ganz ehrlich: ein mechanischer Fernseher, hört sich für mich eher nach einem Roboter an, der sich durch das Programm zappt. So wie die Rundfunkintendanten. Oder der deutsche Michel.

WEISSE BESCHEID, ne?

 

 

 

 

 

Unvermögen

Lieber Tagesbuch,

 

ist laut einer neuen Studie des Bundesfirlefanzministeriums sehr gleich verbreitet in der Bananenrepublik Schlaand.

Entgegen den bisherigen Vermutungen, dass das Vermögen in direkter Weise mit dem Unvermögen in Korrelation steht, haben Wiesenschaftler nun herausgefunden, dass das Unvermögen proportional zur Machtfülle wächst.

Erste Studien ergaben bereits im Altertum zarte Hinweise auf die direkte Verbindung zwischen Macht und Ohnmacht. Schon Moses war nicht in der Lage, selber das Wasser zu teilen: er brauchte einen Gott dafür. Dass dieser dann auch gleich noch mit Geboten um die Ecke kam, lief nach dem Motto: die Geister die ich rief…

Das Unvermögen zieht sich aber weiter wie ein roter Faden durch die Menschheitsgeschichte. Angefangen bei eben diesem Gott, der nicht in der Lage war, eine fehlerfreie Kopie seiner selbst zu erstellen (das Klonen war kurz nach dem Urknall noch in den Kinderschuhen – und der Tinnitus nach dem großen Knall hat auch sein übriges getan) bis hin zu Shakespeare, der nicht in der Lage war, die Frage nach dem Sein oder Nichtsein zu beantworten. Er war ja auch kein Gott, der einfach so mal eben alles aus dem Nichts erschaffen hat. Obwohl die Zentralbanken heutzutage auch Geld aus dem Nichts erschaffen können. Aber das ist ein anderes Thema.

So war es eben auch Gilgamesch nicht möglich, den Tod des Enkidur, oder Hannibal, trotz Elefantenrunde über die Alpen, letztlich die Niederlage von Karthago zu verhindern. Obwohl beide Vermögend und sicherlich auch mit Macht versehen waren. Nutzt halt nix wenn man nicht die richtige Idee hat.

Denn Unvermögende gibt es ja zu Tausenden.

Die können morgens schon nicht aufstehen, weil sie in der Nacht nicht schlafen konnten. Dann können sie nicht frühstücken, weil sie ja am Vortag auch nicht einkaufen konnten.

Gleiches gilt aber dann auch für sämtliche Mahlzeiten des Tages. Und können sich auch nicht anziehen, weil sie sich vor dem Schrank auch nicht entscheiden können.

Und können deswegen nicht arbeiten gehen, weil nackt geht ja nun auch nicht.

Und aus Sorge um einen möglichen Job können sie nachts nicht schlafen.

Darüber können sie auch mit niemandem sprechen – weil keiner da ist, der sich das anhören würde. Und schließlich fällt es auch niemandem so wirklich auf. Weil all die anderen ebenfalls unvermögend sind. Ein Teufelskreis.

Auch wenn man sich fragt, warum da jetzt wieder direkt solch ein Aberglauben im Spiel sein muss. An den Schwefeltypen glaubt doch nicht wirklich noch jemand, oder? Irrsinn. Und das im 21. Jahrhundert. Aber da gibt es ja noch ganz andere Dinge, an die Menschen so glauben. Ich sage nur Lichtenergie. Oder Demokratie.

Ich vermag mir nicht auszumalen, wo dies alles noch hinführen wird.

In ein paar hundert Jahren werden alle so abhängig von kleinen, süßen Robotern sein, dass selbst lesen und schreiben wieder komplett verlernt sind. Das ist keine Prognose sondern nur die Fortführung des Jetzt in die Zukunft. Sag ich mal so.

Vor etwa 10 Jahren war die normale U-Bahnfahrt noch von vielen lesenden Menschen begleitet. Bücher. Nicht Whatsapp. Also INHALT nicht AUFENTHALT waren maßgeblich.

Aber was soll es schon?

Spätestens mit der Vorstellung, dass irgendwann in weiter Ferne keiner mehr weiß, was die Warnhinweise an den Stollen zu den atomaren Giftfässern zu bedeuten haben und man eher glaubt, dass es sich hier um was ganz mega-tolles handelt, welches man unbedingt sofort ausbuddeln muss, um dort schnell mal reinzuschauen…spätestens dann wird einem klar: Knappe Zwanzigtausend Jahre soll der strahlende Dreck dort unter der Erde liegen? Is klar. Ihr seid mir echte Spaßvögel.

Wahrscheinlich können eben diese dann bereits ohne Motoren fliegen.

Und die echten Vögel (wegen der Mutationsraten in der unmittelbaren Nähe von radioaktiven Fässern) können dann sprechen.

Und lesen sich gegenseitig die Bedienungsanleitungen für ihre fehlgesteuerten Menschen vor.

‚Meiner kackt immer in den Käfig!‘

‚Ja, bei Menschen ist das ja auch immer gleich so ein riesiger Haufen! Musst ihn vegan ernähren, dann stinkt es zumindest nicht so doll…‘

‚Ja du hast gut zwitschern, woher nehmen? Bio und vegan ist mir zu teuer, ich kann nur zum Vogli!‘

‚Tja, hättest du mal besser aufgepasst und nicht immer dazwischengeträllert…dann wärst du heute ein hohes Tier! Ein Saat-Sekretär oder so…‘

‚Ach, was soll es schon. Muss ich halt weiter von meinem Mindestlohn leben und zusehen. Zumindest gibt es in meiner Stadt noch keine Menschensteuer wie bei euch…‘

Wir verlassen diese zukünftige (?) Diskussion und wenden uns wieder der unmittelbaren Gegenwart zu.

Unvermögen ist also, wenn man trotzdem einfach weiter macht.

Ohne Blick auf die Konsequenzen.

So an einem lauschigen Frühlingsnachmittag eine Atombombe in der Garage entwickeln etwa.

Oder mit 180 durch die Fußgängerzone – am Sonntag-Mittag.

Oder Geld drucken um Staatsanleihen damit zu kaufen.

Oder wählen zu gehen und sich nix dabei zu denken – und trotzdem zu hoffen, dass sich was ändert. Also das normale Verhalten des Bürgers von heute.

Wo war ich?

Genau: ob nun Gilgamesch oder Moses oder Cäsar oder wer auch immer in der Geschichte.

Probleme gab es immer schon. Und immer genug Leute mit Unvermögen, das Problem zu lösen. Wie sagte Einstein? Wenn man nur einen Hammer hat, dann sieht jedes Problem wie ein Nagel aus…

 

WEISSE BESCHEID, ne?