Wolle mit IQ

Lieber Tagesbuch,

damit ist jetzt nicht der übliche Schlagersänger nach einem VHS-Lehrgang gemeint – und auch nicht das Schaf, welches gemeinhin der Träger eben dieser Wolle ist. Denn bei beiden hält sich das mit dem IQ ja bekanntlich in engen Grenzen.

Nein, vielmehr Kleidung, die durch technische Weiterentwicklung unter Umständen sogar intelligenter als der Besitzer wird. Kann man also demnächst bei KIK an der Kasse darüber rätseln, ob der Wollpulli mehr Intelligenzquotient besitzt als die Mittvierzigerin, die mit ihren 2 quängelnden Kindern auf das bezahlen wartet.

Meist gehört nicht viel dazu, schließlich hat ja schon Graubrot öfter einen größeren Wirkradius als der gemeine Mitmensch. Zumindest im Darm. Dem Mitmenschen hingegen geht meist ja der Großteil des Lebens ‚am Arsch vorbei‘.

Da werden also die Kleidungsstücke mit Elektronik vollgestopft. Gut, jetzt, noch in den Kinderschuhen steckend, handelt es sich um Solarzellen die das Handy aufladen können oder bunte Lichter die auf der Anzugjacke wimmeln – oder auch um eine Heizung, die die Jacke im Winter schön wärmt. Aber wie erwähnt, dies sind ja erst die Anfänge.

Wahrscheinlich wird in nicht allzu ferner Zukunft das Handy mit der Jacke kommunizieren können. Man selber sitzt mit der Bewegungstüchtigkeit abträglichen Promillewerten an der Bar und das Handy ordert in der Zwischenzeit die letzte Runde, das Taxi und die Jacke aus der Garderobe. Und dies alles, weil die gnädige Partnerin gerade mit einer netten Nachricht unmissverständlich klar gemacht hat, dass ein ‚schlibedisch‘ bei Weitem nicht mehr ausreicht und der Heimweg unverzüglich anzutreten ist.

Beim morgendlichen ankleiden sagt einem dann der Kaschmirpulli, dass man derzeit 5 Kilo zu viel auf den Rippen hat und auf dieser Grundlage gerade eine Mitgliedschaft im Fitnessclub um die Ecke gebucht wurde.

Die Zahnbürste weist darauf hin, dass mit der neuen Creme zu viel Schmelz abgetragen wird und außerdem der nächste Kontrolltermin beim Zahnarzt fällig wird. Eine verträglichere Creme wurde bereits bestellt.

Unterdessen ergab die morgendliche Analyse der Stuhl- und Urinprobe, dass der ständige Verzehr belegter Brötchen aus dem Kantinenautomaten zu einem Anstieg beim Cholesterin geführt hat. Auch hier wird der nächste Termin beim Hausarzt unverzüglich gebucht.

Dieser ist nur wenige Minuten nach 8 darüber informiert, welche Nahrungsmittel wir in den letzten 8 Wochen zu uns genommen haben und hat ein fertig ausgearbeitetes Konzept zur Kalorienreduzierung bereits von der Krankenkasse zugesandt bekommen. In der Zwischenzeit hat das Kontrollsystem der Uhr Alarm geschlagen – zwei außerordentliche Systolen legen den Verdacht nahe, dass der Alkoholgenuss vom Vorabend nicht förderlich war.

Der Barkeeper wird darüber informiert, dass man beim nächsten Besuch auf 4 Bier und 3 Korn herunterreguliert wurde.

Bei der Gelegenheit rief Oma gerade an – sie hat durch die App auf ihrem neuen Smartphone mitbekommen, dass man den neuen Strickpulli seit Weihnachten nicht einmal getragen hat und fordert nun das Material zurück – über den geldwerten Ersatz des Aufwandes sei noch zu reden.

Kurz vor Feierabend weist der Abnutzungssensor in den Sohlen darauf hin, dass die heute Morgen angezogenen Schuhe nur noch 3 Tage Benutzung erlauben würden, dann sei ein Besuch beim Schuster nicht mehr vermeidbar. Ersatzweise könnte die Sohle auch direkt im Netz nach einem neuen, vergleichbaren Paar suchen.

Die Fahrt nach Hause wird ein Spießrutenlauf, da sämtliche am Tag empfangenen Nachrichten nun auf die Windschutzscheibe geworfen werden – durch die vielen Meetings des Tages blieb keine Zeit auch nur eine davon zu beantworten.

Die Tochter beschwert sich über die Gästeliste zur Geburtstagsparty, da sei ja nicht ein einziger dabei, der auch nur als Partner in Zukunft in Betracht kommen würde. Sie verweigert schlichtweg die Teilnahme. Außerdem habe sie noch nichts Gescheites zum Anziehen gefunden, meldet sich ihr Kleiderschrank mitten in der Nachricht zu Wort.

Die Partnerin sagt den gemeinsamen Kinoabend ab, da der Platz neben ihr von einem rechtsradikalen gebucht wurde, wie ihr gerade über das eigene Ticket mitgeteilt wurde. Da bleibt also nur ein kleiner Umweg zum Kiosk – dort angekommen stellt man aber verblüfft fest, dass der Kioskbesitzer in einer heftigen Debatte mit dem eigenen Kittel feststeckt. Nach 6 Wochen will dieser endlich mal wieder gewaschen werden und verweigert schlichtweg die Arbeit. Stocksteif steht der arme Mann hinter seiner Theke und kann nicht bedienen…

Spätestens in der eigenen Hauseinfahrt wird einem dann klar, dass man die neue Welt gar nicht so schnell um sich haben wollte. Dort weigert sich nämlich die eigene Garage, sich für die schmutzigen Reifen zu öffnen. ‚Gerade frisch gewischt‘ lautet die Anzeige auf dem Display.

Nach der Zurechtweisung durch den Nachrichtensprecher im TV, dass man ja schon seit Wochen keine Nachrichten mehr geschaut habe und so etwas nicht weiter toleriert wird, das Abo werde wohl gekündigt wenn man sein Sehverhalten nicht ändert, schleicht man sich ins Bett und das frisch bezogene Laken raunzt einen unsanft an: ‘Mensch, geh duschen!‘

 

WEISSE BESCHEID, ne?

 

Von Muskelhunden und Schweinekatern

 

Lieber Tagesbuch,

Heute wird es ernst. Also schon mal vorab die Warnung. Musst ja nicht zuhören…

Von den im Titel genannten kann man ja gerade um das neue Jahr herum besonders viel berichten! Mehr als 2 Wochen sind rum – und die ersten Kater werden schon dazu geführt haben, dass man von den neuen Vorsätzen ablässt.

Da nimmt man sich ja so allerlei Sachen vor.

Aufhören zu rauchen soll zumindest bei den Rauchern ja in jedem Jahr ganz weit vorne stehen. Fragt man sich schon, warum es gerade an Neujahr klappen soll, wenn man es das ganze Jahr nicht hinbekommen hat. Vielleicht, weil gerade mal wieder eine Preiserhöhung ansteht oder die netten Bildchen auf den Verpackungen plötzlich doch davon abhalten? Ansonsten ist doch der Neujahrstag nichts anderes als alle anderen Tage zuvor auch…was soll es. Nächstes Jahr ist auch ein Jahr…

Die Pfunde, die man über die Weihnachtsfeiertage angesammelt hat, sollen auch purzeln – Fitnessstudios freut es, wenn wieder zigtausende vorab die 2 Jahre Mitgliedsbeitrag überweisen um dann spätestens ab März, wenn es draußen wieder schöner wird, nie mehr im Wettkampfbereich der Athleten gesehen zu werden. Netter und schneller vorab – Gelderwerb, ich bin ein Idiot – ist es doch soooo einfach an das Geld anderer Leute zu kommen. Und ich steuere morgens immer das Büro an…dabei könnte ich durch eine Mucki-Bude wohl endgültig Millionär werden. Aber will ich das? Ernsthaft? Macht Geld glücklich? Mich nicht…

Aber apropos Geld.

Habe ich heute Morgen vernommen, dass 62 Menschen auf der Erde genauso viel besitzen, wie 3,6 Milliarden der ärmsten Menschen. Gut, die 3,6 Milliarden besitzen nun wirklich nichts, vielleicht gerade noch die Wellblechhütte in den Favelas oder irgendwas sonst auf dem Planeten um darin zu hausen. Dazu vielleicht noch einen schmutzigen Eimer um damit Wasser aus irgendeiner Brühe zu schöpfen.

Es ist also nicht wirklich eine Kunst, mehr zu besitzen.

Immer wieder erschreckend und auch absolut verstörend – zumal man dies aus den gesicherten Verhältnissen Deutschlands heraus – also aus einem Level, der in etwa den Königen im Mittelalter entspricht – kommentiert. An einem Computer, mit Internet und der Flasche Wasser auf dem Schreibtisch. Oder sogar dem heißen Tee – jetzt in der kalten Jahreszeit.

Wir reden hier allerdings über die 62 Superreichen. Diejenigen, die wirklich nicht mehr wissen, wohin mit der Kohle. Denn egal was sie auch machen – es wird immer mehr! Die Schere geht weiter auseinander und die Armut und der Hunger sind weiterhin stete Begleiter des doch so aufgeklärten und humanistischen Homo Sapiens.

Klar, unter uns Klosterschwestern ist das vielleicht kein Thema. Niemand, mit dem ich so ein paar Worte wechsele (und das sind wirklich verdammt viele…), kann es verstehen oder tolerieren. Aber in dem Unverständnis und der Wut darüber erkennt man auch die Machtlosigkeit, etwas zu verändern.

Dabei ist dem ja gar nicht so.

Man kann schon sehr viel tun. Nur muss man dafür halt auch aktiv werden, so wie man es an Neujahr mit den guten Vorsätzen ja auch muss. Den Schweinekater überwinden halt – oder eben den Muskelhund. Und dann raus, es gibt genug Projekte die man unterstützen kann.

Aber unabhängig davon kotzt mich eines doch sehr an:

Wenn diese 62 nur ein wenig von ihrem überbordenden Reichtum abgeben würden, dann könnte so vielen Menschen geholfen werden. Allerdings liegt es nicht in der Natur des Menschen zu helfen. Ausbeutung und Egoismus schon eher. Sieht man ja durchaus auch an den Regierungsformen – die alle in sich schon recht diktatorisch herkommen. Ob nun offen oder verkappt. Irgendwie WOLLEN wir doch auch immer Vortänzer.

Und im Mittelalter reichte es halt mal zur Burg mit dem eigenen Orchester und dem Hofnarren. Üppiges Essen und Ländereien.

Hat sich nicht viel verändert. Heute ist es halt der eigene Jet, die kleine Insel oder die Beteiligungen an den Firmen dieser Welt.

Macht dieser Reichtum dann glücklich?

Das frage ich mich wirklich ernsthaft. Denn man kann ja nichts mitnehmen. Wohin auch, wenn nach dem Tode alles vorbei sein sollte? Und im Fall der Wiedergeburt auch nicht. Was weg ist, ist weg.

Auch wenn ich vielleicht naiv bin – ich brauche nicht viel um glücklich zu sein. Ein Sonnenstrahl im Gesicht, meine große Liebe, meinen kleinen Frechdachs und vielleicht noch die Freiheit…aber das alles ist um so vieles mehr, was 3.6 Milliarden ihr Eigen nennen. Ich schäme mich. Wirklich.

Ich schäme mich, Mensch zu sein.

 

WEISSE BESCHEID, ne?

Hundewetter

 

Lieber Tagesbuch,

 

haben wir ja nun seit einigen Tagen draußen vor der Tür.

Dass der Winter kommt war keine Frage, aber erwartet hatte ich ihn zwischen dem 23. und 24. März. So 2 Stunden. Mit Schneefall und allem was dazugehört.

Und dann wäre eigentlich im sofortigen Anschluss Frühling und Sommer dran gewesen!

So war es  zumindest in den letzten Jahren. Ziemlich durch und etwas konfus, das Wetterchen. Sozusagener Klima-Schluckauf.

Und jetzt kommt tatsächlich eine oder mehrere Wochen Winter auf uns zu…und die Schneeschippe damit ja ebenfalls. Mir graut es allerdings nicht – aber meine Lieblingsbeschäftigung sieht etwas anders aus. Dazu später mehr…

Klamme und kalte Finger, Wasserdampf der sichtbar kristallisiert, wenn er den Mund verlässt – eben das ganze Programm mit Handschuhen und dick einpacken und so.

Und ich Idiot habe mir mit der Göttin im Sommer nach reiflicher Überlegung auch noch einen Hund angeschafft. Wie blöde kann man eigentlich sein?

Musste aber. War sozusagen unser Beitrag zur Flüchtlingsproblematik. Ist ja eine verstoßene Andalusierin. Wurde als Welpe schon auf die Straße gesetzt und hat dann auch keine Chance gehabt auf ein faires Verfahren. Da haben wir kurzerhand die Sachen gepackt und die einfach rüber geschmuggelt. Wird halt geduldet, jetzt. So von uns. Ist aber auch ein kleiner Engel…wenn da nicht das drumherum wäre.

Tagtäglich läuft man also zwangsweise mit schicken Kotbeuteln bewaffnet durch die Parkanlagen hinter dem kleinen schwarzen Monster her, ruft ’nein!‘ oder ‚komm hier‘ oder ‚weg da‘ oder auch schlichtweg nur ‚aus!‘ – als ob es sich um einen Roboter handeln würde und dieser auch nur ansatzweise den Kommandos gehorcht. Geschweige diese verstehen würde.

In Wirklichkeit denkt sich der Hund wohl nur: ups! Leckerchen! Schnell wieder zurück!

Um 20 Sekunden später, beim nächsten ärgerlich gerufenen Kommando zu denken: : ups! Leckerchen! Schnell wieder zurück!

Ziemlich simpel. Für Leckerchen machen wir ja alle fast alles. Kommt halt auf das Leckerchen an! Für manche ist es der nackte Partner, für andere ein gutes Essen oder ein netter Film. Für den Hund an sich ist es das, was aus der Hand des Besitzers purzelt wenn er zurück kommt. Manchmal mit einem Stock, manchmal mit einem Ball, manchmal mit dem Hosenbein des Nachbarn.

Klaubt man also während des ausgedehnten Spazierganges den Kot auf. Mit den bereits erwähnten netten Beutelchen, die man seitdem immer bei sich hat…und das eben auch bei jedem Wetter.

Nasser Kot. Trockener Kot. Harter Kot, weicher Kot. Kotähnliches Gebilde, Kot mit Rasen, Kot mit Schlamm, Kot mit Schnee und Kot mit…was war das denn jetzt? Egal, ab in den Beutel damit. Komisch. Kläfft und bewegt sich…

‚Würden sie bitte meinen Benno wieder aus dem Beutel befreien? Ist ein seehr kleiner Pekinese, ich weiß. Aber nur weil der am Kot ihrer Hündin riecht, müssen sie ja nicht gleich…‘

UPS: Na dann.

Man stelle sich vor ich sitze, meinen Hintern vom Ballast des Stoffes befreit, in eindeutiger Stellung auf dem Rasen des Stadtparks – und meine Göttin, bewaffnet mit einem blauen Abfallsack der Größe ‚wir renovieren gerade‘, wartet darauf, dass ich mich erleichtere, um im Anschluss mein Geschäft zu entsorgen.

Klasse! Wäre mit Sicherheit das Stadtgespräch der nächsten Wochen! Hätte auch etwas von Komfort, muss ich ja sagen. Wenn man also nach den Pantoffeln und der Fernsehzeitung mit dem Bier auch noch den Arsch und dessen Entleerung hinterher getragen bekommt.

Hunde haben ihre Halter eben im Griff. Und erziehen sich diese schon so, wie sei es benötigen. Keine Sorge.

Gut, ein Teil der Hundebesitzer schert sich einen feuchten Kehricht darum, ob und wo sich ihr Hund löst. Denen sollte man auch mal etwas lösen. Auflösen. Die Genehmigung der Tierhaltung. Ein Tierführerschein wäre da auch mal etwas…aber das ist ein anderes Thema.

Es passiert ja auch viel zu wenig, dass Besitzer tatsächlich ihr Tier abgeben müssen, wenn sie nicht in der Lage sind, es artgerecht zu halten. Ist natürlich die Frage, ob der Aufenthalt auf dem Sofa oder im Bett mit dem Genuss von getrockneten Hühnerbruststreifchen jetzt artgerecht ist. Wahrscheinlich müsste man barfen oder den Hund seine tägliche Dosis im Wildpark selber erlegen lassen. Aber ich muss ehrlich sagen – ich kann das nicht. Weder das eine noch das andere. Ist mir etwas zuwider.

Aber es hält mich nicht davon ab, auch zu Hause sinnlose Kommandos zu geben – selbst wenn gar niemand da ist.  Das schleift sich halt so ein.

Bis man sich schließlich selber Kommandos gibt: ‚Hose anziehen!‘ Und im Anschluss:

‚Ja fein!‘

‚Zähne putzen!‘ — Ja fein!

Wird man immer begeisterter beim erledigen der standardisierten Dinge des Alltags. Sogar das Müll raus bringen wird von der Göttin dann mit einem Leckerchen bedacht. Ja toll hat er das gemacht! Ja feiner Bursche!

Ja fein ist eben auch so eine nette Floskel der Hundehüter.

Der Hund hat die Hose des Postboten beim Angriff nicht komplett heruntergerissen und in einem Anfall von Tollwut komplett zerlegt? ‚Ja fein!‘

Er ist für das Geschäft nicht ins Wohnzimmer auf den Teppich entfleucht – sondern hat sein Bedürfnis tatsächlich angemeldet und dann im Freien erledigt? (jetzt ohne Gewerbeschein und dreifacher Ausfertigung beim AMT erbeten, nein, einfach in dem er sich vor die Terrassentür setzt und unsereinen doof anschaut)

Ja fein!

Er bringt 2 oder 3 mal den Stock zurück und danach setzt er sich erst einmal an Ort und Stelle damit auseinander, wie man einen Holzstock möglichst fachmännisch zerlegt und dabei auch den letzten Funken leben in eben diesem komplett abtötet?

Ja fein!

Er geht an Artgenossen vorbei, ohne Notiz von ihnen zu nehmen oder erst einmal eine kleine Arie in Bell-Dur zu singen? Gekläffe und Gezerre mit eingeschlossen?

Ja ganz toll!

Gut, über die ineinander verwobenen Hundeleinen der einzelnen Felltiere sieht man jetzt mal geflissentlich hinweg. Kunst ist halt nicht immer einfach zu verstehen und muss in ihren gesamten Ausprägungen auch gewürdigt werden!

Da muss man dann auch mal fünfe gerade sein lassen und dem Terrier sein Feld überlassen, wenn dieser so an die 500 mal wie ein irrer kläfft und einen dabei anschaut, als wenn er gerade etwas äußerst wichtiges zu vermelden hätte!

Ja Klasse!

Immerhin hat er nicht gebissen!

Wenn doch alles und alle im Leben so einfach glücklich zu machen wären wie Hundebesitzer.

Der will nur spielen – in dem er erst den Ärmel, dann den Arm und schließlich die Finger ablutscht und besabbert. Mensch Fein!

Der tut nix – nachdem der Hund eine gefühlte Stunde vor einem steht, mit gefletschten Zähnen und ein wildes Gebell mit dazugehörigem Sabber ums Maul einem irgendwie unmissverständlich suggeriert: ich müsste dann mal dringend weg!

Ja Fein! Der benimmt sich ja schon, ist stubenrein, mit anderen Hunden kommt er auch klar – aber Katzen. Ne, da geht er immer wieder steil. Müssen wir dann dran arbeiten. Sonst wird das nichts mit dem Nachbarn. Der zwei süße Perser sein eigen nennt. Katzen meinte ich! Mensch! Watt du widda denks…

Der hat ja schon demonstrativ einen Zaun gezogen – um seinen eigenen Hof vor den aggressiven Angriffen des anvertrauten Hundes zu schützen. Da hat er aber die Rechnung ohne den Pantoffelzerstörer gemacht.

Nur bei unserer süßen Kleinen nicht. Die ist eigentlich ganz froh, wenn sie zu Hause das Kommando übernehmen kann. Und wundert sich, warum bei jedem Spaziergang der Papa den gerade frisch erzeugten Kot aufsammelt.

Wer weiß, was der damit macht?

Wirft er den Beutel dem Nachbarn über den Zaun?

Untersucht er die Exkremente eingehend in seinem Keller, der ja sowieso schon so seltsame Dinge und Gerüche enthält?

Oder isst er den womöglich sogar?

Der MUSS pervers sein!

 

WEISSE BESCHEID, ne?

Das Buch der Bücher

Lieber Tagesbuch,

ist hierzulande, nicht wie du jetzt vermutest, die Bibel. Obwohl es schon einige Offenbarungen und Apokalypsen enthält. Nein, weit gefehlt, es handelt sich dabei gar nicht um einen religiösen Reigen durch die Region – es ist das unbekannte und intransparente Lebensmittelbuch.

Fragst du mich jetzt, was das ist.

Nun. Nicht ganz so einfach, das.

Sagen wir mal, du hättest 500 Gramm Erdbeeren in deiner Hand. Wohlfeil verpackt in Plastik wie es heute üblich ist – und du stehst damit in deiner eigenen Sporthalle. So 50 mal 20 Meter um ein wenig genauer zu werden.

In der Sporthalle befinden sich noch einige andere Sportler die Turnübungen machen, aber die sollen uns zunächst nicht weiter stören. Auf die Gruppenübungen kommen wir nachher noch zu sprechen.

In der gesamten Halle verteilt hast du eine Tonne reinen Naturjoghurt herumstehen. Da fängt jetzt schon die krux an. Was genau heißt jetzt hier Natur?

Haben die Kühe an 360 Tagen draußen im Freien gegrast oder sind es eher Stalltiere die mit Kraftfutter versorgt wurden? Wurden die empfindlichen Zitzen mit der behutsamen Hand einer jungen Melkerin entsaftet – oder durch eine Maschine lieblos abgezapft?

Wurde die Milch gereinigt oder behandelt? Welche Zusatzstoffe sind in der Molke? Und so weiter und so fort.

Steht da also die Tonne Naturjoghurt herum. Und je nachdem, ob du nun klitzekleine Teilchen von deinen Erdbeeren zurechthackst und diese in dem Joghurt verteilst oder du nur die gesamten Erdbeeren pürierst und dem Joghurt zuführst – ändert sich nach dem tollen Lebensmittelbuch die Bezeichnung deines Joghurts.

Nehmen wir einmal an, du verwendest deine Erdbeeren nur, um sie in der Halle abzulegen. Der Joghurt hat also mal neben Erdbeeren gestanden. Dann hast du schon aromatisierten Joghurt! Und nach dem Lebensmittelbuch darf dein Joghurt sogar verkauft und als Erdbeerjoghurt durchgehen! Hauptsache du hast ihn mit Holzspänen behandelt, die so ähnlich wie die Erdbeere schmecken!

Im Pfirsich-Maracuja-Saft tummeln sich stattdessen Äpfel und Orangen – und es ist gut zu wissen, dass im Tafelwasser geringfügige Mengen von Energie, Fett, gesättigten Fettsäuren, Kohlenhydraten, Zucker und Eiweiß enthalten sind.

Macht dich das jetzt nervös oder bist du gar irritiert?

Dass im Heringssalat Rindfleisch erlaubt ist, dass Kalbfleisch-Leberwurst zum Großteil aus Schweinefleisch hergestellt wird, keine Kalbsleber enthält und nur zu 15 Prozent aus Kalb besteht, dass Alaska-Seelachs-Schnitzel, gern verwendet in Brotaufstrichen und Salaten, muss nicht einmal aus Lachs bestehen, denn stattdessen erlaubt die Lebensmittelbuch-Kommission, dass Hersteller die Fischart Pollack dafür verwenden und diese mit Farbstoffen lachsähnlich einfärben.

‚Skandal!‘ höre ich dich schon schreien. Aber damit nicht genug: die Kommission selber wird weder durch das Europäische Parlament, noch durch die EU-Kommission, den Deutsche Bundestag oder die Bundesregierung reglementiert.

Was ja auch nicht wirklich schlimm ist, herrscht doch auch hier der Lobbyismus vor und dieser setzt sich in der Zwischenzeit, in der er nicht gebraucht wird, ganz neue, höhere Ziele. Ein Ring sie zu knechten…

Diese süße Kommission, die die Leitsätze unserer Ernährung bestimmt – die ist derart geheim, dass selbst die Gerichte einen Einblick in die Protokolle der Sitzungen verwehren! Warum sollte man auch wissen, wenn Vertreter aus der Industrie und Landwirtschaft sich gegenseitig die Kohle zuschieben und die Regeln derart aufweichen, dass selbst in aromatisierten Früchtetees nicht mal das enthalten ist, was man auf der Verpackung abbildet.

Banane? Nein, Herzkirsche. Aber dem Verbraucher ist es halbwegs egal. Jede Reform wird im Ansatz erstickt oder so lange daran herumgedoktert, dass am Ende ein ‚Reförmchen‘ herauskommt, welches dann abschließend nur den Namen der Kommission ändert. Oder den Tagungsort. Oder andere Bleistifte zur Benutzung für die Protokolle vorschreibt. Harte Sanktionen also!

Stehst du also mit deinen Erdbeeren in der Halle.

Und überlegst dir, dass eine Packung von 500 Gramm vielleicht zu wenig ist für eine Tonne Joghurt. Kaufst also noch eine Zweite und mischst das Ganze.

Verdammt. Plötzlich bist du der Einzige mit einem nachweisbaren Fruchtfleischanteil im Joghurt. Und wirst Marktführer. Und kannst vor lauter Einnahmen und Kohle nichts mehr machen als Millionär zu werden.

Wie, das wäre auch ein Ansatz? Das ist dir zu transparent? Ja, es würde endlich wieder dazu führen, dass wir das essen, was wir auch essen wollen. Und nicht, wie in dem berühmten Louis de Funes (RIP) Film ‚Brust oder Keule‘ irgendwelche Lebensmittel-Ersatzstoffe in uns hineinstopfen.

Aber was erzähle ich hier? Wo doch gerade in der Zeit, in der ich das hier erzählt habe, wieder zigtausend Burger über die Theke gegangen sind. Mach dir mal keinen Kopf und fang an in deinem Garten was anzupflanzen. Urban Gardening. Der Trend wird anhalten denke ich.

Und dann steht  in deinem Lebensmittelbuch vielleicht das alte Rezept für Rotkohl von der Omi.

Und da ist auch tatsächlich Rotkohl drin!

Heissa…schöne Neue Welt!

Am Ende des Tages kommt ein Reporter in deiner Produktionshalle vorbei, die mit dem Joghurt und den Erdbeeren. Und der sieht in deiner Halle die bereits erwähnten Sportler Gymnastik treiben.

Mensch, dann ist das ja sogar ein Fitness-Joghurt den du da verkaufst!

WEISSE BESCHEID,ne?

 

 

TRUMPeter vor dem Herrn

Lieber Tagesbuch,

 

ist er ja, der Herr Trump.

Erstaunt mich Amerika immer wieder mit seltsamen Dingen, die die Welt nicht braucht, so erstaunt mich an den Präsidentenkandidaten jetzt eigentlich nicht mehr so vieles.

Spätestens als mit dem ehemaligen Schauspieler Ronald Reagan jemand an die Macht kam, der am liebsten den ganzen Orbit voller Raketenabwehrgedöns geballert hätte – allerspätestens da war mir klar: die Amis sind durch. Um. Zu viele Burger, zu viel Rinderwahnsinn.

Im Endeffekt ist es aber auch vollkommen egal, bin ich ja schon lange der Ansicht, dass die Hintermänner in der Politik entscheidend sind. Die Lobby ist zu stark, als dass der normale Bürger noch mit seinem Wehklagen die Politik erreicht. Wozu auch? Wählen tun sie ja trotzdem. Da kann es dem Volk noch so dreckig gehen. Einer wird schon hinlaufen. Und da es nach unten keine grenze gibt, würde ja auch dies vollkommen ausreichen.

Oder eben auch nicht. Das Konstrukt heißt dann Wahlbeteiligung und ist eine der wenigen Sachen, die trotz steigenden Bruttosozialproduktes immer weiter sinken. Pendelt sich dann irgendwann mal dahingehend ein, dass sich die Politiker selber wählen und das Volk in der Zeit dem DIDDA beim DADDELN zuschaut. So schlag den Didda. Wären ja auch zwei Fliegen mit einer Klappe. Apropos TV.

Verdachtsfälle.

Ich habe ja den starken Verdacht, dass dieser Donald in Wirklichkeit dafür sorgt, dass im republikanischen Lager auf keinen Fall jemand anderer an die Spitze kommt – um dann indirekt für die Wahl der ersten FRAU zu sorgen.

Schauspieler hatten wir schon, Erdnussfarmer, Ölmulti…Schwarzer ist auch abgehakt. Fehlt endlich die erste Frau in der Präsidentschaft der Vereinigten Staaten. Hauptsache die hat dann keine Affäre mit ihrem Gärtner. Aber das war ja auch in einer anderen Serie.

Auf dem Kopf von Donald soll ein Außerirdischer sitzen, der aussieht wie ein Toupet – und sich von Gehirnmasse ernähren. Gut, wäre der jetzt schon lange tot könnte man einwenden. Darum glaube ich eher daran, dass der gute Herr Trump mit seiner einfachen, stilistisch vielleicht manchmal fragwürdigen Art, dem Volk einfach aufs Maul schaut und die Masse bedient.

Darum ist auch allen so bange, dass er tatsächlich Präsident werden könnte.

Na und? Geht die Welt davon unter wenn er Putin und Konsorten mal die Meinung sagt? Eher nicht.

Und schärfere Gesetze – dazu braucht er dann ja doch immer noch die anderen Abgeordneten. Schließlich haben wir in Ami-Land immer noch eine Technokratur oder eine Firmokratie. Und keine Diktatur des Proletariats. Noch nicht.

Wäre aber schon irgendwie cool.

Wenn endlich einer dort drüben mit DERMASSEN blöden Ansichten kommt, dass man sich hierzulande mal Gedanken darüber macht, ob man diesen kruden Ansichten folgen mag.

Irgendwie bin ich belustigt. Lese die Artikel über den Wahlkampf des Milliardärs immer wieder gerne. Und lache mich fast schief, wenn ich die Journalisten höre, die gar nicht verstehen können, warum die Umfragewerte ständig steigen.

Hmmm.

Ich kann es auch nicht verstehen.

Aber mich besorgt es nicht weiter. Wenn ich überlege, dass wir sogar einen Bush junior überlebt haben…da hat der Herr Trump immerhin schon mal selber was auf die Beine gestellt und nicht einfach nur den Sohn gespielt. Klar, er hatte auch einen einfachen Start ins Leben und konnte mehrfach scheitern weil genug Reichtum vorhanden war. Aber er hat tatsächlich Erfolg. Also: wen stört es wirklich?

Spätestens nachdem mich der Herr O so sehr enttäuscht hat sage ich es mal mit meinem gebrochenen Inglisch:

HU KERS?

 

WEISSE BESCHEID, ne?