Was letzte Preis

Lieber Tagesbuch,

fragt mich mein gegenüber über die Chatfunktion des Anbieters. In der Frage, die hier durch den extrem kurzen Satzbau des Senders fast schon in das unleserliche gesteigert wird, steckt die Intention, mir letzte Geheimnisse über meine Grenzen bezüglich des Wertes der von mir angebotenen Ware zu entlocken.

Basarisch würde ich jetzt mit einem exorbitanten Preis beginnen, in etwa 200.000 € für einen Beutel weißen Pfeffers von 100 Gramm. Da wir uns aber zu Beginn des 21.Jahrhunderts befinden, würde uns beiden sehr schnell bewusst, dass hierzulande nicht mehr die Preise des kruden und gewalttätigen Mittelalters zählen – sondern die hundert Gramm im Einkauf zwischen 20 und 30 Cent schwanken. Je nach Qualität und Entfernung zum Anbauland versteht sich. Man will ja nicht um den heißen Brei reden und bringt also einen ziemlich realistischen Preis heraus, der natürlich als die absolute Untergrenze angesehen werden kann – was hätte sonst die Frage nach dem letzten möglichen Limit nach unten auch für einen Sinn?

Kaum hat man seine Vorstellung eingespeist in das System aus Einsen und Nullen und die Nachricht fliegt in Windeseile über optische Kanäle zum Gegenüber irgendwo im wilden Kurdistan – welches sich natürlich in Wirklichkeit heute direkt um die Ecke im nächsten Stadtteil befindet, kann man sich schon das fürchterliche Gelächter auf der Gegenseite vorstellen – um danach ein Angebot gesendet zu bekommen, welches im Idealfall nur 1 Prozent der genannten Summe beträgt. Und dies mit einer Inbrunst an Weltwissen, die einem die Sprache oder in diesem Fall die Tastatur wegschlägt.

Völlig inakzeptable Angebote sind heute ja auch scheinbar in allen Lebensbereichen vollkommen an der Tagesordnung. Ich möchte nicht wehleidig oder als rückwärtsgerichtet erscheinen, aber hätten sich Autohersteller in den 90ern getraut, einen Mittelklassewagen für knappe 40.000 Mark auf den Markt zu bringen? Mittelklasse? Also so in der Art Golf und Konsorten?
Hätte man diesen dann überhaupt in die nähere Auswahl einbezogen? Klar, kommst du jetzt mit Inflation und so. Aber, mein junge, zwischenzeitlich gab es eine massive Abwertung, um knapp die Hälfte. Genannt Euro. Der ja auch nur gefühlt teurer ist.

Nun. Für eine Bratwurst hätte ich auf dem Basar aber eben keine 7 Mark bezahlt. Niemals. Weil ich wusste, dass der Herstellungspreis irgendwo um die 30 Pfennig lag- also wer auf meine Kosten dicken Reibach machen wollte, der war falsch gewickelt. Heute allerdings bekommt man nirgendwo mehr eine Wurst unter 2.50. Wie gut, wenn man keine mehr isst.

Vegan ist ja sowieso der bessere Mensch, habe ich mir sagen lassen.
Zumindest sind die Diskussionen heutzutage eher davon geprägt, dass man schneller alles besser weiß als früher. Wikipedia und Smartphones sei Dank. Aber in Zeiten von Faktencheck und unseriösen Nachrichten – wem soll man noch wirklich Glauben schenken, wenn nicht dem eigenen Instinkt? Glauben heißt eben nicht Wissen. Auch wenn dir religiös fanatische aller Richtungen heute etwas anderes erzählen mögen…

Über hunderte von Jahren von Generation zu Generation weitergegebene Werte können doch eigentlich nicht falsch sein. Ethik wandelt sich nicht derart schnell. Außer, man ist zum Beispiel immer noch Raucher. Dann wird man schnell an die Zeiten der Verfolgten und der Verfolger der Geschichte – egal wo und egal wann – erinnert. Der Mensch als des Menschen Wolf eben. Man denkt daran, wie sich wohl die Gebrandmarkten der jeweiligen Zeit gefühlt haben mögen…
Heute braucht man keine Abzeichen mehr. Die Ansammlung vor dem jeweiligen Gebäude gibt ja schon an, dass man sich zu der Sekte der Raucher bekennt.
Dass keine öffentlichen Anklagen und Verbrennungen stattfinden – kann man wohl getrost auf den Humanismus unserer Zeit schieben. Im Mittelalter war man da nicht ganz so zimperlich. Gut, da standen noch Feudalismus und Monarchie im Wege und auch zur Aufklärung bedurfte es erst einmal der Trennung von Kirche und Staat.

Heute trennt man ja eher das Volk vom Staate. Der Staat als sich mit sich selber befassendes Wesen. Welches den Krümmungsgrad der Banane oder Gurke bestimmt – und mitreden möchte in allen Belangen des öffentlichen Lebens. Dabei aber so wichtige Dinge wie den Ressourcenerhalt und die Pflege der Infrastruktur vollkommen hinten anstellt. Denn dazu ist kein Geld da. Wie auch, liegt ja nach der letzten Rettung auch alles bei den Banken. Wie soll da noch jemand was zusammenkratzen für Kitas oder Bildung?

Wozu auch Bildung? Man kann heute so schön Staaten lenken – ohne etwas zu tun oder zu wissen. Bewiesen ist dies ja nun schon mehrfach. Da brauche ich auch keinen täglichen Hinweis auf einen anderen Präsidenten irgendwo auf der Welt. Besser sind wir da ja auch nicht wirklich. Vielleicht nicht so alt und frisiert. Aber ganz sicher nicht besser. Ist aber immer einfacher mit dem Finger auf andere zu zeigen. Dann muss man sich nicht mit den eigenen Problemen beschäftigen…und das plumpe Volk ist abgelenkt. Ist ja auch gerade keine WM…Schade eigentlich.

Schöne neue Welt eben. In der sich jeder mit all den tollen Fakten der Bekannten beschäftigt, weil Gudrun gerade Melone in einem hippen Cafe in Wien isst. Oder der Peter im Stadion beim Fußball ganz begeistert seinen Schal schwenkt. Und wir dürfen alle sofort daran teilhaben.
Müssen dazu auch nicht einmal mehr vom Sofa aufstehen –außer um sich was zum knabbern oder trinken zu holen – und bekommen die Realität durch Fernseher und Smartphone direkt nach Hause geliefert. Was man so Realität nennt. Reality TV sicherlich nicht.

Schneller und immer schneller. Brauchte man damals noch Jahre um von China nach Europa zu reisen wie es einst ein gewisser Marco machte – kann man das heute gern selber mit seinem Polo in wenigen Tagen oder Wochen tun. Oder per Handy eben in Sekundenschnelle. Wobei das Handy selber erst einmal mit einem der riesigen Containerschiffe über die Meere geschippert werden muss um hier seinen täglichen Sklavendienst zu verrichten.

Und mir die Nachricht zu senden, auf die ich nun so lang gewartet habe. Denn heute sind schon Millisekunden quasi Jahrzehnte. Gefühlt halt, wie beim Seitenaufbau im Netz…

10 Euro. Das ich nicht lache. Nicht für dieses Teil. Da kann Er oder Sie sich einen anderen blöden suchen, wird er oder sie ja sicher auch finden.
An der nächsten Ecke wartet schon einer. Ganz sicher.

Zumindest wenn ich so betrachte, was so die Leben der anderen ausmacht.
Da komme ich mir auch vor wie auf einem Basar.

Einer im Himmel allerdings. Und der oder die Schöpfer bietet gerade frisches Hirn in der Theke an. 10 Euro das Kilo. Zum Sonderpreis eben. Ein echter Schnapper.

Ist den meisten allerdings schon zu viel. Die nehmen dann lieber einen etwas schöneren Körper für ein paar Cent mehr. Und wenn das nicht geht, dann wird er eben später direkt auf dem Planeten verschönert.
Schnipp-Schnapp und ein wenig Botox irgendwohin gespritzt – schon passt es doch zumindest für den Dschungel. Nicht den alltäglichen in der Stadt. Ich meine schon den anderen.

Was soll es, ich gehe weiter voran und blicke nicht zurück. Zumindest nur ungern. Aber beim nach rechnen bin ich eben weiterhin bei der D-Mark. Kann ich nix tun. Und beim Aufregen über die Preise irgendwie auch. Obwohl wir in Deutschland ja auch auf ganz hohem Niveau meckern. Sagen die Politiker ja immer. Oder lamentieren. Aber eben nicht demonstrieren. Außer es geht um einen Bahnhof.

Können wir ja wenigstens. Aber eben nicht Flughafen. Was war denn da nochmal? Reden wir lieber nicht über die letztlichen Kosten. Bei der Hamburger Pracht Leiche waren es am Anfang ja auch knappe 70 Mios. Am Ende dann halt 700. Was soll es schon? Die paar Peanuts mehr oder weniger. Wenn schon ein Vorstand bei VW für knappe 13 Monate gute 12 Mios bekommt und eine Rente von 8000 Euro…was soll der Geiz? Wir ham es doch!

Stellt sich mir als Steuerzahler immer wieder bei jeder neuen Bauleiche oder Stellenbesetzung die bange Frage:

Was letzte Preis?

Weisse Bescheid, ne?

Brotdose Kunst

Lieber Tagesbuch, 

ist es, wenn ich mich vor eine Leinwand stelle und mit meinem Eigenurin getränkte Acrylfarbe mit einem Pinsel auf dem weißen Untergrund verteile. Wenn ich dabei meine Stulle esse, könnte man meinen, ich würde meinem Erwerb nachgehen. Und so sehen dies ja weltweit auch viele Kunstkritiker. Bis zu mehrere Millionen Euro werden da hirnlos verbrannt in dem man in solche Werke investiert.

Wobei auch ein Gorilla oder ein Pavian, bewiesenermaßen, solche hoch abstrakten Strichzeichnungen hinbekommen. Da lobe ich mir die Malerei des Gegenstands, bis hin zu sehr abstrakten Darstellungen wie dem Kubismus. Weiterentwickelt hat sich da, zumindest für mich, jedoch nicht mehr viel. Gut, man zahlt heute Unsummen für dieses Gekritzel – aber ein Sohn oder eine Tochter erledigen diese arbeiten auch – ohne dass man dafür Wahnwitz im Portemonnaie spielen müsste.

Aber ich bin ja ein Banause.

Stehe im MOMA und sehe eigentlich nichts. Also nichts, was mich wirklich interessiert. Kann man sich dann auch schenken. Oder anderen. Die freuen sich dann über die Karten.

Apropos freuen:

Es soll tatsächlich Momente geben, in denen sogar eine Kanzlerin lächelt. Der Gegenkandidat macht es vor und kommt aus dem grinsen nicht raus. Nix vorgestellt und trotzdem schon besser. Das schafft selten einer! Zumal er ja nun nicht für einen Neuanfang steht sondern eher für das weiter so. Was Parlamente und Demokratie anbelangt. Aber ich halte mich da raus. Solange die Parteien glücklich sind und die Diäten passen.

Zurück zum Thema.

Also wenn ich morgens oftmals in meine Brotdose schaue, dann ähnelt dies ja schon sehr der abstrakten Kunst die man heutzutage bei den Auktionshäusern unter die Leute bringt.

So mit Chia und Kürbis und Sonnenblume und noch weiteren 10 Sämereien. Lecker. Kann kein Bäcker so hinkriegen wie ich. Dessen bin ich mir bewusst. Und bestaune halt jeden Morgen aufs Neue ein Kunstwerk.

Nur würde mir natürlich für eine selbst gestaltete Stulle niemand den Nobelpreis für alternative Kunst überreichen – weil es den ja nicht gibt. Aber er müsste erfunden werden. Dann könnte man alljährlich über die Experten staunen – wie auch beim Wort des Jahres.  

Die GfdS versetzt mich ja immer wieder ins Staunen.

Ist doch die Aufstellung des Jahres immer auch ein wirklicher Scheinwerfer auf die Dinge, die die Menschen in dieser Zeit bewegt haben. Schau mal rein, es ist wirklich bemerkenswert. Man kann sich in jedes Jahr hineinversetzen.

Und wo wir schon beim postfaktischen sind: der Rennfahrer Sebastian Vettel heißt mit bürgerlichem Namen Sebastian Vettel und ist Rennfahrer! Woher ich das weiß? Es sind halt die Werte unserer Zeit. Die Brüder oder Schwestern verdienen Millionen oder Milliarden mit ihren Hobbys, andere in dem sie sinnfreie Finanzprodukte verhökern und sich ungehemmt bereichern – und die Dritten sehen dabei zu, halten die Taschen auf und beschließen dann Gesetze, um dies alles auch noch zu legitimieren. Unter strenger Diät versteht sich. Und andernorts soll es Leute geben, die tatsächlich nach Pfandflaschen fischen.

Verrückte und auch Perverse Welt. Schließlich könnte man etwas ändern, wenn man nur wollte. Aber wenn am Volke vorbei regiert wird, dann bleibt einem Nichts als staunend da zu stehen und zu registrieren: die Masse ist damit zufrieden!

Der Souverän soll in der Zwischenzeit lieber Auto fahren auf Autobahnen ohne Geschwindigkeitsbegrenzung und so eben jauchzend dahinbrettern ins Grüne hinein. Sorgenfrei. Und GroKo wählen. Auch ein Wort des Jahres.

Aber eben auch Grüne und Terrorist. Wobei die beiden sich jetzt eher gegenseitig ausschließen. Auch wenn man die ersten Jahre der Grünen im Parlament durchaus als Terror bezeichnen konnte. Für die Etablierten. So ganz ohne Regeln und Benimm – einfach nur Protest der Bürger. Herrlich. Nun sind sie eher angepasst und ruhig und dümpeln so in den Parlamenten herum. Man hat sich an die Diäten und Pöstchen gewöhnt. Nis mehr mit Revolte oder Protest. Heute zeigt man mit dem Finger auf die, die Protestieren. Wofür auch immer. Arme Demokratie, so wackelig, dass man nicht einmal Faschisten belächelt ins Parlament einziehen lassen kann um sie dann argumentativ zu bekämpfen. So weit sind wir denn dann doch nicht. Knappe 100 Jahre danach. Seltsam.

Und wen soll ich nun wählen, fragt sich dann unsereiner…?

Hmmm.

Ich würde Dali wählen. Oder Picasso. Oder sogar Rembrandt. Da bekam man was für das Geld. Und es war eine Investition in die Zukunft.

Eben das genaue Gegenteil der Brotdosen-Kunst von heute. EGAL von welcher Partei, wohlgemerkt. Ernst heute, ich weiß. Aber musste sein. Bevor mir noch der Kragen platzt…

WEISSE BESCHEID, ne?


 


 

 

Digitalisierung 2016.0

Lieber Tagesbuch,

ist, wenn ein Pokemonjagender Mobiltelefonanstarrer von einem autonom fahrenden Tesla-Auto überfahren wird, dies durch ein Google-Auto aufgenommen und durch eine Verkehrsüberwachungsdrohne komplett aufgezeichnet wird. Willkommen in der neuen Welt. Und die Amazon-Drohne blinzelt verstört beim Paketausliefern auf die Straße und versteht die Welt nicht mehr…

Was genau mag denn nun Digitalisierung sein? Fragst du mich das jetzt wirklich ernsthaft?

Nun, nehmen wir mal an du bist krankenversichert. Dann wird zukünftig der Arztbesuch gar nicht mehr nötig sein. Du schnappst dir morgens früh dein Handy, startest die App deines Hausarztes, der schaut sich über die Kamera deine Prusteln im Gesicht an und schreibt dich krank. Das geschieht unmerklich für dich im Hintergrund. 

Dabei wird erst der Arbeitgeber informiert – und danach die Krankenkasse. Du kannst dich hernach direkt in die Apotheken-App begeben, dort dein Medikament raussuchen (verschiedene Hersteller, mit manchen hast du vielleicht sogar eine Kooperation, d.h. die Sponsoren deiner Tochter die Blockflötenstunden dafür, dass du ihre Produkte kaufst) – und dieses wird dir dann per Drohne zugesandt.

Nach cirka 20 Minuten Flugzeit. Spätestens jetzt musst du deinen Arzt bewerten und für deine Krankenkasse dessen Rechnung freigeben.

Danach wieder ab ins Bett und genesen also. Bis dich am nächsten Morgen die App darauf hinweist, dass du ja sowieso in diesem Jahr schon öfters krank warst und man dir sofort die nächsten 3 Wochen als Krankzeit vorschlägt. Kommt jetzt auch nicht mehr drauf an. Und die Diagnose liefert man dir schon vorab anhand deiner im Klo gemessenen Körperflüssigkeitswerte. 

Nebenbei solltest du die Aufnahme von Alkohol reduzieren, rät dir die Arzt-App. Und gestern, der Fisch, der war aber nicht MSC – und schon gar nicht Bio. Und schon nervt das schlechte Gewissen. Schließlich kann von diesem einen Fisch das leben einer ganzen Fischerfamilie abhängen! Zumindest erscheint es so. In Wirklichkeit trifft es nur einen dieser riesengroßen Fischfang-Trawler im Atlantik – und der kann es weiß Gott verkraften…

Schöne neue Welt.

In der auch schon sehr früh feststeht, wer oder was du wirst. Vor allen Dingen haben deine Eltern dich schon vorher im Baukasten zusammengesetzt. Kann eigentlich kaum noch was schief gehen.

Mit der kleinen App auf dem Smartphone wurde der perfekte Samencocktail zusammengestellt, vom Labor dann fertig gemixt und per Drohne zugestellt. Gut, guter Sex sieht jetzt anders aus – aber was tut man nicht alles für die Menschheit? Möchte nicht jeder einen kleinen Galileo oder Albert? Oder eine Marie? Was gäbe die Welt für einen neuen Jesus oder eine Jesine. Muss man ja nicht gleich wieder an die Wand nageln. oder an ein Kreuz. 

Fällt mir ein, was wäre gewesen, wenn man Jesus geköpft hätte? Würde dann heute jeder mit einem Schwert um den hals herumlaufen? Gut, in Zeiten von Terror und der wahlfreien Ausübung von grober Körperverletzung mit Todesfolge oder jeglichem anderen groben Unfug (ich sage es gleich: ich halte mich aus allen Diskussionen hierzu heraus. Bringt nix. Denn meine Argumente sind nicht tödlich!) kann so ein Mordinstrument bei der Hand oder besser am Hals sicher nützlich sein. 

Aber dann hat ja jeder eins. Halt so wie im kalten Krieg. Alle haben eine Bombe und darum nutzt sie keiner. Ja, so verrückt ist der von den Bäumen heruntergestiegene Affe! Wohl wahr! Manche hielten ja eben dieses verlassen der Bäume schon für den großen Irrtum. Andere gehen noch weiter und finden, wir hätten nicht mal das Wasser verlassen sollen. Besser für uns wäre es sicher gewesen. Gäbe es jetzt Planktoncocktails auf dem Meeresgrund. Aber das ist eine andere Geschichte.

Gut, gibbet also am Spielplatz um die Ecke zur Genüge Jesines oder Jesusse in Tateinheit mit der bekannten Schackeline. Aber wir reden hier ja eher nicht von den Kindern mit sehr viel Potential – also enormer Luft nach oben -, die zumindest schon mal den Stift so halten können wie der Turm in Pisa steht. Zwar schief – aber dennoch lässt sich damit auch ein Wort hinkrakeln. Auch dabei ist man nicht mehr ganz so genau, schließlich wird auf Tablets geschrieben, die Autokorrektur übernimmt den Rest. Selbst der größte Dummbatz bekommt auf diese Weise Weltliteratur hin! Alle Minuten lang ein neuer Shakespeare! Nun, nicht exakt so lang und detailliert bzw. Pointen reich – aber zumindest hört es sich fast schon an wie Englisch. Das Deutsche. Sind wir akut ja auch nicht sehr weit weg von.

Kaum Werbung, in der nicht alles irgendwie besser ist, weil es ‚repair‘ oder ‚revitalift‘ oder ’smoothie‘ ist. Hinzu kommen ‚Events‘ und ‚Spots‘ die dein ‚Life‘ irgendwie besser machen. Es ‚upgraden‘.  Tja, manches mal wünschte ich mir weniger Werbung und mehr Hirn. Aber man kann ja bekanntlich nicht alles haben. Und wer schon Persil und Omo hat, der braucht sich um eine gescheite Gehirnwäsche keine Sorgen mehr zu machen. Ünrigens werden pro jahr 60 Millionen Tonnen Phosphor in die Kloake gespült. Die Hälfte unserer Einfuhren an Phosphor kippen wir wieder weg! Das nenne ich mal Weitblick! Ist so, als wenn ich am Geldautomaten nach jedem Abhebevorgang die Hälfte meines erhaltenen Geldes verschenken würde. Fände ich auch wieder toll. Würde ich den ganzen Tag nur an Bankautomaten stehen! Karriere als Bankautomaten-Vorsteher. Chief of – versteht sich. Man macht ja auch seinen Master und den Bachelor. 

Ich sags ja…denglisch sei dank. Aber nicht mal das ziehen wir durch. Könnte man doch zumindest schon mal das seidt einführen (Kombi aus seit und seid) und den bestimmenden Artikel endlich weglassen. Man liest ja auch kaum noch bestimmende Artikel. Alles eher Einheitsbrei. Auch wieder eine andere Geschichte.

Alles das ist auch bereits mit kleinen bunten Pillen erreichbar. Realität und keine Fiktion. Viagra und Co. lassen grüßen. Täglich wird es mehr. Und in Zukunft sind sogar direkte Eingriffe ins Hirn denkbar. Gut, macht man jetzt nicht so sehr viel kaputt. Von daher sag ich mal: schlimmer geht es eh immer! Also warum nicht? Wären wir wieder bei der Schnittstelle im Kopf, du erinnerst dich?

Naja, auf jeden Fall sind deine Lehrer dann das Internet und diese kleinen, süßen Roboter die dich durch deine Kindheit und Pubertät bis ins Erwachsenenalter begleiten. Kleine Pokémons und PacMans.

Und ein jeder hat eine Brille auf (was ja auch die Diskriminierung der Brillenträger endlich beenden würde) mit der er sämtliche Zusatzinformationen zu einem Objekt sofort eingeblendet bekommt. Steht man also vor der Sehenswürdigkeit und die Datenbrille sagt einem: hey, is 80 Jahre alt, heißt Omma Krawuttke und lebt hier im Altersheim um die Ecke. 

Was die jetzt gerade hier splitterfasernackt vor dem Picasso im Museum macht – man weiß es nicht genau. Aber zumindest erkennt man auf Blick oder Kopfnicken hin, wer die Erziehungsberechtigten waren und sind. Und wie viel Omma Krawuttke im Monat so an Rente kriegt. Und was sie gestern gegessen und eingekauft hat.

Gut, das würde jetzt wieder nur der Ordnungshüter sehen. Der sieht aber auch sofort alle Einträge zur Sprache der gestrigen Woche. Also alles, was Omma Krawuttke in der letzten Woche so vom Stapel gelassen hat.

In Einzelfällen vielleicht nicht so interessant. Aber insgesamt und in BIG DATA sicher ein willkommenes Highlight jeder autoritären Regierung. Die einem durch die Datenbrille natürlich auch immer anzeigt, wie etwas gerade aktuell heißt oder welche Wertung es gerade hat. Doppelplusgut sag ich nur.

Also in all der schönen Zeit in den Allergenfreien Bereichen der Großstadt werden immer mehr und weitere Daten über dich gesammelt. Und die verfestigen dann dein Bild. So dass ein jeder sofort weiß, woran er bei dir ist. Wie erwähnt eben auch der liebe Herr Staat. Der damit dann auch schon weit vor der anstehenden Wahl weiß, wen du denn wählen wirst.

Und darum muss die Wahl ja auch erst gar nicht stattfinden – weil das Ergebnis eh schon feststeht. Das wäre dann auch Demokratie 2.0! Heissa! Und Politiker die ihre Vita oder ihre Abschlüsse gefälscht haben oder irgendwo abgeschrieben oder sonst wie gelogen und korrumpiert haben – gibt es gar nicht mehr. Nur noch Politroboter die den lieben langen Tag nichts anderes tun, als das für und wieder zu debattieren. und zum Schluss wird abgestimmt.

Sagst du jetzt, wo ist der Unterschied zu heute?

Gut, die kosten eben nur noch Strom. Keine dicke Diät mehr.

Und wenn der durch Wind, Wasser und/oder Sonne hergestellt wird…ist doch erst mal alles gut!

Während das Volk draußen Pokemons jagt oder bei der EM/WM/AM/BM/CM zu Hause vor der Glotze zuschaut.

Arbeiten muss ja auch niemand mehr, denn sämtliche Jobs der Welt werden komplett von Robotern erledigt. So dass der Mensch sich ganz auf seine guten Seiten besinnen kann. Ich hatte es bereits beschrieben, du erinnerst dich sicher.

So malt der gute Mensch dann halt Ölgemälde aus Urin oder bastelt aus Filz kleine Hüte. Oder baggert in seinem Garten herum. Ganz, ganz kecke nehmen 3 Stunden lang den gerade im Garten entdeckten wilden(!) Vogel auf. Solange der Akku reicht. Und ein ECHTER VOGEL: Kein Pokemon! Wow!

Lange keinen mehr gesehen. Außer im Zoo oder im TV.

Schöne neue Welt halt…alles so wundervoll bunt! Und sogar in HD! CURVED! Also gebogen…für uns Ältere…

Weisse Bescheid, ne?

 

 

Die gestohlen(st)e Stunde

Lieber Tagesbuch,

steht wieder einmal an, an diesem österlichen Wochenende. Jetzt nicht die Stunde, die durch allzu heftigen Alkoholgenuss und dem damit einhergehenden Dimensionsübertritt zwangsläufig zumindest dem Bewusstsein verloren geht. Nennt sich für gewöhnlich auch Filmriss. Wenn man also nach dem letzten Bier nicht mehr ganz so genau weiß, wie man ins heimische Bett gekommen ist. Und warum der Nachbarshund auf dem eigenen Klo eingesperrt und die Einfahrt mit erbrochenen Pizzaresten übersäht ist. Ganz zu schweigen von der fehlenden Hose und den darin enthaltenen 500 Euro, die eigentlich für die Anzahlung des Sommerurlaubs gedacht waren.

Diese Stunde möchte der Dimensionsspringer im Nachgang oft und gern vergessen, schließlich zeugt sie indirekt vom Unvermögen mit Unmengen von vergorenen Flüssigkeiten umgehen zu können. Und dabei die Contenance nicht zu verlieren. Möchte man dann eigentlich auch nicht mehr genauer drüber reden. Schwamm drüber sozusagen. In der Einfahrt sogar bildhaft.

Nein, hier geht es wirklich um die Stunde, die man uns seit Beginn der 80er Jahre – ja, die tollen 80er, sie hatten auch ihre Schattenseiten – immer wieder zu Sommerzeitbeginn, ohne erneute Rücksprache wohlgemerkt, klaut. Oder um es im Superlativ zu sagen: die tollste Stunde. Oder eben die gestohlenste Stunde. Weil sie einem im Frühjahr fehlt und dann auf wundersame Weise im Herbst wieder erscheint. Sozusagen gebeamt. Die Zeit selber. Durch die Zeit. Dies, in seiner Ausprägung, ein durchaus hochphilosophischer Ansatz heute – da ja auch die Zeit selber nur ein Konstrukt des Menschen ist. Für die Natur selber gibt es eben nur das ‚jetzt‘. Ist auch besser. Sonst würde die Natur noch Anfangen zu planen. Und womöglich auch noch 5-Jahres-Pläne aufstellen.

‚In 5 Jahren seit ihr feddich mit dem Atomausstieg!‘

Dann hätten wir ja mal was zu tun. Und die Betreiber einen besonderen Druck mit dem Rückbau der Anlagen. Der ja nicht durchfinanziert ist. Zu wenig Rücklagen gebildet. Haben die ja derzeit eher nicht, den Druck. Und eben deswegen auch keine Kohle. Erst wird sich schön über Jahre der eigene Wanst vollgeschlagen, mit den Gewinnen aus der absolut unschlagbaren Energie-Alternative (zu DUMPING-Preisen hergestellt, wohlgemerkt!). Und dann finanziert der deutsche Michel auch noch den Rückbau! Weil alternativlos. Das hätten die Herren Betreiber gerne. Die bilden ja schon seit Monaten sozusagen ‚Bad Energiefirmen‘, in denen die Risikoposten lagern. Und die Teile des Geschäfts, die prächtig Gewinne abwerfen, die werden in eigene Gesellschaften gepackt. Ein Schelm wer Böses dabei denkt! Nein, das ist eben Change Management auf feinste Art. Ich könnte denen auch mal was changen. Am besten den Kopf vom Rumpf. Endgültig. Sozusagen ‚Bad Rumpf‘.

Der Sommerzeitklau wurde also in meiner Kindheit vordergründig eingeführt, um angeblich die Abendstunden besser zu nutzen. Da bliebe noch zu klären, wer hier wem was einführt. Aber das ist ein anderes Thema. Wie so oft. Da es draußen also eine Stunde länger hell ist – kann man damit dann ergo auch Licht einsparen. So war der Gedanke damals. Klar, die Grünen waren als Protestpartei gerade im Aufwind, da musste der Parlamentarier mal schnell ein Kaninchen aus dem Hut zaubern. Oder eben die Sommerzeit und den damit verbundenen Stundenklau erfinden. Schade, wenn es mit den ganzen LED-Lampen, die ja auch zwangsweise eingeführt wurden, heutzutage dann nur noch um einen Bruchteil von den damals erdachten Einsparungen geht – denn irgendwie hatten die ganz, ganz schlauen dabei vergessen, dass man ja auch eher mit dem heizen anfängt – da die frühen Morgenstunden eben noch sehr kalt sind im Frühjahr, denn die Sonne geht ja während der Sommerzeit damit dann auch später auf. Und da durch den Verordnungswahn aus Brüssel dann auch noch die Glühbirne als Heizkörper gleich mit wegfällt…

Blöd. Irgendwie. Menno.

Um diesem mittelschweren Dilemma, nahe an der italienischen Tragödie, zu entgehen, hätte man sich aber über die Einführung der Sommerzeit damals auch einmal grundsätzlich Gedanken machen müssen. Da aber Anfang der 80er die meisten Diskussionen eher um Pershing (statt Petting), Atomkraft (Nein Danke) und das konstruktive Misstrauensvotum (und danach eine längere Periode nur noch Kohl in der Politik) zu tun hatten, blieb wenig Gehirnschmalz für die – damals ach so notwendige – Einführung der Sommerzeit übrig.

Das haben wir nun davon.

Was wird also alles verhindert, weil diese Stunde einfach abgezogen wird? Vielleicht eine anstehende Trennung? Weil man nicht mehr dazu kommt, den entscheidenden Satz (‚Ich ziehe zu meiner Mutter!‘) zu sagen? Man muss quasi sein leben lang mit einer Lüge leben – wegen dieser einen Stunde!

Schrecklich!

Oder ein lange schon notwendiger Krankenhaus- oder Arzttermin, der verschoben werden muss. Bei dem beim Abgeordneten, der damals die Einführung der Sommerzeit initiiert hat, dann festgestellt wird, dass es sich NICHT um ein Ödem im Kopf sondern eher um die komplette Abstinenz des Gehirns handelt.

Schrecklich!

Oder gar der Kinobesuch, bei dem ein paar zusammenkommt, die im Nachgang dann einen Nobelpreisträger zeugen, der all unsere Probleme als Menschheit auf dem Planeten löst…der aber wegen der geklauten Stunde und dem nicht stattfindenden Date dann nicht geboren wird…

Schrecklich!

Und was könnte man nicht alles mit der neu gewonnenen Stunde realisieren? Bei ca. 40 Millionen hart arbeitenden Mitbürgern hätten wir mal eben auch 40 Millionen Stunden zur Verfügung. Also knapp 4500 Jahre. Mann, da könnte man komplette Weltreiche erschaffen oder auch wieder untergehen lassen. Gigantische Projekte, wie eine Brücke zum Mond, wären endlich machbar. Man könnte endlich BER fertig stellen! Und das alles in der kurzen Uhr-Umstellung Ende März.! Über Nacht sozusagen. Und nur in unserer Republik.

Unfassbar.

Man könnte endlich die Einsteinsche Relativität mit der Heisenbergschen Quantentheorie zur allumfassenden Theorie ‚von allet‘ vereinen! Sozusagen die absolute Lösung aller Probleme! Wobei dann Zeitumstellungen sicher sehr schnell der Vergangenheit angehören würden…und nein, ich rede NICHT von der Abschaffung der Berufspolitik. Auch wenn es sich FAST so anhört…

Was wäre nur erst möglich, wenn wir den kompletten Irrsinn der Zeitumstellung sogar auf die gesamte Weltbevölkerung ausdehnen? Gut, man würde etwas durcheinander kommen mit den Zeitzonen und der hin und her Rechnerei – wenn man genau zu diesem Zeitpunkt auf seiner Urlaubsreise wäre. Ist man jetzt eine oder 2 Stunden zurück? Was, wenn ich die Sommerzeit mit draufrechne? Und wenn ich erst mit Einbruch der Winterzeit wieder abreise – wie so mancher Wandervogel?

Fragen über Fragen.

Wer sie definitiv nicht löst, ist unser Parallelament. Schon mal davon gehört? Ja, die kleine Ansammlung von Menschen, die unsere wichtigsten Probleme so nebenher…auf die lange Bank schiebt. Bis zur nächsten Wahl sozusagen. Und so eine kleine Problematik wie die Zeitumstellung erst gar nicht diskutiert – auch wenn 70% der Bevölkerung laut aktuellen Umfragen für eine Abschaffung der leidigen Umstellung wäre. Und die anderen 30 Prozent dazu sowieso keine Meinung haben. Wie immer. Gut, die gehen dann ja auch eher nicht wählen, also dürfen sie sich auch nicht beschweren wie und wer regiert. Anderes Problem.

Ich persönlich wäre ja sogar für eine Ausweitung der Zeitumstellung. In ganz großem Stil. Oder, auch so eine Stilblüte der letzten Monate, eine sehr, sehr, sehr große Zeitumstellung. Das mit dem dreifachen ‚sehr‘ benutzen derzeit eher die schreib-, lese- und denkfaulen unter uns. Um damit extra zu betonen, wie sehr-sehr-sehr sie eine Sache jetzt gut oder schlecht finden. Ist halt so, wenn einem die Superlative ausgehen. Oder der allgemeine Sprachgebrauch bei 50 Vokabeln endet. Oder bei derselben Anzahl von Vokalen. Auch damit kann man seine Superlativierung ja betonen. Das finde ich seeeeeeehr wichtig. Soooozusagen. Kommt man natürlich bei Twitter schnell an die Zeichengrenze. Muss aber gleichzeitig beim lesen der Nachricht nicht sooooo viel nachdenken. Ist heutzutage auch eher förderlich. Sowas.

Ich hätte da, wie soeben erwähnt, halt noch einen anderen Superlativ anzubieten: nämlich diiiiiiiiiie Zeitumstellung am Sonntag abend. Um exakte 5 Tage. Womit dann gleich nach der wöchentlich wiederkehrenden Umstellung wieder Freitag abend wäre. Und damit Wochenende. Passt doch. Das Wochenende mit dem Wochenende ausklingen zu lassen. Hört sich zumindest toll an. Wäre mein Wunsch an das Universum. Derzeit. Gut, 52 Umstellungen im Jahr, könnte auch wieder Stress bedeuten. Aber ich fände es cool.

Und groß an der Uhr zu drehen bräuchte ich dann ja eigentlich auch nicht mehr. Interessiert es doch eh keinen, wann ich dann NICHT zur Arbeit komme.

Weisse Bescheid, ne?

Küche Gobi

Lieber Tagesbuch,

ist eine in Deutschland bekannte Service-Wüste auf diesem Planeten, die ich an den letzten Wochenenden live erleben bzw. erfühlen durfte. In einer normalen Wüste droht ja wegen der vermehrten Hitze das verdursten und eine damit verbundene Austrocknung des gesamten Körpers. Diese Gefahr besteht in der allseits bekannten deutschen Servicewüste eher nicht.

Wenn man nach etwas gefragt wird, dann ob man Wasser möchte. Ist ja auch billig. Bei ca. 20T€ für die nigelnagelneue Küche – da sind die paar Cent für das Mineralwasser doch eine gern angebotene Dienstleistung. Ein Klacks sozusagen.

Die Servicekraft – besser: der Mundschenk – ist auch zu weiterführenden Aussagen nicht fähig, denn auf die Frage, ob man einen Termin machen möchte oder wie lange die Wartezeit für einen Berater ist (wir haben ja verkaufsoffenen Sonntag und damit Verständnis, dass nur mit einer Notbesetzung angetreten wird!) schaut einen die Servicekraft an, ist konsterniert, ihm fehlen die Worte, er blickt durch einen hindurch und fixiert irgendetwas an der gegenüber liegenden Wand. Plötzlich und unvermittelt schaut er einem wieder leicht erstaunt mit weit aufgerissenen Augen in die eigenen – und fragt: ‘Möchten Sie etwas trinken? Ein Glas Wasser vielleicht?‘

Nur ganz leicht an der Beantwortung der eigentlichen Frage vorbei – aber gut, wir haben ja als deutscher Normalbürger immer absolutes Verständnis, zumal wenn jemand am heiligen Sonntag arbeiten muss, drehen eine kleine Runde in der modernen Küchenwelt mit ca. 1.5 Mio. gefühlten ausgestellten Küchen (alle zusammengerechnet auf mehrere Häuser verteilt), stellen fest, dass die Notbesetzung aus 8 Mundschenken, 2 Empfangsdamen und einem Berater besteht. Das ist sinnig. Der eine Teil trägt dabei kleine Schilder mit der Aufschrift ‚bitte nicht ansprechen‘, ein paar andere das Schild ‚Kollege kommt gleich‘ und der Rest das blaue Schild mit ‚Do you speak Kisuaheli?‘.

‚Wir wollen ja hier auch gar nichts verkaufen, wir stellen hier eigentlich nur Accessoires für den Küchenbereich aus…und der Rest ist hier nur zwischendurch eingelagert, was die Küchen und so weiter anbelangt.‘

Na dann.

Nachdem wir unsere vergnügte, obligatorische Runde erneut gedreht haben (auf die komme ich später noch, auf die Marathonrunden in den einzelnen Häusern) landen wir schlussendlich wieder einmal beim Empfang des Hauses.

Die Dame hinter und mit der Theke empfängt sicher gerade Signale aus den entfernteren Bereichen des sichtbaren Kosmos. Eventuelle Hintergrund- oder Mikrowellenstrahlung. Braun gebrannt ist sie ja schon. Der Empfang scheint etwas gestört, sie schaut auch ein wenig irritiert – verdrückt dabei aber das 4. Stück Kuchen, der eigentlich für die massenweise auftretenden Interessenten an diesem Sonntag der offenen Verkaufsfläche gedacht war. Der Kuchenteller leert sich zusehends, der Kopf füllt sich hingegen langsam mit den empfangenen Signalen aus dem Über-Ich – und nach einer längeren Metamorphose dreht sich der Formwandler tatsächlich zu uns um und fragt:

‚ Möchten Sie vielleicht etwas trinken?‘

Auf die Frage, ob man einen Termin machen sollte oder warten oder doch vielleicht später nochmal kommen sollte (am Sonntag von 13-18 Uhr geöffnet immerhin!) antwortet Sie zunächst nicht, sondern empfängt scheinbar wieder.

Zwischendurch empfängt ihr Magen noch ein wenig von der bereits erwähnten gebackenen Süßspeise und der Mundschenk steht schon wieder mit seinen wahnwitzigen Augen neben mir, ich erschrecke mich kurz und heftig zuckend, mich fröstelt, als er mich leicht berührt und mir in das rechte Ohr haucht:

‚Möchten Sie etwas trinken?‘

Ich überlege gerade, ob ich ihm beim nächsten Mal nicht direkt das DU anbieten soll – macht es dann ja auch irgendwie persönlicher und er kommt sich dann in seiner Rolle sicher nicht so herabgesetzt vor – da bricht plötzlich der Empfang der Empfangsdame wieder ab und sie reagiert auf die Frage von vor 10 Minuten.

‚Hmmm. Vielleicht warten Sie und trinken in der Zwischenzeit etwas?‘

Sie schaut angestrengt in Ihre Liste, die entfernt dem New Yorker Telefonbuch ähnelt, blättert, empfängt kurz, blättert, beißt noch einmal genussvoll in den Schokoladenkuchen…und versinkt wieder in Lethargie. Empfang ist schon anstrengend.

Nach einer weiteren Runde und einer vergangenen halben Stunde, mittlerweile mache ich mich schon über die Namen der gestorbenen Bäume, die zu Furnier verarbeitet wurden, lustig, sind wir wieder am Empfang – der diesmal allerdings nicht besetzt ist.

Der Mundschenk steht wieder neben mir, unentschlossen zwar, aber mit einem vollen Tablett Wassergläser in verschiedenen Variationen und sieht mich dabei sehr hoffnungsvoll an.

Hmmm. Vielleicht sollten wir doch etwas trinken? Sonst verdursten wir noch…sind ja hier in Gelsenkirchen, Gelsenwasser ist ja auch nicht mehr das, was es mal war, seit dem Verkauf an die amerikanische Investorengruppe…ich möchte gerade zugreifen, als plötzlich vom Formwandler ( der nun schon wieder 1 KG Schokoladenkuchen zugelegt hat) am Empfang endlich eine neue Antwort kommt.

‚Dann kommen Sie am besten später noch einmal vorbei…so gegen halb 7?‘

Ich bin etwas verstört. Der Laden hat doch nur bis 6 auf? Egal, wird sicherlich seinen eigenen, weiterführenden Sinn haben.

Wir unterbrechen an dieser Stelle kurz – ich empfange gerade Nachrichten von Alpha Centauri. Die haben dort gestern Abend den Willy gehabt (ähnlich unserem Oscar) und ein Achttentakeliger Grottenolm hat dort mächtig abgeräumt. 12 Willys. Mega-Kracher. Wenn es nicht so kurzfristig wäre, würde ich den Film gern in 14 Lichtjahren sehen…mal schauen was geht. Meine Kumpels signalisieren mir, dass das hier keinen Sinn macht und ich eh irgendwann abberufen werde…aber das ist eine andere Geschichte.

In meinen Augenwinkeln sehe ich gerade, wie ein LKW einer nahe gelegenen Getränkefirma mit neuen Wasserkästen auf das Firmengelände einbiegt und stupse meine Göttin an. ‚Wir müssen hier dringend weg!‘

Zurück also aus den Gedanken und der empfangenden Empfangsdame in die Realität der Küchenwelt eines Anbieters mit einem großen M am Anfang des Namens.

Hört übrigens mit e da auf. Obwohl die e nix da haben. Außer Wasser und Kuchen. Immerhin. Seit dem Mittelalter ist auf den Hinweis von Marie Antoinette wenigstens Kuchen aus dem Brot geworden…

Wir überlegen uns, kurzfristig umzudisponieren, die Sperrung der A40 getrost zu ignorieren und fahren das kurze Stück rüber über die Brücke. Auch Zur Brücke genannt…wenn du weißt was ich meine…

Dort ein völlig anderes Bild.

Mein Weltbild gerät ins Wanken. Schließlich habe ich in den letzten Wochen nur die oben erwähnten Beispiele erlebt. Gut, mit einigen Nuancen in die eine oder andere Richtung (Mal war es Kaffee statt Wasser, Mal Obst statt Kuchen – oder sogar Kaffee und Wasser aber keinen Kuchen und kein Obst, oder Obst und Wasser aber keinen Kuchen oder keinen Kaffee. Mir persönlich gefiel ja die Kombination aus Hühnerdöner und Pralinen auf Petersilien-Pesto und angeschmorten Kaisernudeln ganz gut…aber auch das war schnell erledigt als der ewig Fernseh- und allgemein Medien-geile Nelson Müller mir ein Wasser aus einem Glöööööckler-Glas anbot) – aber eigentlich immer das selbe Bild: Verkauf? Nope…

Auch die CHEFFE-Strategie hat nix genutzt:

Sagt also der ca. 22 Jahre alte Berater, er müsse wegen des Preises kurz seinen Chef dazu holen, ob der da noch was machen könnte. Schön und gut. Denkt man so, naja, vielleicht einen Tausender vom Preis runter, der wird ja wohl möglich sein.

Kommt nach zirka 15 Minuten Wartezeit – kein Wasser, kein Kuchen, kein Pesto, kein Kaffee…nix…aber ein schönes Programm zum Design von Küchen vor Augen, also gefühlten 2 Stunden – der angebliche Chef um die Ecke.

Der ist exakt 5 Stunden älter als der begleitende Berater, hat halt Glück gehabt, denn wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!

Und haut sofort mächtig auf die Kacke!

‚Jau, ich will die anderen Häuser heute noch übertreffen, wir melden ja jeden Tag die Umsätze an die Zentrale, mir fehlen noch 25 Tausend zur nächsten Trillion. Darum hab ich jetzt und hier ein Hammer-Angebot für Sie, hab mir ja die Küche gerade angesehen‘

Stopp. Wo? Steht die schon hier? Geil, nehm ich gleich mit, packen Sie mir die ein? Und noch ein Viddel Pfund vom Schwademagen und von der fetten groben auch noch 100 Gramm? Wann will der sich die angeschaut haben? Oder sind die Daten irgendwo zentral gelagert? NSA? Egal, lauschen wir weiter den Worten des Allmächtigen aus dem Haus mit dem höchsten christlichen Feiertag im Namen. Cheffe persönlich. Von allem. Zumindest nach seinem Auftreten.

‚…und würde ich sagen, wir gehen auf die Hälfte runter wenn Sie jetzt und sofort unterschreiben!‘

Ja sicher. Ja ne, is klar. 50 % bei Sofortkauf. Mega. Hyper. Super. Geil.

Bei mir klingeln alle Alarmglocken. Die beiden sollen doch nicht nur von Wasser und Brot leben, zumindest Kuchen sollte doch hin und wieder auch noch möglich sein…also wo wollen die noch was dran verdienen? Also is der Gewinn wie immer schon mit eingerechnet. Also ist wohl auch die ganze Berechnung für den Popo.

Verarsche hoch drei.

‚Nene, heute schon mal sowieso gar nicht. Da schlafen wir noch eine Nacht drüber.‘

‚Kein Problem, ich kann Ihnen ein Rücktrittsrecht bis Montag einräumen.‘

Hömma, Cheffe, schon mal was von 14 Tagen Rücktrittsrecht nach BGB gehört?

Hat er nicht. Ist ja auch von Alpha Centauri. Und sendet der Dame vom Anfang wohl ständig Nachrichten. So rein Mental. Und in Wirklichkeit ist der 580 Jahre alt – sieht eben nur jünger aus, weil sich deren Planet so langsam dreht…bei mir dreht sich auch so langsam alles – wir machen eine kurze Drehung und auf dem Absatz kehrt.

‚Wir melden uns!‘

Intermezzo: Traum wäre natürlich eine Küche in Blau-Weiss. Mit Torolyse. So automatische Verwandlung von Eckbällen, Elfmetern, Freistößen mit über 1200 km/h so dass der Torhüter gleich mit durchs Netz fliegt. Und einer automatische Abschaltfunktion bei drohender Niederlage, Stop and Go (Auswechslung, Trainerwechsel), Timerfunktion auch dabei (verspätete Kündigung) – variables Induktionsfeld (Direkteinspritzung von notwendigen Dopingmitteln kurz vor dem Spiel). Hat was. Wer will schon Schwatt-Gelb? Eher auf oder im Urinal…versteht sich!

Also wir melden uns.

Bei einem anderen Anbieter. Natürlich.

Der ist ganz korrekt, hat nur den kleinen Nachteil, nicht mehr ganz so motiviert zu sein, ist nur noch wenige Tage vor der Rente und Computer kennt er erst so seit 2 Jahren.

2-Finger-Adler-Such-System geht also mit uns den Aufbau der Küche durch. Dazu noch 25 Aktenordner.

Maße, Farben, Formen, Funktionen.

Die frisch gefällte gekorkte Eiche Virginia. Oder doch lieber Pesto Birke Casablanca. Oder vielleicht ein wenig mehr ins Alabama? Wie wär es denn mit Chicago? Birke, Eiche, Buche, Fichte – ne, Nelke ham wir nicht, aber wie wär es mit Kirsch? Alles heute Morgen aus dem eigenen Baumbestand in der Baumschule frisch gefällt und sofort verarbeitet. Da kann man dem Baum noch beim wachsen zusehen, wenn er denn dann furniert oder in Vollholz in der Küche als Unterlage für die fertig panierten Schnitzelchen sein weiteres Dasein fristet!

Mir wird wieder schwummerig, überlege gerade ob ich im Reisebüro bin und gleich buchen muss…und dann irgendwie die Schlussrechnung. Ohne zipp und zapp direkt mal 40 Prozent runter. Geht doch…oder wieder derselbe Trick? Na klar. Irgendwie landen wir dann bei dem Preis, den wir uns auch vorgestellt haben.

Also auf zum nächsten Haus. An der Brücke. Wie schon erwähnt. Kaffee, Wasser, Pesto-Blumenkohl aus dem Dampfgarer und dazu noch Pfannkuchen mit der Kitchen-Aid zubereitet – alles frisch aus der Musterküche. Prima. Natürlich (Holzauge sei wachsam!) mit dem Hintergedanken, diese Geräte auch noch direkt mitzunehmen…egal.

Gestärkt und gesättigt ans Werk.

Wobei, so kann man auch den Sonntag verbringen. So als Alternative zum Waldlauf. Sich schön eine Traumküche aufbauen lassen, dabei Canapees und Brote und Kuchen und was weiß ich noch alles verköstigen. Und dann später belustigt nach Hause. Kann man dann so lange machen, so lange man immer einen anderen Berater erwischt. Holla die Waldfee!

Nebenher bemerkt man Küchenabzüge die völlig sinn frei sind, weil sie aus der Position, in der sie verankert sind, überhaupt keine Luft ziehen können. Außer mit einer Turboprop aus Russland. Unter Volllast versteht sich. Ist dann auch nicht zu laut in der Küche…und die Kerosindämpfe werden ja sofort abgezogen. Gut, das Essen, das man zubereitet gleich mit – aber dafür gibt es ja Deckel…

Sieht aber gut aus. So nach dem Motto: Date, alles essbare vorher bestellt, geliefert und auf der Warmhalteplatte, dann schöne Show mit der Herzeige-Küche und alles unbemerkt in die Töpfe schmeißen.

Herrlich! ‚Du kannst soooooo toll kochen. Und hast eine sooooo tolle Bude!‘

Bettkarte gestempelt würde ich sagen!

Muss halt nur gut aussehen das ganze. Sagt ja auch so mancher Mann. Andere Geschichte…

Das reicht uns nicht. Wir verhandeln knallhart und bei mindestens 6 Häusern (Minimum!!!), holen uns sämtliche Angebote aus dem Bundesgebiet (auch aus Eckernförde!) ein und sichten dann erst mal grob.

Nach ungefähr 2 ½ Jahren dann der Zuschlag! 80% unter Preis – am unteren Limit. Wir haben Luft für alles andere was noch ansteht und haben unsere Traumküche. Gut gepokert würde ich sagen.

Ans Ende die Eindrücke der Menschen. Jogginganzüge die am Sonntag frei die Pocke durch die Gegend tragen. Miniröcke auf xxxxl-beinen. Gepimpt bis zum geht nicht mehr oder unter aller Sau. Dass andere Menschen am Sonntag so auf die Straße gehen verwundert mich nicht mehr – wie die aber aus dem Haus gefunden haben und dann auch noch den Weg zum Küchenhaus. RESPEKT!

Wartende Männer in der Teppichabteilung ganz in der Nähe des Flokati (der auch niemals aus der Mode kommt, oder?) – das Frauenklo ist in der Nähe. Genervt und ermüdet sehen sie aus. Immer nur Wasser ist auf Dauer halt nichts für die Zucht-Haltung des europäischen Hausmannes.

Fragt sich nur unsereiner die ganze Zeit…Wangen? Gab es die nicht nur beim Menschen?

Auf jeden Fall kriegt man so den Sonntag wenn schon nicht stressfrei, dann doch satt und mit genug Flüssigkeit herum…

WEISSE BESCHEID, ne?

 

 

 

 

 

 

 

 

Schweinegrippe

Lieber Tagesbuch,

 

die geliebte, besonders von der Pharmaindustrie erwartete und dabei auch fest in der Umsatz- und Erlösstatistik eingeplante Schweinegrippe ist wieder da! Hurra! Habe ich ja auch lange genug darauf gewartet! Zumindest wurde in der letzten Woche wieder einmal der Versuch gestartet, die Hysterie allenthalben zu beginnen…

Nun kann man zum letzten uns bekannten Ausbruch ja nur sagen: toll, dass nur so wenige sich wirklich ernsthaft infiziert haben! Lag wohl an den Unmengen an Impfstoffen, die an die Bevölkerung verteilt wurden. Ich selber und mein kompletter Umkreis jedenfalls waren nicht dabei. Seltsam. Aber offenbar nur Glück! Wie wir zu einem Hochsicherheitsrisiko wurden und dennoch nicht krank! Gut, einige sagen wir sind es – im Kopf. Aber da kenne ich auch noch andere Beispiele, die weitaus schlimmer dran sind. Nicht wahr Herr Dobrindt? Hat ja den Rinderwahnsinn praktisch schon im Namen…

Wobei ich in der Sache Schweinegrippe ja auch eine andere Vermutung hege. Seit den Prinzen wissen wir ja, dass Männer im Allgemeinen und auch Besonderen Schweine sind. Daher ist in der Ableitung die Schweinegrippe auch in Wahrheit – Lügenpresse hin oder her – die Männergrippe! Und mit eben dieser, wir wissen es alle, ist absolut nicht zu spaßen!

Für gewöhnlich entwickelt sich die schreckliche Männergrippe schleppend, mit einem irgendwie nicht an körperlichen Symptomen festzumachenden Unwohlsein im Kopf. Hernach stellen sich oft ein fürchterlicher Schnupfen und ein ziemlich komatöses Kratzen im Hals ein.

Schon diese ersten Warnzeichen werden von sämtlichen Männern sehr ernst genommen, weiß man doch um den meist schlimmen Verlauf der weltweit bekannten Männergrippe. Die ersten Medikamente werden schon vorsorglich auch von noch nicht infizierten Männern im Umkreis des angeschlagenen prophylaktisch genommen. Hierzu zählen insbesondere starke Schmerzmittel und die bekannten Antibiotika. Hinzu kommen Bier und eventuell noch andere Alkoholika – und natürlich letztere in Menschenform. Die schließen sich quasi immer sofort in die Behandlung mit ein.

Man nimmt eben auch an, dass sich die ersten multiresistenten Keime durchaus nicht in den Krankenhäusern sondern in den Pubs und Kneipen der Welt gebildet haben, in denen der Anteil an männlichen Besuchern über das normale statistische Mittel hinaus ging. Also in knapp 99 Prozent der Fälle. Die Infektionswelle selber ist in Fachkreisen auch als Kneipensterben bekannt. Mit dieser ist absolut nicht zu spaßen! Hier im Ruhrgebiet, einhergehend mit dem Rauchverbot, hat eben dieses Sterben schon ausnahmslos alle kleinen Läden hinfort gespült. Im wahrsten Sinne des Wortes. Gut, in einigen wenigen Fällen waren auch die Besitzer der Lokalität selber die treibende weil am meisten saufende Kraft. Aber in allen anderen bekannten Fällen gibt es eine durchaus auffällige Verbindung zur bereits erwähnten Männergrippe…

Der Infizierte selber hat zum Zeitpunkt der ersten Anzeichen der Infektion allerdings noch keine Medikamente genommen und scheut auch den Gang zum Arzt. Schließlich ist er ja ein Mann – da haut ihn ein lächerlicher Schnupfen schon nicht um. Es ist Samstag, der Bundesligaspieltag steht an, danach der Kneipen- und dann auch der unvermeidliche Discobesuch. An diesem wie jedem Wochenende hätte dann ja auch nur noch der Notdienst oder das Krankenhaus offen. Zur Belagerung der Krankenhäuser durch Bagatellkrankheiten mal ein anderes Mal etwas mehr…an dieser Stelle nur so viel: Wer mit einem Schnupfen ins Krankenhaus geht, der gehört sofort in ein sicheres Herkunftsland wie die Schweiz abgeschoben. Würde auch den Franken wieder runterregulieren…

Durch den Nichtbesuch des Arztes oder anderer helfender Menschen wird also die Möglichkeit, den Virus möglichst weit zu verbreiten, exzessiv wahrgenommen. Indem man wie auch sonst immer wahllos an fremden Gläsern nippt oder wild um die Gegend bzw. Häuser zieht – mit den damit allseits bekannten, verbundenen Risiken wie wildes Küssen und leidenschaftliche Liebkosungen irgendwelcher zufälliger Geschlechtspartner. Dies natürlich auch außerhalb des Paarungsrituals (auch als Brunftzeit oder ‚isch-bin-der-Prinz‘-Zeit besser bekannt)) oder der Karnevalszeit – dabei wird eigentlich wenig Unterschied gemacht.

Mit dem erreichten Alkoholpegel schwindet allerdings  auch die Widerstandsfähigkeit des gesamten männlichen Körpers und spätestens nach der bekannten Inkubationszeit von einem Sonntag ist es am Montag morgen leider zu spät: nichts geht mehr. Aus dem Kratzen im Hals ist eine eitrige, den Schlund komplett zu verschließen drohende Infektion geworden, die sich auf sämtliche innere Organe, den Tastsinn, die Ohren und die Augen auswirkt. Der jeweilige Partner wird nur unter übermenschlichen Anstrengungen wahrgenommen, der Patient wird bettlägerig und mäkelnd. Alle 20 Sekunden entweicht ein Stöhnen oder Seufzen, die Kopfschmerzen sind nahezu unerträglich und alle Körperfunktionen drohen ihren Dienst einzustellen. An Arbeit ist nun zunächst wirklich nicht mehr zu denken. Man kann als Partner eher froh sein, wenn sich der Infizierte noch leidlich am frühen Montag morgen zum Arzt durchkämpfen kann.

Spätestens dort wächst sich die Infektion dann zur bekannten, nahezu tödlichen Männergrippe aus. Alle uns bekannten Organe, praktisch der gesamte Körper, der Stoffwechsel und ganz besonders die Hygiene sind akut davon betroffen und unter Mitleidenschaft gezogen.

In den nächsten 2 Wochen ist an Selbstreinigung des Infizierten nicht auch nur annähernd zu denken. Er liegt eher lethargisch im Bett herum, stöhnend ob der höllischen und qualvollen Schmerzen – und ist gerade noch in der Lage, dem  Lieblingsprogramm im Fernsehen zu folgen. Gut eingepackt und durch den Partner mit Flüssigkeiten und Essbarem versorgt beginnt nun die qualvolle, alles Vorherige  in den Schatten stellende  Phase der Genesung – die sich allerdings auch gute 3 oder 4 Wochen hinziehen kann.

Am Ende ist man dann sehr froh, erneut dem Tod von der Schippe gesprungen zu sein und freut sich schon auf den nächsten Stadionbesuch – nach der Winterpause wohlgemerkt.

Jo. Da helfen auch keine Pillen. Männergrippe halt. Muss man durch. Oder besser: Frau! Bis das Ferkel wieder anfängt sich zu waschen halt…dann ist das gröbste vorbei. In den meisten Fällen  allerdings auch die Beziehung.. Ob darum so viele der bekannten Fälle tödlich enden?

Weisse Bescheid, ne?

 

 

Kornkreise

Lieber Tagesbuch,

sind in diesen Tagen ja wieder hochaktuell.

Ob nun in Düsseldorf oder Köln, Koblenz oder Deggendorf – ob Fasching, Fassenach oder Karneval, ob mit Kostüm oder lieber gleich ganz ohne jegliche  Kleidung: Korn erleichtert alles. Zumindest denkt sich dies der gewöhnliche Karnevalist.

Abgesehen von heftigen Artikulations- sowie Bewegungsstörungen, die bis hin zu komatösen Zuständen reichen, in denen die geistig umnachteten im Parlament ihre Kreise ziehen (ohne Korn, wohlgemerkt), ist bei vielen die Aufnahme von allgemeinen Botschaften durch die Hinzunahme von gesättigten Kohlenwasserstoffen doch sehr stark eingeschränkt.

Gut, bis auf die Botschaft, dass gerade frische, vergorene oder destillierte Flüssigkeiten bestellt oder geliefert wurden.

Ziehen also die Jecken hübsch verkleidet durch die Straßen und ihre Kreise, auch Polonäsen genannt. Manch einer ist auch gar nicht mehr in der Lage geradeaus zu schreiten – sicherlich lässt sich der allgemeine Gang unter Alkoholeinfluss irgendwie in Korrelation zur Erfindung der Polonäse bringen. Kreislaufen mit Rausch. Und dazu mit Pappkappe und Schminke. Herrlich. Und fast schon so, wie der normale Tag im Büro. Jetzt ohne Korn oder Bier wohlgemerkt. Oder auch nicht? Wer weiß…

Ich persönlich finde diesen aus dem altgermanischen Heidentum stammenden Brauch immer noch sehr zeitgemäß.

Man stolzierte mit seltsamer Kleidung auf dem Körper, trug Masken, sprach wirres Zeug und klopfte wild mit irgendwelchen Hölzern herum – um die bösen Geister zu vertreiben. Letzte Woche im deutschen Bundestag. Nutzte nix, die Mehrheit des Parlaments war eh nicht anwesend und hat nur die Kohle für die Abwesenheit kassiert.

Vor knapp 5000 Jahren allerdings, in Mesopotamien, also da, wo jetzt zwischen Euphrat und Tigris gerade rivalisierende und marodierende Banden aus aller Herrn Länder ihr Unwesen treiben, da war es eine Art ‚Gleichstellungsfest‘. Der niedere durfte dem Hochgestellten mal die Meinung sagen und wurde dafür nicht sofort gesteinigt oder an den Eiern zum trocknen aufgehängt. Nun gut, hin und wieder nach der Feier ein bisschen. Aber dann hat ja auch keiner mehr so genau hingeschaut. Justitia war schon immer blind…und das auch ohne Alk!

Hin und wieder war es sogar möglich, dass diese Bräuche über ganze Wochen praktiziert wurden. Allerdings achtete man weithin darauf, irgendwann wieder die Ordnung herzustellen. Also das alte Herr-Sklaven-Verhältnis, welches sich ja wie ein roter Faden durch die Menschheitsgeschichte zieht, wieder herzustellen. Ober sticht unter. Notfalls auch mal nicht nur bildlich.

Scheinbar, weil der Mensch nicht anders kann.

Immer will irgendwer irgendwen anderen beherrschen oder dessen Besitz, Land, Frau, Kind oder auch nur Hut sein eigen nennen. Und dann gab et imma ma widda auffe Omme. Ab und zu auch mit den Hölzern, mit denen man noch kurz vorher die bösen Geister vertrieben hatte. Nannte sich dann auch Revolution. Oder Aufstand. Um den Herrscher zu vertreiben. Hat meist ja nix genutzt. Kam dann ein anderer und hat den Platz eingenommen. Vakuum zieht halt an. Meist Typen, mit eben dieser grenzenlosen leere im Kopf.

So wie aktuell im Zweistromland ja auch. Von den Zuständen jetzt. In die Köpfe kann ich ja nicht reingucken. Wirkt aber irgendwie so…ähnlich.

Der eine will nich weg und wird von anderen dabei gedeckt und unterstützt.

Die anderen wollen unbedingt, dass der erstgenannte endlich abhaut und kämpfen dafür bis zum bitteren Ende. Und die dritten im Bunde wollen einfach gar nix mehr und kloppen sich direkt mit allen Beteiligten, die das nicht wollen. Und mittendrin dann der Rest, der sonst immer doof rumsteht und nur zuguckt. Jetzt wollen die aber auch ihr Süppchen kochen und mitmischen. Wer weiß, was am Ende dabei raus springt. Marodeure eben.

Und zwischenzeitlich zündet der wahnsinnige aus Nordkorea immer mal wieder ein paar Bomben und Langstreckenraketen – weil er wohl gerade Langeweile hat.

Unterdessen wird in anderen Landstrichen der Erde gefeiert und um den Korn gekreist was der Magen hält. Bis zum abwinken und zur totalen Umnachtung halt. Welch ein Wunder. Anders isset ja auch fast schon nicht mehr zu ertragen…

Man könnte ehrlich meinen, man lebt auf einem total Durchgeknallten Planeten, der von irgendwelchen verrückt gewordenen Primaten unter totaler Kontrolle steht. Keine Chance dem Wahn zu entkommen.

Von der anderen Seite des Atlantiks schwappt dann noch der Milliardär mit hinein – es wird wohl nicht besser. Das kann man sich kaum noch Schönsaufen. Aber versuchen kann man es immerhin.

Allenthalben herrscht also der Ausnahmezustand, hier vor Ort jedoch nur zwischen Altweiber und Aschermittwoch – woanders eben das gesamte Jahr. Womit wir wieder im Parlament wären.

Die Ausnahme bestätigt hier ja die Regel.

Im Normalfall, das hatten wir ja schon, sieht man leere Ränge und müde Debatten, die keinen so wirklich faszinieren oder auch nur interessieren. Jeder hat was zu sagen. Meistens nicht mal zur Sache – aber das tut hier nichts zur eben dieser.

Denn bezahlt wird man ja trotzdem. Ob man nun körperlich oder nur geistig oder irgendwie transzendent anwesend ist. Vertreten durch seine Aura oder die Chakren oder…Ommm. Macht ja auch nix. Fehlt nur noch, dass die Interviews bald auch so aussehen.

‚Was haben sie denn heute Nacht bei den so harten Verhandlungen erreicht?‘

In der gesamten Nacht wurde ausgiebig mit Alkohol experimentiert um die Wirkung auf unter 16jährige nachvollziehen zu können.

‚Tschakka! Alkohol nur noch ab 16!‘

Wie man jetzt auf die gezogene Grenze sowohl beim Kauf von Alkohol als auch bei der Wahl, der Möglichkeit Bundespräsident zu werden oder bei der Geschäftsfähigkeit nach BGB kommt – man kann es sich fast denken.

Aber eben auch nur fast.

In den meisten Fällen wird für die harte nächtliche Arbeit ganz gut verdient.

Der Normalbürger würde sagen: und dies nicht zu knapp. Nennt sich dann logischerweise Diät und soll wohl suggerieren, dass man Maß hält und sich in strengster Enthaltsamkeit übt. Gut, auf dem Oktoberfest, mit der Maß in der Hand. Da bin ich ganz bei dir. Aber ansonsten?

Enthaltsamkeit nach ausgiebigen Gelagen? Klar…nach Karneval ist Fasten angesagt. Wer es denn glaubt – soll laut Bibel seelig werden. Wenn der Papst das erlaubt. Dazu ein anderes mal mehr.

Ich für meinen Teil halte meine lieben Abgeordneten alle für leicht überbezahlt und auch gasförmig. Überflüssig eben.

Ursprünglich war die Höhe des Gehaltes ja dazu gedacht, die wichtigen Köpfe vor Korruption und Einflussnahme der Industrie zu schützen und ihnen die Möglichkeit zu geben, auch stark zu bleiben und den Verlockungen des Geldes zu widerstehen. Darum eigentlich so hohe Gehälter.

Na das hat ja dann auch super geklappt. Die erste Woche.

Pharmalobby, Automobillobby, Tabaklobby, Ärztelobby, Hotellobby, Kaufmannslobby, Öllobby…mir fallen jetzt spontan keine weiteren mehr ein. Aber das reicht ja auch.

Zumal diese besagten Lobbyisten (oder deren Anwälte/ Kanzleien) Gesetze ausarbeiten, die dann von den Sekretären der Ministerien dem Parlament unterbreitet werden.

Der einzelne Politiker wäre ja auch überfordert, sollte er sich zwischen nächtlichem Komasaufen und Tagträumendem Parlamentsverzicht im heimischen Bett auch noch in die Materie Eindenken oder eingehender damit befassen müssen. Man muss ja flexibel bleiben, der nächste Posten winkt bald schon!

Wie, das glaubst du nicht? Dann hak mal nach…klingt verrückt, ich weiß. Aber das ist die Realität. Glauben heißt eben nicht Wissen. So wie Kunst von Können kommt und nicht von wollen. Dann hieße sie ja auch Wulst! Und Politik hieße eigentlich Lobbyismus. In Neusprech aber eher nicht. Da heißt es eher parlamentarischer Untersuchungsausschuss. Oder Verfassungsklage.

Fernab also von jeglicher Vernunft und Objektivität wird da auch schon mal eine Abwrackprämie beschlossen. Und dann schmeißt der Michl prompt sein Auto in die Tonne. Funktioniert noch einwandfrei, ist auch ansonsten kaum gealtert und toll verarbeitet, keine Kratzer im Lack, toller Oldtimer den man hegt und pflegt und damit auch ein wenig beiträgt zum Klimawandel – also weg damit! Wir haben es ja!  Strand in Dortmund? Klasse, pack schomma die Badehose ein!

Wie war das noch mal mit der Dekadenz?

Ach, stimmt ja.

Meist ging diese, in der Geschichte, ja nicht vom kleinen Volk aus – sondern von den Herrschenden. Und um es ein wenig erträglicher zu gestalten, mit ansehen zu müssen, dass der Herr in Saus und Braus lebt und der Knecht gerade so über die Runden kommt – um dies also zu legitimieren, da führten selbst die hochdekadenten Römer schon die Saturnalen ein.

Feierte man einfach einen Gott der auf dem Nachbarplaneten lebt – und alle waren zufrieden.

Später hat man den festen Wohnsitz des besagten Gottes dann irgendwann ganz nach weit draußen verlegt, um wissenschaftlich nicht angreifbar zu sein und sich dem niederen Volk nicht noch erklären zu müssen. So wie die Erde eben flach war und die Sonne sich um die Erde drehte. Logisch. Eingängig. Und so simpel. Prima eben. Trink! Und mach dir nich immer so viele Gedanken, Mensch!

In der Zwischenzeit, also wenn gerade nicht gefeiert wurde, gab es zumindest was zu essen und auch Spiele in der Arena. Da wurden dann andere geopfert – und man war froh, dass man selber im Trockenen saß und mit dem Daumen über Wohl und Wehe abstimmen durfte. Kanten Brot und Spiele. Oder Trauben und Wein. Wie es beliebt.

Gut, hat sich in den paar tausend Jahren jetzt insgesamt nicht so viel verändert an der Situation. Heute ist es nicht der Daumen sondern die ganze Hand, die für ein Kreuz gebraucht wird – und man muss nicht mal mehr die Hütte verlassen um die täglichen Dschungel- oder Bachelorspiele zu sehen.

Und mit den Mächtigen muss man auch nicht jeden Tag konfrontiert werden – da reicht ja auch der gewöhnliche Chef, der auch nur ein armer Untergebener seines Vorgesetzten ist. Und so weiter und so fort.

Und wenn man all dies geschichtlich jetzt im Zusammenhang sieht, dann ist es doch gar nicht mal so schlimm, wenn sich das Volk für eine komplette Woche total im Alkohol ertränkt, oder?

Würden wir doch auch verstehen, wenn wir, mal von außen betrachtet, quasi als Besucher, hier mit einem Raumschiff landen würden. Oder?

Oder wir zauberten mit unserer weit fortgeschrittenen Technik über Nacht Kreise ins Getreidefeld. .

Denn wenn die Primaten doch schon Atombomben bauen können – dann muss ja zumindest IRGENDWO auch ein Fünkchen Intelligenz zu vermuten sein, oder?

‚Also, Leute, heute machen wir die runden Teile direkt in das Korn. Datt Saufen die ja auch. Beachten die dann wenigstens.‘

‚ Ja, hoffen wir mal. Wenn die mit dem abfeiern aufgehört haben…also morgen, äh übermorgen. Ach, gucken wir in ein paar tausend Jahren noch mal nach…is besser, denk ich mal. Letztet mal mit der kack Kreuzigung hat mir jedenfalls echt gereicht. Vielleicht klappen ja schöne Bilder im Korn…is zumindest noch ein Versuch wert!‘

Denn eine zweite Chance hat doch wohl jeder verdient, oder?

WEISSE BESCHEID, ne?

Die erweiterte Periode

Lieber Tagesbuch,

hat jetzt nichts mit den bekannten Zyklen der Frau zu tun – auch wenn dieses Thema an sich ja schon ein weites Feld ist und sicherlich einmal der Betrachtung wert wäre. Aber Blut soll uns heute nicht weiter stören. Obwohl, da fällt mir spontan einer ein.

*political-correctness-off* *gender-mode-off* *satire-modus-on*

Was wäre, wenn die Erde sich 30 mal schneller drehen würde?

Nun. Es gäbe jeden Tag Gehalt und die Frauen würden verbluten…

*all-off-or-on*

Ich weiß. Böse. Aber hat was. Das mit dem Geld zumindest. Was wäre die Welt nur ohne Frauen…könnte man glatt aufs Geld verzichten…hehe…

Aber jeden Tag eine frische Gehaltszahlung, das hätte doch was. Wobei. Würde wahrscheinlich exakt 20 Minuten dauern und dann wären alle Dinge des täglichen Lebens 30 mal so teuer…wie ich uns als Menschheit so kenne.

Das Periodensystem.

Wundersame Entdeckung des Menschen, der sich seit Anbeginn der Zeit Gedanken darüber macht, aus welchen Stoffen denn die Welt besteht.

Das fing wahrscheinlich an bei den Höhlenbewohnern und der ersten Keule., Da wird sich der, der sie als erster auf den Schädel gezimmert bekam, auch Gedanken gemacht haben, woraus die wohl besteht. Zumindest kurzzeitig. Kurz vor dem Aufprall. Und dann erstmal nicht mehr. Manchmal auch nie mehr.

Bis hin zu den Griechen war unser Verständnis nur sehr rudimentär. Hatte man doch nur die Sinne um überhaupt feststellen zu können, aus was etwas besteht. Man konnte das salzige Wasser schmecken – auch wenn man nicht wusste, warum es überhaupt salzig war. Irgendwie war das ja auch egal. In 10 Minuten ging der Marathon los und der Verkäufer vor dem Stadiontor, der mit dem frischen Wasser geprotzt hatte, der war sicherlich schon längst über alle Berge. Also ausgespuckt und weiter dem Spektakel zugesehen…

Oder auch die Süße einer Frucht. Führte ja angeblich dazu, dass der Apfel, der nicht weit vom Stamm fiel, ausgerechnet Eva vor die Füße rollte. Und die Schlange ihr dann einflüsterte, davon zu naschen um die herrliche Süße zu probieren. Kannte Eva ja noch nicht. Und eine Handtasche zum aufbewahren für später war noch nicht erfunden. Geschweige denn der Kosmetikspiegel.

Die erste Frau war aber doch nicht blöd. Also bemühte sie ihren Vorkoster. Adam. Der ja auch an sich immer und in allen Momenten für das Grobe da war. Tiere erlegen, jagen, Holz hacken, Feuer machen. Müll rausbringen.

Gut, hätte er sich selber hinaus befördern müssen. Aber das hat ja dann dieser dämliche Gott erledigt, nachdem die Erkenntnis reifte…hier nackt im Garten rumzustehen und der Nachbar glotzt blöd aus der Höhle…

Wer wollte schon nackt durch die Gegend laufen? Von den Frauen jetzt. Ich höre schon eine Milliarde Männer ‚ich!‘ schreien…

Jo, Kleidung gibt es wohl nur deshalb. Denn am Anfang, so viel steht in beiden Sichtweisen, Wissenschaft und Religion, fest, da waren wir wohl nackt. Gut, Behaarung hatten wir noch reichlich. Und es gab noch keine Epiliergeräte oder Brasilian Waxing. Eher den Frauenvollbart und die Männerrückenbehaarung. Appetitlich.

Aber stehengeblieben waren wir ja eigentlich bei den alten Griechen. Um die beiden im Paradies kümmern wir uns noch ein anderes mal…

Gut, die haben also den ganzen Tag rumgehangen, die Griechen, so ein wenig philosophiert und dabei auch nebenbei noch irgendwie die Mathematik entdeckt – zumindest hatten Pythgoras und Sokrates nichts anderes zu tun, als es sich damals schon für alle Zukunft bei den Jugendlichen zu verkacken.

Und nebenher, neben rumliegen und Weintrauben verzehren und ein paar Quadrate oder Dreiecke in den Sand zu zeichnen, dachte man, die Welt bestehe aus Feuer, Wasser, Luft und Erde.

Also dieselbe Ansicht, die ein Großteil der Menschheit auch heute noch vertritt.

Neben dem so-dahin-stoffwechseln, wo es ja auf die Luft ganz besonders ankommt, dem anzünden von Feuer oder dem hochdrehen der Heizung, dem monatlichen Bad (alles andere wäre Verschwendung, habe ich doch tatsächlich von jemandem gehört, der sich seit 3 Jahren nicht wäscht sondern nur ein von ihm selber entworfenes Parfüm aufträgt. Na heidewitzka Herr Kapitän. Da kann man dann zu Karneval als Sondermülldeponie gehen. Ohne irgendwas am Outfit oder ähnlichem zu ändern. Pfui. Also einmal im Monat ist selbst für den bildungsfernen Bürger Minimum. Außer er entwickelt sich zum oder ist bereits ein Messie. Ich denke, dann kommen wir mit den 3 Jahren wieder ganz gut hin. Was das jetzt mit Fußball zu tun hat? Sag mal, hörst du mir überhaupt zu???) – und schlussendlich dem Boden der Tatsachen, auf dem das eigene Bett sich befindet,  existiert ja kaum etwas in der eingeengten Sichtweise.

Neben Atmung, Heizung, ritueller Waschung und dem zu-Bett-gehen unterscheidet sich das normale Leben also nicht wirklich von dem der Griechen im Altertum. 4 Elemente. Alles andere ist unwichtig.

Zieht sich wie ein roter Faden so durch den Alltag.

Ein-Aus-Lauter-Leise beim Fernseher.

Vor-zurück-links-rechts beim bewegen in der Öffentlichkeit.

Wach-einschlafend-schlafend-aufwachend als Zustände des Lebens.

Hungrig, durstig, müde, erschöpft.

Satt, sternhagelvoll, hellwach, aufgekratzt.

 

Kann man so stundenlang für alle Bereiche des Lebens durchgehen.

Geld drauf, Geld abgehoben, Geld ausgegeben, kein Geld mehr.

Arbeit verloren, ohne Arbeit, arbeitssuchend, Schmuckdesignerin.

Also alles in allem recht Griechisch – und nach Westerwelle auch römisch. Zumindest in der vollendeten Dekadenz. Wenn Fleisch nix mehr kostet und der Weg zum Discounter nur 5 Minuten beansprucht – dann ist es sehr weit bis zur nächsten Revolution. Ein voller Bauch revolutioniert nicht gern. Außer er ist austerisierter Grieche in Europa und möchte mit 55 schon in Rente gehen. Dafür lohnt es sich ja schon mal zu streiken.

Gut. Irgendwann, so knappe 4000 Jahre der totalen Abstinenz von Intelligenz später, hat sich dann wieder mal einer hingesetzt und nachgesehen, aus was denn die Welt wohl wirklich gemacht ist.

Als Alchemist war der aber eher auf der Suche nach Gold. So wie alle vor und nach ihm. Würde mich mal interessieren, wenn mal ein Komet eingefangen würde, auf dem es alle seltenen Stoffe des Kosmos im Überfluss gebe. Was dann lieber Kapitalismus? Ach, stimmt, wir sind ja schon bei den bunten Scheinchen und dem ‚Nullwert‘. Ich vergaß.

Eperimentierte der Typ also mit seinem Urin herum. Nicht, weil das so verlockend war. Eher, weil der so schön goldgelb war. Und von diesem Herrn an, der da seinen Morgenurin auf einer kleinen Gasflamme im Kolben erhitzte und aufwändig untersuchte, bis hin zu heutigen Kernfusionsexperimenten in Superbeschleunigern die Milliardensummen verschlingen, hat man eine ziemliche Menge an neuen Elementen entdeckt. Über 200, um es mal zu beziffern. Und dies in nur knappen 300 Jahren. Und ständig entstehen neue. Ob uns nach oben eine Grenze gesetzt ist, man weiß es derzeit nicht. Auch welche Möglichkeiten uns die ganzen neuen Elemente bieten werden – alles noch in den trüben Fenstern der Labore verborgen.

Das wichtigste Element jedoch, der gewöhnliche Sapiens, der kratzt sich derweil im Schritt und popelt an der Ampel. Oder lackiert sich bei rot die Fingernägel. Was wieder einmal beweist, dass Fortschritt und Wissen den gewöhnlichen Menschen jetzt nicht ganz so weit voranbringen. Gut, der kann auf dem Klo am frühen Morgen dann auch selber analysieren, dass die Streifen irgendwie…äh…lassen wir das. Bevor es total unappetitlich wird. Er könnte es aber. Das mit der Analyse.

Und darum ist es um jeden einzelnen der Erdenbürger wichtig. Wissen wir, wo und wann der nächste Bohr, Einstein, Shakespeare, Schiller, Mozart, Beethoven oder Gauck geboren wird? Eben.

Zumindest bei der nächsten Periode weiß es aber die Göttin ziemlich genau. DER oder DIE wird das Periodensystem definitiv NICHT erweitern.

Kommt sie zornig die Treppe herauf und öffnet die Tür zum Prinzenklo ruckartig:

‚Hör auf schon wieder mit deinem Urin rum zu spielen! Komm lieber runter, ich hab Apfeltorte gebacken…‘

WEISSE BESCHEID, ne?

 

 

 

 

 

Schubladen im Elefanten – Porzellanladen

Lieber Tagesbuch,

oder wie ich von einem Fettnäpfchen auf kürzestem Weg in das nächste gelange.

Unter diesem Titel gebärdet sich derzeit der bayerische Landeschef. Da zu den aktuellen Themen der Politik längst schon alles gesagt wurde – aber eben noch nicht von jedem, wird er nicht müde, den Schweinwerfer sowohl auf den Freistaat als auch auf seine Person zu lenken. Wieso überhaupt Freistaat? Frei genug, um jede noch so uninteressante Grütze in die Republik zu posaunen? Immerhin. Ist keiner bestürzt darüber…oder legt Kränze nieder.

Ich kritisiere nicht einmal, dass er sich in die lange Reihe der Besucher des großen, wenn nicht sogar größten (jetzt nicht körperlich, sondern eher politisch) russischen Vorstehers für Recht und Ordnung im Asiatischen Teil der Welt einreiht. Nach Stalin oder Lenin oder den ganzen anderen Ungestalten der Geschichte. Kleine Menschen sag ich nur…hüte dich vor kleinen, manchmal auch grünen Menschen…

Wesensgestalt menschlicher Mythen behüte!

Macht mein Feinkosthändler um die Ecke ja auch, solche Besuche. Jetzt nicht direkt in Russland. Eher bei seiner lieben Mutter oder seinem Vater. Und redet eben auch lauthals darüber.

Also ist an diesen Besuchen und den Berichten darüber grundsätzlich ja auch nichts auszusetzen. Wer war, bitte schön, noch NICHT beim kleinen süßen Putin um ihm seine Aufwartung zu machen. Während der totaaaal schlimmen und harten Sanktionen der EU. Und dem Rest der Welt. Darf der ja jetzt nicht mehr an die Förmchen der anderen. Weil der da einfach ganz blöde einmarschiert ist. Der böse. Da sind wir dann mächtig bestürzt und verurteilen das. Früher gab es für so was mächtig was auf das Fressbrett.

Heute wird verurteilt. Natürlich nicht VOR. Sondern irgendwie mittendrin. Das ist Zivilisation in der besten aller Welten, wir sind einen Schritt weiter! Ich bemühe jetzt nicht das Bild des Abgrundes….

In der Zwischenzeit kann man ganz toll wieder einmal irgendwo Kränze niederlegen oder einen ganz, ganz tollen und ganz wichtigen Fusionsreaktor in Schwung bringen. Auch wenn wir von wirklichen Fusionen noch Lichtjahre entfernt sind. So in jeglicher Beziehung jetzt. Bis auf die Zwischenmenschliche. Ein weites Feld und anderes Thema.

Aber zumindest das Plasma kriegen wir schon hin. Für 1,06 Milliarden…und für 800 Millionen eine Philharmonie. Wie viele Kitas das sind? Du bist vielleicht ein Kultur- und Wissenschaftsbanause. Also wirklich…das kann man doch so engstirnig gar nicht sehen! Schließlich ist Kultur ein hohes und wichtiges GUT! Scheiss watt auf die Blagen!!!

Manch einer wäre froh, wenn er erst mal genug Bildung bekommen würde…aber ich schweife ab.

Audienz bei ihrer Majestät, dem kleinkotz gleich an der Wolga.

Ist ja in etwa vergleichbar mit der Audienz beim Papst. Zumindest genauso schwer zu bekommen, für unsereins.

Dass man den Politikzirkus des Oligarchen-Pflegers damit nur unnötig aufwertet, wen stört es wirklich? Empörung und Bestürzung, gar Entrüstung allenthalben. Aber Konsequenzen? Eher weniger.

Heutzutage ist es auch keine wirkliche Debatte mehr, ob man einfach so Länder annektieren kann. Was in früheren Zeiten durchaus auch einmal zu einem Weltkrieg gereicht hat – das ruft heute nur müde sogenannte ‚Sanktionen‘ hervor. Gut, wirkt dann soviel, wie wenn ich meinem Hund Sanktionen in Deutsch androhe. Solange er weiter sein Futter hingestellt bekommt, wird er mich müde belächeln. Und brav Sitz und Platz machen. Aber sein Lieblingskissen bekomme ich trotzdem nicht. Wer kauft noch mal das Gas? Ein Schelm wer außer böses etwas anderes dabei denkt…

Was also im Falle von außerparlamentarischen Parteien ganz gut klappt – der Boykott und das ‚in-die-Ecke-stellen‘, das ist bei Staatspräsidenten dann etwas schwieriger. Gut, wenn es nicht gerade der völlig weltfremde Nordkoreanische Vortänzer ist. Aber selbst der wird von dem ein oder anderen schon mal besucht. Auch wenn es eher in einer ‚Klapse‘ ist. Die da Nordkorea heißt. Kim-Kim-Kim. Oder wie der sich gleich wieder schimpft. Sung oder Jung oder Dung. Auf jeden Fall ziemlich ‚ill‘.

Also übt man sich darin, eifrig alle in irgendwelche Schubladen zu packen, die nicht bei 3 auf den Bäumen sind. Jede Äußerung wird sofort politisch gewichtet. Und was nicht der Regierungshaltung entspricht, ist sofort extreme linke oder rechte Ecke. Ich weiß selber schon gar nicht mehr, was ich bin. Rechtsextremer Linker? Oder Linksextremer Rechter? Auf jeden Fall wohl eher in der Opposition. Und damit eben auch in der Minderheit. macht nix. Macht Spaß!

So eine Opposition ist ja noch nicht einmal mehr geduldet. Auch durch die Schere im Kopf schon nicht mehr. Wagt man sich ja kaum, zu aktuellen Themen noch öffentlich Stellung zu beziehen. Ist man ja gleich abgestempelt und in die Schublade gepackt. Kommt man dann auch nur schwer wieder raus. Dafür sorgt schon die BILD. Oder andere.

Außer man ist eben Ministerpräsident in Bayern. Dann kann man sich quasi (fast) alles erlauben. Also ist man so ungefähr Staatsvize-vize. Wenn nicht sogar drüber.

Oder aber man ist Filmer/Composer/Darsteller/Produzent/was-weiss-ich-was-noch und heißt mit Künstlernamen Tschiller.

Passt ja.

Fast genauso dämlich wie es Göde oder Motsard wäre. Eher peinlich.

Chill me up scotty.

Denn trotz des ganzen Stress und der Unwirklichkeit des Seins, sei an dieser Stelle mal die Kritik der feinen Vernunft angebracht.

Muss man sich als Schauspieler/Filmemacher/Produzent/Writer/Cutter/Composer nicht wirklich auch hin und wieder Gedanken darüber machen, warum man den Film nicht gleich ganz neu erfindet? Warum werden nicht auch die Filmgeräte, die Filmmusik, die Filmstudios und die Fans von einem selber produziert, composed, gecutted und downgewrited?

Spätestens mit dem Auftritt im Allerheiligsten, dem Fußballstammtisch am Sonntag, wurde mir blitzartig klar, dass ich keineswegs mehr gechilled war. Hatte dieser Typ, gegen den Mister Tausend Volt in Wirklichkeit die Größe einer Babyzelle hatte, sich jetzt auch schon in meine Lieblingsecke gedrängt? Zeit genug, den Fernseher der Verdammnis auszuschalten und von meinem geliebten Zerstreuungssport hinüber zur Realität des Tages zu wechseln. Macht der also nicht nur den Tatort unsicher. Nein, weil keiner seinen neuesten Film ansehen will (droht ein totaler Flop zu werden) und er sich persönlich für die absolute Gottheit der gesamten Menschheitsgeschichte hält…trotz näselnder, nuschelnder Stimme, weil also die niederen Fans nicht in den Tempel strömen um der Gottheit bei seinem neuesten Stunt zuzuschauen…erscheint der also am Sonntag in den frühen Morgenstunden höchstpersönlich beim Fußballstammtisch.

Was, bitte schön, hat dieser Typ dort verloren? Noch NIE Fußball gezockt (na gut, vielleicht mit Kumpels auf der Wiese) und vom übersteigerten Selbstbewusstsein her längst schon der nächste Präsidentschaftskandidat der Republikaner in Amerika – muss er nun auch noch hier seinen Senf hinzugeben. Kaum zu verstehen und immer mal wieder seine nette Tochter in den Apparat haltend. Die nächste Moderatorin. Auf jeden Fall.

Da fallen einem gar keine Schubladen mehr ein, die noch unbesetzt sind.

Aber zum Glück gibt es ja die Aus-Taste.

Obwohl. Wenn der gleich mal wieder auf alle einpöbelt wie der berühmte Elefant im Laden mit den Mingvasen…das hätte schon was.

Mir reicht es aber wieder.

Mein Flieger geht gleich.

Ich muss mit Lieblings-Bundespräsident und dem tollen Außenminister und dem Kanzleramtsminister und den ganzen anderen wichtigen Fuzzies mit besonderen Aufgaben schnell mal rüberjetten zum Assad. Um dort meine Bestürzung klar zum Ausdruck zu bringen. Meine Besorgnis. Und meine tiefe Abwehr. Ich verurteile dies ja auf das schärfste.

Was genau?

Ist das nicht ebenso egal wie die blöden Sprüche der Machthaber? Abgespultes Politik-Bullshit-Bingo. Jeden Tag einen Satz -heiße Ohren am Besten…

Wird Zeit, dass die alle in der größten Schublade verschwinden. Der Menschheitsgeschichte. Damit WIR hier mal wieder was gebacken bekommen auf Erden…ne, keine kleinen Brötchen. Und geh mir bloß weg mit dem Krimsekt…

WEISSE BESCHEID, ne?

Der Irrsinn als Obergrenze

Lieber Tagesbuch,

macht sich scheinbar bei unseren Berufspolitikern jetzt schon nahezu täglich bemerkbar.

Da war man zunächst in den letzten Jahren ja schon gewöhnt, dass immer mal wieder im Sommerloch ein neues Schwein durch die Hauptstadt gejagt wurde. Ob es nun die PKW-Maut oder auch die damalige Praxisgebühr war. Schlussendlich wurde die Sau derart forciert in die Enge getrieben, dass ihr quasi ja nichts anderes übrig blieb, als sich real zu manifestieren…soll heißen: jeder Unsinn wird irgendwann dann auch mal umgesetzt. Und jetzt starten die Debatten schon im Winter…

Gut, in Einzelfällen revidiert man dann vielleicht auch noch einmal, wenn man merkt, dass man mehr Kosten produziert als man jemals Einnahmen generieren könnte. Aber eben auch nicht immer. Praxis ist halt nicht stetig….zumindest nicht über Gebühr.

Man muss die neue Sau nur lang genug in der Öffentlichkeit heiß debattieren – bis der Michel sich brav ergibt…und einfach aussitzt. DAS war übrigens der entscheidende Fehler bei Stuttgart 21. Da ging alles zu schnell und zu viele haben dann automatisch genauer hingeschaut.

Wie der berühmte Frosch…der ins heiße Wasser stürzt und danach die Flucht ergreift. Wenn man ihn hingegen langsam erhitzt, mitsamt des Wassers…BER ist da ein schönes Beispiel. Da hat es doch auch wunderbar geklappt. Oder bei der Elbphilharmonie.

Prunkstücke deutscher Architektur und ein Loblied auf Ordnungs- und Verwaltungsfetischismus im Lande…wenn die beiden denn mal überhaupt irgendwann fertig werden. Fragt auch keiner mehr nach den Kosten.

In der Zwischenzeit gibt es ja täglich hunderte neue Krisen und Probleme. Griechenland? Krise! Banken? Krise! Euro? Krise! Staaten? Krise! IS? Krise! Flüchtlinge? Krise! Ukraine? Krise! Beckenbauer und Sommermärchen? Krise…such dir einfach ein Stichwort aus. Irgendwer wird schon die Krise dazu finden! Ich sag nur Pisa…isch krick di crise!

 

Wo war ich?

Ach ja. Korruption. Wie immer. Oder eben Barzahl-Obergrenze…wie man es nimmt. Und vor allen Dingen: WOHER man es nimmt…aber echte, harte, widerliche Korruption, also so die tatsächliche?

Haben wir ja hier nicht. Hier werden immer schön sauber Steuern gezahlt, ganz besonders wenn man Präsident eines Fußballvereins ist. Auch die Pharma- oder Krankenhauslobby quetscht nicht den Patienten aus…ne, die Kassen. Der Pilot ist auch nicht böse. Oder der Zugführer. Nein, die haben gelernt.

Wo ganz oben ist, da kann man mächtig Kasse machen.

Außer, man hat eine Obergrenze. Für die anderen, versteht sich.

Hätte man bei den Bauwerken auch mal besser eingeführt, so eine Obergrenze. Auf jeden Fall muss der Finanzminister dann zukünftig die Schmiergeldzahlungen an die Beteiligten Unternehmen direkt vom Ministerium aus überweisen. Das nenne ich mal Transparenz!

Und keiner kann mehr auf dem Parkplatz oder hinterher im Parlament behaupten, er wüsste von keinem Koffer. Wird dann auch keiner so schnell Finanzminister. Na, wenn der, der unverhohlen in die Kasse greift sich nicht auskennt…wer denn dann? Kohl jedenfalls nicht. Der erinnert sich ja auch nicht mehr. Anderes Thema.

Auf jeden Fall baut man in der Zwischenzeit schön weiter an BER und Konsorten. Und überweist sich alles brav, was die 5000 überschreitet.

 

‚Macht dann exakt 5 Millionen. Bitte in 500ern. Sonst muss ich das noch überweisen…und auch noch versteuern. Will ja keiner, oder? Hehe…‘

Sprach es und feierte seinen Geburtstag mit der Kanzlerin. Auf deren Kosten. Auch fein arrangiert. Und hernach redet niemand davon. Ach, doch. Von den blöden Nachfolgern. Die den Kahn dann retten müssen und eklatant scheitern…

In derselben Zeit klotzen die fleißigen Chinesischen Wanderameisen mal 100 Kohlekraftwerke oder 40 Flughäfen oder auch wahlweise 30 Staudämme in die Gegend.

Wenn denn der Beton reicht. Oder eben die seltenen Erden. Ganz wie es beliebt.

Der Beton in den Köpfen der bundesrepublikanischen Politprofis scheint jedenfalls immer noch ganz gut auszureichen. So dass man hin und wieder mall auf GANZ neue Ideen kommt.

Eine Obergrenze bei der Barzahlung. Um dem organisierten Verbrechen das Leben schwerer zu machen.

Na klar, wird doch die gut ausgebildete Fachkraft dann demnächst die Drogengelder brav nach Kolumbien überweisen. Oder den Waffenkauf bei Heckler und Koch schön über Paypal abwickeln. Käuferschutz inklusive. Dann noch besser die Schrottgewehre der Bundeswehr bei ebay verhökern. Hätte Charme. Und wir endlich wieder Kohle in der Tasche. Dann noch ein paar alte Panzer nach Saudi Arabien. Wer sagt denn, wir würden Extremisten unterstützen? Wir doch nicht…

Ich fasse diese grenzenlose Naivität nicht. Ich bin ja auch ein feiner Mensch. Ohne Argwohn. Nicht, dass der Staat schon lange allzu gern den gläsernen Bürger hätte. So mit der Obergrenze für den jährlichen Orgasmus bzw. die Anzahl der erlaubten Koitus im Jahr zu regulieren.

Dazu dann gleich auch noch die wöchentliche Ration Fisch, Fleisch, Blumen, Käse, Pralinen – welche Lobby habe ich vergessen? Ach ja, die Automobile. Wird man dann zukünftig auch nicht mehr bar bezahlen können. Die 180000 für den Porsche.

Hat man vorher ja unter dem Kopfkissen gehortet. weil auf der Bank…bei deeeeen Zinsen? Bin ich doof? Ist ja auch quasi ein Trinkgeld…

Wie schon gesagt. Eine Obergrenze bei der Infantilität scheint es nicht zu geben.

Abschaffung des Bargeldes als Nahziel.

Wird also Zeit, dass ich mich dagegen wehre und ab sofort alles bar bezahle. Wäre ja auch noch schöner.

Übrigens war der Staat mal dazu da, dem Bürger zu dienen.

Mittlerweile ist es eher eine Knebelveranstaltung geworden. Und wer den neuesten Knebel findet, der wird dann gleich Bundesminister.

Wozu so eine große Koalition doch gut ist. Kann man alles durchdrücken was man immer schon mal am Volke vorbei machen wollte. Opposition? Gibt es weder im Parlament noch im richtigen  Leben.

Und am besten,. wenn wieder mal Finale bei EM oder WM ist.

Steht ja bald an.

Kann ich schnell noch meine Finalkarte bar bezahlen gehen. Dürfte knapp über den 5000 liegen…

 

‚Herr Ober – das ist ihre Grenze!‘

Zeigt auf den Tisch mit der akkuraten weißen Decke und markiert dabei das Trinkgeld.

‚Schließlich sind wir hier nicht bei wünsch dir was…‘

Also der wird die 5000 eh nie erreichen. Obwohl…Inflation sei gegrüßt…eigentlich hat er die Sorgen nicht. Also schluckt er auch die Obergrenze.

Sankt Florian ick hör dir trapsen…

 

Weisse Bescheid, ne?