Digitalisierung 2016.0

Lieber Tagesbuch,

ist, wenn ein Pokemonjagender Mobiltelefonanstarrer von einem autonom fahrenden Tesla-Auto überfahren wird, dies durch ein Google-Auto aufgenommen und durch eine Verkehrsüberwachungsdrohne komplett aufgezeichnet wird. Willkommen in der neuen Welt. Und die Amazon-Drohne blinzelt verstört beim Paketausliefern auf die Straße und versteht die Welt nicht mehr…

Was genau mag denn nun Digitalisierung sein? Fragst du mich das jetzt wirklich ernsthaft?

Nun, nehmen wir mal an du bist krankenversichert. Dann wird zukünftig der Arztbesuch gar nicht mehr nötig sein. Du schnappst dir morgens früh dein Handy, startest die App deines Hausarztes, der schaut sich über die Kamera deine Prusteln im Gesicht an und schreibt dich krank. Das geschieht unmerklich für dich im Hintergrund. 

Dabei wird erst der Arbeitgeber informiert – und danach die Krankenkasse. Du kannst dich hernach direkt in die Apotheken-App begeben, dort dein Medikament raussuchen (verschiedene Hersteller, mit manchen hast du vielleicht sogar eine Kooperation, d.h. die Sponsoren deiner Tochter die Blockflötenstunden dafür, dass du ihre Produkte kaufst) – und dieses wird dir dann per Drohne zugesandt.

Nach cirka 20 Minuten Flugzeit. Spätestens jetzt musst du deinen Arzt bewerten und für deine Krankenkasse dessen Rechnung freigeben.

Danach wieder ab ins Bett und genesen also. Bis dich am nächsten Morgen die App darauf hinweist, dass du ja sowieso in diesem Jahr schon öfters krank warst und man dir sofort die nächsten 3 Wochen als Krankzeit vorschlägt. Kommt jetzt auch nicht mehr drauf an. Und die Diagnose liefert man dir schon vorab anhand deiner im Klo gemessenen Körperflüssigkeitswerte. 

Nebenbei solltest du die Aufnahme von Alkohol reduzieren, rät dir die Arzt-App. Und gestern, der Fisch, der war aber nicht MSC – und schon gar nicht Bio. Und schon nervt das schlechte Gewissen. Schließlich kann von diesem einen Fisch das leben einer ganzen Fischerfamilie abhängen! Zumindest erscheint es so. In Wirklichkeit trifft es nur einen dieser riesengroßen Fischfang-Trawler im Atlantik – und der kann es weiß Gott verkraften…

Schöne neue Welt.

In der auch schon sehr früh feststeht, wer oder was du wirst. Vor allen Dingen haben deine Eltern dich schon vorher im Baukasten zusammengesetzt. Kann eigentlich kaum noch was schief gehen.

Mit der kleinen App auf dem Smartphone wurde der perfekte Samencocktail zusammengestellt, vom Labor dann fertig gemixt und per Drohne zugestellt. Gut, guter Sex sieht jetzt anders aus – aber was tut man nicht alles für die Menschheit? Möchte nicht jeder einen kleinen Galileo oder Albert? Oder eine Marie? Was gäbe die Welt für einen neuen Jesus oder eine Jesine. Muss man ja nicht gleich wieder an die Wand nageln. oder an ein Kreuz. 

Fällt mir ein, was wäre gewesen, wenn man Jesus geköpft hätte? Würde dann heute jeder mit einem Schwert um den hals herumlaufen? Gut, in Zeiten von Terror und der wahlfreien Ausübung von grober Körperverletzung mit Todesfolge oder jeglichem anderen groben Unfug (ich sage es gleich: ich halte mich aus allen Diskussionen hierzu heraus. Bringt nix. Denn meine Argumente sind nicht tödlich!) kann so ein Mordinstrument bei der Hand oder besser am Hals sicher nützlich sein. 

Aber dann hat ja jeder eins. Halt so wie im kalten Krieg. Alle haben eine Bombe und darum nutzt sie keiner. Ja, so verrückt ist der von den Bäumen heruntergestiegene Affe! Wohl wahr! Manche hielten ja eben dieses verlassen der Bäume schon für den großen Irrtum. Andere gehen noch weiter und finden, wir hätten nicht mal das Wasser verlassen sollen. Besser für uns wäre es sicher gewesen. Gäbe es jetzt Planktoncocktails auf dem Meeresgrund. Aber das ist eine andere Geschichte.

Gut, gibbet also am Spielplatz um die Ecke zur Genüge Jesines oder Jesusse in Tateinheit mit der bekannten Schackeline. Aber wir reden hier ja eher nicht von den Kindern mit sehr viel Potential – also enormer Luft nach oben -, die zumindest schon mal den Stift so halten können wie der Turm in Pisa steht. Zwar schief – aber dennoch lässt sich damit auch ein Wort hinkrakeln. Auch dabei ist man nicht mehr ganz so genau, schließlich wird auf Tablets geschrieben, die Autokorrektur übernimmt den Rest. Selbst der größte Dummbatz bekommt auf diese Weise Weltliteratur hin! Alle Minuten lang ein neuer Shakespeare! Nun, nicht exakt so lang und detailliert bzw. Pointen reich – aber zumindest hört es sich fast schon an wie Englisch. Das Deutsche. Sind wir akut ja auch nicht sehr weit weg von.

Kaum Werbung, in der nicht alles irgendwie besser ist, weil es ‚repair‘ oder ‚revitalift‘ oder ’smoothie‘ ist. Hinzu kommen ‚Events‘ und ‚Spots‘ die dein ‚Life‘ irgendwie besser machen. Es ‚upgraden‘.  Tja, manches mal wünschte ich mir weniger Werbung und mehr Hirn. Aber man kann ja bekanntlich nicht alles haben. Und wer schon Persil und Omo hat, der braucht sich um eine gescheite Gehirnwäsche keine Sorgen mehr zu machen. Ünrigens werden pro jahr 60 Millionen Tonnen Phosphor in die Kloake gespült. Die Hälfte unserer Einfuhren an Phosphor kippen wir wieder weg! Das nenne ich mal Weitblick! Ist so, als wenn ich am Geldautomaten nach jedem Abhebevorgang die Hälfte meines erhaltenen Geldes verschenken würde. Fände ich auch wieder toll. Würde ich den ganzen Tag nur an Bankautomaten stehen! Karriere als Bankautomaten-Vorsteher. Chief of – versteht sich. Man macht ja auch seinen Master und den Bachelor. 

Ich sags ja…denglisch sei dank. Aber nicht mal das ziehen wir durch. Könnte man doch zumindest schon mal das seidt einführen (Kombi aus seit und seid) und den bestimmenden Artikel endlich weglassen. Man liest ja auch kaum noch bestimmende Artikel. Alles eher Einheitsbrei. Auch wieder eine andere Geschichte.

Alles das ist auch bereits mit kleinen bunten Pillen erreichbar. Realität und keine Fiktion. Viagra und Co. lassen grüßen. Täglich wird es mehr. Und in Zukunft sind sogar direkte Eingriffe ins Hirn denkbar. Gut, macht man jetzt nicht so sehr viel kaputt. Von daher sag ich mal: schlimmer geht es eh immer! Also warum nicht? Wären wir wieder bei der Schnittstelle im Kopf, du erinnerst dich?

Naja, auf jeden Fall sind deine Lehrer dann das Internet und diese kleinen, süßen Roboter die dich durch deine Kindheit und Pubertät bis ins Erwachsenenalter begleiten. Kleine Pokémons und PacMans.

Und ein jeder hat eine Brille auf (was ja auch die Diskriminierung der Brillenträger endlich beenden würde) mit der er sämtliche Zusatzinformationen zu einem Objekt sofort eingeblendet bekommt. Steht man also vor der Sehenswürdigkeit und die Datenbrille sagt einem: hey, is 80 Jahre alt, heißt Omma Krawuttke und lebt hier im Altersheim um die Ecke. 

Was die jetzt gerade hier splitterfasernackt vor dem Picasso im Museum macht – man weiß es nicht genau. Aber zumindest erkennt man auf Blick oder Kopfnicken hin, wer die Erziehungsberechtigten waren und sind. Und wie viel Omma Krawuttke im Monat so an Rente kriegt. Und was sie gestern gegessen und eingekauft hat.

Gut, das würde jetzt wieder nur der Ordnungshüter sehen. Der sieht aber auch sofort alle Einträge zur Sprache der gestrigen Woche. Also alles, was Omma Krawuttke in der letzten Woche so vom Stapel gelassen hat.

In Einzelfällen vielleicht nicht so interessant. Aber insgesamt und in BIG DATA sicher ein willkommenes Highlight jeder autoritären Regierung. Die einem durch die Datenbrille natürlich auch immer anzeigt, wie etwas gerade aktuell heißt oder welche Wertung es gerade hat. Doppelplusgut sag ich nur.

Also in all der schönen Zeit in den Allergenfreien Bereichen der Großstadt werden immer mehr und weitere Daten über dich gesammelt. Und die verfestigen dann dein Bild. So dass ein jeder sofort weiß, woran er bei dir ist. Wie erwähnt eben auch der liebe Herr Staat. Der damit dann auch schon weit vor der anstehenden Wahl weiß, wen du denn wählen wirst.

Und darum muss die Wahl ja auch erst gar nicht stattfinden – weil das Ergebnis eh schon feststeht. Das wäre dann auch Demokratie 2.0! Heissa! Und Politiker die ihre Vita oder ihre Abschlüsse gefälscht haben oder irgendwo abgeschrieben oder sonst wie gelogen und korrumpiert haben – gibt es gar nicht mehr. Nur noch Politroboter die den lieben langen Tag nichts anderes tun, als das für und wieder zu debattieren. und zum Schluss wird abgestimmt.

Sagst du jetzt, wo ist der Unterschied zu heute?

Gut, die kosten eben nur noch Strom. Keine dicke Diät mehr.

Und wenn der durch Wind, Wasser und/oder Sonne hergestellt wird…ist doch erst mal alles gut!

Während das Volk draußen Pokemons jagt oder bei der EM/WM/AM/BM/CM zu Hause vor der Glotze zuschaut.

Arbeiten muss ja auch niemand mehr, denn sämtliche Jobs der Welt werden komplett von Robotern erledigt. So dass der Mensch sich ganz auf seine guten Seiten besinnen kann. Ich hatte es bereits beschrieben, du erinnerst dich sicher.

So malt der gute Mensch dann halt Ölgemälde aus Urin oder bastelt aus Filz kleine Hüte. Oder baggert in seinem Garten herum. Ganz, ganz kecke nehmen 3 Stunden lang den gerade im Garten entdeckten wilden(!) Vogel auf. Solange der Akku reicht. Und ein ECHTER VOGEL: Kein Pokemon! Wow!

Lange keinen mehr gesehen. Außer im Zoo oder im TV.

Schöne neue Welt halt…alles so wundervoll bunt! Und sogar in HD! CURVED! Also gebogen…für uns Ältere…

Weisse Bescheid, ne?

 

 

Küche Gobi

Lieber Tagesbuch,

ist eine in Deutschland bekannte Service-Wüste auf diesem Planeten, die ich an den letzten Wochenenden live erleben bzw. erfühlen durfte. In einer normalen Wüste droht ja wegen der vermehrten Hitze das verdursten und eine damit verbundene Austrocknung des gesamten Körpers. Diese Gefahr besteht in der allseits bekannten deutschen Servicewüste eher nicht.

Wenn man nach etwas gefragt wird, dann ob man Wasser möchte. Ist ja auch billig. Bei ca. 20T€ für die nigelnagelneue Küche – da sind die paar Cent für das Mineralwasser doch eine gern angebotene Dienstleistung. Ein Klacks sozusagen.

Die Servicekraft – besser: der Mundschenk – ist auch zu weiterführenden Aussagen nicht fähig, denn auf die Frage, ob man einen Termin machen möchte oder wie lange die Wartezeit für einen Berater ist (wir haben ja verkaufsoffenen Sonntag und damit Verständnis, dass nur mit einer Notbesetzung angetreten wird!) schaut einen die Servicekraft an, ist konsterniert, ihm fehlen die Worte, er blickt durch einen hindurch und fixiert irgendetwas an der gegenüber liegenden Wand. Plötzlich und unvermittelt schaut er einem wieder leicht erstaunt mit weit aufgerissenen Augen in die eigenen – und fragt: ‘Möchten Sie etwas trinken? Ein Glas Wasser vielleicht?‘

Nur ganz leicht an der Beantwortung der eigentlichen Frage vorbei – aber gut, wir haben ja als deutscher Normalbürger immer absolutes Verständnis, zumal wenn jemand am heiligen Sonntag arbeiten muss, drehen eine kleine Runde in der modernen Küchenwelt mit ca. 1.5 Mio. gefühlten ausgestellten Küchen (alle zusammengerechnet auf mehrere Häuser verteilt), stellen fest, dass die Notbesetzung aus 8 Mundschenken, 2 Empfangsdamen und einem Berater besteht. Das ist sinnig. Der eine Teil trägt dabei kleine Schilder mit der Aufschrift ‚bitte nicht ansprechen‘, ein paar andere das Schild ‚Kollege kommt gleich‘ und der Rest das blaue Schild mit ‚Do you speak Kisuaheli?‘.

‚Wir wollen ja hier auch gar nichts verkaufen, wir stellen hier eigentlich nur Accessoires für den Küchenbereich aus…und der Rest ist hier nur zwischendurch eingelagert, was die Küchen und so weiter anbelangt.‘

Na dann.

Nachdem wir unsere vergnügte, obligatorische Runde erneut gedreht haben (auf die komme ich später noch, auf die Marathonrunden in den einzelnen Häusern) landen wir schlussendlich wieder einmal beim Empfang des Hauses.

Die Dame hinter und mit der Theke empfängt sicher gerade Signale aus den entfernteren Bereichen des sichtbaren Kosmos. Eventuelle Hintergrund- oder Mikrowellenstrahlung. Braun gebrannt ist sie ja schon. Der Empfang scheint etwas gestört, sie schaut auch ein wenig irritiert – verdrückt dabei aber das 4. Stück Kuchen, der eigentlich für die massenweise auftretenden Interessenten an diesem Sonntag der offenen Verkaufsfläche gedacht war. Der Kuchenteller leert sich zusehends, der Kopf füllt sich hingegen langsam mit den empfangenen Signalen aus dem Über-Ich – und nach einer längeren Metamorphose dreht sich der Formwandler tatsächlich zu uns um und fragt:

‚ Möchten Sie vielleicht etwas trinken?‘

Auf die Frage, ob man einen Termin machen sollte oder warten oder doch vielleicht später nochmal kommen sollte (am Sonntag von 13-18 Uhr geöffnet immerhin!) antwortet Sie zunächst nicht, sondern empfängt scheinbar wieder.

Zwischendurch empfängt ihr Magen noch ein wenig von der bereits erwähnten gebackenen Süßspeise und der Mundschenk steht schon wieder mit seinen wahnwitzigen Augen neben mir, ich erschrecke mich kurz und heftig zuckend, mich fröstelt, als er mich leicht berührt und mir in das rechte Ohr haucht:

‚Möchten Sie etwas trinken?‘

Ich überlege gerade, ob ich ihm beim nächsten Mal nicht direkt das DU anbieten soll – macht es dann ja auch irgendwie persönlicher und er kommt sich dann in seiner Rolle sicher nicht so herabgesetzt vor – da bricht plötzlich der Empfang der Empfangsdame wieder ab und sie reagiert auf die Frage von vor 10 Minuten.

‚Hmmm. Vielleicht warten Sie und trinken in der Zwischenzeit etwas?‘

Sie schaut angestrengt in Ihre Liste, die entfernt dem New Yorker Telefonbuch ähnelt, blättert, empfängt kurz, blättert, beißt noch einmal genussvoll in den Schokoladenkuchen…und versinkt wieder in Lethargie. Empfang ist schon anstrengend.

Nach einer weiteren Runde und einer vergangenen halben Stunde, mittlerweile mache ich mich schon über die Namen der gestorbenen Bäume, die zu Furnier verarbeitet wurden, lustig, sind wir wieder am Empfang – der diesmal allerdings nicht besetzt ist.

Der Mundschenk steht wieder neben mir, unentschlossen zwar, aber mit einem vollen Tablett Wassergläser in verschiedenen Variationen und sieht mich dabei sehr hoffnungsvoll an.

Hmmm. Vielleicht sollten wir doch etwas trinken? Sonst verdursten wir noch…sind ja hier in Gelsenkirchen, Gelsenwasser ist ja auch nicht mehr das, was es mal war, seit dem Verkauf an die amerikanische Investorengruppe…ich möchte gerade zugreifen, als plötzlich vom Formwandler ( der nun schon wieder 1 KG Schokoladenkuchen zugelegt hat) am Empfang endlich eine neue Antwort kommt.

‚Dann kommen Sie am besten später noch einmal vorbei…so gegen halb 7?‘

Ich bin etwas verstört. Der Laden hat doch nur bis 6 auf? Egal, wird sicherlich seinen eigenen, weiterführenden Sinn haben.

Wir unterbrechen an dieser Stelle kurz – ich empfange gerade Nachrichten von Alpha Centauri. Die haben dort gestern Abend den Willy gehabt (ähnlich unserem Oscar) und ein Achttentakeliger Grottenolm hat dort mächtig abgeräumt. 12 Willys. Mega-Kracher. Wenn es nicht so kurzfristig wäre, würde ich den Film gern in 14 Lichtjahren sehen…mal schauen was geht. Meine Kumpels signalisieren mir, dass das hier keinen Sinn macht und ich eh irgendwann abberufen werde…aber das ist eine andere Geschichte.

In meinen Augenwinkeln sehe ich gerade, wie ein LKW einer nahe gelegenen Getränkefirma mit neuen Wasserkästen auf das Firmengelände einbiegt und stupse meine Göttin an. ‚Wir müssen hier dringend weg!‘

Zurück also aus den Gedanken und der empfangenden Empfangsdame in die Realität der Küchenwelt eines Anbieters mit einem großen M am Anfang des Namens.

Hört übrigens mit e da auf. Obwohl die e nix da haben. Außer Wasser und Kuchen. Immerhin. Seit dem Mittelalter ist auf den Hinweis von Marie Antoinette wenigstens Kuchen aus dem Brot geworden…

Wir überlegen uns, kurzfristig umzudisponieren, die Sperrung der A40 getrost zu ignorieren und fahren das kurze Stück rüber über die Brücke. Auch Zur Brücke genannt…wenn du weißt was ich meine…

Dort ein völlig anderes Bild.

Mein Weltbild gerät ins Wanken. Schließlich habe ich in den letzten Wochen nur die oben erwähnten Beispiele erlebt. Gut, mit einigen Nuancen in die eine oder andere Richtung (Mal war es Kaffee statt Wasser, Mal Obst statt Kuchen – oder sogar Kaffee und Wasser aber keinen Kuchen und kein Obst, oder Obst und Wasser aber keinen Kuchen oder keinen Kaffee. Mir persönlich gefiel ja die Kombination aus Hühnerdöner und Pralinen auf Petersilien-Pesto und angeschmorten Kaisernudeln ganz gut…aber auch das war schnell erledigt als der ewig Fernseh- und allgemein Medien-geile Nelson Müller mir ein Wasser aus einem Glöööööckler-Glas anbot) – aber eigentlich immer das selbe Bild: Verkauf? Nope…

Auch die CHEFFE-Strategie hat nix genutzt:

Sagt also der ca. 22 Jahre alte Berater, er müsse wegen des Preises kurz seinen Chef dazu holen, ob der da noch was machen könnte. Schön und gut. Denkt man so, naja, vielleicht einen Tausender vom Preis runter, der wird ja wohl möglich sein.

Kommt nach zirka 15 Minuten Wartezeit – kein Wasser, kein Kuchen, kein Pesto, kein Kaffee…nix…aber ein schönes Programm zum Design von Küchen vor Augen, also gefühlten 2 Stunden – der angebliche Chef um die Ecke.

Der ist exakt 5 Stunden älter als der begleitende Berater, hat halt Glück gehabt, denn wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!

Und haut sofort mächtig auf die Kacke!

‚Jau, ich will die anderen Häuser heute noch übertreffen, wir melden ja jeden Tag die Umsätze an die Zentrale, mir fehlen noch 25 Tausend zur nächsten Trillion. Darum hab ich jetzt und hier ein Hammer-Angebot für Sie, hab mir ja die Küche gerade angesehen‘

Stopp. Wo? Steht die schon hier? Geil, nehm ich gleich mit, packen Sie mir die ein? Und noch ein Viddel Pfund vom Schwademagen und von der fetten groben auch noch 100 Gramm? Wann will der sich die angeschaut haben? Oder sind die Daten irgendwo zentral gelagert? NSA? Egal, lauschen wir weiter den Worten des Allmächtigen aus dem Haus mit dem höchsten christlichen Feiertag im Namen. Cheffe persönlich. Von allem. Zumindest nach seinem Auftreten.

‚…und würde ich sagen, wir gehen auf die Hälfte runter wenn Sie jetzt und sofort unterschreiben!‘

Ja sicher. Ja ne, is klar. 50 % bei Sofortkauf. Mega. Hyper. Super. Geil.

Bei mir klingeln alle Alarmglocken. Die beiden sollen doch nicht nur von Wasser und Brot leben, zumindest Kuchen sollte doch hin und wieder auch noch möglich sein…also wo wollen die noch was dran verdienen? Also is der Gewinn wie immer schon mit eingerechnet. Also ist wohl auch die ganze Berechnung für den Popo.

Verarsche hoch drei.

‚Nene, heute schon mal sowieso gar nicht. Da schlafen wir noch eine Nacht drüber.‘

‚Kein Problem, ich kann Ihnen ein Rücktrittsrecht bis Montag einräumen.‘

Hömma, Cheffe, schon mal was von 14 Tagen Rücktrittsrecht nach BGB gehört?

Hat er nicht. Ist ja auch von Alpha Centauri. Und sendet der Dame vom Anfang wohl ständig Nachrichten. So rein Mental. Und in Wirklichkeit ist der 580 Jahre alt – sieht eben nur jünger aus, weil sich deren Planet so langsam dreht…bei mir dreht sich auch so langsam alles – wir machen eine kurze Drehung und auf dem Absatz kehrt.

‚Wir melden uns!‘

Intermezzo: Traum wäre natürlich eine Küche in Blau-Weiss. Mit Torolyse. So automatische Verwandlung von Eckbällen, Elfmetern, Freistößen mit über 1200 km/h so dass der Torhüter gleich mit durchs Netz fliegt. Und einer automatische Abschaltfunktion bei drohender Niederlage, Stop and Go (Auswechslung, Trainerwechsel), Timerfunktion auch dabei (verspätete Kündigung) – variables Induktionsfeld (Direkteinspritzung von notwendigen Dopingmitteln kurz vor dem Spiel). Hat was. Wer will schon Schwatt-Gelb? Eher auf oder im Urinal…versteht sich!

Also wir melden uns.

Bei einem anderen Anbieter. Natürlich.

Der ist ganz korrekt, hat nur den kleinen Nachteil, nicht mehr ganz so motiviert zu sein, ist nur noch wenige Tage vor der Rente und Computer kennt er erst so seit 2 Jahren.

2-Finger-Adler-Such-System geht also mit uns den Aufbau der Küche durch. Dazu noch 25 Aktenordner.

Maße, Farben, Formen, Funktionen.

Die frisch gefällte gekorkte Eiche Virginia. Oder doch lieber Pesto Birke Casablanca. Oder vielleicht ein wenig mehr ins Alabama? Wie wär es denn mit Chicago? Birke, Eiche, Buche, Fichte – ne, Nelke ham wir nicht, aber wie wär es mit Kirsch? Alles heute Morgen aus dem eigenen Baumbestand in der Baumschule frisch gefällt und sofort verarbeitet. Da kann man dem Baum noch beim wachsen zusehen, wenn er denn dann furniert oder in Vollholz in der Küche als Unterlage für die fertig panierten Schnitzelchen sein weiteres Dasein fristet!

Mir wird wieder schwummerig, überlege gerade ob ich im Reisebüro bin und gleich buchen muss…und dann irgendwie die Schlussrechnung. Ohne zipp und zapp direkt mal 40 Prozent runter. Geht doch…oder wieder derselbe Trick? Na klar. Irgendwie landen wir dann bei dem Preis, den wir uns auch vorgestellt haben.

Also auf zum nächsten Haus. An der Brücke. Wie schon erwähnt. Kaffee, Wasser, Pesto-Blumenkohl aus dem Dampfgarer und dazu noch Pfannkuchen mit der Kitchen-Aid zubereitet – alles frisch aus der Musterküche. Prima. Natürlich (Holzauge sei wachsam!) mit dem Hintergedanken, diese Geräte auch noch direkt mitzunehmen…egal.

Gestärkt und gesättigt ans Werk.

Wobei, so kann man auch den Sonntag verbringen. So als Alternative zum Waldlauf. Sich schön eine Traumküche aufbauen lassen, dabei Canapees und Brote und Kuchen und was weiß ich noch alles verköstigen. Und dann später belustigt nach Hause. Kann man dann so lange machen, so lange man immer einen anderen Berater erwischt. Holla die Waldfee!

Nebenher bemerkt man Küchenabzüge die völlig sinn frei sind, weil sie aus der Position, in der sie verankert sind, überhaupt keine Luft ziehen können. Außer mit einer Turboprop aus Russland. Unter Volllast versteht sich. Ist dann auch nicht zu laut in der Küche…und die Kerosindämpfe werden ja sofort abgezogen. Gut, das Essen, das man zubereitet gleich mit – aber dafür gibt es ja Deckel…

Sieht aber gut aus. So nach dem Motto: Date, alles essbare vorher bestellt, geliefert und auf der Warmhalteplatte, dann schöne Show mit der Herzeige-Küche und alles unbemerkt in die Töpfe schmeißen.

Herrlich! ‚Du kannst soooooo toll kochen. Und hast eine sooooo tolle Bude!‘

Bettkarte gestempelt würde ich sagen!

Muss halt nur gut aussehen das ganze. Sagt ja auch so mancher Mann. Andere Geschichte…

Das reicht uns nicht. Wir verhandeln knallhart und bei mindestens 6 Häusern (Minimum!!!), holen uns sämtliche Angebote aus dem Bundesgebiet (auch aus Eckernförde!) ein und sichten dann erst mal grob.

Nach ungefähr 2 ½ Jahren dann der Zuschlag! 80% unter Preis – am unteren Limit. Wir haben Luft für alles andere was noch ansteht und haben unsere Traumküche. Gut gepokert würde ich sagen.

Ans Ende die Eindrücke der Menschen. Jogginganzüge die am Sonntag frei die Pocke durch die Gegend tragen. Miniröcke auf xxxxl-beinen. Gepimpt bis zum geht nicht mehr oder unter aller Sau. Dass andere Menschen am Sonntag so auf die Straße gehen verwundert mich nicht mehr – wie die aber aus dem Haus gefunden haben und dann auch noch den Weg zum Küchenhaus. RESPEKT!

Wartende Männer in der Teppichabteilung ganz in der Nähe des Flokati (der auch niemals aus der Mode kommt, oder?) – das Frauenklo ist in der Nähe. Genervt und ermüdet sehen sie aus. Immer nur Wasser ist auf Dauer halt nichts für die Zucht-Haltung des europäischen Hausmannes.

Fragt sich nur unsereiner die ganze Zeit…Wangen? Gab es die nicht nur beim Menschen?

Auf jeden Fall kriegt man so den Sonntag wenn schon nicht stressfrei, dann doch satt und mit genug Flüssigkeit herum…

WEISSE BESCHEID, ne?

 

 

 

 

 

 

 

 

Krebserregend

Lieber Tagesbuch,

habe ich ja im Laufe der Woche erfahren, ist nun auch die Wurst. Ob gepökelt oder geräuchert – alles äußerst schädlich für den Organismus.

Ach.

Nach Rind und Schwein, Fisch, Obst und Gemüse – eigentlich allem, was wir so zu uns nehmen, doch ein wahres Wunder?!? Wer hätte das nur gedacht? Dass auch die Erzeugnisse aus der Massenkultur selber nicht ganz so gesund sind? Also wirklich!

Neben der Tatsache, dass das Leben selber meist mit dem Tod endet und in einer ziemlich unwirtlichen Gegend des Kosmos stattfindet, der nun selber ja auch nicht gerade lebensbejahend daher kommt in seiner gesamten Größe und Weite – neben diesem klitzekleinen Detail ist ja eigentlich alles, was uns umgibt nicht gerade gesund.

Feinstaub. Mikropartikel. Meteoriten. Vulkane und deren Ausbrüche oder Eruptionen, die alles andere als erregend sind. Zumindest schon mal nicht SO und auch nicht was den Krebs betrifft. Oder auch Bomben, Raketen, Sprenggürtel – welcher Wahnsinn einen auch treiben mag…alles mehr als tödlich. Manches davon auch noch irrational – wenn man den Umstand weglässt, dass jeder Mord absolut unpassend und irgendwie auch nicht mit dem Mensch sein vereinbar ist. Anderes Thema.

Also atmen einstellen und nichts mehr in den Schlund stecken. Ist auch tödlich, habe ich mir irgendwann mal sagen lassen.

Was tun?

Ohren abschalten und einfach durch? Sowie das mit den Augen ja auch schon ganz gut geht – vor dem ganzen Elend der Welt?

Gewissen aus und Gedanken auf das Salamibrot konzentriert, welches neben dem frisch gepressten, aus Südamerika stammenden Fruchtsaft doch gleich ökologisch gar nicht so schlecht daherkommt? Dabei die Bilder der weltweit verhungernden oder verdurstenden Menschen ausblenden und an die tollen Werbebotschaften denken! Doktor Valensina  denkt an mich, wenn er im Garten das Obst selbst pflückt und danach presst und abfüllt! Die Sonne auch, die steckt ja drin! Und eben das Rindviech…vor oder in der Wurst?

Bequemer ist es ja.

So nicht drüber nachzudenken.

Einfach alles weiter konsumieren und nicht über die Folgen nachdenken. Machen ja 100 Prozent der Menschen. Ja, da bin ich in einer Grundsatzdiskussion, ich weiß. Heikles Terrain. Aber schön vom warmen Sofa aus mit den Biolatschen und der Biogesinnung und der Biosozialität über die Welt urteilen. Man selber ist astrein.

Dass man diesen Standpunkt aber erst durch jahrhundertelange Ausbeutung erreicht hat, das wird einem wohl klar und äußert sich ja in diesen Tagen auch vehement in den Reaktionen der Menschen.

Verstehe mich bitte nicht falsch. Du weißt, dass ich alle Menschen liebe. Das Leben, den Planeten…vielleicht sogar einen Gott, Schöpfer, eine Energie…irgendwie so etwas.

Aber was nutzt es, wenn ich die URSACHEN nicht bekämpfe? Dann wird die Salami schnell ungesund. Jo. Richtig erkannt. Krebserregend. Sozusagen. Schon 40 Gramm.

Im durchschnittlichen Hirn des Homo ‘was auch immer’ sollen ja mehr Gramm drin sein. Oder eben im Kopf. Ehrlich?  Ist DIES die Realität? Machen wir uns da nicht in bester Werbemanier absolut etwas vor? Korrigieren unsere Klima-ziele und alles ist in Ordnung?

Da frage ich mich, in welcher Welt lebst du?

Gut, jeder baut sich seine Realität so, wie er sie sich wünscht. Zumindest mal im Kopf.

Reicht von totalem Realitätsverlust und wildem herumreisen in der Weltgeschichte ohne jeglichen Sinn und Zweck hin bis zu totaler Verweigerungshaltung und dem Leben von Lichtenergie. Hat noch keiner bewiesen, dass die wirklich von Licht leben. Aber ob die anderen mehr Intelligenz haben eben auch nicht.

Aber die Sonne ist zumindest Fakt. Und dass sie sich um uns dreht. Denn warum sonst denkt der Mensch weiterhin, dass nächste Woche mit DHL der Austauschplanet geliefert wird? Krone der Schöpfung? Jo. Wertschöpfung.

Für mich sind es eben weiterhin nur Affen, die entdeckt haben, was es heißt, den Baum zu verlassen…

Nein, ich bin Optimist. Ich pflanze Obstbäume und kümmere mich um Mensch und Tier, ich achte auf meinen ökologischen Fußabdruck und habe ein Gewissen.  Aber unterscheide ich mich in irgendeiner Weise von den anderen Affen auf diesem irrwitzigen Planeten der eine 24-Stunden-Live-Comedy bietet? Nein. Leider nicht.

Sollte man also nur aufpassen, dass man den Krebs nicht erregt. Letztendlich ändert es nichts am Endzustand. Und diese Zeilen auch nichts. Und?

Eben, ich errege weiterhin…

WEISSE BESCHEID!