Der geschenkte Tag

Lieber Tagesbuch, 

ist ja heute, der letzte schöne Tag des wundervollen Monats Februar.

Der Tag, auf den sich viele Menschen eben nur alle 4 Jahre freuen können – weil erst dann eine richtige Geburtstagsfeier möglich ist. Nicht so zwischen den Tagen, von heute auf morgen, wo sich keines der Geburtstagskinder richtig wohlfühlt, weil eben entweder der 28. Februar ist und man ,vorfeiert‘ – oder eben der erste März und man dann halt ‚nachfeiert‘! Also feiert man rein in einen nicht existierenden Tag. Deprimierend oder? Wenn in den kurzen Zeitraum zwischen 23.59 Uhr und 0.00 Uhr der gesamte Tag reingequetscht wird? 24 Stunden in 0 Sekunden? Das ist keine Geschwindigkeitsangabe eines flotten Gefährts. Eher der Ausdruck von Stress…

Hat man wohl gerade noch Zeit, kurz seinen Glückwunsch zu überbringen. Wenn es nicht so viele sind, die einen da beglückwünschen wollen. Also im eigenen hohen Alter wohl eher wahrscheinlicher, dass sich dazu genug Zeit findet – weil eben weniger Gratulanten vorbeikommen. Und dann aber fix. Hand geschüttelt, Geschenk überreicht und schnell noch ein ‚tzlichenglckwnsch‘ gezischt. Schon ist der Nächste dran.

Ist eben quasi so, als wenn man alle 4 Jahre ein Kreuz irgendwo auf einen verflixt langen Zettel machen würde und sich dennoch irgendwie gefühlt oder real nichts ändert. Eine verschenkte Stimme. Oder besser: man kann sie sich auch schenken. Wenn man an so etwas Spaß hat. Oder an Stimmen interessiert ist. So eine Wahl ist dann ja  auch ganz schnell erledigt. Und im Alter ist auch dies viel einfacher. Hab ich immer schon gewählt. Wie, die gibt’s gar nicht mehr? Mist. Dann wähl ich eben was, was so ähnlich klingt. Oder wo ein D für Deutschland drinsteht. Oder so ähnlich halt.

Oder gehe erst gar nicht mehr hin. Schaue mir das nur noch an. Das ist jetzt aber auch deprimierend, sagst du? Dann muss man halt selber aktiv werden. So richtig mit Ortsverein und allem was dazu gehört. Pi Pa Po halt. Pingelig die Parasiten und den Popanz bekämpfen. Die Klaviatur der Politik mitspielen. Mit viel Bier und Wein und örtlichen Problemen. Da werde ich auch noch mal drüber berichten, den Politiker in seinem Wesen beschreiben…erinnere mich bei Zeiten mal daran.

Über dieses aktive Stadium bin ich jedoch schon Jahre hinaus. Ich habe mich selber pensioniert und zurückgezogen, sitze auf dem Sofa  und meckere nur noch. Ist auch einfacher. Muss man nicht so viel selber machen. Keine Plakate mehr schleppen oder bei Wind und Wetter an irgendwelchen Gleisen angekettet herumliegen. Um dann festzustellen, dass der Zug eine ganz andere Route nimmt an diesem Tag.  Oder im ganzen Leben. Schön bequem. Vom Schreibtisch, Sofa, Sessel oder auch aus dem Bett heraus durch die Republik zu zappen und dabei immer einen Kommentar auf den Lippen. Nein, das hat auf keinen Fall etwas mit der Berichterstattung zu tun. Eher schon mit den Sendern. Gibt halt IMMER was zu meckern. Und was zu verbessern. Für mich gibt es nichts tödlicheres als den Stillstand. Es muss halt immer was gehen. Und meist ist es ja auch so.

Und wenn es nur die Kritik an der schreibenden oder moderierenden Zunft ist. Die sich neuerdings bei der Berichterstattung mit dem kommentieren nicht sonderlich zurück hält. Da wird alles sehr schnell in das richtige Licht gerückt. Da ist man dann ganz fix im Schubladendenken und der politischen Korrektheit. Was nicht darf, das darf eben nicht. Ohne mich da jetzt irgendwie in aktuelle Themen einmischen zu wollen. Der Spaltpilz ist auch ohne mich aktiv. Ich HABE dazu einfach keine Meinung. Ich möchte mich einfach nicht von irgendeiner Seite blöd anpöbeln lassen. So weit sind wir nämlich in der demokratischen Debatte schon gekommen. Ich finde das zumindest befremdlich. Aber egal, kein böses Blut hier an dieser Stelle. Auch wenn es durchaus auch mal nachdenklicher sein darf in diesem Blog. Jeder wie er möchte, ich bin da wirklich ein ganzer Demokrat. Auch wenn man mir den direkten Zugriff entzogen hat. Eben mit den Kreuzchen – alle vier Jahre. Da muss ich dann auch weder lesen noch schreiben können. Eine der beiden ersten und man liegt zur Hälfte in der Hälfte. Mir geht es dabei einfach nur gegen den Strich, wenn man aktuelles Geschehen in der Presse dann auch gleich mit bewertet. Die Wertung selber kann man getrost bitte mal mir überlassen. Da bin ich durchaus alt genug dafür. Aber irgendwie scheint dies heute nicht mehr möglich zu sein. Schade. Den meisten scheint man nicht mehr zu trauen. Woher kommt es nur? Dieses Unvertrauen aller Beteiligten?

Die Hoffnung stirbt eben zuletzt, oh mein Gott. Auch wenn dieser Vortänzer einer globalen Erinnerungsbewegung mit Hang zum Jenseits  mir  persönlich gar nicht gehört. Und ich ja irgendwie auch nicht mehr dazu. Aber man wird ihn wohl doch noch verwenden dürfen, oder? Hat sich halt so eingebürgert wie das Tempo statt des Taschentuchs und dem UHU statt des Klebers. Jetzt nicht der aus dem Fernsehen. Der fürs Papier. Nicht für das gedruckte wohlgemerkt. Eher so für die noch unbeschriebenen Seiten.

Und da lobe ich es mir doch, alle vier Jahre einen Extra-Tag zu haben. Einen zur Besinnung und vor allem auch zur Rückschau. Oder wie gerade im letzten Absatz auch zur Manöverkritik. Um sich hinzusetzen und einfach mal aufzuschreiben. Oder zusammenzukleben und dabei ein um das andere Taschentuch zu füllen.

Wie waren die letzten 4 Jahre? Was kommt in den nächsten 4? Wie sieht es mit meiner wirtschaftlichen Entwicklung aus? Brauchen wir einen 4-Jahres-Plan oder setzen wir auf den Markt? Kommen wir ohne Kredite aus oder werden wir uns bei irgendjemandem etwas borgen, also anleihen? Oder drucken wir gleich etwas Geld im Keller? Inflation hin oder her, bei nahezu Nullinflation kann man doch drucken was die Platte hergibt. Nach mir die Sintflut. Und Geld raushauen für alles Mögliche. Zumal jeden Monat mehr Geld entdeckt wird. Zumindest im Bundesfinanzministerium. Wo haben die das all die Jahre nur versteckt gehabt?

Und da einem ja im Normalfall niemand etwas schenkt im Kapitalismus – da muss man schon genau hinsehen, sehr seltenes Pflänzchen – kann man sich beim Schöpfer bedanken, dass es nicht so genau hinkommt, mit den Umlaufzeiten von Sonne und Erde. Und dass man eben alle 4 Jahre so einen Tag einschieben muss. Ist doch eigentlich eine schöne Geste des Universums an das jeweilige Individuum, oder? Jeder kriegt einfach einen Tag geschenkt jedes vierte Jahr! Tolles Gimmick, dieses Universum hätte ich im Jenseits wohl auch gewählt!

Was kann man da nicht alles tun!

Gut, der Großteil von uns muss arbeiten gehen – also freut sich vorrangig der Arbeitgeber alle 4 Jahre über einen geschenkten Arbeitstag. Wenn er denn in die Arbeitswoche fällt. Oder doch nicht? Hmmm. Das kann ich nicht mal entscheiden. Dadurch, dass das Jahr einen Tag mehr hat, also 366 Tage, ist es vorrangig erst einmal ein Arbeitstag mehr. Man könnte natürlich auch den ersten Tag des Schaltjahres doppelt feiern. Sozusagen alle 4 Jahre einen nullten Tag im Januar einführen. Dann würden wir einen weiteren Tag frei haben. Ist doch auch viel schöner zwischen Silvester und Neujahr. Und sinnvoller, weil die Erklärung ja auch die ist, dass man alle 4 Jahre einen Tag einschieben muss. Warum nur willkürlich am Ende des Februars? Ich plädiere hiermit also für den Nullten Januar.

Und ich schenke mir die Kritik an diesem Tag. Also jetzt für heute mal. Freue mich über die ganzen Damen und Herren, die heute wieder 4 Jahre älter werden. Das ist doch effektiv. Gar nicht erst jedes Jahr feiern und sich überlegen, dass man wieder ein Jahr älter geworden ist. Ne, besser alle 4 Jahre, dann hat man auch nur alle 20 Jahre einen glatten Sprung bei der vorderen Zahl. Damit auch nur durchschnittlich 5 von diesen deprimierenden Wechseln im durchschnittlichen Leben. Wenn man eben 100 wird.

Schöne Vorstellung. Wobei ich selber mich über jedes Jahr freue. Immer wieder aufs Neue freue ich mich Ende Februar auf den Weg zur Arbeit, wenn ich merke, dass ich wieder in der Helligkeit hin und zurück fahre. Das gibt mir die Gewissheit, dass der Sommer unaufhaltbar auf dem Weg ist. Und die ersten Strahlen uns schon erreichen.

So gewiss kann sich der Februarist nicht sein. Zumal wenn dann tatsächlich einer den 29.Februar abschaffen würde. Dann wäre es zumindest noch zu Lebzeiten ganz vorbei mit dem Geburtstag feiern.

Keine schöne Vorstellung.

Aber nur deswegen alles so lassen wie es ist? Das ist doch kein Grund. Vor 10.000 Jahren gab es so etwas wie das Schaltjahr noch nicht. Ob es schon Kalender gab, ich wage es zu bezweifeln. Am Anfang war wohl erst mal die eigene Höhle wichtiger. Der Frau, dass die Höhle schön sauber, dem Mann eher, dass genug gegorene Substanz im Keller zu finden ist. So hat jeder seine Prioritäten. Bis sich dann mal einer aufgerafft hat und so etwas wie einen Kalender erfunden hat. Da war der Weg noch weit. Und in der Folge kamen dann so glorreiche Entdeckungen wie die Kalendersprüche oder –Fotos auf.

Spiralkalender. Abreißkalender. Mondkalender. Adventskalender. Gregorianische oder Anpflanz- bzw. Saatkalender.

Fragt man sich doch glatt nebenbei, ob der Schaltjahreskalender teurer ist als der normale. Schließlich ist ja auch eine Seite mehr zu drucken. Wo kommen wir denn da hin?

Wie man sieht – nichts Wesentliches heute. Kein besonderer Einfall an dem Tag, der einem einfach so in den Schoß fällt. Wo wir gerade beim fallen sind: fällt doch eh keinem auf. Wer hat schon Gefallen an den Gedanken eines ausgefallenen Denkers?

Ach, doch, sicher. Eines wäre da tatsächlich ja noch: die ganzen Frauen, die heute hochschwanger im Bett liegen und hoffen, dass der Nachwuchs lieber noch einen weiteren Tag wartet. Damit er nicht so ein doofer Schaltjahres-Geburtstags-Feierer wird. Die Damen und die damit verbundene Qual kann ich mir ganz gut bildlich vorstellen.

Darum drücke ich heute mal die Daumen. Einen ganzen Tag lang. Versprochen. Warum? Geschenkt!

Weisse Bescheid, ne?

2 Gedanken zu “Der geschenkte Tag

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